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2026 - Oktober - Berlin - Karl-Marx-Allee

Veröffentlicht: 11.10.2026

Spaziergang
Alexanderplatz → … → Frankfurter Tor
3.5 km
Attraktion
Karl-Marx-Allee
Berlin, Germany
Attraktion
Kino International
Berlin, Germany
Essen
Mokka-Milch-Eisbar
$$ · Snack
Attraktion
Strausberger Platz
Berlin, Germany
Attraktion
Frankfurter Tor
Berlin, Germany

Als ehemaliges DDR-Kind bin ich mit Sicherheit genug indoktriniert worden. Ehrlich gesagt hatte ich nach der Wende auch deshalb genug von den städtebaulichen Werken in Form typischer sozialistischer Bauten. Meist handelte es sich dabei ja zudem um die immer gleichen Plattenbauten.

Mein Bedarf, in Berlin durch die Plattenbausiedlungen zu gehen, war deshalb trotz meiner vielen Besuche in der Hauptstadt gering.

Mehr durch Zufall sind wir dann doch dieses Mal auf der Prachtstraße Nummer eins der DDR gelandet: der Karl-Marx-Allee. Ich war wirklich Ewigkeiten nicht hier. Tatsächlich sind meine Gefühle, den Ort betreffend, aber auch heute noch gespalten. Einerseits schreckt mich der typische Zuckerbäckerstil stalinistischer Prägung des Ensembles am Anfang der Allee massiv ab. Diese Zurschaustellung der Großartigkeit des Sozialismus hat bei mir immer eher eine gegenteilige Wirkung erzeugt.

Andererseits finde ich Alleen generell schön zum Flanieren. Und ja, ein bisschen kam auch diese etwas heimelige Erinnerung an Kindheit und Jugend zum Tragen. Da die Gebäude vielfach unter Denkmalschutz stehen, wurden zum Beispiel Ladenbeschriftungen wie „Briefmarken“ oder „Karl-Marx-Buchhandlung“ belassen, auch wenn mittlerweile komplett andere Geschäfte darin Einzug gehalten haben.

Übrigens wurde vom Berliner Landesdenkmalamt sowohl für dieses Ensemble als auch für das 1957 in Westberlin entstandene Hansaviertel der Vorschlag gemacht, beide in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen.

Mein Tipp: Lauft einfach direkt vom Alexanderplatz bis zum Frankfurter Tor, auf der einen Seite hin und danach auf der anderen wieder zurück. Euer Schrittekonto wird an diesem Tag ausreichend aufzeichnen können. Immerhin ist eine Strecke ca. 3,5 km lang. Und wenn ihr, wie wir, noch diverse Abstecher macht, ist der Tag gut rumgebracht.

Auf dem Weg werdet ihr viele markante Gebäude kennenlernen. Gleich am Anfang das 1963 eröffnete Kino International. Danach dann auf der einen Straßenseite das Café/Restaurant Moskau, das leider leer steht. Aber schaut mal nach oben, da werdet ihr etwas entdecken: Auf dem Dach thront ein auffälliges Sputnik-Modell.

Auf der anderen Straßenseite, quasi direkt gegenüber, erwartet euch dann die 2026 gerade erst wieder eröffnete Mokka-Milch-Eisbar. Ein Besuch lohnt sich, denn hier ist es vom Publikum und vom Personal her inzwischen sehr international, aber die Einrichtung versprüht tatsächlich 60er-Jahre-Vibes.

Etwas später folgt dann der Strausberger Platz. Die Wohngebäude hier wurden in monumentaler Größe symmetrisch angeordnet. Dieser Teil der Karl-Marx-Allee orientiert sich in der Optik stark am sozialistischen Klassizismus, dem sogenannten Zuckerbäckerstil. Die Häuser wurden 1952 und 1953 errichtet, und zunächst hieß die Straße auch Stalinallee.

Auch die beiden Türme am Frankfurter Tor wurden zwischen 1955 und 1960 noch in diesem Stil erbaut. Ihre Kuppeln erinnern an historische Berliner Vorbilder. An diesem Platz geht die Karl-Marx-Allee stadtauswärts übrigens in die Frankfurter Allee über.

Mit Beginn der Entstalinisierung änderte sich dann aber nicht nur der Name und aus der Stalinallee wurde die Karl-Marx-Allee, sondern auch der Baustil. Zunächst nämlich begann die Allee am bereits erwähnten Strausberger Platz. Die Erweiterung in Richtung Alexanderplatz wurde später in Angriff genommen. Die sachliche Moderne der 60er-Jahre spiegelt sich hier wider. Und genau das findet ihr zum Beispiel auch bei der besagten Mokka-Milch-Eisbar.

Übrigens steht hier vieles inzwischen unter Denkmalschutz und wurde saniert, aber vielleicht fallen euch bei einem Besuch die gespannten Netze auf. Sie sind recht breit und dienen, wie ich nun weiß, tatsächlich dem Schutz der Fußgänger vor herabfallenden Fassadenfliesen.

Der westliche Baukleber kann halt auch nicht alles festhalten.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Wetter
Herbst
Begleitung
Zu zweit
KulturellAbseits der Pfade
  • Flanieren auf der Karl-Marx-Allee vom Alexanderplatz bis zum Frankfurter Tor
  • Das Kino International und die Mokka-Milch-Eisbar sehen
  • Die Architektur am Strausberger Platz und Frankfurter Tor entdecken
StadtArchitekturGeschichteKultur
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Antworten (1)

Grothe,Hildegard 88 Jahre,vor etwa 7 Stunden
1956 zum 1.Mal in Berlin und Treffen mit Leuten aus Berlin und BRD.1959 in Fürstenwalde angefangen zu arbeiten.Die Kultur in Ost u.West aufgesogen.Seit 1960 Wohnung Prenzelberg,die bis 1993 gehalten wurde.D.h.bis auf den heutigen Tag haben wir die Entwicklung und die Ereignisse in Ost-u.Westberlin verfolgen können und bis heute zahlreiche alte und neue Kontakte gepflegt. Ich rechne mich also heute zu einer Zeitzeugin Um nett zu sein,könnte ich heitere,interessante und auch ernste Episoden berichten. In diesem Sinne herzliche Grüße an die „reisetante“

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