Tunnel über Tunnel…
Heute schreibe ich, Günni. Natascha hat keine Lust, es gab auch nicht viel. Der CP hier in Kjornes ist wunderschön, direkt am Fjord und auch nicht überlaufen. Heute haben wir...

Veröffentlicht: 31.08.2025




























Nach unserem eher ruhigen Tag gestern, sollte es heute noch mal ein kleines Highlight unserer Reise geben: ein Besuch an einem Gletscher.
Der Jostedalsbreen und die zugehörige Gletscherzunge Nigardsbreen sind nicht weit entfernt und so machen wir uns nach einem gemütlichen Kaffee auf den Weg und fahren zu dem entsprechenden Parkplatz. Ich genieße wie immer auch die Fahrt, zum großen Teil fahren wir an dem Fluss entlang, der am Gletscher seine Quelle hat. Und ich bin so fasziniert von diesem blaugrünen Wasser. Es sieht so unecht aus, als hätte jemand Farbe beigemischt. Es ist einfach faszinierend.
Auf dem Weg zum Parkplatz kann man den Gletscher schon mal kurz ausfindig machen und wir sind beide schon voller Vorfreude.
Die Tour heute ist gar nicht lang, aber die Strecke durchaus anspruchsvoll. Kaum Pfade, sondern viel Fels und Steine, teilweise ist am Weg ein Seil gespannt, an dem man sich festhalten kann und sollte. Und dann wieder typisch Norwegen, mitten in der Landschaft Treppen und Stege, damit man das Ziel erreichen kann. Die haben es einfach drauf mit tollen Wanderwegen. Und wir sind uns auch schnell einig: das halbe klettern macht Spaß und die Tour gehört zu den schönsten, die wir hier gemacht haben.
Wir lassen uns Zeit und setzen unsere Schritte lieber ordentlich und als wir höher und näher an das ziemlich laute Rauschen des Gletscherflusses kommen, müssen wir uns beide was überziehen, denn es wird recht kühl. Und dann sehen wir den Gletscher und es ist wirklich beeindruckend.
Der Gletscher leuchtet wie von selbst, sogar bei dem bewölkten Himmel heute, in einem blau, gepaart mit dem Kontrast aus dunklen Ablagerungen. Das alles in dieser Kulisse aus Stein, der in den den schönsten Grau-, Beige-, Schwarz- und Grüntönen marmoriert ist. Es wirkt alles fast unwirklich. Die Natur malt einfach die schönsten Bilder. Und keines unserer Fotos kann das so richtig wiedergeben.
Wir hatten keine Gletschertour gebucht und ohne Führung darf man nicht auf den Gletscher hinauf (absolut richtig und sinnvoll), sondern steht einige Meter entfernt. Wieder ein Punkt für die Gedankenliste, das nächste Mal würde ich sowas gern mit machen.
Als wir dort oben stehen spüren wir eigentlich noch die Kälte des Gletschers, doch plötzlich ist es, als hätte jemand einen Föhn angemacht. Warme Luft strömt über die Berge. Das passt doch irgendwie nicht. Wie nehmen das als Zeichen, haben genug gestaunt und machen uns über die Felslandschaft zurück zum Camper.
Mich macht der Besuch heute schwer nachdenklich. Es ist wundervoll, sowas sehen zu dürfen. Es ist einfach wunderschön, wir sind verdammt privilegiert und sehr dankbar, das alles machen und bestaunen zu können. Gleichzeitig ist es erschreckend, denn der Gletscher war mal durchaus sehr viel größer.
Das ist nichts, was wir nicht vorher schon wussten. Trotzdem ist es irgendwie anders, wenn man dann so direkt davor steht. Ich hoffe inständig weiter, dass wir das als Menschheit wieder in den Griff bekommen, sodass wir alle noch lange Zeit etwas von unserem beeindruckenden ewigen Eis haben.
Und während ich hier sitze und schreibe, wieder so ein fabelhaftes Spiel der Farben am Himmel, das ich versuche einzufangen. Welch eine wunderbare Art den Tag zu beenden.
