AlleineWandernZumGardasee

von und mit Thomas Effert (C)
Alle Artikel

Tag 1 - der Morgen danach

Tag 1 - der Morgen danach

So, die Nacht ist vorbei und als ich im Bad vor dem Spiegel stand war klar, ich muss aus der Vergangenheit berichten.

Nur nebenbei erwähnt - es regnet NICHT!

Also, woher kam das Verlangen nach einem morgendlichen Post? Ich quäle mich aus dem Bett, leicht verspannte Schultern und schleiche ins Bad. Da stehe ich so vor dem Waschbecken und will mir stolz der gestrigen Leistung ins Gesicht schauen, da muss ich feststellen, der Spiegel hängt zu tief. Das Waschbecken ist gefühlt auf Kniehöhe, aber der Spiegel ist mir erst jetzt aufgefallen. Letzte Nacht merkte ich schon, dass das Bett etwas kurz ist,  aber das habe ich einfach so ganz regungslos hingenommen. Aber der Spiegel, der vom Hals bis zur Gürtellinie meine unvorteilhaft geformten Körperzonen zeigt zauberte mir ein breits Grinsen ins Gesicht. Habe ich gefühlt, aber nicht gesehen.

Jetzt frage ich mich, warum der Spiegel so tief hängt. Sind die hier so klein? Macht man das, um den Touristen ein Gefühl von "Größe" zu vermitteln? War der Zollstock bei der Montage defekt? Oder dachte der Handwerker wie man es kennt: ein Zentimeter ist kein Maß und es ist ja für andere? Dieser tiefe Spiegel könnte auch Landestradition sein, was auch die gebückten alten Menschen erklärt. Da denkt man immer "och gottche, das alte Frauchen hatte sicherlich ein schweres Leben weil sie so gebückt läuft", aber tatsächlich kommt es vom dusseligen Spiegel und dem tiefen Waschbecken. Aber es ist durchaus möglichen, dass das alte Frauchen trotzdem ein schweres Leben hatte.

Aber genug der Satire. Die Menschen aus den Sechzigern sind nett. Witzig auch, wie die Junge Familie des Hotels mit den kleinen Kindern durch den Frühstücksraumläuft, die Kinder brabbeln und kantschen, aber wisst ihr was? Das ist authentisch und ich glaube ich bin derzeit der einzige, der noch nie hier war. Man kennt sich, man kommt wieder - an den Ort der tiefen Spiegel.

Noch kurz ein Erlebnis von gestern Abend. Er lebt noch. Ich spürte deutlich, wie mein innerer Schweinehund an meiner Tür kratzte und um Einlass bat. Ich solle doch über die Strapatzen von heute nachdenken, morgen wird es noch mehr, "Thomas, tu Dir das nicht an!" hörte ich ihn sagen. 

"Hau ab!" hörte ich mich erwidern und er verschwand.

Heute gibt es keinen Kuchen, nur Brötchen, Wurst, Käse und Nutellaersatz.

Hier ist ja eine Stimmung. Sitze hier mit ca. 15 anderen Gästen und es geht schon hoch her. Die sind ja lustig. Die freuen sich bestimmt, dass es heute zurück in die Zukunft geht, sieht nämlich nach Abreisetag aus.

So, bis später. Für den Augenblick muss es reichen.



1

Kommentare

Noch keine Kommentare