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Boone und Umgebung

Veröffentlicht: 09.10.2023

Boone

Ab Sonntag, 01. Oktober ist die kleine Universitätsstadt Boone ganz im Westen North Carolinas mein Zuhause. Die Stadt wird dominiert von der recht großen Appalachian State University (fast 20.000 Studierende) was sich besonders im Umfeld der Uni an den Kneipen und den Einkaufsmöglichkeiten zeigt. Zudem werden vielfach die Wander- und Skisporte beworben. Mein Ziel ist es jedoch, soviel (Bluegrass-) Musik wie möglich zu hören und zu machen. 

Musik

Und gleich am ersten Abend komme ich dazu. Der Cousin meiner Airbnb-Gastgeberin, Jim ist Organist in einer Kirchengemeinde und hat einen Lehrauftrag an der Uni für Musik. So werden gleich einige (ältere) Pop- und Jazzstücke beim Klavier aufgelegt und Jim und ich spielen Klavier und Mandoline. Auch ein Geburtstagsständchen für Kyndys Tochter wird gleich aufgenommen und verschickt. 

Musik Sessions

Am Montagabend finde ich dann die erste Bluegrass Session in der Appalachian Mountain Brewery. Ich spiele sofort mit und lerne einige neue Stücke kennen: Big Spike Hammer, Salt Spring. Mit den meisten Musikern komme ich während oder nach der Session ins Gespräch. Das sind alles nette und interessante Leute. Am Mittwochabend findet die nächste Session im Pedalin‘ Pig statt. Es sind wieder einige der Musiker von Montag da, aber auch mir noch Unbekannte. Auch hier spielen wir draußen für die anwesenden Gäste. Allerdings haben wir vor dem Start der Session noch umsonst etwas zu essen bekommen. Als die Session eigentlich schon beendet war, kommt ein Musiker hinzu, der eigentlich im der Kneipe arbeitet (Blake?). Er spielt sehr gut Mandoline (aber auch Gitarre und Banjo) und arbeitet neben dem Kneipenjob als Profimusiker. Wir spielen noch mit kleinen Kreis einige Bluegrassstücke, dann aber auch etwas von The Grateful Dead und meinem Mandolinen Heroren David Grisman. Am Donnerstagabend gehe ich ins Jones House zur Oldtime Session. Viele, viele Stücke in D-Dur, hier gibt es noch einiges zu lernen. Für Freitagabend habe ich Karten für die Band Tray Wellington im Appalachian Theatre. Das Konzert ist klasse! Progressiver Bluegrass mit tollen Musikern. 

Am Samstag bin ich nachmittags im Sugar Mountain Ski Ressort beim Oktoberfest. Tja, da ich keine Lederhose anhabe, fühle ich mich etwas fehl am Platz. Aber die Leute haben ihren Spaß! Beim Rückweg fahre ich entlang des Blue Ridge Parkway. Und tatsächlich ist es am Wochenende auf der Straße bei tollen Wetter sehr voll. Aber die Aussichten sind wirklich spektakulär. 

A little cabin home on the hill

Am Sonntag ziehe ich um und fahre im wahrsten Sinne in die Berge. Meine Unterkunft (a Little Cabin home on the hill) ist nur über eine Schottersteinstraße mit vielen Unebenheiten und Steigungen zu erreichen. Im Airbnb-Inserat wurde darauf hingewiesen, dass es ratsam sei, den Weg mit einem 4-Wheel-Drive zu fahren. Naja, mein Honda Civic schafft es und ich bin nach der Auffahrt auch geschafft und denke zunächst, hier muss ich für immer bleiben und komme nie wieder zurück in die Zivilisation. Aber in den nächsten Tagen fahre ich sehr langsam und vorsichtig zu den Sessions am Montag und Mittwoch. 

