"Monkey Temple" without monkeys in Lopburi
After visiting Ayutthaya, I visited Lopburi, a Thai city that played an important role in history, in February 2026.


Published: 23.06.2026















Nach dem intensiven royalen Programm in Ayutthaya und Lopburi fuhr ich mit dem Bus nach Bangkok zurück, blieb dort zwei Tage und bestieg am 10. Februar 2026 einen Airbus A 320 der Billig-Fluggesellschaft AirAsia von Bangkok nach Luang Prabang. Luang Prabang? Richtig! Ich bin wieder in Laos. Dafür gibt es mehrere Gründe: Laos ist ein Land, dem es immer wie-der gelingt, meinen Seelenzustand ins Lot zu bringen und mich in einen Zustand des unbeschwerten Sichtreibenlassens zu versetzen. Und in Laos kann sich meine Reisekasse erholen, wenn ich sie anderswo mit kulinari-schen Eskapaden und Billard-Bar-Orgien zu sehr strapaziert habe.
Laos gilt als preisgünstigstes Land in Südostasien. Für vier, fünf Euro kann man sich in den Foodcourts und auf den Nachtmärkten mit leckerem laotischem Food problemlos verpflegen, inklusive einer Flasche oder zwei des lokalen Biers. Dieses scheint zwar auf den ersten Blick teuer: 20.000 Kip für eine grosse Flasche. Bei einem Wechselkurs zum Euro von 0,00004 sind das allerdings nur 80 Cents.
Für 26 Euro pro Nacht fand ich ein Hotel mitten in der Altstadt, die sehr kreativ benannte «Rainforest Lodge» – ein simples Gästehaus, mitnichten eine Lodge, und kein Regenwald weit und breit. Während einer Woche trieb ich mich durch die Strassen der mit dem Siegel des Unesco-Welterbes geadelten Stadt: tagsüber lange Spaziergänge am Mekong und an seinem Nebenfluss Nam Khan; Bootsfahrten; Besuche von Tempeln und dem ehe-maligen Königspalast; professionelle Thai-Massagen, viel günstiger als in Thailand selbst; Aufenthalte in Kaffeehäusern bei Espresso und Croissants (einem Überbleibsel der französischen Kolonialzeit), um auf dem Handy die «Neue Zürcher Zeitung», die «New York Times» und den «Economist» zu lesen und Reisenotizen niederzuschreiben.
Nichtstun und keine Routine
Abends Schlendern über den Nachtmarkt; ein laotisches Essen mit einem Beerlao im Foodcourt am Ausgang des Nachtmarktes; vielleicht eine Vor-führung traditioneller Tänze; zu späterer Stunde ein Eis bei Gelato del Lao an der Hauptstrasse der Altstadt, der Sisvangvong Road, und ein Schlum-mertrunk in einem der malerisch beleuchteten und üppig dekorierten Lo-kale an derselben Strasse. Die Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Königs-stadt werde ich hier nicht repetieren; ich habe sie in meinem Blog «König-liche Reminiszenzen in Luang Prabang» vom 14. März 2025 beschrieben.
Wie werden vom ersten Schuljahr an bis zur Pensionierung etwa sechzig Jahre lang auf Leistung, Effizienz und Optimierung getrimmt. Manchmal wird diese Existenz mit einem Hamsterrad verglichen, in welchem man strampelt und strampelt und doch nie an ein Ziel gelangt.
Ich muss allerdings gestehen, dass mich mein Beruf als Journalist keine Minute meines Arbeitslebens gelangweilt hat, dass kein Druck nötig war, um mich zu Leistungen zu animieren, und dass sich das Mobbing durch übelwollende Kolleginnen und Kollegen und in gewissen Phasen auch von Leuten, die mir hierarchisch unterstellt waren, in Grenzen hielt.
Es fühlt sich trotzdem wie ein rebellischer Akt der Befreiung an, nichts tun zu müssen, keine konkreten Ziele zu verfolgen, keine tägliche Routine zu haben und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein.
Im Zug nach Vang Vieng
Nach einer Woche Nichtstun in Luang Prabang reiste ich am 17. Februar 2026 für eine weitere Woche Nichtstun nach Vang Vieng auf halbem Weg nach Vientiane weiter. Auch diese Destination habe ich bereits abge-handelt, im Blog «Vang Vieng – Paradies der Backpacker» vom 21. März 2025. Ich buchte ein Zugsticket in der Ersten Klasse für die Fahrt von rund anderthalb Stunden.
Es gäbe auf der Strecke von Kunming nach Vientiane auch einen modernen Hochgeschwindigkeitszug, gebaut von Chinesen, doch er war an dem Tag ausgebucht. Die Strasse hingegen wäre streckenweise viel zu schlecht ge-wesen, und die mühsame Busfahrt hätte vier bis fünf Stunden gedauert.
