Heute
begrüßte uns der Tag mit Regen, Nebel und nur 20 Grad. Wir
bereiteten Unterwegs-Verpflegung vor, denn wir hatten fast 6 Stunden
Fahrt vor uns. Wir fuhren einmal mehr durch verlassene Gegenden und
viele größere und kleinere Ortschaften. Dieses Mal nicht, weil wir
Mautgebühren sparen wollten, sondern weil es in Bosnien und
Herzegowina keinen schnelleren Weg gibt. Kurz vor Sarajevo gibt es
ein Stück Autobahn, welches wir dann auch nahmen, denn wir hatten
keine Lust mehr hinter langsamen Lkw's her zufahren. Wir sahen die
Stadt von einem Berg aus vor uns liegen und dachten im ersten Moment
„oh, sieht aber nicht schön aus“. Auf einem nächsten Berg,
viele kleine Häuser direkt aneinander gereiht und im Tal vor uns
Plattenbauten. Wir fuhren mitten durch die verstopfte Stadt und sahen
einige Häuser, die noch immer vom Krieg gezeichnet sind. Dann kamen
wir in einer kleinen Nebenstraße an, parkten unser Auto und fanden
eine top-eingerichtete Wohnung, für sehr kleines Geld, vor. Wir
liefen in die nahe gelegene Altstadt. Uns bot sich eine bunte
kulturelle Mischung, Frauen in kurzer bauchfreier Kleidung und völlig
verschleierte Frauen, blonde und dunkelhaarige Menschen, Moscheen und
Kirchen, Basare und europäische Einkaufsstraßen. Die Altstadt wurde
nach dem Krieg renoviert, aber nicht zu sehr und das war auch gut so,
denn das gibt der Stadt einen ganz besonderen Charme. Wir hatten uns
ein kleines uriges Restaurant zum Abendessen ausgesucht und wurden
hier sehr freundlich, in deutscher Sprache, bedient und aßen sehr
lecker. Zum Abschluss des Tages gab es in einer kleinen Shisha Bar
inmitten des Altstadttrubels eine Wasserpfeife und einen türkischen
Tee.
Am
nächsten Morgen packten wir all unsere Sachen schon wieder zusammen
und luden sie ins Auto. Wir fuhren aber noch nicht weiter, denn wir
hatten uns noch eine besondere Tour durch Sarajevo gebucht – eine
Foodtour. Wir trafen unseren Tourguide Alem. Er ist in Deutschland
während des Bosnienkrieg geboren. Nach dem Krieg ist er mit seiner
Familie wieder zurück in sein Heimatland und seine Stadt Sarajevo
gekommen. Wir waren insgesamt 5 Stunden mit ihm und noch zwei jungen
Dänen zu Fuß unterwegs. Alem zeigte uns sehr viel, zwischendrin
probierten wir verschiedene typische Köstlichkeiten und er erzählte
uns über die Geschichte der Stadt und das Leben der Einheimischen.
Am 28.Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichisch-ungarische
Thronfolger Franz Ferdinand von Gavrilo Princip ermordet. Damit
begann der Erste Weltkrieg. Noch heute gibt es eine Gedenktafel und
die Fußstapfen, wo der Attentäter gestanden hat. Darauf folgte
unsere erste Mahlzeit – die besten Cevapi der Stadt. Wir besuchten
das Rathaus, in welchem im August 1992 über 2 Millionen Bücher und
Dokumente der National- und Universitätsbibliothek von serbischen
Kriminellen verbrannt wurden. Von hier aus hatten wir einen Blick auf
einen der Berge, die die Stadt umgeben, und seine Seilbahn, die für
die Olympischen Winterspiele von 1984 gebaut wurde. Wir schlenderten
durch die Straße der Kupferschmiede und schauten uns an, wie noch
richtige Handarbeit funktioniert. Sarajevo wird auch als das
Jerusalem Europas bezeichnet. Wir kamen in die Straße, in der sich
nur wenige Meter voneinander eine Moschee, eine alte orthodoxe
Kirche, eine Synagoge und eine römisch-katholische Kirche befindet.
Hier gab es dann auch die nächsten zwei Gerichte – einen Pie und
eine Suppe. Es ging vorbei am türkischen Wasserbrunnen, der den
Treffpunkt der Stadt schlechthin bildet, und weiter durch die engen
Straßen, die von kleinen Geschäften, Kaffeehäusern und Sisha Bars
gesäumt waren, bis zum Taslihan, einer der größten Karawansereien
aus der osmanischen Zeit. Wir sahen eine alte osmanische Schule und
die Gazi Husrev-beg Moschee. Direkt daneben befindet sich der
Uhrenturm aus dem 16. Jahrhundert, er sieht zwar ganz anders aus, ist
aber ein kleines Abbild des Big Ben, denn nur in diesen beiden
befindet sich das identische Uhrwerk. Wir liefen weiter die Ferhadija
entlang und plötzlich änderte sich die Architektur. Wir sind in
Europa angekommen, hier ist nichts mehr von der osmanischen
Vergangenheit der Stadt zu sehen. Wir kamen nun zur gotischen
Kathedrale Herz Jesu. Direkt davor konnten wir eine der Rosen von
Sarajevo erkennen. Während des Bosnienkrieg und der damit
verbundenen 1425 Tage langen Belagerung der Stadt Sarajevo von 1992
bis 1995 sind an diesen Stellen Granaten eingeschlagen und haben
Zivilisten getötet. Die Rosen von Sarajevo sind besondere Mahnmale
für die etwa 11.000 Getöteten. Nun brauchten wir eine nächste
Stärkung. Es gab typische Gerichte wie gefüllte Zwiebeln und
Zucchini, Kartoffeln und Fleischvarianten. In der nächsten Straße
hatten wir dann den süßen Abschluss unserer Stadttour und unseres
Aufenthaltes in Sarajevo. Es gab verschiedene Sorten Baklava und Alem
zeigte uns wie man echten bosnischen Kaffee trinkt. Wir haben unseren
ersten Eindruck der Stadt noch einmal gänzlich geändert, sind
begeistert und kommen sicher irgendwann noch einmal zurück.