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Im Gefängnis von Mexio! Dentro del cárcel de México!

Veröffentlicht: 07.04.2025

Fahrt
Polanco → ein Gefängnis im Süden von Mexiko-Stadt
1h
Sehenswert
ein Gefängnis im Süden von Mexiko-Stadt
Mexiko-Stadt, Mexiko
Sehenswert
Gerichtsgebäude neben dem Gefängnis
Mexiko-Stadt, Mexiko

Im Gefängnis von Mexiko! Dentro del carcel de México!

Hola a todos!

Wenn man an die absoluten Highlights der diplomatischen Arbeit im Ausland denkt, stellt man sich vermutlich schicke Empfänge mit Sekt in einer Botschafterresidenz oder extravagante Galas vor. Meine bisher aufregendste und spannendste Erfahrung war jedoch der Besuch eines deutschen Häftlings in einem mexikanischen Gefängnis.

Zu den Aufgaben der deutschen Botschaft gehört auch die Betreuung deutscher Staatsangehöriger in mexikanischen Gefängnissen, sofern dies denn gewünscht wird. Zu der Betreuung dazu gehört eben auch in unregelmäßig – regelmäßigen Abständen ein Haftbesuch des jeweiligen Insassen, um sich bspw. über die Haftbedingungen sowie den aktuellen Stand des Verfahrens vor Ort genau zu erkundigen.

Insofern staunte ich nicht schlecht, als ich von meiner Ausbilderin über einen anstehenden Haftbesuch unterrichtet und gefragt wurde, ob denn nicht ich diesen gern übernehmen wollen würde. Ohne zu zögern sagte ich zu, wohlwissend dass ich eine solch spannende Erfahrung kaum jemals wieder erleben könnte.

Und so ging es dann mit ein wenig Vorbereitung letzte Woche in eines der insgesamt 3 Gefängnisse in Mexiko-Stadt. Die Botschaft stellte für mich einen Fahrer zur Verfügung, dass war es dann aber auch bereits mit Man Power. Den Besuch des Häftlings und das Gespräch sollte ich alleine übernehmen.

Nach rund einer Stunde Fahrt raus aus Mexiko-Stadt in den Süden der Metropole erreichten wir schließlich unsere Destination. Das Gefängnis ist oben in einer Bergregion gelegen; das Dorf mit wild umherlaufenden Hunden, offenen Märkten und unzähligen Straßenverkäufern erinnert mitnichten daran, dass man sich vor einer Stunde noch in Polanco (das teuerste Viertel der Stadt) in der deutschen Botschaft aufgehalten hat.

Als wir das Fahrzeug abgestellt haben, ging es dann ran an die Arbeit. Die Besonderheit zumindest dieses Gefängnisses (ob das in Mexiko üblich ist, kann ich leider nicht sagen) war, dass das Gefängnis direkt neben dem Gerichtsgebäude gelegen ist. Dies ist zwar im Grundsatz praktisch, da der Häftling den ich besucht habe aber an dem Tag gleichzeitig eine Anhörung hatte, mussten wir zunächst herausfinden, wo sich dieser überhaupt aufgehalten hat.

Vorbei an patrouillierenden Justizmitarbeiterin (die waffentechnisch ordentlich aufgestellt waren) ging es zunächst in das Gerichtsgebäude, wo wir nach 30 Minuten Telefonaten und Gesprächen herausfinden konnten, dass sich der deutsche Staatsangehörige im Gefängnis und nicht im Justizgebäude aufhält.

Anschließend ging es dann ins Gefängnisgebäude. Zunächst tritt man in eine große Halle ein, die Wände mit blauer, sich ablösender Farbe bemalt. Wir wurden nach dem Grund unseres Besuchs gefragt; nach dem Zeigen der von der Botschaft ausgestellten Besuchsbescheinigung musste ich dann Handy und Uhr abgeben. Der Fahrer der Botschaft hat angeboten mich zu begleiten, wurde von den mexikanischen Wärtern jedoch nicht reingelassen, da nur mein Name auf der Bescheinigung aufgeführt war.

