USA West Coast Roadtrip - Tag 2
Frisch ausgeschlafen stehen wir gegen 8.00 Uhr auf. Die Zeitverschiebung macht uns keine Probleme – offenbar ist es leichter sich daran zu gewöhnen, wenn man in die Zukunft...

Veröffentlicht: 25.04.2026
















Die Fahrt zum Parkplatz am Flughafen BER verläuft ereignislos, Andreas möchte gern während der Fahrt mit Sonnenuntergang im Hintergrund gefilmt werden – das kenne ich ja bereits von vergangenen Reisen. Ich selbst habe das dumpfe Gefühl, dass ich etwas Falsches gegessen habe, da ich seit Mittag weder Hunger noch Durst verspüre.
Der Parkplatz, auf dem das Auto die nächsten zwei Wochen verbringen wird, ist nur 1,5 Kilometer vom Flughafen entfernt, wir laufen die Strecke bis zum Flughafenhotel, wo wir die nächste Nacht verbringen werden. Es ist bereits 22.00 Uhr als wir im Hotel ankommen. Dort herrscht ein reges Kommen und Gehen. Das Hotel befindet sich nur 100 Meter vom Abflugterminal entfernt. Wir gehen noch kurz zum Terminal und holen uns belegte Brötchen – ich kann meines jedoch nicht essen, da mir immer noch leicht übel ist. Die Übelkeit legt sich dann erst nachts, was mir eine kurze Nacht bereitet, da wir bereits 4.00 Uhr aufstehen müssen, denn unser Flug startet um 6.30 Uhr.
Den Check-in müssen wir am Schalter erledigen, online war es leider nicht möglich – vermutlich, weil wir nur einen Zwischenstopp in London einlegen und dann in die USA weiterfliegen. Bei der Sicherheitskontrolle wurde mein Rucksack genauer untersucht – ich hatte zwei kleine Bücher dabei – deren Oberfläche wurde auf Sprengstoff getestet und mein Elektrorasierer wurde auch genauer inspiziert – er war wohl auffällig, da ich den Scherkopf separiert hatte. Beim BER müssen übrigens nicht mehr Kosmetikartikel und Elektrogeräte wie Notebooks und Tablets aus dem Rucksack geholt werden.
Das Flugzeug startet pünktlich, wir fliegen zunächst 2 Stunden nach London Heathrow, wo wir 2 Stunden Aufenthalt haben. Danach geht es weiter nach Seattle. Der 9stündige Flug zwischen zwei anderen Männern war einigermaßen zu ertragen. Andreas ging es nicht anders, er hat sich aber mit seinen Sitznachbarinnen unterhalten.
Die Fluggesellschaft British Airways hat uns mit Essen versorgt – das war sogar genießbar. Den Besuch der Flugzeugtoiletten haben wir erfolgreich vermieden – das war jedoch nur möglich, indem wir möglichst wenig getrunken haben.
Wir landen am Freitag gegen 11.00 Uhr Ortszeit in Seattle. Da wir mit Handgepäck reisen, müssen wir nicht zu den Gepäckbändern. Andreas hat es eilig zur Toilette zu kommen, ich warte davor auf ihn. Er kommt dann ganz aufgeregt wieder raus, da er den Erfinder und CEO des Unternehmens seiner virtuellen Sängerin Hatsune Miku auf der Toilette erkannt hat. Wir warten nun davor und Andreas spricht ihn direkt an und erzählt ihm von seinen bisherigen Reisen zu den Konzerten in Amerika, Europa und Asien. Der arme Mann kommt gar nicht zu Wort, ist aber zumindest so höflich, immer freundlich zu nicken. Als Andreas für eine Millisekunde Atem holt, bevor der nächste Wortschwall beginnt, nutze ich die Chance und frage den Japaner auch über seine Reise. Er ist direkt aus Japan angereist und wird die Konzerte in den USA begleiten. Später gesellt sich auch noch seine Frau dazu. (Ich dachte erst, sie ist auch ein Fan, die ihn erkannt hat). Wir verabschieden uns freundlich und wünschen uns eine gute Zeit in den USA.
