Colombia - Bucaramanga and Girón
Bucaramanga After visiting many smaller towns, it was time for a proper city again. Bucaramanga, a city of millions, although that is probably referring to the metropolitan...


Pubblicato: 29.01.2019


































































































































Über Zapatoca stand eigentlich überhaupt nichts im Reiseführer. Umso schöner war es dann dort. In meinem urigen Hostel hat mich der alte Mann bestens über den Ort und die Region informiert. Und auch die Touriagentur von José Carlos hat mir viele Tipps gegeben. Sie befinden sich noch im Aufbau und so konnte ich gleich mit ihm auf eine kostenlose Mountainbiketour starten. Und die hatte es wirklich in sich. Bei extremer Hitze ging es steil bergauf und das nicht gerade mit einem Superfahrrad. Ab und zu müssten wir absteigen, weil die Steigung einfach zu groß war. Die Mühen haben sich aber gelohnt, die Aussicht von 'La Vieja' den Canyon entlang war wunderschön. Leider war es auch immer etwas diesig, sodass man auf den Fotos nicht allzu viel sieht. Hier nennt man das 'Calima', allerdings hatte ich auch in den folgenden Tagen fast nie klare Sicht.
Am nächsten Tag hab ich dann allein eine Wanderung zu einem Naturpool gemacht. Der war eigentlich keinen Besuch wert, aber so konnte ich wenigstens etwas den Muskelkater vom Vortag rauslaufen. Abends wollte ich dann wieder mit dem Fahrrad zu einem Aussichtspunkt über das Tal fahren. Die Strecke war aber ähnlich steil wie am Tag zuvor. Ich hatte zum Glück genügend Zeit, um Pausen zu machen und das Fahrrad zu schieben. Die Aussicht war toll, aber leider wieder nicht klar.
Für die nächsten zwei Tage hatte ich dann mit der Agentur einen Ausflug auf eine Berghütte geplant. Und auf einmal war ich wieder mit 4 Leuten unterwegs - ein Fahrer, ein Koch und zwei Guides. Ich war also bestens versorgt. Fahrräder hatten wir auch dabei, sodass wir uns diesmal den anstrengenden Teil bergauf sparen konnten. Von der Hütte aus konnten wir dann eine Wanderung starten, eine Höhle besuchen und das nahegelegene Dorf Betulia und seine Umgebung kennenlernen. Das war sehr entspannt und ich bin an einige Orte gekommen, die ich ohne Tour wohl nicht kennengelernt hätte, abends konnte man Uhus und andere Vögel hören. Die Highlights waren aber die Abfahrt mit dem Mountainbike von der Hütte und der erfrischende Wasserfall 'La Lajita' kurz bevor es zurück nach Zapatoca ging.
Auch wenn es sehr heiß war, habe ich mich endlich mal wieder etwas bewegt, statt immer nur eine Runde um den Hauptplatz zu drehen und Kaffee zu trinken.
Und so klein war der Wasserfall auch nicht wie an mir sieht.
Nach einem leckeren Abendessen bin ich dann früh ins Bett gegangen, der nächste 'Express-Bus' fährt schließlich um 4 Uhr morgens. Warum auch nicht, fährt ja schließlich auch nur einmal am Tag. Der Bus ist dafür wenigstens halbwegs leer, aber auch sehr eng. Diesmal hätte ich gern noch eine Runde geschlafen, aber auf der Strecke gab's keine Chance. Um 6 Uhr war es dann aber schon vorbei und ich bin in Galán angekommen. Von da ging es dann noch eine halbe Stunde mit dem Mototaxi weiter nach Guane. Erst runter ins Tal und dann wieder rauf. Der dicke Rucksack ist zwar mit der Zeit etwas schwer geworden, aber wir haben das Ziel erreicht. Das war die schnellste Fortbewegungsart durch den Canyon und tolle Blicke in die Berge gab's obendrein.
