Tag 13 - Québec - einfach zu warm für alles
Heute haben wir einfach mal lange geschlafen - schliesslich ist Sonntag. Und irgendwie waren die letzten Tage auch ganz schön voll. Mika wollte natürlich an seinen Trainingsplan...


Veröffentlicht: 15.07.2025
















Heute sind wir schon früh aufgestanden – schließlich wollten wir ja pünktlich bei den Walen sein. Treffpunkt war in Québec. Eigentlich hatte ich gar keine Lust auf drei Stunden Busfahrt, muss aber sagen: Es war wirklich schön. Wir fuhren immer am Sankt-Lorenz-Strom entlang, und die Landschaft hat sich merklich verändert. Es wurde hügeliger, bergiger – so, wie man sich Kanada eben vorstellt. Das hatte ich tatsächlich ein bisschen vermisst.
Leider konnte ich kaum Fotos machen, da wir im Bus saßen. Nur bei einem kurzen Zwischenstopp habe ich ein paar Bilder gemacht. Ich hoffe, dass wir morgen wieder durch eine ähnliche Gegend fahren – vielleicht mit mehr Gelegenheiten zum Anhalten.
Schon vor der Fahrt wussten wir: Nur wenige Teilnehmende aus unserem Bus fahren mit dem Schnellboot (wir!) – die anderen mit einem großen Boot, mit Kaffee und Sitzen. Wer will denn sowas? 😉
Gleich nach der Ankunft mussten wir eine Haftungserklärung unterschreiben. Der Veranstalter übernimmt keine Verantwortung für Sonnenbrand, Übelkeit, Rückenverletzungen, nasse Kleidung etc. – na gut. Dann also rein ins Abenteuer!
Wir wurden in orangefarbene Anzüge gesteckt – Hose und Jacke. Es erinnerte mich SO an die Matschhose aus dem Kindergarten. Mika und ich mussten wirklich lachen. Gerade als wir komplett angezogen dastanden, fing es an zu schütten – wie aus Eimern – und es gewitterte. Ich wurde kurz etwas unsicher, ob das wirklich eine gute Idee ist. Aber irgendwie dachten wir: Die werden schon wissen, was sie tun. Der Regenschauer dauerte zum Glück nur 20 Minuten, wir waren ja entsprechend gekleidet– und dann ging’s los.
Das Boot fuhr schnell, aber es war überhaupt nicht unangenehm – im Gegenteil: Es machte riesigen Spaß. Über dem Wasser lag ein feiner Nebel, der sich fast minütlich lichtete, bis schließlich die Sonne durchbrach. Auf dem Boot erzählte uns eine nette Frau viel über Wale.
Zum Beispiel (und das hat mich wirklich beeindruckt): Ein Buckelwalbaby nimmt in der ersten Zeit etwa vier Kilo pro Stunde !!!! zu. Das sind rund 90 Kilo pro Tag! Die Milch der Mutter hat 30–50 % Fettgehalt – und das erklärt, warum die Kleinen so schnell groß werden.
Im Sankt-Lorenz-Strom leben verschiedene Walarten – u. a. Weißwale (Belugas), Finnwale, Blauwale und Buckelwale. Wir fuhren mit dem Boot hin und her und sahen zunächst nur aus der Ferne ein paar Weißwale. Ich hatte fast ein bisschen Sorge, dass das alles gewesen sein könnte.
Aber auf dem Rückweg war es dann plötzlich so weit: Die Veranstalterin freute sich am allermeisten und schrie laut auf – ganz nah bei uns tauchte ein Buckelwal auf. Es gab eine klare Regel: Die Seite des Boots, auf der der Wal war, musste sitzen bleiben – die andere durfte sich zum Fotografieren hinstellen. Wir mussten sitzen bleiben. Das bedeutete: Der Wal war direkt auf unserer Seite!
Anfangs versuchten wir noch, Fotos und Videos zu machen. Aber irgendwann habe ich das Handy weggelegt – ich wollte den Moment sehen, nicht nur durchs Handy schauen.
Und genau das war der schönste Moment, da war der Wal ganz nah: Zuerst stieß er eine Wasserfontäne aus, dann tauchte er ein wenig auf und ab – und schließlich hob er ganz langsam seine Schwanzflosse. Es sah so kraftvoll und ruhig aus, so majestätisch. Einfach wunderschön.
Alle auf dem Boot waren glücklich. Auf dem Rückweg fuhren wir mit Vollgas zurück in den Hafen – alle waren zufrieden, ganz voran die Veranstalterin - aber wir auch.
Dann noch kurz was essen, wieder in den Bus – drei Stunden Rückfahrt bei herrlichem Wetter. Der Bus war nicht voll, man konnte sich ausbreiten, Robbie Williams im Ohr, ein kleines Schläfchen.
Jetzt sind wir wieder im Hotel, glücklich, ein bisschen müde – und jetzt ?
Wird noch gegrillt. Ja, wirklich.
Wir haben unseren kleinen Elektrogrill dabei – und inzwischen schon eine gewisse Routine entwickelt: Grillen im Bad. Ganz bisschen und ganz umsichtig. Natürlich nur, weil es dort keinen Rauchmelder gibt. Keine Sorge, wir passen wirklich gut auf. Und irgendwie ist es jedes Mal wieder lustig. Ein kleines Alltagsritual – mitten in Kanada.
Erkenntnis des Tages:
Wale gucken ohne Handy? Mutig. Grillen im Hotelbad? Mutiger.
