4. Valle Umbra, from North to South
If you set aside heavily trafficked roads and unsightly commercial areas, and don't let fierce gusts and rain dampen your spirits, you will enjoy the route between Foligno and...


Published: 18.04.2025







Mein Wanderführer hätte mich heutemorgen gerne durch das Spoleto-Tal geschickt. Mir war aber nicht nach Autolärm, also suchte ich mir eine Alternative durch die Berge. (Keine Sorge, liebe Freunde, ich bin heuer bestens im Austausch mit diversen Sateliten und habe mich bisher noch nicht verlaufen.)
Die Entscheidung war richtig. Ich durchwandere die ersten beiden Stunden eine beschauliche Hochebene mit kleinbäuerlicher Struktur. Der Autolärm aus dem Spoleto-Tal, der sich ansonsten wie ein Trichter die Hänge hinaufzieht, ist nicht mehr zu hören.
Kunstdenkmäler, die meinen bisherigen Weg begleitet haben, findet man hier allerdings auch nicht, dafür viel Ruhe und Natur. Grün-silberne Olivenplantagen, dazwischen Wälder mit Aleppo-Kiefern und Esskastanien und immer wieder Bereiche mit wilder Vegetation. Zwischendrin stell ich mir die Frage, ob der Weg hier wirklich noch weiterführt.
Der einzige Ort, der mir erwähnenswert erscheint, ist Poreta. Eine ursprünglich frühmittelalterliche Siedlung wurde zum Schutz vor Angreifern mit einer wehrhaften Mauer umschlossen. Ende des 19. Jahrhunderts hat ein Erdbeben den Ort zerstört. Aus den Steinen haben die Menschen weiter talwärts eine neue Siedlung errichtet. In dieser Burgruine steht heute noch die Kirche Santa Maria della Misericordia, mit einem Heiligenbild der Maria, das dieses Erdbeben unbeschadet überstanden hat.
Ich fühle mich seit Tagen an den Witz erinnert: Hört einer im Radio, dass auf der Autobahn ein Geisterfahrer unterwegs sei. Sagt er: "Was heißt einer? Viele!". Ich laufe als Pilgerin nach Süden, scheinbar allein. Aber zahlreiche Pilgergruppen sind gemeinsam von Süden nach Norden unterwegs. In Assisi werden die Tage zwischen Karfreitag und Ostern mit großen Prozessionen auf den Monte Rufino gefeiert. Das witd sie wohl alle anziehen. Gut, dann beantwortet man halt mehrmals am Tag fünfzehn- oder nochmehr-mal hintereinander den Gruß "Buon Camino".
Noch ein paarmal führt der Weg bergauf und bergab, vorbei am Colle de Bazzano und Monte Giove, aber in den Steigungen immer moderat. Eine sehr schöne Wanderung, und ich frage mich, warum mein Wanderführer mir dieses Erlebis vorenthalten wollte.
Ach ja, das darf nicht vergessen werden: Der Regen hat erst wieder eingesetzt, nachdem ich meine Unterkunft in Spoleto erreicht habe.
