Unser erster russischer Schultag
Heute war für mich um 6 die Nacht vorbei. Nach einem typisch russischen Frühstück, bestehend aus блины (Pfannenkuchen) und вареники (Teigtaschen mit Quark), ging es 7:15 Uhr in...

Veröffentlicht: 23.10.2019
Am Dienstag Abend stand etwas ganz besonderes auf dem Programm. Passend zu unserer Projektarbeit besuchten wir das Puppentheater. Wir trafen uns 17:30 Uhr vor dem Gebäude, genau zu der Zeit, als die Lichter an der großen Uhr vor dem Theater (welche aber stehengeblieben ist) sowie am Gebäude selbst angingen. Es sah sehr schön aus und stimmte uns auf das folgende Stück ein. Auch die Statue eines Hundes vor dem Gebäude gab erste Eindrücke, denn sie zeigt den Hund Bim, um den es im Theaterstück ging.
Wir betraten das Theater und gaben im Foyer unsere Jacken ab und liegen in Richtung des Vorstellungsraums. Auf dem Weg dorthin vielen am Rand Aquarien mit bunten Fischen und, für mich etwas ganz besonderes, ein Vogelkäfig, der sich vom Erdgeschoss bis auf die erste Etage erstreckte, auf.
Durch die vollen Woronescher Straßen waren wir spät dran und nahmen schnell unsere Plätze ein. Neben uns Schülern waren auch viele kleinere Kinder zu dieser Vorstellung gekommen (obwohl auf der Karte ab 10 Jahren stand) und es war ein wenig unruhig, doch als das Stück anfing legte sich die Unruhe etwas.
Das Stück welches wir sahen hat den Titel „Белый Бим - Чёрное ухо“ (Weißer Bim Schwarzohr). Die Geschichte handelt von einem Schriftsteller mit dem Namen Iwan Iwanowitsch, welcher sich bei einem Züchter einen Gordon Setter kauft, welcher statt schwarz weiß ist, aber ein schwarzes Ohr hat. Er nennt ihn Bim. Wegen dieser Anomalie sollte Bim eigentlich von Züchter getötet werden, doch bei Iwan findet er ein wundervolles neues zu Hause. Sein neues Herrchen muss nach einiger Zeit jedoch wegen einer Kriegsverletzung ins Krankenhaus und Bim bleibt alleine. In dieser Zeit macht er sich auf die Suche nach seinem Herrchen. Auf diesem Weg lernt Bim viele neue Menschen kennen durch die er manche positive, aber auch viele schlechte Erfahrungen sammelt.
Die Vorstellung dieser Geschichte war sehr beeindruckend. Die handelnden Figuren wurden zum Teil von Puppen, zum Teil aber auch von Menschen verkörpert, so handelten auch Menschen gemeinsam mit Puppen. Die Puppenspieler waren meist auch zu sehen, wodurch man die Emotionen der einzelnen Figuren gut erkennen konnte. Auch die Kulisse war sehr gut gestaltet und sehr wandelbar. Aus einfachen Mehrfamilienhäusern der 70er Jahre wurde schnell ein Truck, ein Hundezwinger oder eine Wohnung.
Durch diese deutlichen Bilder konnten wir, trotz dass wir nur sehr wenig vom Text verstanden, gut dem lebhaften und emotionalen Geschehen folgen. Besonders das Ende nahm uns alle sehr mit, denn als der Schriftsteller Iwan aus dem Krankenhaus kommt, findet er einen kleinen Jungen der nach dem Hund Bim sucht und ihn nirgendwo findet. Iwan geht zum Tierheim um nach Bim zu suchen. Da durch seine Nachbarin, die Bim hasste, jedoch die Hundefänger dachten, er hätte Tollwut, wurde der so schon geschwächte Hund mitten im kalten Winter auf einem Lastwagen gehalten. Als Iwan am Tierheim bei seinem Hund ankommt, ist dieser schon verstorben.
Dieses Ende hat mich Tief berührt. Der Umgang der Menschen mit Bim hat mich sehr traurig gestimmt. Das Ende der Vorstellung gab jedoch Hoffnung! Die einst graue Kulisse, die die 70er Jahre authentisch darstellte, wurde mit bunten Regenbögen verziert, ein echter Hund kam sogar kurz auf die Bühne und , wie Frau Makk und übersetze, wurde gesagt, viele Kinder hätten Briefe geschrieben und appelliert, man solle so nicht mit Tieren umgehen!
Im Puppentheater haben wir nicht nur dieses traurige und beeindruckende Stück gesehen, sondern in der Pause auch ein Museum im 1. Stock bewundert in den Puppen und Kulissen ehemaliger Aufführungen ausgestellt waren. Diese Figuren zeigten Vielfältigkeit dieses Puppentheaters.
Ich würde sagen, es war ein rundum gelungener Abend der zum nachdenken anregte!
~Magdalena Heeg