Xiefuzi Reise Blog
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Zuletzt in Singapur

Sea view and hill view

Pubblicato: 15.10.2026


Im Nationalmuseum in Singapore gibt es den runden Ausstellungsbereich "Glass Rotunda", den man von der zweiten Etage über einen Wendelgang nach unten geht und der in einem immersiven Videobereich endet. Bisher zeigte das Museum hier eine Videoprojektion über die Pflanzen- und Tierwelt von Singapore, welche ich bereits vor acht Jahren besucht habe.

Seit einiger Zeit gibt es eine neue Themenausstellung mit dem Namen "Odyssea". Diese greift die Geschichte von Singapore auf, wie sie vom Meer beeinflusst worden ist. Dazu bekommt man ein Armband mit einem Chip, mit welchem man über ein projiziertes Meerestier bestimmte Interaktionen vornehmen kann. Das klingt doch spannend.

Und so stärken wir uns zunächst im Fortune Center in der Bencoolen Street bei einem vegetarischen Imbissstand.

So sieht mein Essen aus, was exemplarisch zeigt, wie mein Teller nach der Befüllung auch durch andere vegetarische Hawker-Stände aussieht.

Dann spazieren wir die Straße entlang und treffen am Ende auf das National Museum of Singapore (NMS). In der zweiten Etage hat sich schon eine kleine Menschenschlange gebildet und ich erfahre zu meiner Überraschung, dass die Besichtigung der "Odyssea" keinen Eintritt kostet. Allerdings ist die Funktion der Interaktion mit der Videoprojektion durch das Armband nicht in Betrieb.
Es werden jetzt immer nur circa zehn Personen in die Ausstellung gelassen, sobald die Ausstellungsräume unten circa zehn Personen wieder ausgespuckt haben. Damit verhindert man bei dem heutigen hohen Andrang eine Überfüllung. Trotzdem geht es schnell voran und wir beginnen den Wendelgang hinabzusteigen und betrachten die Details der Darstellungen. Die Projektion erzählt unter anderem von der frühen Besiedelung der Insel am Meer und des Ursprungs des Namens "Lion City"...
...und den historischen Bootswettbewerben.
Und was machen die anderen Besucher? Mehrere nachfolgende Grüppchen stürmen an uns vorbei. Die Besucher verwenden kaum ein Blick auf die Installationen geschweige denn auf die Geschichte dahinter. Dabei stände es mir zu, den Gang schneller hinunterzuschreiten, da mir die Geschichte mit den verschiedenen symbolischen Motiven bekannt ist, weil ich mich in den letzten Jahren intensiv mit dem kulturellen und historischen Erbe von Singapore beschäftigt habe. Das eigenartige Durchgehetze der meisten anderen Besucher irritiert mich doch ein wenig.
Schließlich kommen wir in den großen runden immersiven Raum, wobei man hier mit seinen Schritten Blumen und Kreise erzeugen kann und vor allem die Kinder daran ihre Freude haben.
An der Wand werden hinter einer projizierten Wasserwand Videosequenzen von der Küste von Singapore zu verschiedenen Epochen freigegeben.
Nun gelangen wir zu einer großen Videoleinwand, wobei die virtuellen Begleittierchen vom Armband jetzt eigentlich eine Sequenz mit einer großen Krabbe aktivieren sollen. Da aber die Armbänder nicht an die Besucher ausgegeben wurden, startet diese Sequenz einfach von selbst nach einer gewissen Zeit.
Ich werde an dieser Stelle den Eindruck nicht los, dass ohne diese Armbänder die ganze immersive Ausstellung etwas kraftlos wirkt.

