Hola Madrid
Wir reisen dem Sommer hinterher.

Veröffentlicht: 16.10.2026



















¡Buenos días! Gut ausgeruht geht es für uns am Morgen des zweiten Tages in Richtung Fußballstadion Bernabeu. Auf dem Weg entdecken wir etwas, was ich unbedingt zum Frühstück essen wollte: Tostada con tomate. (Aus Andalusien kannten wir das als Mollete, da gab es das jeden Morgen zum Frühstück 😍).
Es ist geröstetes Brot, das man mit Olivenöl beträufelt und dann kommt darauf pürierte Tomate und Salz. Leeeecker! Dazu gibt es im Café Blume ein Heißgetränk nach Wahl und einen frischen Saft für nur 7€. Super Deal. 🤝
Fun fact:
Der Rasen im Stadion ist beweglich und wird bei Nichtbenutzung quasi in einzelnen Abschnitten nach unten gefahren. Dann kann die Fläche oben anderweitig genutzt werden, zum Beispiel für Messen, Konzerte oder andere Veranstaltungen.
Wo wir schon mal im Stadtteil Charmartin sind, wollen wir hier, abseits der Touristenströme, auch unser Essenstrauma vom Vortag ausgleichen. Madrid macht hier optisch seinem Status als 3.5 Mio. Einwohner-starke Landeshauptstadt alle Ehre: Hohe, unpersönliche Gebäude, mehrspurige Straßen mit viel Verkehr und ungeduldig hupenden Fahrern, und viele Geschäftsleute, die zum Mittagessen gehen.
In unmittelbarer Nähe befindet sich die Metro Station Tetuan, von wo aus wir für eine Pause im Grünen zum Retiro Park fahren. Jetzt zeigt sich auch, wo die ganzen Bäume sind. Hier!
Mehr als 15.000 Stück, so schreibt es die Stadt selbst, auf 125 Hektar Fläche. Wir betreten den Park über die nordöstliche Ecke, wandern in die Mitte, wo ein großer Teich (Estanque Grande) zum Ruderboot fahren einlädt, und machen dann einen Bogen zur südöstlichen Ecke.
An einem Springbrunnen sitzen wir auf der Bank, beobachten die Vögel, und atmen in der grünen Lunge der Stadt tief durch. Gerne hätte ich den Kristallpalast gesehen, doch der ist zur Zeit wegen Umbauarbeiten hinter einem Gerüst verschwunden.
Eigentlich wollte ich ja nur auf dem Weg zur Metro ein Foto von der Fassade des Caixa Forums machen.
Fun fact:
Das Caixa Forum ist ein Kulturzentrum im "Kunstdreieck" (wegen der Nähe zu den Museen Prado und Reina Sofia), gestiftet von der Caixa Stiftung, die aus der ehemaligen spanischen Sparkasse hervorging.
Was die Fassade am Haupteingang so besonders macht, ist die Mischung aus Metall, Stein und 250 Pflanzenarten. Man kann richtig spüren, wie erfrischend die Luft hier ist.
Wie gesagt: eigentlich wollte ich nur ein Foto von dieser Fassade knipsen und dann weiterziehen. Doch Athul schlägt vor, dass wir reingehen und die Ausstellung ansehen. Unter dem Titel "Somos naturaleza - We are nature" kündigt ein Plakat an der Fassade eine audiovisuelle, immersive Ausstellung in Zusammenarbeit mit National Geographic an. Klingt gut - also los!
Ein Ticket kostet 6€ und es lohnt sich auf jeden Fall. In drei Räumen gibt es Videoprojektionen, in denen man selbst sitzt und um sich herum (inkl. Boden) in das Gezeigte eintauchen kann. Dazwischen gibt es auf den Gängen Infomaterial rund um Biodiversität und Artenschutz.
Der erste Raum zeigt, wie vielfältig und beeindruckend unser Planet ist. Landschaften, Tiere, riesig groß an die Wände geworfen. Der zweite Raum soll die Verbundenheit von Mensch und Natur darstellen, aber es sind nur so abstrakte Muster, das lässt viel Raum zur Interpretation - zu viel für meinen Geschmack. Im letzten Raum wird beides miteinander verbunden, und eine Inuit-Poetin spricht dazu. Der Film endet damit, dass gesagt wird, welche Wirkung Naturschutz entfalten kann, indem verschiedene konkrete Projekte benannt werden und was diese bereits bewirkt haben.
Ich finde das emotional, und auch angesichts der ganzen negativen Nachrichten jeden Tag so hoffnungsvoll. Wir sind beide sehr bewegt und froh, diese spontane Entscheidung getroffen zu haben.
Es wäre ja kein richtiger Blog, wenn ich jetzt ohne Beschreibung des Abendessens enden würde. Vor allem, da wir zwei (für Athul drei) neue Sachen probiert haben!
Unweit des Caixa Forums entdecken wir nämlich eine Straße mit lauter kleinen Bars und Restaurants - überhaupt nicht überfüllt und genau so muckelig und schön, wie ich mir Madrid vorgestellt hatte. Bei "Cañas y tapas" gibt es nicht nur unglaublich nettes Personal und eine mit Azulejos (blauen Fliesen) verkleidete Bar, sondern auch Salmorejo und Torreznos, zwei Dinge, die auf meiner Wunschliste stehen.
Fun fact:
Salmorejo kommt ursprünglich aus Córdoba und ist eine kalte Tomatensuppe, ähnlich wie Gazpacho, aber mit weniger Gemüse und stattdessen mehr Brotanteil, getoppt mit gekochtem Ei und Jamón. Erfrischend, knoblauchig, gut. Torrezno ist frittierte Schweineschwarte, manchmal auch mit Fleisch dran.
Und für Athul ist auch die gegrillte Artischocke eine neue, sehr positive Erfahrung. Alles zusammen inklusive zwei Bier für 30€ - der geneigte Mathematiker unter euch wird feststellen, dass wir an Tag zwei insgesamt mit ALLEN Mahlzeiten immer noch weniger bezahlt haben, als am ersten Tag in dieser überteuerten Tapasbar. Es ist einfach so krass wie viel es ausmacht, ob man direkt mitten im Geschehen is(s)t oder drei Straßen weiter läuft.
Damit endet der vorrangig kulinarische Bericht vorerst, doch da wir von Athuls spanischen Freunden quasi eine regelrechte to do Liste bekommen haben, was wir alles unbedingt probieren sollen, geht es morgen lustig (und hoffentlich lecker) weiter!
