Amman'na teach'n'read
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immer noch Woche 1: Die Schwierigkeiten von A nach B zu kommen

Veröffentlicht: 09.11.2018

  Wie bereits erwähnt bin ich anfangs überwiegend in meiner Wohnung gewesen, was auch damit zusammengehängt hat, dass ich in Amman den Eindruck gewonnen habe, es wird einem schwer, wenn auch nicht unmöglich, gemacht, von A nach B zu kommen.

Fassen wir einmal die verschiedenen Möglichkeiten ins Auge. Ich äußere dann meinen persönlichen Eindruck, aus welchen Gründen diese nicht zu empfehlen sind:

I) Auto: Aufgrund der Hügel und der Entfernungen am nächstliegenden ist es, mit einem Auto zu fahren. Jedoch darf man, wenn ich richtig informiert bin, ohne jordanischen Pass nicht ohne Weiteres ein Auto fahren, sondern man muss sich einen Mietwagen nehmen (das wäre also die erste Hürde). Des Weiteren ist die Fahrweise der Jordanier für den Deutschen, der auch nachts, wenn keine Menschenseele in Sicht ist, an der roten Ampel hält, nennen wir es einmal gewöhnungsbedürftig. Das Wichtigste am Auto ist die Hupe, wobei auch der Blinker mehr genutzt wird, als ich das ursprünglich erwartet habe, und es gilt die Devise: Dort, wo ich hineinpasse, fahre ich. Was dazu führt, dass ich als Beifahrer häufig anderen Autofahrern näher komme, als ich das mag. Ich bevorzuge einen Mindestabstand von circa einem Meter zu mir fremden Menschen – im Auto auch gerne mehr.

In diesem Kontext eine interessante Anmerkung: Amman besteht aus Kreiseln. Angefangen im Stadtzentrum beim ersten Kreisel, werden diese in Richtung Westen durchnummeriert, bis hin zum achten Kreisel. Darüber hinaus gibt es den Paris Circle, den Abdoun Circle und viele weitere. Ich weiß nicht, ob diese eigentlich mehrspurig sind, sie werden auf jeden Fall mehrspurig befahren (wie eigentlich jede Straße) und können z. T. mit Unterführungen oder Brücken umfahren werden.

II) Bus: Es fahren Busse, ich habe auch schon welche gesehen, manche sogar mit Anzeige einer Linie. Man weiß wohl auch, wo diese entlang fahren – zumindest haben sich Privatleute auf einer Internetseite die Mühe gemacht, eine Übersicht über die vorhandenen Buslinien zu erstellen. Wann diese fahren, konnte mir bislang keiner darlegen, geschweige denn, wie viel sie kosten. Damit fallen sie für mich weg. Vielleicht habe ich irgendwann noch einen verrückten Tag und nehme den Bus.

III) Taxi: In Ermangelung anderer öffentlicher Verkehrsmittel (wie etwa U- oder S-Bahn) wird man also auf das Taxi zurückgreifen. In Deutschland teilt man dem Taxifahrer die gewünschte Adresse mit, wenn er sie nicht kennt, gibt er sie ggf. in sein Navigationsgerät ein. Zumindest ist das so meine bisherige Erfahrung. In Amman sollte man eine Sehenswürdigkeit, ein Konsulat, einen Kreisel oder irgendetwas anderes Bekanntes in der Nähe des gewünschten Zielortes kennen – und dann den Fahrer von dort aus lotsen. Des Weiteren darf man sich nicht darauf verlassen, dass es Gurte gibt. Außerdem muss man darauf achten, dass der Taxameter eingeschaltet ist (wobei ich damit in meinen bisherigen Fahrten nie ein Problem hatte). Außerdem sind mir schon Horrorstorys von abgezockten Touristen oder betrunkenen Fahrern erzählt worden.

IIIa) Uber: Am m. E. sichersten und besten ist Uber. Wobei mir bislang niemand mit Sicherheit sagen hat können, ob es legal ist. Ein Zeichen dafür, dass es in einer Grauzone liegt, ist, dass in normalen Taxis Frauen hinten sitzen (etwas, womit ich persönlich keine Probleme habe, weil ich es auch in Deutschland merkwürdig finde, mich neben den Taxifahrer zu setzen), man aber im Uber auch als Frau neben dem Fahrer Platz nimmt (dass es für Außenstehende nicht erkenntlich ist, dass da eigentlich gerade jemand chauffiert wird). Vorteil an diesem System: Dem Fahrer wird sowohl der Abholort wie der Zielort in der App angezeigt – trotzdem muss man die Fahrer manchmal lotsen, vor allem, wenn sie mit ihrem Handy telefonieren und währenddessen keinen Blick auf die Navigationsanzeige werfen können. Aber ich hatte schon Fahrer, denen zumindest das Tragen eines Sicherheitsgurtes wichtig war. Außerdem habe ich in der App meine Kreditkartendaten angegeben, sodass vor Beginn der Fahrt ein Festpreis festgelegt wird, man also nicht übers Ohr gehauen werden kann. Zudem werden zumeist sehr neue Autos genutzt (ich habe auch einmal gehört, dass das Fahrzeug nicht älter als ein paar Jahre sein darf), sodass ich sogar schon mehr als ein Mal in den Genuss gekommen bin, in einem Hybridfahrzeug mitzufahren.

