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Transnistrien

Veröffentlicht: 04.08.2018

Am Sonntagmorgen (29.07.2018) füllt sich kurz nach sechs langsam aber sicher die Bahnhofshalle in Chişinău. Zeit das semibequeme Nachtlager zu verlassen und sich auf die Einreise in die Pridnestrowische Moldauische Republik vorzubereiten. Gegen halb sieben haben wir im Zug Platz genommen, der sich nach und nach füllt. Um acht steigen wir am Bahnhof Bender 2 aus, ohne von einem moldawischen Grenzbeamten behelligt worden zu sein. In der Bahnhofshalle warte ich ca. 45 min., bis ich mich als Tourist bei einem transnistrischen Beamten registrieren kann. Der Mann ist ein ganz gelassener Zeitgenosse in schicker Uniform, der sich sogar bemüht mittels englischer Sprache mit mir zu kommunizieren. Den Registrierschein kann ich weitestgehend wahrheitsgemäß ausfüllen, nur bei der Adresse für meinen Aufenthalt muss ich etwas kreativ sein. Ich gebe die Adresse eines Hostels in Tiraspol an, obwohl ich schon mit Camping an der Dnister liebäugele. Da der nächste Zug nach Odessa erst am Donnerstag fährt, ändert der Beamte nach Rücksprache meine geplante Aufenthaltsdauer bis zum 04. August, ich habe also reichlich Zeit den kleinen Streifen autonomen Landes im Osten der Republik Moldawien wieder zu verlassen. Dann werde ich freundlich verabschiedet und ich mache mich mit Rango auf den Weg in die Stadt. Gegen neun wechsele ich bei erster Gelegenheit ein paar moldawische Leu in transnistrische Rubel und pausiere für ein kleines Frühstück. Dann geht es weiter in Richtung Innenstadt, vorbei an Denkmälern von Puschkin und Lenin. Gegen Mittag bekommt Rango im Zentrum etwas zu fressen und wir suchen uns ein schattiges Plätzchen zum verweilen. Anschließend nehmen wir Kurs auf die Cetadea Tighina. Der Haupteingang zum Festungsgelände ist wegen Bauarbeiten geschlossen, also beschließe ich Rango und Gepäck am Ostufer des Dnister abzustellen. Ich finde schnell ein vor Sonne und zu vielen neugierigen Blicken geschütztes Plätzchen. Es ist wieder brutal warm und so nutze ich die folgenden 2 h zum baden und dösen. Kurz nach vier mache ich mich allein auf den Weg zur historischen Festung und anschließend nocheinmal zum Einkauf nach Bender-City. Zurück bei Rango warte ich bis sich der größte Publikumsverkehr am nahen Stadtstrand verzogen hat, baue unser Zelt auf und lasse den Tag am Ufer des Flusses ausklingen.

Der Montag lässt sich ganz gemütlich mit baden und etwas Frühsport an, während der Pegel des Dnisters ständig steigt. Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg ins nahe Tiraspol, kurz bevor uns das Wasser komplett umschließt. Die Sonne brennt und der Weg bietet kaum Schatten. In Parcani steige ich deswegen umgehend in den ersten Elektro-Oberleitungsbus, der zwischen Bender und Tiraspol verkehrt. Wie zeitgemäß auch alte Technik manchmal sein kann... Ich muss zwar 3 Tickets kaufen (Ich, Rango und Gepäck), für insgesamt 39 Cents kommen wir trotzdem ganz günstig in die knapp 10 km entfernte Hauptstadt. Wir laufen ein Stück Richtung Dnister, pausieren unterwegs für ein Käffchen und schlagen anschließend etwa 1 km südlich der Stadt unser Lager erneut an dem Fluss auf. Kurze Zeit später beginnt es zu regnen und wir ziehen uns ins Zelt zurück. Am Nachmittag unternehme ich einen ersten Ausflug in die Stadt. Den Abend lasse ich beim Dicken im Zelt ausklingen während draußen die Mücken summen.

Den Dienstagvormittag (31. Juli 2018) verbringe ich am schattigen Lagerplatz, die Sonne sorgt wieder für sehr hohe Temperaturen. Am frühen Nachmittag drehe ich mit Rango eine Runde in der Stadt und informiere mich über die Abfahrtszeit meines Zuges am Donnerstagmorgen. Unterwegs begegnen wir mehreren Straßenhunden die sich teilweise zusammenrotten und uns ankläffen. Noch etwas unangenehmer ist die Begegnung mit einem großen schwarzen Schäferhund der aus einem Grundstück geschossen kommt und Rango anprollt, aber weder der Dicke (den ich an der Leine behalte) noch der Schäferhund machen ernst. Es bleibt festzuhalten, dass mir in Iaşi eine gewisse Leichtigkeit in der Bewältigung solcher Situationen abhanden gekommen ist. Vom Bahnhof mäandern wir zurück zum Zelt und ich gönne mir ein Bad im Fluss.

Auch am Mittwoch drehen wir ein Ringel in Tiraspol. Wie bereits Bălţi, Chişinău und Bender, ist auch Tiraspol von typ. Osteuropäischem Baustil geprägt. Viele kleine Grundstücke mit Einfamilienhäusern und nur in direkter Zentrumsnähe finden sich bürgerlich geprägte Straßenzüge mit mehr-, meist zweistöckigen, Wohnhäusern. Einzelne Plattenbausiedlungen ergänzen Kultureinrichtungen, Verwaltungsgebäude und Gedenkstätten in Sowjetoptik. Als sehr angenehm erweist sich die großzügige Bepflanzung der Straßen mit Platanen und anderen Schatten spendenden Bäumen. Zurück am Zelt treffe ich auf ein paar Einheimische in meinem Alter, mit denen ich ins Gespräch komme und den Abend verbringe. Man bietet mir sogar ein Zimmer in Tiraspol an, aber da ich am nächsten Tag weiterzuziehen gedenke, lohnt der Umzug nicht. So verabschieden wir uns kurz vor Mitternacht und neben guten Wünschen bekomme ich eine Rolle Klopapier mit auf den Weg. Sehr fürsorglich von dem Trupp.

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