Ü60-na und? Das Leben ist eine Reise!
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Marrakesch - nach Marokko wollte ich schon immer mal

Veröffentlicht: 05.01.2025

Warum Afrika? Warum Marrakesch? Ganz einfach: Weil es großartig ist!

Na gut, ganz so einfach war die Entscheidung dann doch nicht. Wie komme ich da hin? Ist es da nicht gefährlich? Wird man da nicht ständig auf der Straße angesprochen ? Wird das Essen genießbar sein? Gibt’s vernünftige Toiletten? Alles wichtige Fragen, besonders wenn man nicht mehr der Jüngste ist, meint ihr nicht auch?


Wie komme ich hin???

Mein “Heimatflughafen” ist Hamburg. Direktverbindungen nach Marrakech leider nicht vorhanden. Umsteigen in Köln-Bonn und dann mit Ryanair wäre möglich. Ryanair? Nee, das muss ich nicht unbedingt haben. Umstieg in Wien und dann mit Austrian Airlines, das klingt doch gut. Dann kam die Idee, aus der Reise eine Rundreise zu machen und überall ein paar Tage zu bleiben. Hamburg-Wien-Marrakesch-Lissabon-Hamburg, manchmal hab ich auch gute Ideen…

In diesem Bericht soll es aber nur um Marrakesch gehen. Geflogen bin ich also mit Austrian Airlines von Wien nach Marrakesch. Gebucht hatte ich Economy, dachte mir aber irgendwann, ich biete mal auf ein Upgrade in die Business. Niedrigst mögliches Gebot waren 110 Euro. Natürlich hab ich niemals damit gerechnet, dass das klappen könnte. Aber dann kam drei Wochen vor Abflug die Email von Austrian: “Ihr Gebot wurde angenommen.” Man muss auch mal Glück haben…

 

 

Check in ohne Anstehen, Fast-Track bei der Sicherheits- und Passkontrolle, entspanntes Warten auf das Boarding in der Lounge bei kostenlosen Speisen und Getränken, vorzüglicher Service an Bord des vierstündigen Fluges - das war jeden Cent der zusätzlich investierten 110 Euro wert.



Vor der Reise habe ich natürlich sehr, sehr ausführlich im Internet über Marokko und speziell Marrakesch recherchiert.

Tolles Land, tolle Stadt, klar...

Taxibetrüger, aufdringliche Menschen, nicht fotografieren ohne vorher zu fragen, Einheimische nicht nach dem Weg fragen, Vorsicht vor Motorrollern, richtig verhandeln, Französischkenntisse von Vorteil, oha...

Das hat mir dann schon ein bißchen Angst gemacht.


Wo übernachte ich???

Und dann musste ich ja auch mal noch eine Unterkunft in Marrakesch finden und buchen. Also wieder schlaflose Nächte im Internet... Gewohnheitsmäßig suchte ich erstmal nach Hotels. Diese waren nahezu alle am Stadtrand gelegen, ziemlich teuer und hatten keine besonders guten Bewertungen. Bei der Suche tauchte immer wieder der Name "RIAD" als Übernachtungsmöglichkeit auf. Was ist das denn? Einen Klick später: "Riad bedeudet eigentlich "Garten" und bezeichnet in Marokko traditionelle Häuser mit Innenhof". Na ich weiß ja nicht...

Der große Vorteil der unzähligen Riads ist schon mal, dass sie meist immer direkt in der Medina, also der Altstadt Marrakeschs liegen und somit alle Sehenswürdigkeiten fußläufig erreichbar sind. Das hört sich glaube ich nicht nur für einen "alten Mann" wie mich ziemlich gut an. ...Wahnsinn, wie viele Riads es gibt; viele schlechte und mittelmäßige Bewertungen, einige gute Bewertungen. Wie soll ich da das richtige finden? Ist das überhaupt wie im Hotel? Schwierig!

Klick,klick,klick... oh, dieses Riad sieht ja nicht schlecht aus. Tolle Fotos, tolle Beschreibung, ausgezeichnete Bewertungen, unter deutscher Leitung, am Rande der Medina gelegen, nicht billig, aber okay. Das ist es!!! Ich beschloss, das Abenteuer, in einem Riad zu übernachten, zu wagen, schaute nach Verfügbarkeiten für eine der sieben vorhandenen Suiten und buchte:

RIAD LA CLAIRE FONTAINE

riadclairefontaine.com

Wenn das mal gut geht...


Endlich da!!!


