Tokio2019
Tina goes to Japan 🗼 

Stürmisch, wacklig und Regen, Regen, Regen…

12.10.2019 – Taifun Hagibis

Kaum aus Kyoto zurück, stand auch schon mein Plan fürs Wochenende: zuhause einlümmeln und Taifun Hagibis vorbei ziehen lassen… Der bewegte sich nämlich langsam, aber zerstörerisch auf Japan und insbesondere die Kanto Region, in der auch Tokyo liegt, zu. Die Nachrichten waren voll mit Warnungen, Updates und Analysen zu dem Super-Taifun, der mit Windgeschwindigkeiten von bis 260 km/h und sintflutartigen Regenfällen als der verheerendste Taifun seit 1958 eingestuft wurde. Schon Freitag Nachmittag fing es an, zum Teil heftig zu regnen – und der Regen sollte bis Samstag Nacht nicht aufhören, sondern eher stärker werden.

Freitag

Als ich mich Freitag Abend auf den Heimweg machte, erinnerte mich mein Kollege noch daran, ja nicht das Haus zu verlassen und auch genug Wasser und Essen zu bunkern, weil die Stromversorgung zusammenbrechen könnte und die Geschäfte nicht öffnen... etwas mulmig, schließlich hatte ich von dem letzten Taifun Faixal gar nicht sooo viel mitbekommen, ging ich also nochmal einkaufen, um mich für 3 Tage einzudecken. Im Supermarkt war dann auch die (gesittete) Hölle los: Schlangen bis an die Enden der halb leer geräumten Regalreihen.

Samstag

Samstag bin ich dann zum Regen wach geworden und hatte natürlich das Bedürfnis, unbedingt Bewegung und frische Luft zu wollen… ganz nach dem Motto immer das zu wollen, was man nicht haben kann. (als ob ich sonst was gegen mal einen Tag nichts tun hätte… achja, natürlich nur nicht, wenn ich eine ewig lange To-Do Liste habe 🤦‍♀️ ) Also stattdessen etwas Haushalt gemacht, denn schließlich will ich es ja wenigstens schön haben, wenn ich schon nicht raus kann. Dann noch das Fahrrad reingebracht und in den Eingangsbereich gestellt und die klapprigen Wäscheständer auf dem Balkon umgelegt. So viel zu meinen Super-Taifun-Vorbereitungen.

Naja, und den Rest des Tages hab ich tatsächlich mit Lesen und Serie gucken verbracht. Und natürlich andauernd die Nachrichten checken und verfolgen, wie Hagibis näher rückt. Und vielleicht mir ein kleines bisschen Sorgen machen🙈 Ab Mittag fuhren dann nämlich schon nicht mehr die mittlerweile zum Hintergrundgeräusch gewordenen Züge vorbei und auch die vorbeirauschenden Autos wurden immer weniger. Stattdessen nur das Trommeln des Regens und ab und an Wind, der an den Gehäusen der Klimaanlagen klappert. Als dann auch noch irgendwelche (für mich unverständlichen) japanischen Lautsprecherdurchsagen von der menschenleeren Straße zu hören waren, war die Katastrophen-Film Stimmung komplett und ich hab die Nachrichten Website noch öfter aktualisiert 😅 Auf einmal war ich auch ganz froh, nicht allein im Haus zu sein (nicht dass ich groß was von den anderen Mädels mitbekommen würde…) Meine eine Mitbewohnerin hab ich dann jedenfalls gebeten, mir Bescheid zu geben, wenn sie etwas für uns Relevantes (zB durch die Lautsprecherdurchsagen) mitbekommt. Denn in den Nachrichten war von Evakuierungen, Überflutungen und Niederschlägen von knapp 1000 mm in den letzten 24 Stunden in Hakone die Rede (fast doppelt so viel, wie es in Jena im JAHR regnet).