Zum Schluss sind ein paar meeresbezogene Ausstellungsstücke zu sehen und ich entdecke auch die berühmte Santa Catarina Karte von 1607, die die Seeschlacht zwischen den Niederländern und den Portugiesen im Jahr 1603 zeigt, welche den Beginn des niederländischen Machtanspruchs in Südostasien markiert. Aus diesem Konflikt entwickelte sich letztendlich eine bedeutende Diskussion zum internationalen Seerecht. Die niederländische Ostindien-Kompanie beauftragte ihren Juristen Hugo Grotius mit einer Rechtfertigung für die Kaperung eines portugiesischen Schiffes. 1609 veröffentlichte er daraus das Werk „Mare Liberum“ (Das freie Meer).

Nun folgt eine weitere Überraschung, denn wir landen gleich danach in der Hauptausstellung des Museums, obwohl wir gar keinen Eintritt bezahlt haben. Diese Erzählung der Geschichte von Singapore habe ich ebenfalls bereits vor acht Jahren besucht und kann sie nur jedem Besucher von Singapore ans Herz legen. Allerdings braucht man eine gehörige Portion Ausdauer, weil Themen und Ausstellungsstücke recht zahlreich sind. Die Ausstellung ist im Gegensatz zu 2018 umgebaut worden, wobei es bei den Ausstellungsstücken kaum Änderungen gegeben hat. Sie werden lediglich anders präsentiert und priorisiert. Ich will an dieser Stelle nur auf einige wenige ausgewählte Themen eingehen.

So gaben einige Schiffseigner im 19. Jahrhundert gelegentlich ihr eigenes Porzellan in Auftrag. Diese Teller, die einst Teil eines größeren Sets waren, zeugen vom Stolz ihrer Besitzer auf das Schiff "Red Rover" und den Wohlstand, den ihnen das Schiff einbrachte.

Ausfühlich wird auf die sogenannte Singapore-Meuterei von 1915 eingegangen, wo indische muslimische Soldaten revoltierten. Sie waren verunsichert durch Gerüchte, sie sollten gegen das Osmanische Reich kämpfen, den Sitz des Islamischen Kalifats. Der Aufstand forderte mehr als 40 tote Soldaten und Zivilisten, bevor er niedergeschlagen wurde. Die Kolonialregierung, die unvorbereitet erwischt worden war, suchte Unterstützung bei alliierten Kriegsschiffen und lokalen Freiwilligen. Mehr als 200 Soldaten wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, und über 47 Meuterer wurden öffentlich vor dem Outram-Gefängnis hingerichtet.
In einer sehr gelungenen Kartenprojektion wird der Kriegsverlauf beim Angriff der Japaner im Februar 1942 bis zur Kapitulation der Briten geschildert.
Besonders beeindruckt und betroffen bin ich von der Darstellung des Sook Ching Massakers, bei dem die japanische Armee wahllos Chinesen getötet hat, um anti-japanische Aktionen zu verhindern. Schätzungen aufgrund gefundener Massengräber gehen von etwa 25.000 bis 50.000 Todesopfern in Singapore aus. Gefundene Opfergegenstände in den Gräbern, wie Uhren, Schlüssel, Gürtelschnallen, Ringe, Geldmünzen usw., sind auf einem beleuchteten Glastisch im Museum ausgestellt und erzielt große Betroffenheit.
Die schwierige Regierungszeit nach dem Krieg wird nicht mehr so ausführlich dargestellt, dafür wird mir der Aufstieg des kommunistischen Einflusses klarer, der vor allem aus der Benachteiligung von chinesisch-stämmigen Schülern beim Zugang zum kolonialen höheren Bildungssystem erwächst.

Danach wird das Klavier ausgestellt, auf dem Zubir Said die Nationalhymne von Singapore komponiert hat (siehe Titelfoto).

Besonders gefällt mir eine lebensgroße Videoprojektion zu einer HDB-Wohnung, die verschiedenen Lebensgewohnheiten der verschiedenen Kulturkreise, also Chinesen, Malaien und Inder, vorstellt.