Was ich bekam, war allerdings nicht der erwartete Erstklasse-Sitz, sondern ein Platz im Schlafwagen des Zuges, der aus China kam, bis Vientiane weiterfuhr und randvoll besetzt war mit übernächtigten, ungeduschten chinesischen Reisenden. Der für mich reservierte Platz bzw. das Bett be-fand sich in einem Viererabteil, in welchem sich bereits eine Familie mit umfangreichem Reisegepäck breitgemacht hatte.
Da niemand auch nur ein Wort Englisch sprach und ich auch kein Mandarin, entbrannte eine wortlose Diskussion mit Gesten und Zeichen, die erst durch eine Schaffnerin beendet wurde, die zwar ebenfalls kein Englisch sprach, hingegen mein Ticket als gültig und meinen Platzanspruch als legitim deklarierte. (Das nehme ich jedenfalls an, denn die Familie machte nun den einen, mir zugedachten Platz frei, wenngleich nicht gerade freudig.)
Überdimensionierte Bahnhöfe
Die Bahnhöfe von Luang Prabang und Vang Vieng wirken wie moderne Kathedralen, typisch chinesisch eben, wie ich von einer Zugreise durch China Ende 2019 in Erinnerung hatte. Jener von Vang Vieng ist viel zu gross und viel zu proper für den eher schäbigen und staubigen Ferienort. Vang Vieng rangiert eine deutliche Kategorie unterhalb von Luang Prabang: kein Unesco-Welterbe, kein Mekong, nur der Fluss Nam Song, allerdings in eine fantastische Landschaft eingebettet.
Auch ist in Vang Vieng alles noch etwas günstiger als in Luang Prabang. Meine Unterkunft zum Beispiel, Bountang Riverside Hotel, kostet 23 Euro pro Nacht inklusive Frühstück (welches in der Rainforest Lodge in Luang Prabang nicht angeboten wurde). Dieses ist allerdings so dürftig, dass ich darauf verzichte und mich in den umliegenden Lokalen oder an Essens-ständen verköstige.
Die Tage in Vang Vieng verstreichen ähnlich gemächlich wie jene in Luang Prabang und laufen ohne nennenswerte Ereignisse sanft ineinander über. Tempel und Königspaläste, die man besuchen könnte, gibt es hier, mit einer Ausnahme, nicht. Dafür spiele ich allabendlich Pool-Billard im Mari-huana-Nebel der Jaidee Bar oder der benachbarten Full Moon Bar an der River Road, der Flaniermeile der Backpacker.
Ganz oben an der Strasse, gleich ums Eck von meinem Hotel, betreibt ein Ehepaar, sie Laotin, er Franzose, eines der besten Restaurants am Platz, das «Golden Bamboo». Die Frau hat zwanzig Jahre als Köchin in Frank-reich gearbeitet; ihre Küche, eine Fusion asiatischer und europäischer Gerichte, ist hervorragend. Jeden Abend hier zu tafeln, würde zwar mein Budget übersteigen; ein paarmal gönne ich mir trotzdem eine Mahlzeit in diesem gediegenen Lokal, statt mich auf dem Nachtmarkt zu verpflegen.
Von Vang Vieng nach Vientiane, nochmals 125 km südlich, sind es nur eineinhalb Autostunden auf sehr viel besseren Strassen als weiter im Norden. Statt mein Gepäck mühsam zum Bahnhof zu schleppen, lasse ich mich am 24. Februar 2026 von einem Minibus am Hotel abholen und bequem in die Hauptstadt chauffieren.
Das Gesicht verloren
Die Angewohnheit von Busfahrern, das Lenken mit endlosem Geschwätz am Mobiltelefon zu kombinieren, hatte mich schon mehrmals genervt. Die-ser hier trieb es auf die Spitze: Fahren, Telefonieren und auf einem zweiten Gerät gleichzeitig SMS konsultieren. In jedem Reiseführer wird euro-päischen Touristen eingeschärft, in Asien ja nicht laut zu werden: Wem das Temperament durchgeht, der verliert sein Gesicht. Kurz vor Vientiane verlor ich meines: Als der von zwei Mobiltelefonen abgelenkte Fahrer einen Stopp reissen musste, um nicht in ein Auto vor uns zu knallen, das abgebremst hatte, herrschte ich ihn an, die verdammten Handys weg-zulegen und sich auf den Verkehr zu konzentrierten.
Im Bus machte sich betretenes Schweigen breit, nicht wegen dem idi-otischen Chauffeur, sondern wegen dem lauten Ausländer. Die Wirkung war genau umgekehrt als beabsichtigt: Der Kerl gab sich mit doppelter In-brunst seiner doppelten fernmündlichen und fernschriftlichen Kom-munikation hin. Ich war ausgesprochen erleichtert, als wir schliesslich heil in Vientiane ankamen und ich mich von einem Tuk-Tuk ins Hotel COSÍ bringen liess.