Mit einem ein wenig mulmigen Gefühl begleitete mich dann ein Gefängniswärter zum Häftling. Erstmal habe ich ein Leibchen, einen Besucherausweis und 2 unsichtbare UV Stempel auf meiner Hand bekommen, die ich bei den Checkpoints im Gefängnis in eine Box mit UV Licht halten musste damit verifiziert werden konnte, dass ich von der Außenwelt und nicht etwa ein verkleideter Insasse bin (dazu später mehr).

Dann liefen wird durch einen ca. 1 km langen Tunnel, raus auf einen Platz und dann war ich bereits am Anfang des Gefängnistrakts. Vorbei an Häftlingen, die gerade den Boden wischten und sonst anscheinend Putzdienst hatten und mich zumindest neugierig anschauten.

Bevor der Trakt wirklich begann fand ich noch ein kleines Verwaltungsbüro vor, wo Gefängnismitarbeiter an Computern saßen und ihren Aufgaben nachgingen.

Sodann traf ich den deutschen Häftling, uns wurde ein kleiner Raum mit einem Tisch und 2 Stühlen für das Gespräch zur Verfügung gestellt.

Inhaltlich kann ich verständlicherweise wenig von dem Gespräch berichten, sehr interessant waren jedoch die Haftbedingungen, die mir berichtet worden sind. Er war erst 10 Tage im Gefängnis, da sein Prozess noch bevorsteht und er in Untersuchungshaft ist.

Auf die Frage, wie die Haftbedingungen sind, lächelte er müde und erwiderte „Jetzt wo ich viele Pesos zahle deutlich besser“. Er sagte mir, er sei am Anfang in einer Zelle mit 4 Betten und 8 Häftlingen gewesen. 4 schlafen im Bett, 4 auf dem Boden ohne Matratze oder Decke. Das Essen sei ungenießbar. Mittlerweile zahle er viel Geld dafür, dass er eine 2er Zelle mit zwei Betten und lediglich einem weiteren Häftling teilt; auch für das Essen bezahle er und könne sich dadurch zusammen mit anderen Häftlingen was kochen. Viel Fantasie, dass da die Wahrheit erzählt wurde, bedurfte es nicht.

Nach dem Gespräch ging es dann für mich in Richtung Ausgang. Ein komisches, erleichterndes Gefühl begleitete mich als ich die vielen Checkpoints und Frauen auf dem Weg in das Gefängnis hinein passierten; an dem Tag war nämlich Besuchstag im Gefängnis.

Natürlich, wie hätte es auch anders sein können, endete der Gefängnisbesuch nicht ohne ein wenig Drama: Beim letzten Checkpoint - ich konnte den Gefängnisausgang und den Fahrer bereits sehen - hielt ich wie gewohnt meine Hand in die UV Box mit der Erwartung, umgehend passieren zu dürfen.

Der Gefängniswärter untersuchte meine Hand jedoch gründlich, derart gründlich, dass ich nach ca. 5 (!) Minuten an diesem Checkpoint bereits damit rechnete dieses Gefängnis nie wieder verlassen zu dürfen. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, lächelte er mir dann zu und ließ mich passieren.

Meine Stimmung auf der Rückfahrt war nicht wirklich definierbar. Zum einen war ich erleichtert und froh, dass der Gefängnisbesuch erfolgreich verlaufen ist. Zum anderen musste ich an die mir berichteten problematischen Haftbedingungen und daran denken, wie viele Häftlinge wohl jede Nacht auf dem Boden oder auf der Toilette in einer überfüllten Zelle schlafen mögen.

Nur einer Tatsache war ich mir bewusst: dass ich eine solche Erfahrung niemals in meinem Leben vergessen werde.

In dem Sinne:

Hasta la próxima!

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Begleitung
Allein
KulturellAbseits der Pfade
  • Besuch eines deutschen Häftlings in einem mexikanischen Gefängnis
  • Kontrollen mit UV-Stempel und Checkpoints
  • Gefängnis neben dem Gerichtsgebäude
  • Gespräch über Haftbedingungen in Untersuchungshaft
StadtTransitGeschichte
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Antworten (3)

vor mehr als 1 Jahr
Sehr interessante Geschichte!

Yannickvor mehr als 1 Jahr
Wahnsinnserfahrung! Schön, dass sie dich doch noch rausgelassen haben ;)

Goldivor etwa 1 Jahr
1 Typ wie dich, hätten die gleich da behalten sollen kuss auf nuss