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Pshaveli - Qvareli

Veröffentlicht: 24.07.2019

Samstag, der 20. Juli 2019, es steht der Abschied aus Tusheti bevor. Nach einem kleinen Frühstück packe ich unseren Krempel zusammen und auch meine neuen Dresdner Bekannten, schichten ihr Gepäck im Auto um und ein. Als soweit alles in dem Geländewagen verstaut ist, will Selbiger vor Schreck nicht anspringen. Die Batterie ist wohl leer. So macht sich ein Teil von uns auf den Weg zum Market in Omalo und Tim zeigt unterdessen seinem Vater, wo die Starthilfekabel im Auto zu finden sind. Dann gibt es ein Käffchen und eine kleine Stärkung, bevor uns ein paar Israelis das Auto anlassen. So ist es gegen zwölf, als wir zu siebent im Fahrzeug Platz nehmen und die Fahrt in Richtung Torha-Pass beginnen. Ich wurde bereits gewarnt, die Straßenverhältnisse machen die Fahrt zu einem echten Abenteuer. Tatsächlich ist der Geländewagen der angemessene Untersatz für die Fahrt, obwohl ich in den Bergen auch vereinzelt normale PKW gesichtet hatte. An seine Grenzen gerät das Auto während der Fahrt zwar nicht, aber Andi hat trotzdem sichtlich Spaß das Gefährt auf dem Schotterweg um enge Kurven und Schlaglöcher, durch Pfützen und kleine Wasserläufe sowie steile Passagen hinauf und hinunter zu manövrieren. Seine Mädels ermahnen regelmäßig zu Aufmerksamkeit und Mäßigung, ich fühle mich unterdessen gut aufgehoben, der Mann macht seine Sache sehr souverän. Nachdem wir auf dem Pass eine kurze Pause eingelegt haben, erreichen wir kurz vor vier eine kleine Kaffeebar und lassen uns noch ein Heißgetränk und etwas Süßes schmecken. Kurze Zeit später trennen sich in Pshaveli unsere Wege. Wir verabschieden uns und ich mache mich mit dem Dicken auf den Weg in die örtliche Apotheke. Hier wird mir Меколь-Salbe angeboten. Im Internet finde ich einen Bericht über Levomekol für anfangs eitrige Wunden bei Hunden. Klingt passend, wird gekauft. Dann fülle ich meine Wasserreserven auf, kaufe eine Kleinigkeit im Ort ein und mache mich auf die Suche nach einem Plätzchen zum Zelten. Wir verlassen den Ort gen Südost und biegen kurze Zeit später in einen Feldweg ein. Nachdem wir wegen einem bewässerten Wegstück unsere Richtung ändern mussten, finden wir schließlich ein annehmbares Plätzchen nahe dem Ufer des Stori-Flusses. Irgendjemand bewirtschaftet hier eine Art Garten und ich nutze die Infrastruktur (Tisch und Sitzgelegenheiten) für ein entspanntes Abendbrot. Nachdem das Lager aufgebaut, ich gebadet sowie Rangos Wunde gereinigt und gesalbt ist, geht es unter die Plane. Ich bin noch von den kühlen Gebirgsnächten verwöhnt, im "Lowland" fällt das Thermometer kaum unter 25 °C. Unerfreulich.

