Ein Vergleich
Schaue ich mir die Bilder aus Ajteke bi vom letzten Jahr an und vergleiche die mit denen aus Kentau macht mich der krasse Unterschied sehr betroffen (s. Fotos). Die Katastrophe...

Veröffentlicht: 28.06.2026
Mein Aufenthalt in Kentau endet morgen. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen.
Das hohe Engagement der Mitarbeiter, deren Interesse und Aufgeschlossenheit, die kindgerechte Ausstattung und die ansprechende Vielfalt an Fördermaterial haben mir meine Arbeit am Centro Eko Atameken erleichtert.
Aus Sicht einiger Eltern lag in meiner Rolle als SES-Experte die Hoffnung auf Lösung/Heilung ihrer Kinder durch mich. Dass Autismus selbst im hoch entwickelten Westen nicht heilbar ist, war für diese Eltern zentrale Botschaft und Voraussetzung, dass die Arbeit der Einrichtung letztlich anerkannt wurde. Hier zeigt sich wieder, dass der Prophet (hier die Einrichtung) im eigenen Land wenig Resonanz erfährt, hingegen der aus Germania umso mehr. Der Vorstellung, die Erziehung wäre alleinige Aufgabe des Centro (schließlich bezahle man ja dafür), konnte ich im Kontakt mit Eltern begegnen.
Die Beobachtung von Kindern in der Einzelförderung, die Reflexion der Förderung und das Aufzeigen von weiterführenden Hilfen waren wesentlicher Bestandteil meiner Tätigkeit. In konkreten Situationen (z.B. Kind wirft sich auf den Boden und schreit) konnte oft beispielhaft gezeigt und erlebt werden, wie sich das Ignorieren von negativem Verhalten und das konsequente Verstärken von positivem Verhalten auf ein Kind auswirkt. „Catch them being good“ und die Reflexion der eigenen Position gegenüber einem Kind waren zentrale Anliegen, die ich versuchte zu vermitteln.
Natürlich wäre es jetzt vermessen zu behaupten, dass mein Einsatz nachhaltige Veränderungen bewirkt habe. Ich denke aber, dass ich durch meine Außensicht und Impulse einige Anstöße für die Reflexion von Förderalltag geben konnte. Womöglich ergeben sich daraus Perspektiven einer weiteren professionellen Entwicklung.
Die Begegnung mit den Menschen mit ihren Traditionen, Gepflogenheiten, Religion, das Essen, das Erleben der unterschiedlichen Lebenswirklichkeit stellen für mich eine persönliche Bereicherung dar. Über meine Einsätze für den SES erhalte ich Einblicke, die mir als Tourist verschlossen wären. Ein Luxus, den ich sehr schätze und für den ich dankbar bin.
Heute war ich zum Picknick am Fluß mit Schwimmeinlage eingeladen. Morgen gibt es noch eine Veranstaltung zum Abschied. Mit diesem Bericht endet mein Blog. Montagabend fliege ich nach Astana und Dienstag geht der Flieger nach Frankfurt. Ich freue mich schon!
Ich danke allen, die mit Interesse meinen Blog verfolgt haben, insbesondere danke ich meiner Hedi, die für meine offenbar genetisch bedingte Lust am Abenteuer großzügig Verständnis hegt. Ohne ihren Zuspruch könnte ich derartige Reisen nur mit schlechtem Gewissen unternehmen.