Johnson City Tennessee 

Am Dienstag fahre ich mit Mike gemeinsam zu einer hervorragenden Oldtime-Session nach Johnson City in Tennessee (1,5 Stunden pro Strecke). Mike spielt bei den Sessions Gitarre, Dobro oder Banjo und ist sehr gesprächig, was die lange Autofahrt sehr unterhaltsam macht. 

Todd

Nach meinem Ausflug nach Owensboro in Kentucky und Nashville in Tennessee, komme ich am 19. Oktober wieder nach Boone, bzw. in die Nähe von Boone, nach Todd. Hier hat meine Airbnb-Gastgeberin ein Tinyhouse. Dies ist noch nagelneu und ich bin der erste Gast. Allerdings vermietet sie es mir privat, nicht über Airbnb. Die ersten Tage und Nächte sind spannend, da ich mich erst mit der Klimaanlage bzw. der Heizungsfunktion davon vertraut machen muss. Zudem ist es nachts recht stürmisch und die Geräusche vom Regen und vom Wind und damit vom Haus sind mir zunächst noch unvertraut. Allmählich mache ich mich mit allem vertraut, auch mit der Straße hierher. Und nach zwei Reparaturen funktioniert auch das Warmwasser. Ich genieße hier die völlige Unabhängigkeit und kann vom Sofa oder von der Terrasse aus die wunderschöne Landschaft genießen. 

Neben den Sessions am Montagabend und Mittwochabend gehe ich am Donnerstagabend auch zur Show der “Mörder Balladen” im Appalachian  Theatre. Die im Song- und Bluegrassbandformat vorgetragenen Balladen werden von passenden projizierten Fotos und einleitenden Worten umrahmt. Endlich höre ich auch den Musiker Trevor McKenzie. Er hatte tags zuvor schon am Schluss der Jamsession teilgenommen. Da wusste ich aber nicht, wer er war. Mit ihm hatte ich bereits über Email geschrieben und er hatte mir Empfehlungen für Musik gegeben. 

Tags drauf höre ich abends die Band Dawgful Dead in der Southend Brewery in Boone. Sie spielen, wie der Name bereits andeutet, Stücke von der Band The Grateful Dead und von David Grisman. Mit dem herausragenden Mandolinenspieler komme ich während der Pause ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er (wie ich) ein absoluter Mandolinen-Nerd ist. So kennt er zum Beispiel viele Choro Musiken und den Brasilianischen Musiker Hamilton de Holanda (ihn hatte ich im Sommer beim Rudolstadt-Festival gehört). Auf dem Heimweg zu meiner Unterkunft höre ich die Empfehlung vom Mandolinenspieler: Ian Coury (ein Protegés von Hamilton de Holanda). 

Während meiner Zeit hier in Todd komme ich dazu, diese beiden Bücher zu lesen: 

“Roots Music in America - Collected Writings of Joe Wilson”. Ein Musikjournalist, der in zusammengefassten Artikeln aus verschieden Jahren die Entwicklungen der Musiken Nordamerikas darstellt. Ein historischer Abriss gibt einleitend einen guten Überblick mit besonderem Augenmerk auf Folk, Old-time und Bluegrass Musik. Dann stellt er die wesentlichen Instrumente da und gibt zur Old-time Musik und zum Bluegrass mit wesentlichen Entwicklungen und Personen einen Überblick. Aber auch die heutige Country Musik und der Blues werden thematisiert. 

Völlig ohne Bezug zu Musik: “Warrior Girl unearthed” von Angeline Boulley. Dies ist der Nachfolgeband von “Firekeeper’s Daughter” (ein #1 New York Times Bestseller und ein von Michelle und Barack Obamas Produktionsfirma, Higher Ground, für Netflix produzierter Film). Das äußerst spannende Buch (und der vorausgegangene Band) gibt Einblicke in soviele Bereiche indianischer Kultur (hier besonders die Ojibwe in Michigan). Es wäre sicherlich spannend, dies näher kennen zu lernen. 




 

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