
Veröffentlicht: 05.01.2025






























Na gut, ganz so einfach war die Entscheidung dann doch nicht. Wie komme ich da hin? Ist es da nicht gefährlich? Wird man da nicht ständig auf der Straße angesprochen ? Wird das Essen genießbar sein? Gibt’s vernünftige Toiletten? Alles wichtige Fragen, besonders wenn man nicht mehr der Jüngste ist, meint ihr nicht auch?
Mein “Heimatflughafen” ist Hamburg. Direktverbindungen nach Marrakech leider nicht vorhanden. Umsteigen in Köln-Bonn und dann mit Ryanair wäre möglich. Ryanair? Nee, das muss ich nicht unbedingt haben. Umstieg in Wien und dann mit Austrian Airlines, das klingt doch gut. Dann kam die Idee, aus der Reise eine Rundreise zu machen und überall ein paar Tage zu bleiben. Hamburg-Wien-Marrakesch-Lissabon-Hamburg, manchmal hab ich auch gute Ideen…
In diesem Bericht soll es aber nur um Marrakesch gehen. Geflogen bin ich also mit Austrian Airlines von Wien nach Marrakesch. Gebucht hatte ich Economy, dachte mir aber irgendwann, ich biete mal auf ein Upgrade in die Business. Niedrigst mögliches Gebot waren 110 Euro. Natürlich hab ich niemals damit gerechnet, dass das klappen könnte. Aber dann kam drei Wochen vor Abflug die Email von Austrian: “Ihr Gebot wurde angenommen.” Man muss auch mal Glück haben…
Tolles Land, tolle Stadt, klar...
Taxibetrüger, aufdringliche Menschen, nicht fotografieren ohne vorher zu fragen, Einheimische nicht nach dem Weg fragen, Vorsicht vor Motorrollern, richtig verhandeln, Französischkenntisse von Vorteil, oha...
Das hat mir dann schon ein bißchen Angst gemacht.
Und dann musste ich ja auch mal noch eine Unterkunft in Marrakesch finden und buchen. Also wieder schlaflose Nächte im Internet... Gewohnheitsmäßig suchte ich erstmal nach Hotels. Diese waren nahezu alle am Stadtrand gelegen, ziemlich teuer und hatten keine besonders guten Bewertungen. Bei der Suche tauchte immer wieder der Name "RIAD" als Übernachtungsmöglichkeit auf. Was ist das denn? Einen Klick später: "Riad bedeudet eigentlich "Garten" und bezeichnet in Marokko traditionelle Häuser mit Innenhof". Na ich weiß ja nicht...
Der große Vorteil der unzähligen Riads ist schon mal, dass sie meist immer direkt in der Medina, also der Altstadt Marrakeschs liegen und somit alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar sind. Das hört sich glaube ich nicht nur für einen "alten Mann" wie mich ziemlich gut an. ...Wahnsinn, wie viele Riads es gibt; viele schlechte und mittelmäßige Bewertungen, einige gute Bewertungen. Wie soll ich da das richtige finden? Ist das überhaupt wie im Hotel? Schwierig!
Klick,klick,klick... oh, dieses Riad sieht ja nicht schlecht aus. Tolle Fotos, tolle Beschreibung, ausgezeichnete Bewertungen, unter deutscher Leitung, am Rande der Medina gelegen, nicht billig, aber okay. Das ist es!!! Ich beschloss, das Abenteuer, in einem Riad zu übernachten, zu wagen, schaute nach Verfügbarkeiten für eine der sieben vorhandenen Suiten und buchte:
RIAD LA CLAIRE FONTAINE
Wenn das mal gut geht...
Soulaimane begrüßte mich ausgesprochen freundlich, erklärte mir alles was für den Aufenthalt wichtig war und zeigte mir meine Suite. Wow, unglaublich, einzigartig, orientalisch, das gibt es so in keinem Hotel, alles richtig gemacht!
