Tag 2, Buenavista del Norte – Playa de las Arenas
Damit meine Wanderschuhe sich nicht langweilen habe ich mir eine leichte Tour entlang der Steilküste ausgesucht. Los geht’s im verträumten, malerischen Buenavista del Norte....


Veröffentlicht: 10.02.2025
Das Internet ist ja bekanntlich unerschöpflich, so auch bei nett beschriebenen Wanderwegen. Eine für mich geeignete Route auf Anfängerniveau beginnt am Ecomuseo El Tanque. Da kann ich ja im Anschluss noch ein bisschen Kultur mitnehmen und mir das Museo ansehen, win-win. Bei genauer Suche auf der Karte nach dem Anfangspunkt stelle ich fest das ich nicht von „zu Hause“ losgehen kann wie der Name vermuten lässt, sondern der Einstieg 8,5 km entfernt ist. Da ich ein Auto habe ist das jetzt keine große Hürde. Die Stelle an der es losgeht ist schnell gefunden, da stehen schon drei Autos und auch gestiefelt und gestockte Wandersleute machen sich gerade auf den Weg. Na dann: Wanderschuhe anziehen, Wasser und Proviant einpacken, Softshelljacke in den Rucksack – ich komme ins Grübeln ob ich hier gerade maßlos übertreibe für einen kleinen Spaziergang, – andrerseits bin ich lieber zu gut vorbereitet als zu schlecht. Die ersten paar hundert Meter sind als breiter Wanderweg ausgestaltet und schon bald bietet sich mir eine schöne Aussicht über das ganze unter mir liegende Tal. Nach knapp zwanzig Minuten ist allerdings von Rundwanderweg nichts mehr zu sehen und ich habe mehrere Möglichkeiten, alle nicht so richtig eindeutig, das liebe ich ja und das nicht mal ironisch gemeint. Abenteuer – ich komme. Jetzt sieht es ganz und gar nicht mehr nach Wanderweg aus, aber ab und zu begegnen mir immer wieder Spuren von Zivilisation. Mal ist es ein Mann mit Hund, dann wieder ein Wohnmobil in der Wildnis, außerdem hat mein Handy immer Empfang, ich kann also noch nicht völlig lost sein. Irgendwann, jetzt bin bestimmt schon eineinhalb Stunden unterwegs dann echte Zivilisation in Form einer abgelegenen Pension. Auf einen heißersehnten Café muss ich zwar eine halbe Stunde warten, weil die Öffnungszeiten streng eingehalten werden und sich dann noch eine spanische Großfamilie vordrängelt aber mich hetzt ja keiner. Der weitere Weg geht dann wieder so mehr Gefühl. Das müsste eigentlich stimmen, das könnte gehen, wahrscheinlich jetzt hier runter, vielleicht diesen Weg, Moment – ist das überhaupt ein Weg oder ein ausgewaschenes Bachbett voller Geröll. Wenn ich mich auch vorher manchmal gefragt habe ob es wirklich angemessen war die schweren, von Siggi geerbten, Wanderschuhe überhaupt mitzunehmen, spätestens jetzt bin sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Außerdem ist es schön den alten Wanderknaben im Geiste seines Fußschweißes noch mit dabei zu haben. Meine Familie würde mich dafür hassen aber ich bin ja glücklicherweise niemandem Rechenschaft schuldig. Na schau an, da bin doch wieder auf dem Weg mit dem alles begann. Eine schöne Tour mit herrlichen Natureindrücken.
Eine kurze Rast, dann habe ich auch noch Kraft für das Ecomuseo. Hier geht es grob gesagt um die historische Entwicklung der Landwirtschaft. Jeder erhält hier eine ausführliche Erklärung über den Sinn und Zweck, die Aufteilung der Freiflächen und Räume sowie einige Besonderheiten der geschichtlichen Entwicklung. Meine Vorstellung das hier permanent auf historische Art und Weise angebaut geerntet und verarbeitet wird muss ich leider aufgeben. Nur einmal im Jahr wird bei einem Fest auf dem Dreschplatz die althergebrachte Art und Weise Getreide zu dreschen vorgeführt. Eintritt möchte man hier nicht von mir. Die Räume sind liebevoll ausgestaltet, die Informationstafeln umfangreich und die Videos dazu lassen eigentlich keine Fragen offen.