<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#"><channel><title><![CDATA[susanne-reist]]></title><description><![CDATA[1.Japanreise vom 26.Oktober bis 7.Dezember 2025
2.Venedig zwischen Karneval und Ostern 12.3.-20.3.26]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist</link><image><url>https://img1.vakantio.de/uploads/cffc30f7842db8119ff4db29b41486d3_small.jpg</url><title>susanne-reist</title><link>https://vakantio.de/susanne-reist</link></image><generator>Vakantio RSS</generator><lastBuildDate>Thu, 06 Aug 2026 06:30:05 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://vakantio.de/vak-service/rss/susanne-reist.rss" rel="self" type="application/rss+xml"/><language><![CDATA[de]]></language><item><title><![CDATA[Gondel-Rushhour und  Paradiso Perduto]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ac712671f61fce7e204041712520c943_large.jpg" /><figcaption>Gondel-Service</figcaption></figure><p>Langsam aber sicher strömen jetzt die Massen nach Venedig. Die Gassen und Hauptplätze sind voll von Schülergruppen und asiatischen Touristen, die sich in die Gondeln drängeln und mit Selfie-Stäben fuchteln.</p><p>Ein letzter Rundgang führt mich über die schöne hölzerne Accademia-Brücke mit dem herrlichen Blick, noch einmal zum Markusplatz, wo jetzt in dem einen Café wieder eine kleine Kapelle Besame mucho und Con te partiro spielt. Früher war es so, dass die Kapellen vor dem Café Florian und dem gegenüber immer abwechselnd spielten, um sich nicht in die Quere zu kommen.</p><p>In Cannaregio sinke ich zu meinem Campari Soda mit Cicchetto nieder und sofort kommt eine unverschämte Möwe im Sturzflug angeschossen und klaut mir mein feines Scampi-Brötchen vom Teller. Das nächste bewache ich dann mit Argusaugen und schlinge es ziemlich schnell hinunter.</p><p>Als krönenden Abschluss habe ich mir draußen am Canale im Paradiso  Perduto einen Tisch bestellt, etwas zweifelnd, weil das letzte Mal, als ich da war, der Typ, der die Tische verteilt hat, derartig unverschämt war, dass ich mir, nachdem ich ein gepfeffertes Feedback geschrieben hatte, geschworen hatte, nie mehr hinzugehen. </p><p>Aber die Atmosphäre und das Essen sind einfach so gut, dass ich es wieder nicht lassen konnte, und der Typ ist auch nicht mehr da. Als Belohnung bestelle ich zum Nachtisch den besten Käse, den ich in meinem Leben gegessen habe, ein Blauschimmelkäse mit Birnenspalten und gerösteten Nüssen.</p><p>Gegenüber steht wieder ein alter Palazzo mit diesen venezianischen Fenstern, die mir immer fast die Tränen in die Augen treiben vor Freude.</p><p>Venedig ist an jeder Ecke, an jeder Brücke, in jeder Gasse ein Gemälde, das ich, wenn ich könnte, gerne malen würde, und es ist ein gutes Gefühl zu denken, dass ich bestimmt bald wieder herfahren werde.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bd6ac86695d298c90f0906c22b1fd397_large.jpg" /><figcaption>Morgenmuffel am Campo S. Margherita</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ac712671f61fce7e204041712520c943_large.jpg" /><figcaption>Gondel-Service</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5afd03c5327035abca8dfc48f940ef30_large.jpg" /><figcaption>Toleta-Bäckerei</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6a737ea926e4e208aa294b64f1871555_large.jpg" /><figcaption>Accademia-Brücke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b4f1c04dddcad30c959142d3c2b507ce_large.jpg" /><figcaption>Blick von der Ponte Accademia</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/87d36ca0878551e5683609d0930dd930_large.jpg" /><figcaption>Stau in canale</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2952a0508d7b716e3f1e5a08e9eb7168_large.jpg" /><figcaption>Gondel-Rush</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f37f6ddf5ebf8f7ab61eba068c3a83bd_large.jpg" /><figcaption>Ducken!