ueberall-und-nirgends
ueberall-und-nirgends
vakantio.de/ueberall-und-nirgends
Zuletzt in Spanien

Las Salinas und Agua Amarga

Veröffentlicht: 04.11.2026

Tour
Führung durch die Salinen
Tour · 1h

Kilometerstand: 163245

Wie gestern geplant, fuhren wir morgens zehn Minuten zurück zu den Salinen. In dem kleinen Laden redete die Mitarbeiterin gerade mit zwei englischsprachigen Besuchern. Es stellte sich heraus, dass das britisches Pärchen soeben eine Führung gebucht hatte, die nun beginnen sollte. Das war doch mal ein passgenauer Zufall. Wir schlossen uns umgehend an.

Die spanische Führerin schloss also den Laden und auch das Tor des Geländes, um uns eine Stunde lang die Salzgewinnung hier zu erklären.

Die Salinen waren keine Erfindung der Iberer, sondern bestanden hier schon seit der Zeit der Römer in nahezu unverändertem Aufbau. In den Becken in denen heute das Salz kristallisierte, passierte dieser Prozess schon vor über eintausend Jahren. Am Anfang des 20. Jahrhunderts blühte die Saline wirtschaftlich auf. Für die Arbeiter wurde eine eigene kleine Siedlung angelegt, mit Geschäften, Restaurants, einem Kino und später sogar mit einer eigenen Kirche.

Im Vergleich zur üblichen Bauart, hatte diese Anlage hier keine direkte Verbindung zum Meer, sondern das Meerwasser kam über einen sieben Kilometer langen Kanal herangeflossen. Der Prozess der Salzgewinnung aus Meerwasser begann mit der Reinigung. Im ersten, riesigen Becken kamen Fische, Meerestiere und Algen mit an, um diese zu entfernen, bedurfte es einiger tierischer Helfer. Vögel, insbesondere die Flamingos, die hier im wenige Zentimeter tiefen Wasser ihre Nahrung suchten, trugen erheblich zur Reinigung des Wassers bei. Der Salzgehalt lag hier nach wie vor bei etwa 30 g/L. Nach der Reinigung wurde das Wasser in Becken mit besonders starker Verdunstung geleitet, hier erhöhte sich der Salzgehalt durch Verdunstung des Meerwassers auf etwa 120 g/L. Um die perfekte Kristallisation zu erreichen folgte dann die Weiterleitung in Becken mit langsamer Verdunstung. War der Salzgehalt bei 300 g/L angelangt, konnte die Sole in die finalen Kristallisationsbecken weitergeleitet werden, wo sich - durch Sonne und Wind getrocknet- das konventionelle Salz in einer etwa zehn Zentimeter dicken Schicht absetzte. Diese Schicht wurde nun mit Maschinen aufgebrochen, das Salz mit Baggern auf LKW geladen und entweder direkt verschifft oder auf dem Gelände zu Bergen, sogenannten Garberas, aufgehäuft. Das ganze Prozedere vom Meerwasser bis zum fertigen Salz dauerte etwa ein Jahr, je nach Wetter und war somit gut vergleichbar mit vielen Landwirtschaften, wo von einer Ernte bis zur nächsten auch meist ein Jahr verging. Die Ernte des vergangenen Jahres lag noch komplett hier, stattlich 39‘000 Tonnen. Die rosarote Farbe der Salinen rührte übrigens von der Anwesenheit halophiler Bakterien her.

Obwohl die Qualität des Salzes hier für die Verwendung als Speisesalz absolut geeignet war, gab es keine passende Nachfrage dafür. Man verkaufte fast die gesamte Menge des konventionell gewonnenen Salzes als Streusalz in Gegenden in denen man im Winter Frost hatte, insbesondere in das nördliche Europa.

Wenn von Mai bis September hier Temperaturen bis über 40 Grad und passender Wind herrschten, konnte man auch etwas ganz besonderes ernten. In 160 sehr kleine Becken wurde dann Morgens etwas von der kristallisationsfähigen Sole eingeleitet und nach 24 Stunden bildete sich oben auf der Sole eine ganz dünne Schicht kleiner, runder Salzrosetten, die sich zu kleinen Salzblumen verbanden. Dieses Fleur de Sal wurde dann per Hand abgeschöpft und zum Verzehr bevorzugt.

Nach einer Stunde waren wir nun bestens informiert und kauften natürlich im werkseigenen Laden noch eine Portion Salz für unsere Camperküche, in der das Salz gerade zur Neige ging.

Bei der Verabschiedung unterhielten wir uns mit der Führerin über unser Ziel des heutigen Tages und sie meinte, dass das Dörfchen und die Gegend um Agua Amarga sehr schön und sehenswert seien. Wir fühlten uns bestätigt und fuhren los.

Nachdem wir uns auf dem Camperplatz für den heutigen Tag installiert hatten, wanderten wir noch auf den nahen Berg, wo wir die Ruinen einer Burg zu erkennen geglaubt hatten. Als wir nach einer knappen Stunde an den verfallenen Mauerresten angelangt waren, offenbarte sich jedoch, dass es hier nie eine Festungsanlage gegeben hatte. Die Ruinen stammten aus dem 19. Jahrhundert und gehörten zu einer ehemaligen Verladeanlage für Eisenerz. Hier wurde einstmals das Erz aus dem nahen Bergwerk in Lucainena per Dampflok und Lore zu einem eigens angelegten Kai transportiert, um dann auf Schiffe verladen zu werden. Außer den Ruinen der Gebäude war davon jedoch nichts mehr zu erkennen, keine Schiene, keine Schwelle nur eine Infotafel.

Als die Sonne unterging begaben wir uns auf den Rückweg, um noch bei Tageslicht wieder im Ort zu sein. Wir suchten ein Restaurant und fanden eines, das einzige geöffnete.

Auf dem Rückweg zu Gary liefen wir am Strand entlang und konnten in der Ferne auf dem Meer die Lichter der Fischerboote sehen.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter am Reisetag
Bewölkt · 14–22 °C
Begleitung
Zu zweit (2)
Wetterdaten © OpenWeather
AbenteuerlichKulturell
  • Führung durch die Salinen
  • Wanderung zu den Ruinen der ehemaligen Eisenerz-Verladeanlage
  • Abendspaziergang am Strand
NaturKulturGeschichteAbenteuer
ueberall-und-nirgendsWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Du reist in Gedanken mit?Schenk „ueberall-und-nirgends“ einen Reise-GutscheinFür ein Fotobuch dieser Reise, echte Postkarten von unterwegs oder ein Jahr Premium – mit einem Foto aus diesem Beitrag, per E-Mail am Wunschtag.Gutschein verschenken
Antworten

Spanien
Reiseberichte Spanien