reisetante
reisetante
vakantio.de/reisetante
Zuletzt in Berlin

July 2025 - Vienna - Vienna Central Cemetery

Published: 06.07.2025

Attraction
Wiener Zentralfriedhof
Wien, Österreich
Attraction
Donauturm
Wien, Österreich

Zu Beginn dieses Berichts möchte ich euch eine wirklich schöne (!) Geschichte erzählen. Sie hat zunächst einmal nichts mit der Sehenswürdigkeit des Wiener Zentralfriedhofs zu tun, aber dann irgendwie doch.

Meine Geschichte handelt von einem wirklich glücklichen Jungen, den ich auf dem Donauturm getroffen habe. Naja, getroffen habe ich ihn nicht direkt, er saß mit seinen Eltern an einem der Nachbartische.

Vom Alter her war er vermutlich im Grundschulalter. Die Familie sprach britisches Englisch, und ich vermute, sie war indischer oder pakistanischer Herkunft.

Während an einem anderen Tisch zwei junge Frauen ununterbrochen Selfies machten, was mich ehrlich gesagt schon etwas nervte, fotografierte der Junge ebenfalls, allerdings auf eine ganz andere, liebevolle Art. Er war völlig begeistert: von der drehenden Plattform des Donauturms, vom Zusammensein mit seinen Eltern, von den schönen Momenten, die er festhielt.

Viel habe ich von ihren Gesprächen nicht mitbekommen. Aber es war diese herzliche, innige Art, wie er mit seinen Eltern umging, besonders, wie er seine Mutter umarmte, die mich berührte. Und dann sagte er auf einmal diesen Satz:

„The best way to die is when you are happy!"(Die beste Art zu sterben ist, wenn du glücklich bist.)

Was für ein kleiner Philosoph! Es war offensichtlich, dass er einfach nur überwältigt war von Glück und diesen Moment in Worte fassen wollte.

Und irgendwie hat dieser glückliche Junge auch etwas mit mir gemacht. Ich habe in den letzten Tagen tatsächlich immer wieder an ihn denken müssen. Es waren freudige Gedanken vom Leben.


Nun also zur Sehenswürdigkeit, zum Wiener Zentralfriedhof, dem Ort ohne Leben? Irgendwie schon und dann wieder nicht. Denn er ist eine echte Sehenswürdigkeit und taucht in den Listen immer wieder als Empfehlung für Touristen auf.

Wer will, kann sogar Führungen buchen, täglich und auch nachts (!). Er ist also fast wie ein Freilichtmuseum zu verstehen, ein sehr großes. Ja, der Wiener Zentralfriedhof ist wirklich riesig und dazu imposant. Und um ihn gezielt zu entdecken, braucht man tatsächlich ein paar Tipps:

Wer mit der Straßenbahn kommt, sollte die Haltestelle Tor 2 nehmen. Davor parken geht auch.

Ihr befindet euch dann gleich bei vielen großzügigen Grabanlagen der früheren Wiener Hautevolee: Stadträte, Bürgermeister, Industrielle und Adlige. Sie alle konnten sich stilvolle Gräber leisten, aber tatsächlich wurde die Prominenz auch mit kostenfreien Plätzen angelockt. Denn der 1874 eröffnete Friedhof war bei den Wienern zunächst wenig beliebt, zu abgelegen, zu monumental. Erst die Aussicht, neben der Prominenz bestattet zu werden, änderte das.

Heute ist der Zentralfriedhof mit rund 330.000 Grabstellen und drei Millionen Bestatteten einer der größten Friedhöfe Europas. Das Gelände umfasst über 2,5 Quadratkilometer. Wegen seiner Ausmaße gibt es sogar vier Straßenbahnhaltestellen und eine eigene Friedhofsbahn.

Auch das Who’s Who der österreichischen Kulturgeschichte findet man in diesem Teil des Friedhofs. Es gibt eine richtige Künstlerecke für Sänger, Komponisten, Schauspieler und andere.

Nur einer fehlt hier ganz bewusst: Falco. Seine Mutter entschied sich nach seinem plötzlichen Tod für einen ruhigeren Ort. Trotzdem ist auch dieses Grab zum Pilgerort geworden.

Die anderen wichtigen Personen wurden stilvoll nebeneinander gruppiert. Bei den Komponisten finden sich zum Beispiel Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Franz Schubert und auch Johann Strauß (Vater und Sohn). Wolfgang Amadeus Mozart dagegen hatte ja eine Armenbestattung in einem Sammelgrab, von dem niemand weiß, wo es genau ist. Auf dem Zentralfriedhof hat er also nur ein Ehrengrab, das ihm symbolisch gewidmet ist.

Auch die erst kürzlich verstorbenen Künstler haben sich hier quasi verewigt, denn oft haben sie ihrer Passion entsprechend ganz besondere Grabsteine. Berühmt ist sicher die dicke Katze mit der goldenen Krone auf dem Grab von Manfred Deix. Es ist eine Skulptur von seinem Künstlerfreund Gottfried Kumpf.

Mir selbst waren Manfred Deix und auch andere gar nicht bekannt, aber durch diese individuellen Grabsteine hatte ich das Gefühl, sie im Nachhall kennenzulernen.

Wohl bekannt war für mich aber natürlich Udo Jürgens, dessen Grab von einem abgedeckten Flügel bedeckt ist.

Es gibt aber auf dem riesigen Gelände auch außerhalb dieser besonderen Stellen im Kleinen immer wieder etwas zu entdecken, wie zum Beispiel einen amerikanischen Briefkasten als Grabstein oder den lila Hasen mit dem weißen Kind und der Beschriftung „Unbekannter Künstler“. Hierbei soll es sich tatsächlich um eine Art Streetart handeln (?).

Zudem sind weiter hinten auch Gräber von anderen Konfessionen zu finden. Nur der jüdische Friedhofsteil ist abgeteilt. Wir haben auch hier eine Weile verbracht. Da jüdische Gräber in der Regel nicht eingeebnet werden, finden sich hier auch viele verfallene, mit Efeu umrankte Steine.

Wir waren übrigens in diesem Teil so ziemlich allein und wurden zum Schluss sogar versehentlich eingeschlossen und das bei heißen 33 °C. Zum Glück hat uns aber noch jemand an der Tür entdeckt. Es lohnt sich also, schon zu Beginn des Besuchs einen Blick auf die Öffnungszeiten zu werfen.

Am Ende des Besuches habe ich mich dann gefragt, ob dem kleinen Jungen vom Donauturm der Besuch auf dem Wiener Zentralfriedhof gefallen hätte. Ich glaube, ja, zumindest dann, wenn er ihn mit seiner Familie erlebt hätte. Ganz bestimmt sogar.

At a glance

Automatically extracted from the post
Weather
Summer · 33–33°C
CulturalRelaxing
  • Wiener Zentralfriedhof
  • Donauturm
  • Ehrengräber und Künstlerecke
  • jüdischer Friedhofsteil
CityStoryCultureArchitecture
reisetanteFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Answer

Austria
Travel reports Austria