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8f2c1606f3ef4a3d905eae7b2171025e_large.jpg" /><figcaption>Gondolieri</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/gondel-rushhour-und-paradiso-perduto</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/gondel-rushhour-und-paradiso-perduto</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sat, 21 Mar 2026 10:08:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Farbenfroh: Rialto und Burano]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d0b7cfeb994b77002923aaf95770f835_large.jpg" /><figcaption>Fisch-Halle</figcaption></figure><p>Zum Markt neben der Rialtobrücke geht man am besten möglichst früh am Morgen oder, wenn man nur gucken will und nichts kaufen, dann um die Mittagszeit, wenn sie schon einpacken und alles abspritzen, dann sind die Möwen in Scharen unterwegs und zanken sich um die Fischreste. Der Markt ist auf jeden Fall sehenswert. Draußen stapeln sich Früchte und Gemüse in allen Farben und Größen. Warum zum Teufel gibt es außerhalb Italiens nicht diese köstlichen faustgroßen Artischocken, lila oder grün, die einem im Ganzen gedünstet auf der Zunge zergehen?</p><p>In der mit dunkelroten transparenten Planen (gegen die Möwen oder gegen die Sonne?) verhängten offenen Säulenhalle tummeln sich die Fischhändler, und hier fragt man sich doppelt und dreifach, warum man solche Fische, Muscheln und Schalentiere noch nie gesehen, geschweige denn gegessen hat und nicht mal wusste, dass so etwas existiert. In der Lagune wird ja nach wie vor gefischt und die Waren sind wahrscheinlich vor allem in der letzten Nacht aus dem Meer gezogen worden. Es wird gescherzt und filetiert, beraten und eingekauft, und die Händler lassen sich mit ihren Schätzen bereitwillig ablichten.</p><p>Dann weiter über die Lagune mit dem Vaporetto nach Burano. Diese Insel mit ihren knallbunten Häusern ist sicher einer der heitersten Orte, die ich kenne. Vor allem von Fischern bewohnt, dachte man sich, dass es in der oft nebligen oder milchigen Lagune sinnvoll wäre, den Männern sichere Anhaltspunkte zu geben, damit sie sicher nach Hause zurück finden, und so leuchten die kleinen Häuser in allen Knallfarben, was zum Markenzeichen von Burano geworden ist. Die Gebäude werden von ihren Bewohnern jedes Jahr liebevoll frisch gestrichen, so dass das ganze etwas wie ein lebendiges Spielzeugdorf wirkt.</p><p>Burano ist außerdem berühmt für seine hier in mühevoller Geduldsarbeit angefertigten Spitzen. Die Frauen werkeln meist in Heimarbeit, aber in vielen Geschäften kann sie man auch bei der Arbeit beobachten.</p><p>Am Abend, nach einer nicht geplanten Rundfahrt über die ganze Lagune über Punta Sabbioni und den Lido schaffe ich es mit Ach und Krach gerade noch in die Chiesa della Pieta, wo Vivaldi selber gewirkt hat, zu den Interpreti Veneziani mit ihrem wilden Cellisten Davide Amadei und seinem Ensemble aus lauter großartigen Kammermusikern.</p><p>Danach finde ich mich mit dem Cellisten und dem ersten Geiger im Vaporetto auf dem Heimweg und kann mich für das Konzert bedanken. Sie steigen aus in Giudecca. Davide transportiert sein antikes wertvolles Cello in einer Stofftasche!</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/778bdf9200a602743699fbd24c813ae3_large.jpg" /><figcaption>Obst und Gemüse draußen </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f64853fa6e989534ed63d5b6b681e985_large.jpg" /><figcaption>Fischmarkt Rialto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d0b7cfeb994b77002923aaf95770f835_large.jpg" /><figcaption>Fisch-Halle</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4c38254ba28afab6833f884d7c74d5b7_large.jpg" /><figcaption>Fische und Muscheln</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b4ab0f165761476539cf89b2ac8d99c7_large.jpg" /><figcaption>Rote Fische</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/82ec6b107b28dd8e3d732b763b7082b1_large.jpg" /><figcaption>Tintenfische</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6449da81089bbc766eaaac77baf6ad05_large.jpg" /><figcaption>So viel Fisch</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2d45c49be9fc110e81881add4794d6a1_large.jpg" /><figcaption>Fisch-Filetierer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/57a5866871a7aeecabe0c3600badd064_large.jpg" /><figcaption>Warten auf Marktende</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/farbenfroh-rialto-und-burano</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/farbenfroh-rialto-und-burano</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sat, 21 Mar 2026 10:10:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Stromausfall, Photo-Ausstellung und Dottore, Dottore!]