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Jonna & Alex

Tag 57 - beklemmend

26.06.19

Wie schon gestern geplant, wollen wir heute das Foltergefängnis S-21 besuchen, welches nun ein Museum ist, was an die Verbrechen der Roten Khmer erinnert. Bevor wir uns, relativ früh, auf den Weg machen, stärken wir uns mit einem Mexikanischen Frühstück und einem Baguette mit Bacon und Salat. Der 30-minütige Marsch - wir waren erneut zu geizig ein TukTuk zu nehmen - zum Gefängnis erweist sich, wie viele Spaziergänge, die wir hier unternommen haben, als sehr lohnenswert, wenn es darum geht, ein bisschen authentische Stadtatmosphäre aufzusaugen. Vorbei geht es wieder an viel grün, einladenden Cafes und Straßenständen. 

Nach kürzerer Zeit, als vorher gedacht, erreichen wir unser Ziel, kaufen die Tickets und, wie vorher im Internet dringend empfohlen, einen Audioguide, der einen durch das Museum führt. Der Komplex ähnelt, zumindest auf den ersten Eindruck, nur sehr marginal einem Gefängnis im eigentlichen Sinne. Das liegt daran, wie wir während der ersten Stationen erfahren, dass es sich bei den Gebäuden um das ehemalige Gymnasium Phnom Penh's handelt, was, aufgrund von der Position in der Stadt und Beschaffenheit, zum Gefängnis umfunktioniert wurde. Schon direkt danach besichtigen wir die wohl bedrückendsten Räume der gesamten Anlage, nämlich diejenigen, in denen die Folterungen der Häftlinge stattgefunden hat. Zusätzlich haben die vietnamesischen Truppen, bei der Befreiung Kambodschas, in diesen Räumen die letzten Opfer des Gefängnisses vorgefunden (Vierzehn), für die die Retter leider zu Spät kamen. Für diese vierzehn Personen, wurden vor den ersten Gebäuden vierzehn Gedenksteine errichtet.


Neben den original Betten, Fesseln und Munitionskisten (zum Verrichten der Notdurft), sind in diesen Räumen auch Fotos von den Toten ausgestellt, die ein vietnamesischer Kriegsfotograf direkt bei Entdeckung des Gefängnisses geschossen hat - Sie zeigen die Opfer noch ans Bett gefesselt, blutüberströmt und tot (Übrigens weist der Audioguide auf sehr verstörende Räume, Bilder und Geschichten hin, die man, bei Wunsch, auch überspringen kann).

Wir begeben uns in den nächsten Abschnitt, in dem tausende Fotos von Häftlingen zu finden sind, welche bei der Einlieferung in das Gefängnis geschossen wurden. Besonders emotional sind die aufgearbeiteten Einzelschicksale, welche uns, teilweise von den sieben Überlenden (von 20.000) selbst, ins Ohr gesprochen werden. 

Nach einer kurzen Verschnauf- und Trinkpause gehen wir weiter in das nächste Gebäude welches sich fast ausnahmslos noch in dem Zustand befindet, wie es die Vietnamesen vorgefunden haben - die Gebäudefront, samt Balustraden, ist mit einem Stacheldrahtnetz abgedeckt, da einige Inhaftierte versucht haben, sich durch einen Sprung aus dem 3. Stock von der Folter zu erlösen. In den unteren Stockwerken findet man Einzelzellen, welche nur knapp 2m² klein sind. Ähnliche Zellen findet man auch im zweiten Stock, diesmal jedoch nicht gemauert, sondern aus Holz.




Wir betreten das letzte Gebäude, in dem man die verwendeten Folterinstrumente begutachten kann, welche einen Stark an mittelalterliche Methoden erinnern. Dazu sind Bilder ausgestellt, welcher einer der sieben Überlebenden gezeichnet hat und die die Foltermethoden und das Leben im Gefängnis zeigen. Im allerletzten Raum sieht man sich dann einem kleinen Schrein und mehren Glasvitrinen gegenüber, in denen die Gebeine und vor allem Schädel einiger Getöteter, ausgestellt wurden.

Wie erwartet, ziemlich mitgenommen verlassen wir das Gebäude, werfen noch einen Blick auf die großen Gedenksteine im grünen Innenhof und gehen Richtung Ausgang. Auf dem Weg, gehen wir an zwei älteren Herren vorbei, welche an einem kleinen Tisch sitzen, worauf Broschüren und Bücher ausgelegt sind. Es handelt sich um zwei Überlebende. Im Gegensatz zu vielen anderen Touristen, verzichten wir auf ein Foto mit den Herrschaften - haben den Sinn dahinter nicht wirklich nachvollziehen können.


Wir verlassen das Areal und gönnen zum Entspannen ein kühles am Straßenrand. Wir kaufen auf dem Rückweg einige frittierte Snacks ein, von denen wir, nach wie vor, nicht von allen wissen, was sie beinhalten.

An unserem Hotel angekommen, packen wir unsere Rucksäcke und machen uns dann gegen Abend wieder auf den Weg zur leckeren Garküche, wo man kambodschanische Nudeln und gebraten Reis bekommt. Wieder sind wir überzeugt und hauen uns, nach einem kleinen Verdauungsspaziergang, gut gesättigt aufs Ohr.


- Jonna & Alex




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