Übrigens wird das Rätsel um den gruppenweisen Einlass bei erhöhtem Besucherandrang und den kostenlosen Eintritt auf einem Plakat außen am Museum gelöst, wo die Neueröffnung der neu gestalteten Singapore History Gallery für den heutigen Tag angekündigt wird.


Wir verlassen das Museum in der dritten Etage am Hintereingang und stiefeln den Fort Canning Hill empor. Wir hören laute Motorengeräusche der Rennwagen des Formel 1 Trainings von der Innenstadt heraufschallen (siehe auch meinen Blogbeitrag: Formel 1 Rennen in Singapore), während wir über die große grüne Wiese laufen. An dieser Stelle gab es früher einen christlichen Friedhof, wobei die Grabsteine in die Friedhofsmauer eingearbeitet und somit erhalten geblieben sind. Dazu habe ich im Jahr 2022 auf Instagram einen Beitrag veröffentlicht: Fort Canning Cemetery.
Oberhalb der Rasenfläche wurde ein historisches Gebäude als Fort Canning Centre zu einem Veranstaltungsort und Museum umgebaut. Die Geschichte des Hügels wird dabei in der Fort Canning Heritage Gallery erzählt. Die Besichtigung ist kostenlos.
Ich will die spannende Historie hier nicht im Einzelnen nacherzählen, sondern nur die vielfältige Nutzung des Hügels kurz erläutern. Es war eine Siedlungsstätte im Königreich Singapura ab dem 13. Jahrhundert, Sir Stamford Raffles, dem Gründer des kolonialen Singapore, errichtete 1822/23 sein Wohnhaus auf dem Hügel, sein Verwalter William Farquhar legte hier einen Botanischen Garten an und den christlichen Friedhof habe ich schon erwähnt. Auf dem Hügel wurde 1927 bis 1929 ein Wasserreservoir angelegt und im Hügel ist 1936 ein militärischer Bunker gebaut worden, den ich im Jahr 2020 besuchen konnte (siehe meinen damaligen Blogbeitrag: Fort Canning Hill).

2022 ist die Heritage Gallery eröffnet worden. In diese Ausstellung gehen wir jetzt und ich entdecke die früheste bekannte Darstellung von Singapore als Zeichenskizze, wahrscheinlich von Philip Jackson, der durch die Jackson-Landkarte berühmt geworden ist, der ersten Stadtplanungskarte von Singapore.

Die Treppe nach oben führt uns zu einem weiteren Ausstellungsbereich, wo die Bedeutung des damaligen Botanischen Gartens hervorgehoben wird.
Im Jahr 1903 startete vom Fuß des Hügels die erste Eisenbahnstrecke in Singapore.
Nach dem Besuch des Museums steigen wir auf dem Weg zur Metrostation den Hügel hinab und ich habe diesen Weg bewusst gewählt. Denn diese Hangseite wird in den nächsten Jahren komplett umgestaltet, so dass ich nicht weiß, ob der berühmte Fort Canning Tree Tunnel, eine pflanzenbewachsene Wendeltreppe und beliebtes Social Media Motiv, erhalten bleibt. Wir kommen oben am Eingang des sich großer Beliebtheit erfreuenden Fotografierobjekts an.
Von oben nach unten schauend räkelt sich auch schon eine aufgetakelte junge Dame auf der Brüstung. Unten im Durchgangstunnel hat sich eine Menschenschlange von Wartenden gebildet, die ihr vielleicht preisgekröntes Instagramfoto schießen will. Wir schleichen uns an der Kulisse vorbei.
Was so ein komischer Hype alles anrichten kann. Dabei ist wegen des herrschenden Dunstes noch nicht mal ordentliches Licht im Treppenschacht, aber die KI wird die Fotos dann schon ordentlich nachbessern.


Im nächsten Blogbeitrag erzähle ich von einer kultigen Straße und ihren bunten Bemalungen, sowie von lebhaften Erinnerungen an das Jahr 2022 in Singapore.


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