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27. Chapitre : J'ai trouvé mon village japonais : Kinosaki

Publié: 29.11.2025

À voir
Kinosaki Onsen
Toyooka, Japan
Hébergement
Kinosaki Wakyo
Kinosaki Onsen
Attirance
Kinosaki Ropeway
Kinosaki Onsen, Japan
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Onsenji Temple
Kinosaki Onsen, Japan
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Kinosaki Onsen Ropeway Summit Viewpoint
Kinosaki Onsen, Japan
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Kinosaki Onsen public bathhouses
Kinosaki Onsen, Japan
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Kinosaki Onsen foot baths
Kinosaki Onsen, Japan
Manger
Kinosaki Onsen restaurants
$ · Dîner

Kinosaki Onsen ist so ungefähr das genaue Gegenteil von Ine, dem abweisenden Fischerdorf. Hier strahlt alles eine derartige Gastfreundlichkeit aus, dass einem immerzu ganz warm ums Herz wird. Menschen auf der Straße grüßen freundlich, viele erkundigen sich, woher man kommt („oooh, Finland! So far!“, wahrscheinlich würden sie genauso bewundernd sagen“oooh, Timbuktu“, aber es scheint immer, dass Finnland hier einen guten Ruf hat), an den Restaurants, Cafés und Bars hängt ein Schild mit „Welcome“ an der Tür, aber alles ganz unaufdringlich, man wird nicht genötigt oder aufgefordert, hereinzukommen und etwas zu konsumieren. Der Ort scheint sich in gewisser Weise selbst genug zu sein und ein sehr gutes Selbstbewusstsein zu haben. Er besteht aus zwei Straßen, beide an kleinen Kanälen gelegen, ist 1300 Jahre alt und wunderbar wabisabi, alt, einfach, bisschen verschludert, sehr geliebt. Die Besonderheit hier sind die sechs Badehäuser mit heißen Thermalquellen, was das Dorf zu einer Art Kurort macht, ohne im Geringsten hochgestochen oder elitär zu sein. Es gibt eine Reihe sehr feiner und irrsinnig teurer Hotels, die aber auch von außen ganz bescheiden aussehen, aber die Menschen laufen hier fast alle mit diesen japanischen Morgenröcken, Yukatas, den etwas dickeren Jacken, Haori, darüber und hölzernen Klapperlatschen, Geta, herum, die von den Hotels und Gästehäusern zur Verfügung gestellt werden, wenn sie von morgens um 7 bis abends um 11 von einem Bad zum anderen spazieren, sodass alle Klassenunterschiede verschwinden, und in den Bädern selber ist man ja, wie in der Sauna, natürlich nach Geschlechtern getrennt, splitterfasernackt.

Diese allgemeine Bekleidung trägt man den ganzen Tag, geht damit ins Restaurant und in die Geschäfte, und tatsächlich ist das Geklapper der Schuhe fast das vorherrschende Geräusch im ganzen Städtchen! Ich habe einen halben Tag versucht, mit diesen Klapperlatschen herumzulaufen mit dem Ergebnis, dass ich auf beiden Seiten blutige Zehen hatte und bin dann wieder zu meinen Turnschuhen zurückgekehrt.

Der Ort hatte seinen Anfang, als um das Jahr 700 ein buddhistischer Mönch auf der Suche nach Heilmitteln für seine leidenden Mitmenschen in diese Gegend kam und den Auftrag erhielt, 1000 Tage lang ein bestimmtes Sutra aufzusagen. Als er diese Aufgabe erledigt hatte, soll an der Stelle eines der heutigen Badehäuser die erste heiße Thermalquelle aus dem Berg geschossen sein, der Mönch gründete ein Kloster auf halber Höhe des Berges, was man heute noch besuchen soll, bevor man das erste Bad nimmt, und der Ort entstand um diese Heilquellen herum und wurde berühmt. 

Auf den Berg und zu dem Kloster kommt man mit einer schon ziemlich in die Jahre gekommenen Seilbahn (seit 1963), die mir zwar nicht recht geheuer war, in die ich mich aber dennoch hineingewagt habe um hinaufzufahren. Der Blick über den Ort und die Berge rundum bis zum  Japanischen Meer, das ja gar nicht weit entfernt ist, ist wunderschön, in der Ferne ahnt man Nordkorea und dahinter gleich Russland.