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/9433ca8c07f617f791ccc6110f6f3353_large.jpg" /><figcaption>Das alte Venedig</figcaption></figure><p>Der Mittwoch war der erste richtig graue Tag, am Morgen tröpfelte es sogar ein bisschen, und dazu sollte um 7.30 Uhr der Strom für 7 Stunden abgestellt werden. Also Wecker gestellt auf 6.45 und um Punkt 7 zum Frühstück geeilt. Natürlich wurde es dann doch erst etwa um 8 duster im Zimmer. </p><p>Der ganze Stadtteil war ohne Elektrizität, also was tun bei schlechtem Wetter? Venedig im Regen ist trostlos, auch die Einwohner bekommen gleich ganz schlechte Laune. Das Leben findet ja doch zum großen Teil draußen statt, sogar im Winter, aber „piove“ ist einfach immer verhasst.</p><p>Im Moment gibt es in Venedig in den großen Kunstmuseen keine interessanten Ausstellungen, es ist so richtig Zwischensaison, nichts los. Die Biennale beginnt erst im Mai. Aber auf einem Plakat in der Stadt habe ich ein Poster von einer Photo-Ausstellung gesehen. Der italienische Meisterphotograph Gianni Berengo Gardin, der im vorigen Jahr verstorben ist, wird mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern vom Venedig der 50er und 60er Jahre in der Fondatione di Venezia in der Nähe des Bahnhofs ausgestellt. Der Ort ist etwas schwer zu finden, ganz hinten hinter einer Kirche, aber Google Maps, das diesmal viel besser funktioniert als in früheren Jahren, findet die Stelle.</p><p>Die Ausstellung ist ganz wunderbar und lässt viele alte Kindheitserinnerungen hochkommen. Ich kann mich genau an dieses Venedig auf den Bildern erinnern und fühle mich geradezu seelenverwandt mit diesem Photographen, der es auch auf Details abgesehen hat und gerne heimliche Szenen aufnimmt. In Schwarz-Weiß  ist die Stadt auch besonders eindrucksvoll. Ich habe auch oft meine Aufnahmen von Venedig in Schwarz-Weiß umgewandelt und ausgedruckt.</p><p>Vorbei an einem meiner Lieblingsläden, einem Geschäft, in dem ein uralter Mann aus Blechmüll und Fundsachen neue Dinge bastelt, das aber wohl wegen Stromsperre leider geschlossen ist, will ich wenigstens einmal mit dem Traghetto über den Canale Grande schippern. Wenn man nicht in eine Gondel steigen will, ist das das zweitbeste: An einigen Stellen kann man sich mit einer fast richtigen Gondel  bei Tageslicht mit zwei Steuerleuten für 2 € über den Canale transportieren lassen, um die Wege abzukürzen. Die echten Venezianer finden es unter ihrer Würde, sich dabei hinzusetzen und stehen in der Mitte des Bootes, die Touristen sitzen am Rand. Ich habe nur einmal versucht, stehen zu bleiben, aber das war keine so gute Idee…</p><p>Auf dem Weg zur nächsten Ausstellung, die dann aber leider auch geschlossen hat, besichtige ich noch eine Galerie mit modernen italienischen Skulpturen, um schließlich, nach einem weiteren Ausflug zum Schwimmbad in Giudecca, hungrig in einem nett aussehenden Restaurant mit freundlicher Bedienung und wirklich sehr gutem Essen zu landen, in dem der Wirt überschwänglich mein Italienisch bewundert (das wirklich übers Essen bestellen nicht weit hinausgeht) und mir vor lauter Begeisterung noch einen Limoncello zum Nachtisch spendiert, was mich nach dem halben Liter Wein zum Essen beinahe über den Rand kippt. In der Ecke des Restaurants blinkt immer noch heftig ein Weihnachtsbaum.</p><p>Auf dem Heimweg begegnen mir viele große Gruppen junger Leute, einige haben eine Art Lorbeerkranz auf dem Kopf und riesige Blumensträuße im Arm und die anderen singen laut: „dottore, dottore!“. Es scheint graduation day zu sein an der Universität.