Das Tongariro Alpine Crossing ist einer der spektakulĂ€rsten und lĂ€ngsten Wanderwege Neuseelands. Und das war wohl auch mit Abstand die spektakulĂ€rste, anstrengendste, unglaublichste, lĂ€ngste und nervenaufreibendste Wanderung meines Lebens. Gestartet sind wir um 6 Uhr morgens, denn von Taupo fĂ€hrt man ungefĂ€hr eine Stunde zum Tongariro National Park. Wir hatten genau zwei Zeitpunkte, an denen uns das Shuttle wieder abholen sollte. Das war einmal 14:30 Uhr und genau 16 Uhr, sollten wir bis dahin nicht zurĂŒck sein, wĂŒrde ein Suchtrupp losgeschickt werden. Das hört sich jetzt vielleicht erstmal total komisch und absurd an, aber das Tongariro Alpine Crossing ist ein Wanderweg von 19,4 km bei dem man in einer Spanne von normalerweise 6-9 Stunden, 786 Höhenmeter zurĂŒcklegt. Unsere Wanderung startete um 7:20 Uhr, wir hatten super Wetter und eine tolle Sicht auf den schneebedeckten Mount Ngauruhoe.Â
Ganz motiviert und noch gutgelaunt liefen wir die ersten Kilometer und dann kamen die Treppen. Steil hoch, Stufe fĂŒr Stufe, die Sonne im Gesicht und das mehr als nur einen Kilometer. Bezeichnet werden diese Treppen als Devilâs Staircase und so hat sich das auch definitiv angefĂŒhlt! Wenn du dann oben bist, ist deine Laune zwar ganz unten, aber der Blick ist unglaublich.Â
Danach folgten noch ein paar Kilometer auf die Spitze des immer noch aktiven Red Craters, auf eine Höhe von 1886 m. Noch ein paar Kilometer die so, so schmerzhaft waren, dass wir alle paar Meter eine Pause machen mussten. Unsere Lungen brannten wie Feuer und unsere Beine waren schwer wie Blei. Aber als wir endlich, endlich angekommen waren, haben wir uns so stark gefĂŒhlt, dass wir es geschafft hatten, dass wir den Mut und die Kraft hatten. Und der Blick von dort oben ist absolut einmalig. Friedlich beschreibt es am besten. Friedlich. Abgeschieden von jedem Geschehen unten auf der Erde. Der Himmel sah aus wie das Meer, unglaublich fern und doch so nah.Â
Der Abstieg von diesem Punkt war anfangs gar nicht so leicht und eher vergleichbar mit einer, mein Papa wĂŒrde sagen, sehr sehr dunkel-lila Skipiste. Ja und genau so muss man diese Piste auch âherunterfahrenâ, seitwĂ€rts und Schritt fĂŒr Schritt, quasi wie im Schneepflug (sonst gibtâs den Abflug und das ist so einigen passiert).Â
Wir liefen vorbei an dampfenden Kratern, smaragdgrĂŒnen Seen und riesigen Bergen, bis wir schlieĂlich den Abstieg nach unten starteten. Wieder Stufe fĂŒr Stufe und kein Ende in Sicht. Das Schlimmste waren wohl die letzten 400 Meter, bis wir fluchend und schimpfend und gleichzeitig so glĂŒcklich und stolz das Ziel erreichten. Auf diesen 19,4 km, fĂŒr 6,5 Stunden waren wir ein Teil dieser Welt dort oben. Das erlebt man nur einmal im Leben.Â
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