Sonntagmorgen treibt mich die Wärme dann auch bei Zeiten unter der Plane hervor. Ich lege mich vor dem Frühstück nochmal in den kühlen Fluss und lasse mir dann meine Haferflocken mit Kefir und einem reifen Pfirsisch schmecken. Auch Rango schmeckt das erste Huhn seit ein paar Tagen anscheinend ganz gut. Nachdem anschließend unser Lager abgebaut ist, machen wir uns gegen halb elf auf den Weg zurück zur Landstraße nach Osten. Dafür geht es erstmal entlang kleiner Feldwege durch Mais- und Weinplantagen, die mittels Gräben bewässert werden. Auf der Landstraße müssen wir gar nicht lange gehen, bis uns die Mitfahrt auf der Ladefläche eines Motordreirades angeboten wird. So sind wir zügig in Saniori, wo ich im Zentrum ein Käffchen und etwas frisch gebackenes Brot zu mir nehme, was auch dem Dicken schmeckt. Dann geht es weiter gen Osten, wobei wir noch im Ort in einen Bus einsteigen können. Selbiger biegt leider 10 km später nach Süden ab und wir steigen aus. Jetzt geht es knapp 3 h der sonnigen Landstraße entlang. Zwischendurch pausieren wir unter einem Schatten spendenden Baum und ich lasse mir ein paar Brombeeren schmecken. Gegen um drei erreichen wir die Kathedrale von Gremi bei Eniseli. Rango wird wieder im Schatten geparkt und ich schaue mir die knapp 500 Jahre alten Gemäuer aus der Nähe an. Dann gehen wir in den Ort Eniseli, ich organisiere mir ein Heißgetränk und Wasser für den Dicken. Laut Anwohnern fährt hier ein Bus weiter nach Osten, der mich nach Qvareli bringen könnte. Dort ist in meiner Karte ein See zum Baden eingezeichnet. Einen Zeltplatz finde ich dort sicher auch. Nach einer reichlichen Stunde des Wartens, lässt mich dann der erste Busfahrer abblitzen. Hatte ich schon fast vergessen, dass Busfahren für mich eher Glückssache ist. So kann ich kurze Zeit später bei ein paar jungen Männern zusteigen, die offensichtlich in meine Richtung unterwegs sind. Man fährt mich nach Nekresi, laut Karte ein kleiner Sakralbau westlich von Qvareli. Von hier gibt es keinen direkten Weg nach Osten an den Ilia-See und auch sonst keine Infrastruktur. Da die Jungs selbst gleich wieder wegfahren, steige ich wieder zu und werde schließlich direkt am Ilia-See abgeladen. Das scheint auch das endgültige Ziel meiner Fahrer zu sein. Der Parkplatz ist voll und das Seeufer dicht bevölkert. Ich suche mir am nordöstlichen Ende des Gewässers einen Zeltplatz, setze Rango und Rucksack im Schatten ab und mache mich unverzüglich auf den Weg nach Qvareli. Ich brauche Futter für mich und meinen Begleiter. Nach einer guten halben Stunde, habe ich nahe dem Ortskern alles Nötige beisammen und gehe zurück zu Rango. Es ist gegen sieben, als ich das Zelt aufbaue, Trinkwasser am Strand organisiere und mich anschließend in die Fluten stürze. Das Wasser ist überraschend warm, aber trotzdem herrlich. Mittlerweile ist es etwas ruhiger am See geworden und ich kann den Dicken zum Durchspülen mitnehmen. Er war irgendwo im Schlamm baden und kommt mir so nicht ins Zelt. Dann gibt es Abendbrot für uns beide und wir ziehen uns ins Zelt zurück.

Der Montagmorgen (22.07.2019) beginnt für mich mit einem Bad im Ilia-See. Es ist gegen neun und ich bin allein am Gewässer. So genieße ich die Ruhe und plansche ausgiebig, bevor ich beim Dicken am Zelt frühstücke. Es ist bereits am Morgen wieder drückend heiß und ich beschließe es ruhig anzugehen. In Qvareli will ich mir später einen Bus nach Lagodekhi suchen. Es bleibt also Zeit für kleinere Reparaturarbeiten an meiner Matratze und um Rangos Decke auszuspülen. Aufgrund seiner offenen Backe, ist das zur Zeit häufiger nötig. Auch meine kurze Hose hat ihren Soll erfüllt und wird zu Putzlappen verarbeitet. Es ist bereits gegen zwölf, als wir uns auf den Weg nach Qvareli machen. Nahe dem Zentrum gönne ich mir ein Eis und ein Käffchen und gebe Rango etwas Zeit zur Akklimatisation. Dann gehen wir kurz vor halb drei zum Busbahnhof. Ich quatsche drei Busfahrer an und bekunde meinen Wunsch nach Lagodekhi fahren zu wollen. Ich bin recht zuversichtlich direkt weiterfahren zu können und dann etwas enttäuscht, als mir gegen drei die Mitfahrt doch verweigert wird. Der Mann fährt lieber eine leere Marschrutka durch die Gegend. Laut einem alten Mann unter dem schattigen Nachbarbaum, fährt der nächste Kleinbus in einer Stunde. Es heißt also weiter warten. Etwas Brot und Käse für den Dicken und mich vertreibt uns die Zeit. Um vier geht dann doch nur eine Marschrutka nach Tiflis. Man lässt mich wissen, dass ich heute wohl nicht mehr nach Osten weiterkomme. Es ist halb fünf, als ich mich auf den Weg zurück ins Zentrum von Qvareli mache und Nahrung für die nächsten Mahlzeiten organisiere. Ich habe beschlossen noch ein paar Kilometer zu wandern. Knapp 10 km östlich liegt der Qvareli-See und in der etwas milderen Nachmittags- und Abendsonne scheint der kurze Marsch auch für Rango machbar. Kurze Zeit später befinden wir uns entlang einer kleinen Landstraße auf dem Anmarsch dorthin. Kurz vor dem See dann eine Schranke mit Polizeikontrolle. Ich werde direkt mit der Rezeption des Qvareli-Lake-Resorts verbunden und nach einer Reservierung gefragt. Ich versuche klar zu machen, dass ich nicht gedenke irgendwo einzuchecken. Sicher, ob das angekommen ist, bin ich nicht, aber ich darf die Schranke passieren und suche mir anschließend am Nordufer einen Platz für die Nacht auf einem Deich. Mit dem Zeltaufbau warte ich bis zur Dämmerung, bade erstmal und bereite anschließend ein kleines Abendbrot zu. Wir bleiben ungestört und ich ziehe mich am späten Abend ins Zelt zurück. Rango darf draußen bleiben, dem ist es unter der Plane einfach zu warm.

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