Okavango Delta, ein Eldorado für Tiergeschichten
Okavango Delta, das größte und tierreichste Feuchtgebiet Afrikas wird vom gleichnamigen Fluß aus dem Hochland Angola's gespeist. Die Stadt Maun, nördlich in Botsuana gelegen, ist...

Veröffentlicht: 04.08.2025
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, nach Botswana zu kommen – mit dem Flieger oder auf dem Landweg. Wir kamen von Sambia über den Grenzübergang Kazungula, fuhren von Livingstone über die neue Brücke direkt nach Kasane. Und was für ein Unterschied: Der Grenzübergang war im Vergleich zu dem in Katima Mulilo (wo wir von Namibia nach Sambia gefahren sind) angenehm klar organisiert. Keine Hektik, keine Unsicherheit – ein paar Formulare, ein paar freundliche Gesichter, und wir waren drin. Botswana empfing uns nicht mit Spektakel, sondern mit Ordnung, Offenheit und einem ganz eigenen, ruhigen Rhythmus.
Wer direkt fliegen möchte, hat auch dafür gute Optionen: Internationale Flughäfen gibt es in Maun, Kasane und Gaborone. Je nach Startpunkt gibt es gelegentlich Direktflüge, meistens läuft die Anreise jedoch über Johannesburg oder Windhoek.
Kasane war unsere erste Station – ein kleiner Ort, der direkt an den Chobe River grenzt und gleichzeitig eines der Eingangstore zum gleichnamigen Nationalpark ist. Wir quartierten uns auf dem Campingplatz der Chobe Safari Lodge ein. Eine wirklich schöne Kombination aus Komfort und Nähe zur Natur: Obwohl wir im Dachzelt schliefen, konnten wir Pool, Restaurant und alle Annehmlichkeiten der Lodge nutzen.
Die Tage in Kasane waren geprägt von einer Mischung aus Vorfreude und Staunen. In den ersten Stunden füllten wir unsere Vorräte auf – es gibt mehrere gut sortierte Supermärkte –, gewöhnten uns ans langsame Tempo und atmeten das erste Mal wirklich durch.
Dann ging es los ab in den Chobe Nationalpark. Schon auf der ersten Pirschfahrt begegneten uns Herden von Elefanten, so dicht gedrängt, dass wir irgendwann aufhörten zu zählen. Vielleicht waren es hundert. Vielleicht mehr.
Der Park selbst ist angenehm zu fahren. Es gibt Hauptwege, die man auch ohne Allrad schafft, aber auch sandige Pisten, die etwas Erfahrung erfordern. Besonders beeindruckend fanden wir die langen Strecken entlang des Flusses, wo sich Vögel, Hippos, Krokodile und Antilopen tummeln – alles eingebettet in eine Landschaft, die im Licht der untergehenden Sonne fast unwirklich erscheint.
Nach ein paar Tagen voller Begegnungen, staubiger Reifen und Sonnenuntergänge am Fluss zog es uns weiter – Richtung Süden, in die endlose Leere der Makgadikgadi Pans. Die Landschaft dort wirkt fast wie ein anderes Universum. Wo eben noch Grün und Wasser war, liegen nun riesige weiße Flächen, unterbrochen nur von vereinzelten Grasinseln und vielleicht einem Baum in weiter Ferne.
„Makgadikgadi“ bedeutet übersetzt so viel wie „ausgedehntes, lebloses Land“ – und auch wenn das etwas dramatisch klingt, beschreibt es ziemlich genau, was wir dort erlebt haben. Diese Stille. Diese Weite. Diese Leere, die nicht abschreckt, sondern einlädt.
Tierisch gesehen war es eher ruhig, die berühmten Flamingos bekommt man nämlich nur in bestimmten Monaten zu Gesicht. Tipp am Rande: Ruft vorher bei der Lodge oder dem Park an – sie können euch sagen, ob die Flamingos gerade da sind oder nicht. Bei uns: leider Fehlanzeige. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – war diese Etappe eine der intensivsten. Wir haben mitten auf der Salzpfanne gekocht, saßen am Feuer in völliger Einsamkeit.
Der nächste Stopp war eher zufällig gewählt, denn eigentlich hatten wir den Nxai Pan Nationalpark gar nicht so recht auf dem Schirm. Ein Umweg – dachten wir. Ein Geheimtipp – wurde es. Der Park liegt nördlich der Makgadikgadi Pans und ist landschaftlich ähnlich, aber zugleich wilder, ursprünglicher und vor allem: voller Überraschungen.
