Perth
Glücklich vereint ging es mit einem supergünstigen Flug von Denpansaar nach Perth. Da gab es erst mal ein glückliches Wiedersehen bzw. Kennenlernen mit Marikes Cousin Nils, der...


Veröffentlicht: 16.05.2026




















Als wir unseren Mietwagen abholten, gab es erst mal eine böse Überraschung. Uns wurde mitgeteilt, dass nicht weiter nördlich als Carnarvon fahren dürfen, außerdem würde der Standort des Autos immer mit GPS getrackt, wenn wir uns also außerhalb von geteerten Straßen bewegen würden, würde der Mietvertrag sofort aufgehoben. Das torpedierte unsere Pläne, bis zum Ningaloo Reef zu fahren. Im Endeffekt auch unsere eigene Blödheit, wir hatten das Auto über einen Drittanbieter gemietet, wo andere Anbieter angegeben hatten, wenn man nur in bestimmten Regionen fahren durfte. Da bei diesem Anbieter keine Einschränkungen angegeben waren, sind wir naiv davon ausgegangen, dass es diese dann auch nicht gibt. Hätte man auf der Internetseit des Anbieters direkt nachlesen sollen. Dass gravel roads bei den meisten Anbietern ausgeschlossen werden, ist ja normal, aber nicht dass das so massiv kontrolliert wird. Bisher auf der Reise sind wir mit den Mietwagen natürlich auch mal auf die ein oder andere Schotterpiste eingebogen, mit dem Wissen dass Versicherung eben im Fall der Fälle nicht greift. Dass das prophylaktisch so massiv überwacht wird, war neu für uns. Es half nix, da wir auf die Schnelle sowieso keinen anderen günstigen Wagen gefunden hätten, daher beschlossen wir dann weiter im Norden nach einer Lösung zu suchen und uns die Laune nicht verderben zu lassen.
Dann ging es also los, mit einer einfachen Campingausrüstung, hauptsächlich von Nils geliehen. Am coolsten war das Swag, ein einrollbares Zelt inklusive Matratze, das ruckzuck auf- und abgebaut war und deutlich komfortabler als die Standardlösung mit Isomatten. Wir sind ja sonst keine ausgesprochenen Campingfans, aber so war es ganz in Ordnung, und hat uns natürlich auch geholfen viel Geld zu sparen. In WA sind auch die Küchen auf den Campingplätzen meist sehr gut ausgestattet, sodass wir oft und gut kochen konnten. Das ist ja eines der Sachen, die uns am meisten fehlt. beim Reisen, also haben wir das sehr genossen!
Als erstes ging es in den schönen Kalbarri National Park. Auf dem Weg hielten wir an der Hutt Lagoon, ein durch Beta-Carotin produzierende Algen pinker Salzsee. Der Nationalpark hat eine wunderschöne Steilküste, an der es verschiede (perfekt ausgebaute) kleine Wander-/Spazierwege gibt. Von hier oben aus hatten wir das Glück am Ende der Walsaison, zwei gemeinsam an der Küste entlang schwimmende Wale (wahrscheinlich Buckelwale, aber sicher sind wir uns nicht) zu entdecken. Wir fanden auch Strände ganz für uns allein, viel los war eigentlich nie. Im Hinterland des NP, wo sich der Murchison River über Jahrmillionen tief in die Erde gegraben hat und Schluchten und Felsformationen hinterließ, gibt es tolle Ausblicke und Wanderwege. Allerdings war es auch im Spätfrühling schon ziemlich heiß, aber noch aushaltbar, das muss im Sommer wirklich brutal sein.
Weiter ging es zum Shark Bay Marine Park, wo wir in Denham campten. Auch hier gab es tolle Sachen zu sehen, zB konnte man vom Eagle Bluff Lookout nicht nur Seeadler kreisen sehen, sondern auch im flachen klaren Wasser kleine Haie, Rochen und Schildkröten sehen. Der Shell beach (Wulgada) bestand komplett aus kleinen Herzmuscheln, die sich hier dank des sehr salzigen Wassers in der Bucht perfekt vermehren können, und man konnte bei Ebbe unendlich lang durch das Wasser waten. Außerdem fuhren wir nach Monkey Mia, wo die stark beworbene morgendliche Delphin-Füttershow floppte (die Delphine hatten keinen Bock). Dafür spazierten endlich mal ein paar Emus herum, bis dahin hatten wir nämlich weder lebendige Emus noch Kängurus gesehen, nur sehr viele tot gefahrene Exemplare am Wegesrand. Und die Bootstour, die wir machten, war dafür umso besser! Wir sahen Seeadler, viele Delphine, und das absolute Highlight: Dungongs, auch Gabelschwanzseekühe oder Seeschweine genannte Und die waren sooooo toll! Sie sind sehr scheu und leider stark gefährdet, und ernähren sich ausschließlich von Seegras! Weil sie auch nur ganz kurz zum Atmen auftauchen, ist es auch gar nicht so leicht sie zu sehen. Aber wir hatten Glück! Übrigens sind sie angeblich für den Meerjungfrauenmythos verantwortlich - ihr Gesichtsausdruck scheint immer zu lächeln, und ihre Rundungen schienen für die einsamen Seeleute sehr reizvoll gewesen zu sein.
Später auf dem Rückweg Richtung Süden - ein eventueller Rundweg durch das Landesinnere war ja durch die Fahrtbeschränkungen ausgeschlossen, besuchten wir noch den Lesuer National Park, in dem es eine unglaublich vielfältige Flora gab und in dem Ende Oktober noch viele Wildblumen blühten, und die Pinnacles Desert, außerirdisch anmutende bizarr geformte Kalksteinsäulen in gelbem Sand. Und dann ging es noch zu den Stromaloithen am Lake Tethis, nachdem Hamelin Pool im Norden leider geschlossen war. Das sind biogene Sedimentgesteine, also lebende Steine, und zwar sehr alte. Bakterien bilden im flachen sonnigen Wasser klebrige Biofilme, die dann Sand oder Kalkpartikel einfangen. Der Kalk fällt aus, die Bakterien wandern nach oben, um wieder ausreichend Licht zu bekommen. Und es geht von vorne los, und der Stein wächst. Irre!
Was leider ganz allgemein nicht so schön fanden, waren die Städte/Orte in WA, mit Ausnahme von Freemantle und Umgebung. Reizlose Käffer, schlechte Infrastruktur (aber immer saubere Klos), sehr weiße Gesellschaft, irgendwie trostlos. Und wir fühlten uns oft - vielleicht auch besonders nach den Eindrücken im quirligen und offenen Indonesien - einsam. Das hat aber die Natur zum Glück kompensiert!