Nun steht noch die Herausforderung der Einreise in die USA vor uns. Die Schlange davor ist lang, wir kommen nur langsam voran, da nur 2 Schalter geöffnet sind. Nach ca. 30 Minuten ist die Schlange so lang, dass weitere Schalter eröffnet werden – mit je einem sehr ernst schauenden Grenzbeamten dahinter sitzend. Die Wartenden werden von einer Frau den Schaltern zugeteilt. Als wir an der Reihe sind, bitte ich darum, dass Andreas und ich gemeinsam zum Schalter gehen dürfen – dies ist jedoch nur Familienangehörigen erlaubt. Zum Glück werden jedoch zwei benachbarte Schalter gleichzeitig frei, so dass wir zumindest nebeneinanderstehen und uns den recht intensiven Fragen der Grenzbeamten stellen können. Wir werden nach dem Grund unserer Reise gefragt und wie lange wir vorhaben in den USA zu bleiben. Unserer Reiseplanung müssen wir offenlegen – ich hatte zum Glück in weiser Voraussicht unserer Reiseroute und Übernachtungen und geplanten Aktivitäten sorgfältig aufgeschrieben, so dass wir problemlos Auskunft geben konnten. Die Hotelbuchungen konnten wir nachweisen und auch die Buchung des Rückfluges. Andreas musste auch die Konzerttickets in seinem Smartphone zeigen. Wir wurden noch gefragt, ob wir Lebensmittel und Bargeld dabei haben dann durften wir einreisen. ESTA für die USA und ETA für UK hatten wir bereits Wochen im Voraus beantragt – das konnten die Grenzbeamten über unseren Reisepass einsehen.
Eine freundliche Frau an einem Infostand erklärt uns dann, wie wir kostengünstig und schnell in die Innenstadt von Seattle gelangen können. Es gibt einen sog. Light Train, mit dem wir für 3 Dollar pro Person nach Seattle Downtown fahren. Dort angekommen suchen wir erstmal den Visitor Center auf, da wir erst ab 15.00 Uhr im Hotel einchecken können. Im Visitor Center, welches so unscheinbar war, dass wir zweimal daran vorbeigelaufen sind, hat uns ein sehr freundlicher älterer Mann hilfreiche Tipps für unseren Aufenthalt in Seattle gegeben. Taxi und Uber für Erlebnisse außerhalb von Seattle sind so teuer, dass es besser ist, einen Mietwagen zu nehmen, was wir an den Folgetagen auch machen. Auf whale watching macht er uns wenig Hoffnung, da die Wale erst im Sommer in großer Anzahl an den Küsten vor Seattle auftauchen. Wir werden mit zahlreichem Infomaterial und Flyern ausgestattet und laufen nun in Richtung Hotel.
Nach einem Fußmarsch von ca. 40 Minuten erreichen wir gegen 14.00 Uhr das Hotel – der Mann an der Rezeption ist jedoch so freundlich uns schon früher das Zimmer zu übergeben. Das Hotel ist mit 390 EUR für 4 Nächte sehr günstig, die Zimmerausstattung ist jedoch schon sehr in die Jahre gekommen. Zum Übernachten ist es aber okay, und sauber ist es auch.
Trotz Schlafmangel machen wir uns gleich auf den Weg zum Hafen, der ca. 15-20 Minuten entfernt ist. Auffallend sind die zahlreichen obdachlosen und/oder vermutlich drogenabhängigen Menschen in den Straßen und Gassen. Eine gefährliche Situation haben wir jedoch während unserer Zeit in Seattle nicht erlebt.
Am Hafen schlendern wir die Promenade entlang, vorbei an Fischrestaurant, Anbietern von Bootsausflügen und dem Seattle Aquarium. Wir holen uns etwas zu essen, was für Vegetarier eine echte Herausforderung darstellt. Im Hafen gibt es ein Riesenrad – hier kaufen wir uns Tickets und schauen uns das Hafenareal von oben an.
Später laufen wir noch zum Wahrzeichen von Seattle, der Space Needle – ein futuristisches turmähnliches Gebäude aus den 1960er Jahren. Hier kann man mit dem Lift auf eine Aussichtsplattform fahren und Seattle aus der Vogelperspektive betrachten. Es ist viel Glas verbaut und auch die Laufwege sind zum Teil verglast, so dass man 158 Meter unter den Füßen den Erdboden sieht.
Mittlerweile wurde es Abend, wir machen noch einen Abstecher zum Seven-Eleven und holen uns etwas zu trinken, bevor ins Hotel gehen. Unser Hotel ist nur 300 Meter vom Space Needle entfernt. Auf dem Weg dahin kommen wir an einer kleinen Zelt-Siedlung von obdachlosen Menschen vor.
Wir gehen gegen 20.00 Uhr ins Bett und schlafen schnell ein.