Landeanflug / Blick auf die Medina von Marrakech 
Der erste Blick auf Marrakesch. Wahnsinn. Da soll ich für die nächsten vier Tage wohnen? Wie soll ich mich hier jemals zurechtfinden?Verzweiflung, Angst, Freude, Neugier. Meine Gefühle gerieten völlig außer Kontrolle. 
Die Einreise gestaltete sich als relativ unproblematisch. Wartezeit bei der Passkontrolle ca. 30 Minuten. Da hatte ich schon ganz andere Erfahrungsberichte gelesen. Die Beamten ließen sich Zeit, schwatzten lieber untereinander und warfen ab und an einen finsteren Blick auf die wartenden Ankömmlinge. Wichtig: Man möchte genau wissen, wo ihr übernachten werdet. Es wäre also gut, einen Zettel oder ein Buchungsformular mit der genauen Anschrift eurer Unterkunft dabei zu haben. Am Gepäckband angekommen kam auch schon mein Koffer als erstes Gepäckstück (bevorzugte Gepäckausgabe dank Business ;) ). 
Auf zum Ausgang, dort sollte jetzt mein Fahrer warten, der mich zum Riad bringt. Den privaten Transfer hatte ich für einen angemessenen Betrag bei der Buchung des Riads gleich hinzu gebucht. Sehr empfehlenswert!! Verhandlungen mit irgendeinem Taxifahrer dürften eher schwierig sein und mit Sicherheit nicht zu euren Gunsten ausfallen. Zudem können Taxis euch nur am Rande der Medina absetzen und von da aus hieße es, zu Fuß auf die Suche nach der Unterkunft zu gehen. Und glaubt mir, das wäre die erste große Herausforderung, die man sich lieber ersparen sollte. Den Fahrer konnte ich nach einiger Zeit im Gewusel mit dem Namen meines Riads auf einem Schild in der Hand finden. Nach freundlicher Begrüßung brachte er mich zum Auto und sicher zum Ziel. Auch er musste außerhalb der Stadtmauer parken, brachte meinen Koffer und mich dann aber persönlich durch verschlungene Pfade zum Riad. Ich war sooo dankbar. Das hätte ich alleine niemals gleich gefunden!
…und da war ich, in nun - in „meinem“ Riad
Minztee und Gebäck zur Begrüßung 

Das Riad - ein Traum aus tausend und einer Nacht

Soulaimane begrüßte mich ausgesprochen freundlich, erklärte mir alles was für den Aufenthalt wichtig war und zeigte mir meine Suite. Wow, unglaublich, einzigartig, orientalisch, das gibt es so in keinem Hotel, alles richtig gemacht!

Es gab ein größeres Fenster, was in Riads eher unüblich ist, mir aber wichtig war. Allein die Menschen in der vom Fenster aus sichtbaren winzigen Gasse zu beobachten, war ein Erlebnis der besonderen Art. 

Der Service im Riad La Claire Fontaine war ebenso großartig, wie die Fürsorge und Liebenswürdigkeit der Angestellten. Jeder, aber auch jeder Wunsch wurde umgehend erfüllt. 

Zwei kleine Beispiele:

 Ich fragte nach alkoholfreiem Bier, was leider nicht vorhanden war. Wenig später stand Younes mit genau diesem in der Lobby, wo auch immer er es in kurzer Zeit besorgt hatte.

Younes mit dem alkoholfreien Bier

Wenn man auf Reisen ist, muss man auch mal waschen…

Zum Trocknen hängte ich meine Wäsche auf den Handtuchständer im Bad meines Zimmers. Als ich vom Ausflug nach Hause kam, war aber alle Wäsche spurlos verschwunden. Des Rätsels Lösung: Die Frauen von der Zimmerreinigung hatten die Wäsche liebenswerter Weise zum Trocknen auf die Dachterasse gebracht. Sehr nett, nicht wahr? Naja, ein bisschen peinlich war es mir dann schon, dass da jetzt meine Unterhosen auf der Dachterasse zu bewundern waren :) .


Noch viel Tolles ließe sich über das Riad berichten. Zum Beispiel, dass das Frühstück ein Erlebnis für Gaumen und Sinne war und auch hier jeder Wunsch erfüllt wurde.

Nicht zuletzt bleiben die netten Gespräche mit den Angestellten und den Besitzern Naima und Henning in tiefer Erinnerung.

Hier gibt es gleich noch ein paar wenige Fotos vom Riad, aber schaut euch am besten selbst die Homepage, oder noch besser das Riad leibhaftig an.


