Sydney zwischen Vertragsabschluss und Weihnachtscocktail
Sydney zwischen Vertragsabschluss und Weihnachtscocktail Teaser: Ankommen am anderen Ende der Welt, erste Eindrücke einer pulsierenden Metropole, Sushi in Chinatown und ein...

Veröffentlicht: 17.12.2025








































Sydney – ein ganzer Tag, rund erzählt
Der Tag begann ruhig und aufmerksam. Beim Frühstück wieder die vertrauten Gesichter, Elliot mit seinem hebräischen Buch, diese Selbstverständlichkeit von Konzentration am frühen Morgen. Danach gemeinsames Frühstück, Treffen in der Lobby, Chris mit seinen analogen Karten. Keine App, kein Getriebe – einfach Orientierung. Schon da wurde klar: Das hier ist ein anderes Sydney als in der ersten Woche. Vielschichtiger, weniger Postkarte, mehr Stadt.
Der Weg Richtung Opera House war geprägt von Eindrücken: Architektur, Regierungsgebäude, die große Bibliothek – sofort ein gedanklicher Sprung zur jüngeren Tochter, die dort vermutlich einfach verschwunden wäre, zwischen Sprache, Literatur und Büchern. Museen tauchten immer wieder auf, kostenfrei zugänglich, Geschichte und Selbstverständnis offen im Stadtraum präsentiert. Besonders die Perspektive auf Strafgefangene als Teil der australischen Gründungsgeschichte blieb hängen – ein Thema, das wir bewusst für morgen eingeplant haben.
Opera House – Architektur, Brüche, Betrieb
Die Führung im Sydney Opera House war intensiv und überraschend tiefgehend. Über anderthalb Stunden Architektur, Geschichte, Entscheidungen. Der ursprüngliche Entwurf des dänischen Architekten, der spätere Entzug des Auftrags, zwei weitere Architekten, die unterschiedliche Ebenen weiterentwickelten. Kein geradliniges Projekt, sondern ein Werk mit Brüchen – und genau dadurch heute so besonders.
Beeindruckend war vor allem der Betrieb: mehrere Theater, durchgehender Spielplan, Aufführungen das ganze Jahr, auch über Weihnachten und Silvester. Kultur nicht als Event, sondern als Dauerbetrieb.
Ein besonderer Moment war der kurze Einblick in eine Ballettprobe. Eine international bekannte Persönlichkeit leitete das Training. Ballett ist nicht meine Welt, aber der Respekt vor dieser Profession ist groß. Sich in diesem Bereich durchzusetzen, erfordert extreme Disziplin und Durchhaltevermögen. Das war spürbar.
Der Versuch, für den nächsten Abend noch Tickets zu bekommen, scheiterte – alles ausverkauft, letzte Aufführung. Das gehört dazu. Reine Oper war für mich keine Alternative. Thema abgehakt.
Ein paar Eindrücke der Innenarchitektur habe ich an unseren Nachbarn Eugen in Husum geschickt. Ein verdienter Architekt, der das fachlich würdigen kann. Ich kann staunen – er kann einordnen. Genau dafür war es gedacht.
Business, Begegnungen und Bubble Tea
Nach der Führung folgte ein längeres Business-Meeting mit Lem Ramos. Philippinen, lange in Singapur, heute Australien. Gesundheitsindustrie, Pharma- und Kosmetikbranche, verantwortlich für Vertriebskanäle in Asien. Zwei Stunden intensiver Austausch – fachlich, persönlich, verbindend. Gespräche über Märkte, über Kinder, über Lebenswege. Altersunterschied spielte keine Rolle.
Zum Abschluss eine kleine, fast symbolische Szene: Lem führte mich in die Welt des Bubble Tea ein. Erster Versuch, erstes Glas. Etwas, woran meine Tochter bislang gescheitert war. Ein schöner, leichter Abschluss eines dichten Gesprächs.
Parallel dazu habe ich versucht, ganz bewusst eine Verbindung zwischen Lem und meiner Tochter anzustoßen. Sprachkenntnisse, Internationalität, Neugier auf beiden Seiten. Kein Ziel, kein Druck – einfach ein Möglichkeitsraum. Mal sehen, was daraus wird.
Stadtbeobachtungen am Wegesrand
Beim Gehen durch Sydney fielen immer wieder dieselben Muster auf:
Alle mit dem Handy in der Hand. Internationales Phänomen.