IV) Fahrrad: Hahahahahaha. Ich glaube, ich habe hier noch niemanden auf einem Fahrrad gesehen. Das grenzt an Selbstmord.

V) Also kommen wir zur letzten Möglichkeit: auf Schusters Rappen. Ich habe selten eine so dermaßen fußgängerunfreundliche Stadt erlebt. Punkt 1: Auf den Gehwegen, so sie denn existieren, wachsen zum Teil Bäume. Nein, es ragt nicht irgendwie Gestrüpp von der Seite auf den Gehweg, mitten auf dem Gehweg sind Bäume und Sträucher gepflanzt (zumindest in den Wohngegenden). Ich habe die Vermutung, dass das Trottoir hier zum Grundstück gehört: Je gepflegter das Haus, umso opulenter die Gehwegbepflanzung. Punkt 2: Bordsteine mit bis zu 30 cm Höhe. Was wiederum nahelegt, dass der Gehweg Teil des jeweiligen Grundstücks ist; vor manchen Häusern gibt es Absenkungen; manch anderen Hausbesitzern ist es wohl einfach wichtig gewesen, dass das Trottoir auf der gleichen Höhe wie ihr Grundstück ist – dass die Straße einen halben Meter tiefer liegt, ist beim Bau ignoriert worden. Punkt 3: Nichtexistente Fußgängerüberwege bzw. diese werden ignoriert. Voller Stolz kann ich berichten, dass es mir schon mehrfach gelungen ist, vierspurige Straßen zu überqueren. Ich habe auch schon Fußgängerampeln entdeckt, aber noch keinen gesehen, der sich daran hält, wenn diese rot sind (Anmerkung der Autorin: Ich bin in Deutschland schon nachts bei Nieselregen von der Polizei angehalten worden, weil ich bei Rot über die Ampel gelaufen bin, und habe 5 Euro zahlen dürfen.).

Aber mir ist zugetragen worden, dass einen Autofahrer hier wohl horrende Strafen erwarten, wenn er einen Fußgänger anfährt, sodass man wohl nur einfach selbstbewusst genug über die Straße laufen muss. Da mir von einem Freund in der Heimat (liebe Grüße an Chris!) schon als wahrscheinlichste Todesursache das Überfahrenwerden von einem Auto attestiert wurde, habe ich also auch hier keine Probleme. Man wird angehupt, aber wie bereits erwähnt: Die Hupe ist des Autofahrers liebstes Gadget.

Fazit: Die Fortbewegung ist zumeist merkwürdig und an die Umgebung angepasst. Wenn man zu Fuß läuft, springt man mehr als man läuft (entweder hupenden Autos aus dem Weg oder Bordsteine hoch). Meist hat man zudem hat eine sehr paranoid wirkende und nicht gerade rückenschonende Laufweise, da man entweder auf ein Taxi wartet und man so lange in die Richtung, in die man muss, läuft, bis ein Taxi am hinter einem liegenden Horizont erscheint, oder häufig auf der Straße läuft und darauf achtet, nicht angefahren zu werden (zumindest bin ich zur Zeit noch so eingestellt). Im Auto oder Taxi bei jemandem mitzufahren, heißt mitunter um sein Leben zu fürchten (das ist auch bei der für mich besten Option „Uber“ nicht anders). Und Busse und Fahrräder meidet man. Zumindest ich für meine Person tue dies. Aber ich bin bislang immer dorthin gekommen, wohin ich wollte. Und überlebt habe ich es auch.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es sich dieser Eintrag ein bisschen wie ein Werbeartikel für Uber anhört, aber es ist innerhalb Ammans (!) die für mich persönlich (!) beste Möglichkeit, wobei ich auch vergleichsweise viele Strecken zu Fuß zurücklege.

Vielleicht ist es jemandem aufgefallen: Ich habe mit diesem Blogeintrag meinen Plan, Erlebtes mit Gelesenem zu verbinden, direkt über den Haufen geworfen. Ich lese zwar in dem aufgeführten Buch weiter, aber kann dies jetzt nicht wirklich sinnvoll mit dem Inhalt des Artikels verknüpfen.

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