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15/08/2018 - Übernachtet im Vogelreservat

Veröffentlicht: 19.09.2018

Vor zwei Tagen verließen wir den nördlichen Bereich des „Taranaki-Districts“ und begaben uns auf die Weiterfahrt. Der Weg führte uns über den sogenannten „Surf Highway 45“ die Westküste hinab. Um nicht nur an der Landschaft vorbeizusausen, nahmen wir uns wie gewohnt genügend Zeit und legten zahlreiche Zwischenhalte ein. Während der kompletten Fahrt ließen wir den fotogenen Vulkan zu unserer linken Seite nicht aus den Augen. Auch die Westseite von „Mount Taranaki“ kann sich sehen lassen. ;) 
Neben den vielen, kurzen Fotostopps am Straßenrand legten wir den ersten, größeren Halt am „Cape Egmont Lighthouse“ ein. Zuerst besichtigten wir den Nachbau einer historischen Version, die einst hier an der Küste stand. In diesem Turm befindet sich ein Museum und ein kleiner Souvenirladen, die bei unserer Ankunft geschlossen hatten. Daher zögerten wir nicht lange und fuhren weiter zum originalen Exemplar. Dieses befindet sich am gleichnamigen Kap und warnt seit 1881 herannahende Schiffe vor dem Festland. Wir parkten das Auto, stiegen aus und bestaunten den hübschen Leuchtturm, hinter dem sich Mt Taranaki aufbaute. Ein tolles Bild! - Obwohl sich der Zugang auf Privatgelände befand, versuchte Tobi sein Glück und sprach zwei Handwerker an, welche kleinere Malerarbeiten am Turm ausführten. Und tatsächlich, sie gewährten ihm den Zutritt. Nachdem die Erinnerungsbilder geschossen wurden, setzten wir die Reise fort. Am ersten Tag unseres Roadtrips fuhren wir bis nach „Opunake“. Hier besuchten wir die Bücherei, kauften Kleinigkeiten fürs Abendessen ein und kamen auf einem Campingplatz unter. Shelly, die Besitzerin, begrüßte uns herzlichst und versorgte uns mit einer Menge Informationen über nahgelegene Wanderungen. Doch als wir ihr von den Ausflügen der letzten Tage erzählten, zeigte sie vollstes Verständnis und verwies auf ein kleines Fernsehzimmer, was wir nutzen könnten, um die Beine hochzulegen. :) - Gar keine schlechte Idee. Die Beine waren noch ziemlich schwer …

Bevor wir Opunake am nächsten Tag den Rücken kehrten, besuchten wir einen zentralgelegenen Lookout. Der Ausblick auf die steilabfallende Küste und das weite, blaue Meer konnte sich definitiv sehen lassen.
Kurz nach Abfahrt passierten wir das Stadtausgangsschild und bogen vom SH 45 ab. Es ging über die geradeste Straße, die wir jemals gesehen haben, ins Landesinnere. Nicht einmal die Bremse mussten wir auf einer Länge von knapp 40 Kilometern benutzen. So oder so ähnlich stellen wir uns die Straßen durch Australiens Outback vor. ;)
Zur Mittagszeit erreichten wir „Eltham“. Von hier aus steuerten wir das außerhalbgelegene „Rotokare Scenic Reserve“ an.

Dieses Naturreservat ist etwas ganz Besonderes. Gegründet von Freiwilligen wurde hier ein sicherer Platz für heimische Vogelarten geschaffen. Inmitten von Weideland wurde um einen See ein hoher, 8,2km langer Zaun errichtet. In dieser sicheren Umgebung können gefährdete Vogelarten, wie beispielsweise der Kiwi, ungestört aufwachsen und leben. Durch mehrere Sicherheitsgatter wird das Eindringen von Jägern, wie Ratten oder Possums, unterbunden.