Take-away überall – Kaffee, Essen, Verpackungen. Viel Rede über Nachhaltigkeit, im Alltag oft weniger konsequent. Wertfrei beobachtet.
Gleichzeitig viele Menschen in Bewegung: Joggerinnen und Jogger, sichtbar bemüht um Gesundheit. Im Kern sehr ähnlich zu Deutschland – nur links herum.
Auffällig auch die Statuen: Könige, Feldherren, Eroberer. Mit Jahreszahlen, systematisch im Stadtraum verteilt. King Edward VII. (1901–1910) mit großer Statue, stellvertretend für viele. Das wirkt fast wie eine durchgezogene Marketingkampagne der Geschichte. Keine Bewertung, nur ein Eindruck – aber ein sehr deutlicher.
Technologisch beeindruckend: bargeldloses Zahlen ist hier Realität. Bargeld wird teils gar nicht mehr angenommen. Die 50 australischen Dollar, die wir bekommen haben, sind praktisch nicht einsetzbar. Dazu passend: induktive Charging-Stations. Tische, auf die man einfach das Handy legt – es lädt, während man sich unterhält. Technologie, die nicht stört, sondern unterstützt. Eine kleine Sache, aber sehr gut gemacht. Empfehlung klar: machen.
Abend – Gemeinschaft, Musik, Abschluss
Am späten Nachmittag traf ich wieder Chris und Eric. Nach kurzem Suchen ein schönes Café, entspannte Atmosphäre, Austausch über das Business-Meeting. Chris fand – wenig überraschend – wieder T-Shirts. Danach gemeinsam zum Treffpunkt für die Dinner Cruise.
Die Gruppe kam zusammen, viele gute Fotos entstanden. Um 16:30 Uhr ging es aufs Boot. Die See war etwas rau, aber ich bin dieses Mal verschont geblieben. Keine Seekrankheit, alles gut.
Wir waren allein auf dem Boot. Erst Gespräche, dann Grillen: Fisch, Fleisch, gutes Essen, entspannte Gemeinschaft. Ein wirklich rundes Beisammensein.
Der Höhepunkt des Abends: Musik. Ich durfte unseren selbst komponierten Song aus der Neuseeland-Woche spielen und mein eigenes Lied „Keep the Fire High“. Die Resonanz war durchweg positiv. Das tat gut – und hatte genau den richtigen Platz an diesem Abend.
Gegen 21:30 Uhr war ich zurück im Hotel. Ein schöner, runder Abschluss ohne Störungen, ohne Ausfälle. Nur eine spürbare Erschöpfung. Wahrscheinlich fordert ein zweistündiges Business-Meeting mehr, als man sich selbst zugestehen will. Aber es hat Spaß gemacht – und es war meine bewusste Entscheidung.
Blick nach vorn
Gedanklich sind wir schon bei morgen:
Am Nachmittag dann das Museum zur Geschichte der Strafgefangenen – mit persönlichen Erlebnisberichten, Zellen, Biografien. Darauf bin ich sehr gespannt. Davon berichte ich morgen.
Zum Abschluss noch ein Moment, der hängen bleibt: die Familie per Video dazugeschaltet, gezeigt, wo ich gerade bin. Sydney, hier und jetzt. Ein Ort, den man vermutlich kein zweites Mal genauso erleben wird.
Die rote Nase war heute hemmungslos im Einsatz. Die Gruppe fordert die Bilder inzwischen selbst ein. Musterunterbrechung verstanden, akzeptiert, gewollt. Das macht Spaß.
Ein intensiver, reicher Tag. Jetzt Müdigkeit. Aber auch Vorfreude.
Sydney Opera House : Wer er ist
David Hallberg ist der künstlerische Leiter (Artistic Director) des Australian Ballet und einer der international bedeutendsten klassischen Balletttänzer seiner Generation. Er war Principal Dancer beim American Ballet Theatre und schrieb Geschichte als erster US-amerikanischer Principal Dancer am Bolschoi-Ballett in Moskau. Nach einer weltweiten Karriere auf den wichtigsten Bühnen prägt er seit 2021 die künstlerische Ausrichtung des Australian Ballet.
Gestern durften wir aus einiger Entfernung – etwa 250 Meter – beobachten, wie er während einer Probe gearbeitet hat. Auch ohne direkten Kontakt war es beeindruckend zu sehen, mit welcher Ruhe, Klarheit und Präsenz er den Probenprozess geführt hat.
