Travelotta
Mein schonungslos ehrliches, unzensiertes Reisetagebuch. Lesen auf eigene Gefahr.

Board Meeting mal anders ;)

Donnerstag, 18.03.2021

Das Kite Surfen am Samstag hat so Spaß gemacht, dass wir direkt nochmal einen Tag gebucht haben. Heute nach einem halben Tag Arbeit holen wir uns wieder ein Auto bei der Vermietung unseres Vertrauens am Hafen und düsen in den Süden zur Lagune. Der Wind ist gut, die Tide bleibt aber recht niedrig, sodass nur die halbe Lagune vollläuft und nutzbar ist. Es ist aber auch nicht viel los, macht also nichts. Eigentlich wollte Ben diesmal nur zusehen und Fotos von mir machen, dann ist aber spontan noch ein Platz frei geworden und der Surfschulen-Besitzer hat ihm einen sehr guten Preis angeboten. Ich bin kurz ein bisschen enttäuscht, aber das Schicksal hat mal wieder alles geregelt. Unsere Lehrer haben einen Wassersport-Fotografen für die heutige Session engagiert und ich komme sogar zu professionellen Fotos gegen ein kleines Entgelt! Ben ist mittlerweile so gut im gegen den Wind fahren, dass sein Kollege den Kite runterfährt und Ben ihn wieder hochbringt mit dem Brett. Bei mir klappt auch langsam das Höhe gewinnen und ich habe meine ersten paar Wendungen gemacht. Bin begeistert. So sehr, dass ich am Freitag gleich wieder in der Schule vor Ort eine weitere Unterrichtseinheit für Samstag buche.

Samstag, 20.03.2021

Während Ben am frühen Vormittag mit Angelo und der Surfschule zum Wellenreiten fährt, schlafe ich genüsslich aus und verbringe den halben Tag im Bett. Mein Frühstück und Mittagessen ist Müsli. Am Nachmittag schäle ich mich raus und laufe zur Kite Surf Schule, wo mich diesmal eine Session mit Giulia - unserer Lehrerin der ersten zwei Stunden am Strand - und Stefano erwartet. Stefano ist ein super Lehrer und zeigt mir nochmal ein paar Dinge in einer Live Demonstration, bevor ich aus dem Boot steige. Ich habe erstmal wieder mit den Wellen auf dem offenen Meer zu kämpfen und lasse mich ein paar mal Waschen, bis ich den Dreh rausbekomme. Dann fährt Stefano auf einmal mit eigenem Kite an mir vorbei und ruft “follow me!” Ich bin mir sicher, dass das ziemlich schnell schiefgeht, entweder weil der Wasserstart nicht klappt, oder ich nach kurzer Fahrt wieder reinfalle. Erstaunlicherweise wird das der bisher beste Ritt meines Lebens. Das Nachfahren und Nachahmen klappt erstaunlich gut, ich kann mich selbst vor ein paar Stürzen retten und wir fahren fast bis nach Corralejo. Kurz vor der Küste macht Stefano seine Wende und ich denke mir, ok, jetzt ist der Spaß aber vorbei. Aus magischen Gründen klappt aber auch meine Wende (die vierte meines Lebens oder so) und ich fahre Stefano wieder die ganze Fahrt zurück nach. Jetzt bin ich süchtig. Das hat sich so gut angefühlt! Es hilft ungemein, wenn man die richtige Richtung gezeigt bekommt, da mir die Orientierung im offenen Meer so meine Schwierigkeiten bereitet. Auf der Rückfahrt fällt die Entscheidung, noch so viel Unterricht hier zu nehmen wie möglich. Ich buche also gleich die nächsten Sessions, denn unsere Zeit hier läuft bald ab. Am Abend zuhause beim Kochen realisiere ich, dass der Kite Surf Unterricht bald einem Führerschein ähnelt in Kosten- und Zeitaufwand. Die Anschaffung von eigenem Equipment kann man auch mit dem ersten Fahranfänger-Auto vergleichen. Da muss man schon mal tief durchatmen. Andererseits, wofür soll ich sonst mein hart erarbeitetes Geld ausgeben, wenn nicht für Dinge, die so viel Spaß machen, an der frischen Luft sind, und meinen Körper (und bestimmt auch den Geist) trainieren? Das sind Erfahrungen, die mich nur bereichern können und die mir keiner mehr nehmen kann. Als ich nach Hause gekommen bin war Ben schon wieder unterwegs. Er hat sich mit dem Surflehrer und ein paar Boys zum Surfskate üben und Biertrinken auf einem Parkplatz verabredet.

Sonntag, 21.03.2021

Ausschlafen, Frühstück, Wäsche zusammenlegen und Geschirr abwaschen - schon einiges geschafft an diesem Sonntag Vormittag. Ben und ich gönnen uns zum späten Brunch Tapas in einer Bar an der Promenade, mit Blick auf das Meer, den Strand, den Hafen und die Insel Lobos. Nach einem gemütlichen Start in den Tag laufe ich mit der Erwartungshaltung von 110% Erfolg zum Kite Kurs, denn gestern lief ja super, also muss heute noch besser laufen. Tja, Pustekuchen. Der Wind und die Wellen sind heute eine richtige Bitch. Da der Nord-Ost-Wind immer ziemlich böig ist, bekomme ich sicherheitshalber den kleineren Kite (7qm), damit mich keine starke Böe in die Luft katapultiert. Die meiste Zeit ist dieser aber zu klein und ich muss viel arbeiten, um überhaupt vorwärts zu kommen. Dazu kommen 1,5 Meter hohe Wellen, die gelegentlich auch brechen hier draußen. Ich kämpfe also schon grundsätzlich mir dem Fahren, dabei lief es gestern doch so gut... Die meisten Wendungen klappen nicht, und Höhe gewinnen kann ich auch kaum. Man sagt ja, auch die Lernkurve ist eine Achterbahn - heute ist Talfahrt. Nach einer kurzen Pause auf dem Boot bekomme ich für die letzte Viertelstunde den größeren Kite (9qm) und habe noch ein bisschen Spaß. Auch ein paar Wendungen klappen, nachdem ich das mit den Wellen lange genug geübt habe. Filip sagt immer: "In der glatten, seichten Lagune fahren ist einfach, aber wer hier fahren kann, der kann überall fahren." Mein Trostpflaster für heute. Ziemlich kaputt laufe ich nach Hause, Ben macht einen riesigen Salat und meine Beine sind Gummi.

Kalenderwoche 12

Die Woche ist hauptsächlich von viel Arbeit geprägt. Am Wochenende packt uns nochmal kurz der Drang, erneut den Aufenthalt zu verlängern. Die Aussicht auf Deutschland ist gerade einfach nicht sehr rosig. Nach zwei Tagen Kopfzerbrechen entscheiden wir uns trotzdem für die Heimreise. Es fühlt sich einfach an, als wäre es Zeit. Und man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Und das ist es definitiv. Am kommenden Dienstag geht es wieder nach Hause, nach zweieinhalb wunderschönen Monaten. 

#kitesurf#workation#heimreise#sonneundpalmen
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