Schon die Anfahrt ließ erahnen, dass wir Botswana nun in seiner echten Form begegneten. Keine Zäune, keine privaten Lodges, kein abgesicherter Campingplatz. Die Campsites bestehen im Grunde nur aus einer kleinen Lichtung, einem ordentlich umzäunten Sanitärhäuschen – und dem Busch drumherum. Der Schlafplatz? Offen. Natur pur. Wie offen der Platz ist verraten tagsüber schon die Kot Haufen die dort liegen, nämlich massenhaft Elefantenkot.
Abends am Feuer leuchteten wir immer wieder um uns – vorsichtshalber. Und dann sahen wir sie: Augen im Dunkeln. Leuchtend. Still. Kein Laut. Nur das Knistern des Holzes. Es war der Moment, in dem wir merkten: Du bist hier nicht allein – und das ist genau der Punkt. In Botswana lernst du mit der Natur zu leben, mit dem Tageslicht und eben alles zu nehmen wie es gerade ist. Elefanten versperren die Hauptstraße? Na gut dann machen wir wohl eine Pause. Warzenschweine liegen vor der Dusche? Na ja dann halt später.
Ein besonderes Highlight waren die Baines Baobabs – eine Gruppe uralter, riesiger Affenbrotbäume, die mitten in der Pfanne stehen, wie Figuren aus einer anderen Zeit. Sie waren für uns wie ein Naturdenkmal, das einfach dort steht, ohne erklärt oder vermarktet zu werden. Einfach da. Und ehrfürchtig.
Schließlich fuhren wir weiter Richtung Westen, dem Okavango Delta entgegen – dem Ziel, das uns von Anfang an am meisten gereizt hatte. In Maun, dem inoffiziellen Tor zum Delta, stoppten wir kurz, um unsere Vorräte ordentlich aufzustocken. Hier treffen moderne Supermärkte und Straßenverkäufer für Feuerholz aufeinander – und man kann sich nochmal richtig gut eindecken, bevor es tiefer in die Wildnis geht.
Kleiner Rat: Packt mehr ein, als ihr denkt zu brauchen. Je nach Saison begegnet ihr auf den Wegen stundenlang niemandem, und wenn ihr euch festfahrt oder eine Panne habt, ist Wasser, Essen und Zeit alles, was zählt.
Die Trockenzeit (Juni–Oktober) ist übrigens Hauptsaison – viele Tiere, wenig Wasser, aber dafür viele Touristen. In der Regenzeit (November–Mai) habt ihr Ruhe und sattes Grün, aber auch matschige Pisten und weniger Tierdichte. In der Hauptsaison solltet ihr Campsites unbedingt frühzeitig reservieren – in der Nebensaison könnt ihr entspannter reisen.
Fahrtechnisch ist Botswana hier kein Spaziergang mehr. Wer ins Moremi Game Reserve oder tief ins Delta will, sollte sein Auto kennen: Wann brauche ich 4WD? Wann 4WD low? Was ist Diff Lock? Und was passiert, wenn ich zu spät schalte? Wer keine Erfahrung hat, sollte sich vorher gut informieren oder Fahrtrainings machen – denn hier draußen ist kein Abschleppdienst in Reichweite. Mindestens ein Ersatzreifen ist Pflicht – besser zwei. Unverzichtbar ist außerdem ein kleines Gerät zum Luftablassen aus den Reifen, denn auf weichem Sand senkt ihr den Reifendruck, um nicht stecken zu bleiben. Genauso wichtig: ein mobiler Kompressor, um die Reifen danach wieder aufzupumpen. Lasst euch im Zweifel von eurer Autovermietung genau zeigen, wie das funktioniert, und nutzt die Gelegenheit, um Tipps für den Umgang mit dem Diff Lock zu bekommen – was ihr tun könnt, wenn er mal klemmt, passiert öfter, als man denkt. Und ganz ehrlich: Schaut euch vorher ein paar Videos an, wie man mit Allrad, Low Gear, High Gear & Co richtig umgeht – das kann euch unterwegs wirklich den Tag (oder die Achse) retten.