Dachterasse
Blick von der Dachterasse 
nächtlicher Blick aus dem Zimmerfenster

Die Medina von Marrakesch


Dass man nach dem Verlassen des Flughafengebäudes in eine andere Welt eintritt, die mit europäischen Verhältnissen so gar nichts zu tun hat, ist eine krasse Erfahrung. Die folgenden Fotos sollen einige Eindrücke zeigen. Was man wo besichtigen kann, erfahrt ihr auf tausend anderen Seiten im Netz, darauf möchte ich hier nicht speziell eingehen. Man muss es eh mit eigenen Augen sehen, hören, fühlen und spüren…
Mopeds sind allgegenwärtig 
Es gibt auch stille Ecken in der Medina.



Ich dachte das gibt’s nur im Film.
Appetit auf frisches Fleisch?
Wer keinen Minztee getrunken hat, war nicht in Marokko.
… versucht, die Gewürze zu riechen.

Abschied

Natürlich waren die vier Tage viel zu schnell um. Ein letztes Mal bei allen danke sagen. Noch ein Mal Younes in den Arm nehmen und drücken. Und ja, da musste der alte Mann, der von allen im Riad liebevoll „Mr. Hans“ genannt wurde, tatsächlich Tränen vergießen. Tränen der Dankbarkeit!
ICH WAR ALS GAST GEKOMMEN UND BIN ALS FREUND GEGANGEN

Weiter nach Lissabon

Wenn ihr nach Hause oder weiter in eine andere Gegend fliegt, dann seid unbedingt rechtzeitig am Flughafen. Rechtzeitig heißt, mindestens drei Stunden vor Abflug. Ich war fast vier Stunden vorher da. Die erste Sicherheitskontrolle erfolgt schon beim Betreten des Flughafengebäudes. Schon hier war die Schlange nicht unerheblich lang. Der Check in öffnete drei Stunden vor Abflug. Dann nochmal durch die zweite Sicherheitskontrolle, das ging relativ zügig. Und dann kommt die Halle mit der Passkontrolle… Endlose Schlange, schwüle, unangenehme Luft, heiß, stickig, schrecklich. 
Nach 1h 40min hatte ich den Schalter der Passkontrolle erreicht. Etliche Menschen waren der Erschöpfung nahe, andere völlig verzweifelt, weil es absehbar war, den Flieger zu verpassen.
Schade, dass der letzte Eindruck von Marrakesch so negativ war. 
Anstehen für die Passkontrolle 
auf nach Lissabon…

Was noch zu beantworten bleibt

(Natürlich kann ich nur aufgrund meiner Erfahrungen antworten. Möglicherweise habe andere Reisende andere Erfahrungen gemacht.)


Nein, man  muss keine Angst in Marrakesch haben.

Nein, die Händler in den Souks sind nicht aggressiv und versuchen nicht, einen zum Kauf ihrer Waren zu zwingen. Natürlich wird man angesprochen, aber nicht etwa an den Hemdsärmeln gezogen oder angefasst. Ein einfaches „la shukran“ (nein danke) reicht!

Ja, es ist nicht einfach, sich in der Medina zu orientieren. Am zweiten Tag habe ich aber ohne Google Maps den Weg nach Hause geschafft!

Ja, es gibt ordentliche Toiletten. Im Riad sowieso, ganz normale Sitztoilette wie in Europa üblich, Papier muss nicht im Extraeimer entsorgt werden. Bidet ist ebenfalls vorhanden. Unterwegs mögen die Toiletten mitunter nicht sehr sauber sein… Aber ist das an Orten, die von vielen Touristen frequentiert werden, bei uns großartig anders?

Ja, das Essen ist „anders“, aber sehr schmackhaft. Traut euch!

Tajine , das marokkanische Nationalgericht gibt es in tausenden Variationen.


 Ich möchte euch Danke sagen für euer Interesse an meinem Reiseblog! Mein Ziel war es nicht, alle Sehenswürdigkeiten zu beschreiben. Mir ging es eher darum, euch Tipps für die Reise und den Aufenthalt in Marrakesch zu geben und euch die Entscheidung für oder gegen eine Reise nach Marokko zu erleichtern.


Das größte Dankeschön geht an meine Frau


Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, wieso der alte Mann alleine reist.

Dazu hat mich Christiane, meine Frau, immerzu ermutig. Leider ist meine Frau aufgrund ihrer langjährigen Erkrankung an Multipler Sklerose nicht mehr so mobil. Lange Reisen sind für sie leider sehr schwierig bis unmöglich. Dennoch ermutigt sie mich immer wieder, dann doch wenigstens ein Mal im Jahr, meine Abenteuerreisen zu unternehmen. Dabei freut sie sich über meine Erzählungen und Fotos und ist so auf meinen Reisen live dabei.

Danke Christiane! Ich liebe dich!❤️ 













































































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