Der ‚schlimmste‘ Moment für mich war eigentlich gegen 18Uhr, etwa 2.5 Stunden bevor Hagibis Tokyo erreichen sollte. Mittlerweile gab es heftige Windböen, die an den Klimaanlagen wackelten, und der Regen klatschte an die Fensterscheiben. Ich saß gerade am Schreibtisch unter meinem Bett als auf einmal das Bett anfing zu wackeln, ähnlich wie wenn ein Zug vorbei fährt nur heftiger. Irgendwie ‚vibrierte‘ das ganze Haus und die Wasserflaschen schwankten gefährlich auf meinem Schrank. Draußen heulte der Wind. Das ging so 20, 30, 60 Sekunden? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ein äußerst beklemmendes Gefühl, wie ich da unter meinem wackelnden Bett saß und nur froh war, gerade nicht AUF dem Bett zu liegen und etwas zu lesen. Unheimlich. Vor allem, weil ich nicht wusste, wie lang das noch weiter geht und ob es vielleicht noch schlimmer wird? Eh ich mich versah, war das Wackeln auch schon vorbei und der Wind heulte nicht mehr ganz so schlimm. 'Ohjee, wackelt es jetzt nicht nur, wenn ein Zug vorbei fährt, sondern ist der Wind so stark, dass das ganze Haus wackelt? Wie schlimm soll das nur nachher noch werden, wenn die Sturmböen noch schlimmer werden?! Ahhhhh  😱😱😱 Aufs Bett geh ich jedenfalls nicht mehr, so lange das passieren kann, nicht dass das noch zusammen bricht...‘ 

Also hab ich den Rest des Abends (also bis die Karten im Internet mir gezeigt haben, dass Hagibis vorbei ist), auf meiner Yogamatte auf dem Boden verbracht. Mit Bettdecke und Kissen war das sogar ganz bequem 😅 So sehr gewackelt hat es dann auch gar nicht mehr, und im Vergleich dazu waren der anhaltende Regen und der heulende Wind gar nicht soooo schlimm. Gegen 21Uhr, als laut Internet das Zentrum über Tokyo hinweg war, wurde es dann auch ruhiger draußen: kein Regen mehr und auch der Wind ließ nach.

Sonntag

Sonntag Vormittag bin ich dann zu strahlend blauem Himmel und Sonnenschein aufgewacht, fast so als ob nichts gewesen wäre. Natürlich würden mir da Millionen andere Menschen, die mit Stromausfall, Überschwemmungen und zerstörten Häusern zu kämpfen hatten, widersprechen. Ich hatte wohl ziemlich Glück, dass ich nicht in der Nähe eines Flusses wohne und die ganze Zeit Strom hatte. 

Auf dem Handy dann auch einige Nachrichten, ob ich denn den Taifun und das Erdbeben (danke Fabi!) gut überstanden habe. ‚Huch, Erdbeben? Davon weiß ich ja gar nichts…‘ Kurzes Googeln ergab: gegen 18Uhr ein Erdbeben der Stärke 5.7 in der Chiba Präfektur (in der sich auch einer der 2 Flughäfen Tokyos befindet, also praktisch um die Ecke). Haha, damit wäre auch das Wackeln des Bettes und des Hauses geklärt 🤣

Merke: Erdbeben finde ich persönlich schlimmer als nen Taifun, weil die nicht schon lange im Vorfeld angekündigt werden und man ihr Näherrücken und ihre Intensität nicht online verfolgen kann. Und weil ALLES so komisch schwankt, dass einem mulmig wird.

...Sonntag Nachmittag hab ich dann jedenfalls noch einen Abstecher in den Park gemacht. Dort war bei dem Sommerwetter richtig was los und auch kaum Schäden zu sehen – heruntergewehte Äste und umgestürzte Baumstämme waren schon fein säuberlich zu Haufen am Wegesrand zusammen geräumt.

Also: Taifun und Erdbeben er- und überlebt. Naja, und mit meinem Kyoto Trip unter der Woche hatte ich wohl auch (unbewusst) die beste Entscheidung überhaupt getroffen 😊

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