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/528a41058f2b8552b7161227ba044a13_large.jpg" /><figcaption>Schwarz-weiß Photos aus den 50ern</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/9433ca8c07f617f791ccc6110f6f3353_large.jpg" /><figcaption>Das alte Venedig</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a63abd9206ce35eb6a1f63c52be67b09_large.jpg" /><figcaption>Gianni Berengo Gardin</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f1a03ff4bcccb11bbfb1b91327d4d512_large.jpg" /><figcaption>Besonderer Kramladen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d7e0257ed14a353cc28bfa06424b054c_large.jpg" /><figcaption>Buchbinder</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1a7d826cd541e89204d65f743a1d357e_large.jpg" /><figcaption>Traghetto San Toma</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f25cdad46ab24cbe1cd90865406da459_large.jpg" /><figcaption>Gondel mit zwei Fahrern</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8fccc2d14fbffbafda25c82b702507d6_large.jpg" /><figcaption>Canale grande</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/90eff0cf10dd7b0ec765ff9c75cf9fac_large.jpg" /><figcaption>Moderne italienische Skulpturen</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/stromausfall-photo-ausstellung-und-dottore-dottore</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/stromausfall-photo-ausstellung-und-dottore-dottore</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 19 Mar 2026 21:29:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Neues und altes]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f2bd206fd13adada9f6fb5c2eed36366_large.jpg" /><figcaption>Karneval bei Giardini</figcaption></figure><p>Am Morgen mache ich mich auf zur Fondazione Querini Stampalia, um mein Lieblingsgemälde in Venedig zu besuchen, die „Darbringung Christi im Tempel“ von Giovanni Bellini. </p><p>Wie immer komme ich dabei auf Abwege, entzücke mich wieder an kleinen Details an den Hauswänden und Türen rechts und links und finde mich plötzlich vor einem mir neuen Museum mit einer Privatsammlung zum Thema Karneval in Venedig. In 5 kleinen Räumen, alle in dunklen Farben gehalten, finde ich Skulpturen aus Porzellan und Keramik, Figuren aus der Commedia dell’Arte,  alte und neue Gemälde, zwei originale Kleider, Drucke und ein Theater aus Papier mit Durchblick in die Tiefe. Alles ist liebevoll zusammengetragen und wunderschön ausgestellt. Im letzten Raum stoße ich beinahe laut jubelnd auf noch nie gesehene Werke von Chagall, Picasso und Miro.</p><p>Als nächstes mache ich Halt an der alten Werkstatt, wo bis heute Gondeln  restauriert werden, man kann von der anderen Seite des kleinen Kanals vor der Osteria al Squero bei einem Campari Soda mit Cicchetti gut zusehen. Heute wird neue grüne Anti-Algenfarbe außen auf den Gondelboden aufgetragen, dann wird sie ganz und gar poliert und sieht wieder aus wie neu.</p><p>Hier ertönen immer wieder laute Hupen, denn die Werkstatt liegt an einer bewegten Ecke, an der mehrere Kanalkreuzungen eng beieinander liegen. Am Morgen herrscht hier ein ziemlich wilder Verkehr von Booten der Müllabfuhr, Gemüselieferanten, Paketservices, Baumaterialien, Bierfässer etc. und immer wenn eines der Boote um die Ecke biegen will, wo man nicht so gut hineinsehen kann, wird kräftig gehupt, und wer am lautesten ist, hat anscheinend dann Vorfahrt. Auf einigen Müllbooten sitzen riesige Stofftiere am Bug und auf der Fahrerkabine.😊Wenn sie unter den niedrigen Brücken durchfahren, müssen die Bootsleute die Köpfe einziehen.</p><p>Als ich schließlich endlich zur Fondazione gelange erfahre ich von der ziemlich patzigen Dame am Eingang, als ich schon fast am Bezahlen bin, dass das eigentliche Museum bis Mai geschlossen ist und nur drei Sonderausstellungen, die mich nicht interessieren, zu besichtigen sind. Auch auf der Website war davon kein Wort zu finden. Ich ziehe frustriert wieder an und schreibe eine wütende Email ans Museum, worauf auch sofort reagiert wird, man will das weitergeben an die zuständige Stelle.</p><p>Als Ausgleich finde ich endlich eine Kirche in Venedig, die mir ziemlich gut gefällt, San Zaccaria, mit einem herrlichen Bellini an der Wand, der mich ein wenig trösten kann. (San Marco ist natürlich das allerschönste Gebäude auf der ganzen Welt, aber die anderen venezianischen Kirchen finde ich ziemlich scheußlich).