Einer der eindrucksvollsten Orte, die wir im Delta besucht haben, war das Third Bridge Campsite – ein wilder, abgelegener Campingplatz mitten im Moremi Game Reserve, nur über teils sehr abenteuerliche Tiefsandpisten und die berühmte, etwas in die Jahre gekommene Holzbrücke zu erreichen. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis, das einen auf das einstimmt, was einen dort erwartet: reine Wildnis, keine Zäune, keine Beleuchtung, keine Sicherheit im herkömmlichen Sinne – nur du, dein Zelt und das, was dich umgibt.
Die Campsite liegt direkt an einer Flussbiegung, und wenn du morgens die Zeltplane öffnest, kannst du mit etwas Glück schon die frischen Spuren eines Löwen oder einer Hyäne im Sand vor deinem Auto sehen. Uns begegneten hier Elefantenherden, die lautlos durch das Camp zogen, während wir frühstückten. In der Nacht hörten wir Hippos schnauben, Schakale jaulen und Löwen brüllen – nah genug, um das Herz ein bisschen schneller schlagen zu lassen, aber gerade weit genug entfernt, um im Zelt zu bleiben und zu staunen.
Das Okavango Delta selbst ist ein Tierparadies, wie es sonst kaum eines gibt. Durch das saisonale Hochwasser verwandeln sich große Teile der Landschaft in ein verzweigtes Mosaik aus Wasserarmen, Inseln, Lagunen und Sümpfen – ein idealer Lebensraum für unzählige Tierarten. Wir sahen hier Elefanten, Zebras, Kudus, Impalas, Giraffen, aber auch Wildhunde, Leoparden und mit etwas Geduld sogar Löwen. Für Vogelliebhaber ist das Delta ein Traum: Fischadler, Bienenfresser, Jacanas, Reiher, Löffler, Eisvögel – die Vielfalt ist atemberaubend.
Und das Erstaunlichste ist: Trotz dieser Fülle fühlt sich alles ruhig und entschleunigt an. Kein Lärm, keine Menschenmassen – manchmal fuhren wir stundenlang, ohne einem einzigen anderen Fahrzeug zu begegnen. Diese Stille, gepaart mit dem ständigen Bewusstsein, dass man hier wirklich nur Gast in einer uralten, wilden Welt ist, macht das Delta so besonders. Es ist schwer, das Gefühl in Worte zu fassen – vielleicht am besten so: Wenn du einmal hier warst, misst du jedes andere Naturerlebnis an diesem Ort.
Botswana schenkt dir keine Show. Aber es schenkt dir Momente, die unter die Haut gehen. Third Bridge war einer dieser Orte, die man nie vergisst – nicht weil etwas Spektakuläres passiert ist, sondern weil die Natur dort einfach sie selbst sein darf. Und du bist mittendrin.
Da wir in den ersten paar Nächten keinen Platz mehr im Moremi selbst bekommen hatten, schliefen wir in Khwai, außerhalb des Parks, aber landschaftlich ebenso spektakulär. Unsere Unterkunft: Khwai Hippo Pool Campsites. Und ich sage es selten, aber diesmal stimmt’s: Das war die beste Campsite, auf der wir je geschlafen haben.
Wir schliefen direkt am Fluss, sahen Hippos, hörten Elefanten nachts durch das Dickicht ziehen, und erlebten einen Sonnenaufgang, der fast schon zu kitschig für Worte war. Dazu eine Mokoro-Fahrt – ein traditionelles Einbaumboot, mit dem ein lokaler Guide euch lautlos durchs Delta stakt, vorbei an Seerosen, Libellen und einem Elefanten am Ufer.
Botswana hat uns nicht einfach nur begeistert – es hat uns verändert. Es ist ein Land mit einem starken Rückgrat: wirtschaftlich stabil, politisch ruhig, sozial stolz. Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren offen, freundlich und hilfsbereit – nie aufdringlich, aber immer herzlich.
Botswana lässt dich sein – aber es verlangt auch, dass du mit Respekt reist. Dass du zuhörst statt zu drängeln, dass du langsam fährst statt schnell zu urteilen. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, wird mehr als Tiere und Landschaften sehen. Er wird Ruhe finden, und sich selbst vielleicht ein Stück mehr begegnen.
💬 Du planst deine eigene Botswana-Reise oder hast Fragen zu Routen, Camping, Fahrzeug oder Saison? Schreib uns – wir teilen gern unsere Erfahrungen!