Mein wunderbares Gästehaus Kinosaki Wakyo (females only) ist ganz alt, ganz klein (aber wenn man reinkommt, plötzlich riesig!), ganz traditionell, liebevoll eingerichtet mit schönen Dingen und Möbeln und hat große Zimmer, ganz mit Tatamis ausgelegt und für jeden Gast einen großen Bereich mit hölzernen niedrigen Stellwänden abgetrennt, in dem eine Matratze, ein Futon, Kissen und eine dicke schwere  Prinzessinen-Decke bereitliegen. Das Haus wird geführt von zwei sehr herzlichen Schwestern, deren Englisch sich vor allem auf „Thank you! Sorry! Ok?“ beschränkt, aber damit kommt man schon weit genug. Die wichtigen Informationen bekommt man am Anfang schriftlich in die Hand gedrückt. Was bisher nur hier geschieht: Man wird von Anfang an und immer wieder mit seinem Namen angesprochen. „Oh, Susanne, ok?“ morgens, mittags und abends. Süß!

Die Tage verbringt man schlendernd zwischen den Badehäusern, sitzt so lange man will in den Becken, meist drinnen und draußen, einige in Felsen, in einer Höhle oder unter einem heißen Wasserfall, der direkt vom Berg herunterrauscht. Nachdem ich alle einmal durchprobiert habe, sind mir zwei zu heiß, eines zu langweilig, eines ganz nett, aber zwei sind meine Favoriten, die ich von nun an bevorzugen werde. An der Straße kommt man immer wieder an heißen Fußbädern vorbei, wo man sich auf Bänken niederlassen, Schuhe und Strümpfe abstreifen und die müden Füße ins Wasser stecken kann. Für die Bäder kann man eine Tageskarte kaufen für etwa 8€ und kann dann alle so oft besuchen, wie man möchte, die Fußbäder sind frei.

An der Seilbahn gibt es einen großen Felsen, aus dem heißes Thermalwasser direkt aus der Erde sprudelt. Am Kiosk daneben kann man Eier kaufen und in ein rotes Netz hängen und in ein Becken neben dem Stein senken, nach einigen Minuten soll es gar sein. 

Im Moment hat gerade die Krebssaison angefangen und es gibt im Ort mehrere große Geschäfte, die anscheinend auf diese Tiere spezialisiert sind. Es gibt viele unterschiedliche Arten in allen Größen von Handfläche bis sagen wir Gartentischgröße, die überall lebendig oder schon gekocht angeboten werden, die größten wieder zu Unpreisen.,wir nannten die früher in Griechenland Taschenkrebse, hier heißen sie Schneekrebse und werden nur im Winter gefangen. In beinahe allen Restaurants werden jetzt natürlich auch Krebsgerichte angeboten, von einfachem Eierreis oder Sushi mit Krebsfleisch bis hin zu raffinierten Grilltellern und anderen Kreationen. Obgleich mir die armen Tiere in der Seele leidtun, muss ich natürlich auch mal probieren: Köstlich!!!

Am ersten Tag werde ich von einer fröhlichen Frauengruppe auf einer der kleinen Brücken gebeten, ein Photo zu machen, Die etwa 60-jährigen kichern wie die Teenager vor Vergnügen! Kurz darauf sprechen mich 4 etwa 12-jährige Schuljungen in gebrochenem Englisch an, ob sie mich interviewen dürfen. Sie haben eine Liste mit Informationen zu ihrem Dorf, das etwa 10 km entfernt liegt, und geben mir gute Ratschläge, was ich da machen, essen, sehen, besichtigen könnte und schließen dann den Satz ab mit jeweils “This is delicious!“ oder „This is very interesting!“ Sie haben ihren Spaß, dass ich mitspiele, auch wenn ich vor allem Bahnhof verstehe, und der Lehrer steht stolz daneben und macht Photos.

Kinosaki Onsen ist jedenfalls ein Ort, der sowohl ästhetisch als auch von der Stimmung her derartig mein Fall ist, dass ich nun wohl mein japanisches Dorf gefunden habe. Stadt: Kyoto! Ort: Nara! Dorf: Kinosaki Onsen!

En un coup d'œil

Extrait automatiquement de la publication
CulturelRelaxantCulinaire
  • Kinosaki Onsen als sehr gastfreundlicher Kurort
  • Sechs Badehäuser mit heißen Thermalquellen
  • Seilbahnfahrt zum Kloster am Berg
  • Blick über Ort, Berge und das Japanische Meer
  • Krebssaison und Krebsgerichte im Ort
Turnschuhe
VilleCultureMangerTransitHistoire
  • Tageskarte für die Badehäuser8 €
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