Guane war aber auch nur ein kurzer Zwischenstopp. Ein nettes Dörfchen mit tollen Panoramablicken und einem leckeren Ziegenmenü zum Mittag. Das ist dort die Spezialität. Als die Mittagshitze dann halbwegs rum war, hab ich mich mit vollem Gepäck auf die Wanderung nach Barichara gemacht. Und zwar auf dem Weg von Lengerke - Geo von Lengerke um genau zu sein. Wie oft haben sie mir das hier erzählt! Das war ein deutscher und der hat hier Wege gemacht. Ja toll, und weiter? Ja nichts so richtig. Der ist halt im 19. Jahrhundert in Kolumbien hängen geblieben und hat für seine Geschäfte Transportwege gebraucht. Also hat er die mit Hilfe der einheimischen Arbeitskräfte hier quer durch die Berge für seine Zwecke angelegt. Von Barichara bis nach Barrancabermeja zum nächsten Hafen um den Tabak und andere Waren dann bis nach Europa verschiffen zu können. Nagut, die Wege waren schon echt schön angelegt und die Leute hier nutzen sie teilweise noch heute. Von daher war das schon nicht so verkehrt.
In Barichara angekommen gab's dann nicht so viel zu tun. Es wird als das schönste Dorf Kolumbiens bezeichnet und zieht am Wochenende auch viele Leute aus Bogotá und Bucaramanga an. Dementsprechend schön und touristisch war es dann hier auch. Die Straßen wie geleckt und alle Gebäude bestens erhalten bzw. restauriert.
Ich bin seit gut einer Woche nicht mehr auf asphaltierten Straßen unterwegs gewesen. Nun ging es zurück in die Zivilisation. Nur eine halbe Stunde Busfahrt entfernt, liegt das Extremsport-Zentrum Kolumbiens. San Gil selbst hat nicht allzu viel zu bieten und ist auch nicht so schön wie die ganzen kleinen Dörfer, dafür findet man alles, was den Puls höher schlagen lässt. Rafting, Paragliding, Bungeejumping, Höhlenexkursionen, Ziplining, Canopy und noch so einiges mehr. Vieles davon hab ich auf meiner Reise ja schon gemacht - z.B. in Baños, dem ecuadorianischen Pendant zu San Gil.
Ich hab mich entschlossen Bungeejumping auszuprobieren. Fußläufig von der Stadt zu erreichen, das kann ich also direkt noch an dem Nachmittag machen. Auf dem Weg habe ich auch genug Zeit mir die Sache nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Aber da ich eh keine Ahnung habe, was da auf mich zukommt, legt sich die Aufregung schnell wieder. Nach der obligatorischen Unterschrift, dass man für sämtliche Risiken und Unfälle selbst verantwortlich ist, kann es dann losgehen. Das war dann aber auch genug Action für den Tag.
Nächster Morgen, nächstes Abenteuer. Diesmal geht es zum Wasserfall Juan Curi und zwar nicht um den von unten oder oben einfach nur anzugucken, sondern um da runterzuklettern bzw. sich abzuseilen. Auch das war ein tolles Erlebnis. Ein bisschen weniger Adrenalin, dafür aber etwas längere Anspannung. Unten angekommen gibt's erstmal ein erfrischendes Bad und dann schaue ich zu wie die anderen sich so anstellen. Am Kiosk gibt's zur Belohnung einen frischen Erdbeershake und dann geht's zurück nach San Gil.
Am letzten Tag mache ich noch einen Ausflug nach Curití zu den Naturpools Pescaderito. Entlang des Flusses gibt es zahlreiche Pools, die zum Baden einladen. Das Flussbett besteht aus riesigen abgeschliffenen Steinen und man sieht förmlich wie das Wasser dort über Jahrhunderte gearbeitet hat. Das war also nochmal ein bisschen Entspannung zum Abschluss. Danach geht's direkt weiter nach Socorro. Für gut 25 Jahre war das die Hauptstadt vom Bundesstaat Santander, bevor 1886 der Sitz nach Bucaramanga verlegt wurde.
Socorro war einer der Ausgangspunkte der Unabhängigkeitsbewegung. Hier hat sich die Bevölkerung 1781 als erstes geweigert noch höhere Steuern auf ihre Produkte, wie Tabak und Schnaps, zu zahlen als die Spanier den Krieg gegen England finanzieren mussten. Manuela Beltrán initiierte diese Bewegung des Ungehorsams, indem sie die entsprechende Dekrete öffentlich zerriss. Daraus entstand der kommunale Aufruhr 'Insurrección Comunera' und die Gründung eines Bürgerheeres. Damit war der Grundstein gelegt und Socorro erklärte 1810 als erste Provinz offiziell seine Unabhängigkeit von Spanien. Deswegen war Socorro auch einen Besuch wert, vor allem die Casa de la Cultura, in der vieles davon erklärt wird. Und die Stadt war auch sonst ganz nett. Nach einem Tag ging es dann trotzdem weiter.
