Pisa 2026 - Tag 1
Prolog Mai 2026: Der Agriturismo-Besitzer Giulio ist äußerst zuvorkommend und hat mir unbedingt in einem Call vor der Reservierung folgende Punkte erklären müssen und auch noch

Veröffentlicht: 12.07.2026
Montag / Lunedi, 29. Juni 2026 – Tag 2
Wie erwartet schlechter Schlaf, es ist sooo heiß und stickig im ganzen Apartment. Also auf um 6 und durchlüften.
Die Tierwelt ist noch immer oder schon wieder aktiv: Die Zikaden schreien, der Hahn kräht, ein Hund bellt in der Ferne, die Ameisen laufen nicht nur entlang ihrer Hauptameisenstraßen. Sie waren möglicherweise auch gestern Abend die beißenden Quälgeister an meinen Füßen. Lisa ist auch schon wach.
Die Stadt in der Ebene unter uns scheint noch zu schlafen, doch ein Zug pfeift in der Ferne. Es ist sehr diesig und doch bewegt sich ein sanftes Lüftchen.
Und um 06:16 Uhr startet der erste Flieger von Ryanair/Malta Air mit einer Boeing 737 nach Catania (Sizilien). Und 4 Minuten später gleich die nächste Boeing 737 von Ryanair nach Rhodos. Alle starten Richtung Süden über Livorno hinweg und sind somit nur am Flightradar sichtbar und nicht wirklich hörbar. Gleiche Kombination von Fluglinie und Flugzeugtyp startet 2 Minuten später nach Alghero (Sardinien) und wieder 4 Minuten danach nach Cork (Irland). Dazwischen darf auch noch ein Flieger aus Zadar landen, aber das war es dann, es kehrt wieder Ruhe ein.
Langsam klart es auf, sieht man da das Meer und da hinten auch Inseln in der Ferne? Gar Elba oder Korsika? Nein, das ist alles viel zu nahe, es ist wohl der Wald vom Nationalpark und sicher der Hafen von Livorno.
Der Magen knurrt, also ab in die Bar im nächsten Ort, in Orzignano. Cappuccino e cornetto e matcha per lei. Und ab in den italienischen Montagfrühverkehr direkt in die Stadt Pisa zur Parkgarage am Piazza Vittorio Emanuele II und zum stärkenden Brunch im gottseidank klimatisierten Metodo.
Diese drückende Schwüle und brennender Sonnenschein wird uns durch den gesamten Tag begleiten - leider. Wir traben durch die Gassen und am Arno entlang und erklimmen beim Holzturm die alte Stadtmauer (Pisa Walls) und hatschen ca. 3 km gegen den Uhrzeigersinn bis zur Piazza dei Miracoli mit wundervollem Anblick unseres Ziels, dem Schiefen Turm.
Dazwischen müssen wir aber runter von der Mauer und in einen Supermarkt (Conad) zum Wasser fassen und zum Abschwitzen. Es wird sich in den nächsten Tagen noch zeigen, dass praktisch jeder Supermarkt hier ein Conad ist (Florenz und Siena sind eher COOP-Gegend). Der Weg auf der Stadtmauer ist wunderschön und absolut empfehlenswert, aber nicht bei diesen tropischen Bedingungen.
Am Platz der Wunder (oder man kann auch sagen: Platz der 100.000 verschwitzten Leiber) starten wir das übliche Prozedere für den 55 m hohen, aber schiefen Turm: das Haltefoto aus 2014 nachstellen, das vorreservierte Ticket abholen, die doch sehr kleine Umhängetasche von Lisa in ein Riesen-Schließfach verstecken und beim Eingang zum Turm noch den Metallscanner verfluchen.
Nun schnaufe ich das 3. Mal in meinem Leben mit 100 fremden verschwitzten Touristen hier rauf – es reicht dann. Anschließend mäandern wir noch durch Cimitero, Battistero und Duomo und vor dem drohenden Gewitter durch die Altstadt zum Auto.
Flink und wendig durch den Abendverkehr (so herrlich der italienische Verkehr, alle passen aufeinander auf, ich liebe es!) und entlang dem Acquedotto Medico (ehemalige Wasserversorgung aus den Bergen nach Pisa) mit einem kurzen Umweg zum Conad nach Hause.
Das Gewitter hat sich verzogen, die dampfende Hitze ist geblieben – also zum Pool. Lisa ist in ihre Bücher vertieft bis zum Abendessen: Prosciutto, Melone, Nektarinen, Feigen, Parmesan. Bettruhe um 10.
Bis um halb 12, denn da stürmt und donnert es rund ums Haus, bis der Strom ausfällt. Naja, bis um 1, denn da brennt das Licht im Wohnzimmer wieder und das Wetter beruhigt sich langsam wieder. Somit sehr guter Schlaf bis fast um 9.