</p><p>Schließlich gelange ich noch auf einigen Umwegen an der einzigen venezianischen Brücke, der Ponte di Misericordia, die kein Geländer hat, vorbei nach Cannaregio, wo ich eigentlich essen wollte, aber das Paradiso perdito hat am Dienstag geschlossen und das Bacareto da Neni finde ich leider nicht mehr. So lande ich schließlich in einem Restaurant im alten jüdischen Ghetto neben der Grundschule und beobachte beim Essen die Eltern und vor allem die Großmütter, die die Kinder nach dem Unterricht abholen. Fast alle haben so kleine bunte Roller vor der Schule geparkt, keines ist angeschlossen! Anscheinend wird hier wirklich nicht geklaut, oder nur von doofen Touristen. </p><p>Die Häuser im Ghetto sind höher als im Rest der Stadt, bis zu 7 Stockwerke hoch, weil bis zur Öffnung durch Napoleon, der den Juden gleiche Rechte verlieh wie den übrigen Bewohnern,  hier auf relativ engem Raum ziemlich viele Menschen unterkommen mussten, im  17.Jahrhundert waren es etwa 4000-5000, vor dem Faschismus noch etwa 1500. 289 von ihnen wurden deportiert, nur 7 kamen zurück. Heute sieht man hier vor allem viele amerikanische Touristen, teilweise orthodoxe, durch die Straßen wandern. Man kann mehrere Synagogen besichtigen, es gibt eine „Schul“, koschere Bäckereien und Restaurants und mehrere Souvenirläden mit jüdischen Artikeln und Kuriositäten, z.B. Rabbis auf Gondeln aus Glas mit Menora in der Hand. Ansonsten ist das heute ein völlig normaler Stadtteil mit ganz gemischter Bevölkerung. Alles ist friedlich, nichts wird besonders auffällig bewacht. Man hat das Gefühl, dass heutzutage hier Menschen verschiedener Religionen harmonisch zusammenwohnen, wie erholsam!</p><p> </p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/84dc54e9938813a5afda0cc871a9bcac_large.jpg" /><figcaption>Türknopf</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/03d6901d66024c19c6a0efa404a8ca37_large.jpg" /><figcaption>Papiertheater</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8e0deed475b45a8556319b11292bbe0d_large.jpg" /><figcaption>Colombina</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d89d81dde39fcb740ec2a3269555064c_large.jpg" /><figcaption>Figur aus der Commedia dell‘Arte: dottor Balanzone</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/270df201ccf878409b06fa656c8e1aa8_large.jpg" /><figcaption>Junge Frau mit Maske</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2d3d2d0b2fc43b5b69226112473259f1_large.jpg" /><figcaption>Figuren mit Masken</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/e578e487d491f34abaf35aace7111a8e_large.jpg" /><figcaption>Skulptur</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/93d1493c7c1c7960e032d784eaa98989_large.jpg" /><figcaption>Mit Stadtlandschaft</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f2bd206fd13adada9f6fb5c2eed36366_large.jpg" /><figcaption>Karneval bei Giardini</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/neues-und-altes</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/neues-und-altes</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Tue, 17 Mar 2026 20:27:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Murano]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a161f0a26e11df438832770ea5d3ab9f_large.jpg" /><figcaption>5 cm hoch!</figcaption></figure><p>Murano, die Glasbläserinsel, wo die meisten Leute immer nur für eine kurze Zeit hinfahren, ein Glastier kaufen und vielleicht eine Vorführung in einer der vielen Werkstätten besuchen, um dann auch noch die nächste Insel, Burano, nebenan zu besuchen, ist eigentlich ein idyllischer kleiner Ort mit einem Kanal als Hauptstraße und schönen, gepflegten Innenhöfen an den Nebenstraßen, wo kaum jemand hingeht.</p><p>Ich habe lebhafte Kindheitserinnerungen an diese Insel, weiß noch, wie vor meinen Augen ein hellblaues Pferd mit wehender Mähne auf den Hinterbeinend tanzend entstand, und hatte viele Glastierfamilien auf runden Spiegeln, immer 5 an der Zahl, ein großes und vier kleine. Ich erinnere mich an Schwäne und Elefanten jedenfalls, wo sind die nur geblieben?</p><p>Die meisten Artikel, die hier zugegebenermaßen mit unglaublicher Kunstfertigkeit hergestellt werden, sind meiner Meinung nach grauenhaft hässlich und furchtbar kitschig, vor allem die großen bunten Vasen und Kronleuchter mit Blumen und Blättern aus Glas in allen Variationen. Zwischendurch sieht man dann aber schöne zarte Trinkgläser und vereinzelt auch originelle Skulpturen.