Als wir auf den Einfahrtsbereich zufuhren, fühlten wir uns wie in Jurassic Park. Wir drückten einen Knopf und das erste Tor begann sich in aller Seelenruhe zu öffnen. Nachdem wir es passiert hatten, mussten wir darauf warten, bis es vollständig geschlossen war. Erst jetzt konnten wir einen weiteren Knopf betätigen, um das nächste Tor zu durchfahren. Die Natur, die uns nun umgab, war unbeschreiblich. Dichter Busch, aufgeweckter Vogelgesang und absolute Stille zugleich. Wir stellten unser Auto ab und saugten die Atmosphäre auf.
Zu unserer Begeisterung war es uns sogar gestattet, hier zu übernachten! - Das Freedom Camping im Reservat ist für eine geringe Autoanzahl erlaubt. - Auch wenn unser Sam etwas abschüssig stand, freuten wir uns auf die folgende Nacht inmitten neuseeländischer Vogelvielfalt.
Wie hätte es im Busch anders kommen sollen? Dicke Regenwolken tauchten am Himmel auf und ein warmes Abendessen geriet in Gefahr. Daher trödelten wir nicht lange herum und bauten den Campingkocher auf, um uns noch schnell etwas Warmes zu kochen. Es vergingen keine fünf Minuten, da verschwanden wir mit heißem Curry im Auto und die Welt drohte über uns untergehen zu wollen - Glück gehabt!
Nach dem Essen machten wir es uns auf dem Bett bequem und schauten den letzten Teil von „Die Abenteuer des Captain James Cook“. Daraufhin folgte der Kurzsprint zum Waschbecken, um die Zähne zu putzen, und eine stockfinstere Nacht. Der Niederschlag schien nicht aufhören zu wollen - und trotzdem konnten wir neben dem lauten Geprassel noch ein weiteres Geräusch wahrnehmen! Mehrfach hörten wir Kiwis rufen - ihr schriller Schrei ist unverwechselbar! Sehr gerne wären wir zu einer Nachtwanderung aufgebrochen. Allerdings legte der Regen die gesamte Nacht über keine Pause ein. Doch allein die Vorstellung, dass wilde Kiwis in unmittelbarer Nähe um unser Auto rumwuseln, war unglaublich aufregend.

Am heutigen Tag sah die Welt schon wieder besser aus. Der Regen ließ nach und wir konnten mit Blick auf „Lake Rotokare“ frühstücken. Umgeben waren wir dabei von vielen einheimischen Vögeln wie den „Pukeko“ oder den „Magpie“. Letztere gehören zu der Gattung der Elstern. Dementsprechend interessiert und aufgeweckt waren sie.
Bevor wir uns an die Weiterfahrt machten, wollten wir uns den Schutzzaun, der dieses Gebiet eingrenzt, einmal genauer anschauen. Daher begaben wir uns auf eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Hügel. Es ist erschreckend, welche Mittel eingesetzt werden müssen, um einheimische Vögel vor dem Aussterben zu beschützen. - Der große Einsatz der Freiwilligen, der es ermöglicht, einen Ort wie diesen am Laufen zu halten, ist beeindruckend und verdient höchsten Respekt. 
Uns hat die Atmosphäre im Naturreservat sehr gefallen - sie war entspannt und magisch gleichermaßen. Ein letzter Blick schweifte auf den See. Anschließend durchquerten wir erneut die Sicherheitstore, die zurück in die laute und hektische Welt führten.
Am Vormittag kamen wir in „Hawera“ an und stellten das Auto ab. Dass wir uns dabei direkt neben der Top-Sehenswürdigkeit der Stadt befanden, war Zufall. Es handelt sich um einen 54m hohen Wasserturm aus dem Jahr 1914. Dieser wurde allerdings nie als Trinkwasserspeicher genutzt, sondern ist der Notfallspeicher der lokalen Feuerwehr. Und dies nicht ohne Grund …

Hawera bedeutet übersetzt „Der verbrannte Ort“ (maorisch). In früheren Schlachten wurden hier immer wieder Maorisiedlungen angezündet. Auch noch im 20. Jahrhundert brannte unvorhersehbar ein Großteil der Hauptstraße nieder. Aufgrund dessen wurde, um Sicherheit zu gewähren, wenige Jahre später der besagte Wasserturm erbaut.

Tja, was sagt es über eine Stadt aus, wenn ein Wasserturm ihr Highlight bildet? Sie ist eher zwecksmäßig gebaut. Für uns also kein Grund hier länger zu verweilen. Noch schnell einen Mittagssnack in der lokalen Bäckerei besorgt, befanden wir uns schon kurz darauf zurück auf dem Highway. Über diesen fuhren wir in 1,5 Stunden ins 90km entfernte „Whanganui“. 
Antworten (1)

Wolfgang
Wieder mal sehr schön geschrieben. Danke!

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