Es gab ein größeres Fenster, was in Riads eher unüblich ist, mir aber wichtig war. Allein die Menschen in der vom Fenster aus sichtbaren winzigen Gasse zu beobachten, war ein Erlebnis der besonderen Art.
Der Service im Riad La Claire Fontaine war ebenso großartig, wie die Fürsorge und Liebenswürdigkeit der Angestellten. Jeder, aber auch jeder Wunsch wurde umgehend erfüllt.
Zwei kleine Beispiele:
Ich fragte nach alkoholfreiem Bier, was leider nicht vorhanden war. Wenig später stand Younes mit genau diesem in der Lobby, wo auch immer er es in kurzer Zeit besorgt hatte.
Wenn man auf Reisen ist, muss man auch mal waschen…
Zum Trocknen hängte ich meine Wäsche auf den Handtuchständer im Bad meines Zimmers. Als ich vom Ausflug nach Hause kam, war aber alle Wäsche spurlos verschwunden. Des Rätsels Lösung: Die Frauen von der Zimmerreinigung hatten die Wäsche liebenswerter Weise zum Trocknen auf die Dachterasse gebracht. Sehr nett, nicht wahr? Naja, ein bisschen peinlich war es mir dann schon, dass da jetzt meine Unterhosen auf der Dachterasse zu bewundern waren :) .
Noch viel Tolles ließe sich über das Riad berichten. Zum Beispiel, dass das Frühstück ein Erlebnis für Gaumen und Sinne war und auch hier jeder Wunsch erfüllt wurde.
Nicht zuletzt bleiben die netten Gespräche mit den Angestellten und den Besitzern Naima und Henning in tiefer Erinnerung.
Hier gibt es gleich noch ein paar wenige Fotos vom Riad, aber schaut euch am besten selbst die Homepage, oder noch besser das Riad leibhaftig an.
(Natürlich kann ich nur aufgrund meiner Erfahrungen antworten. Möglicherweise habe andere Reisende andere Erfahrungen gemacht.)
Nein, man muss keine Angst in Marrakesch haben.
Nein, die Händler in den Souks sind nicht aggressiv und versuchen nicht, einen zum Kauf ihrer Waren zu zwingen. Natürlich wird man angesprochen, aber nicht etwa an den Hemdsärmeln gezogen oder angefasst. Ein einfaches „la shukran“ (nein danke) reicht!
Ja, es ist nicht einfach, sich in der Medina zu orientieren. Am zweiten Tag habe ich aber ohne Google Maps den Weg nach Hause geschafft!
Ja, es gibt ordentliche Toiletten. Im Riad sowieso, ganz normale Sitztoilette wie in Europa üblich, Papier muss nicht im Extraeimer entsorgt werden. Bidet ist ebenfalls vorhanden. Unterwegs mögen die Toiletten mitunter nicht sehr sauber sein… Aber ist das an Orten, die von vielen Touristen frequentiert werden, bei uns großartig anders?
Ja, das Essen ist „anders“, aber sehr schmackhaft. Traut euch!
Ich möchte euch Danke sagen für euer Interesse an meinem Reiseblog! Mein Ziel war es nicht, alle Sehenswürdigkeiten zu beschreiben. Mir ging es eher darum, euch Tipps für die Reise und den Aufenthalt in Marrakesch zu geben und euch die Entscheidung für oder gegen eine Reise nach Marokko zu erleichtern.
Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wieso der alte Mann alleine reist.
Dazu hat mich Christiane, meine Frau, immerzu ermutig. Leider ist meine Frau aufgrund ihrer langjährigen Erkrankung an Multipler Sklerose nicht mehr so mobil. Lange Reisen sind für sie leider sehr schwierig bis unmöglich. Dennoch ermutigt sie mich immer wieder, dann doch wenigstens ein Mal im Jahr, meine Abenteuerreisen zu unternehmen. Dabei freut sie sich über meine Erzählungen und Fotos und ist so auf meinen Reisen live dabei.
Danke Christiane! Ich liebe dich!❤️