</p><p>Ich habe mich immer gefragt, wie in Italien die Orte und Städte, Häuser und Brücken, Plätze und Türme, Brunnen und Laternen derartig stilvoll und herrlich schön sein können, und man dann drinnen auf soviel Pomp und Protz und geschmacklose Scheußlichkeiten stößt. Auch die Kirchen sind meist völlig überladen und vollgestopft von zuviel Kunst und Dekorationen. Glücklicherweise findet das Leben hier ja hauptsächlich draußen statt.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d31772fdb71d1c151706ddae8e596c06_large.jpg" /><figcaption>Miniatur</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a161f0a26e11df438832770ea5d3ab9f_large.jpg" /><figcaption>5 cm hoch!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/9a65efb94207f77d016a4585d7fc6caa_large.jpg" /><figcaption>Idyllischer Ort</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/508d3289bf7f3ae46ec2dec06e9a4b10_large.jpg" /><figcaption>Taube badet</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/96fb16b6855c9ef111611dfd4ffee7b4_large.jpg" /><figcaption>Im Trinkbrunnen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2383c4a5a0bc86d453eee130b1adf321_large.jpg" /><figcaption>Große Glasskulptur</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/fb04f0a5edead7320a9aaffb66fd38b2_large.jpg" /><figcaption>Bisschen anders</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4785dd7125d5ebfe2ac282c15103c352_large.jpg" /><figcaption>Glaskunst</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/659b2b2427837a44bf182d79d75b7dbb_large.jpg" /><figcaption>Wenigstens originell</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/murano</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/murano</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 20:12:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Venedig am Sonntag: La dolce vita]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8d9eab15f386446a5682915853da4771_large.jpg" /><figcaption>Klostergarten</figcaption></figure><p>Der Sonntag beginnt mit dem für italienische Verhältnisse opulenten Frühstück, drei verschiedene Torten, Brötchen, Pannetone, Käse, Schinken, verschiedene Aufstriche, Joghurt, cereals, aber Grünzeug und Früchte müssen sie noch lernen. Die Maschine liefert Kaffee in etwa 12 verschiedenen Variationen. Die Nonnen räumen ab und wischen die Tische. Strikt von 7 bis 9.</p><p>Ich amüsiere mich damit, die Paare an den Tischen zu beobachten und finde, man kann ganz genau sehen, wer von ihnen eine genüssliche Nacht hinter sich hat und wer nicht. Dem Anschein nach waren die meisten miserabel…Nur das fröhliche amerikanische Quartett am Nebentisch scheint sich köstlich zu amüsieren, sie plaudern und kichern ohne Unterlass.</p><p>Ich mache mich auf und durchstreife das Viertel San Polo. Hier liegt ein kleiner sehr heruntergekommener Palazzo, San Pantalon, mit einem Werk von Banksy, das ich jedesmal besuche. Zu meiner maßlosen Enttäuschung ist „The Migrant Child“ mit weißen Planen verhüllt und wird restauriert im Moment. Dafür hat man es wohl ganz entfernt und woanders hingebracht. Ich kann nur hoffen, dass es danach nicht in ein Museum wandert, sondern am Originalstandort wieder eingefügt wird.</p><p>Am Campo San Polo mit seinen schönen großen Bäumen sitzen schon viele Menschen in den Cafés und auf den roten Bänken, lesen Zeitung und genießen den Sonntag.</p><p>Schöne Chormusik zieht mich in eine der Kirchen, die zum Sonntagsgottesdienst rappeldicke voll ist. Die Messe dauert zwei Stunden, es klingt und duftet herrlich, aber nach einiger Zeit habe ich wieder genug und ziehe weiter durch die Straßen.</p><p>Zum Mittagessen gibt es heute Cicchetti, die venezianischen kleinen mit unverschämten Köstlichkeiten belegten Brote und einen Spritz auf der Piazza, dolce vita vom Feinsten.</p><p>Am Nachmittag dann schon wieder in eine Kirche, wo nach Auskunft eines Plakats ein Chor aus Massachusetts ein Gastkonzert geben soll, was sich als eine ziemlich Katastrophe herausstellt, sowohl Chor als auch Instrumentalisten müssen wohl noch ein bisschen üben….Ich beiße die Zähne zusammen.</p><p>Dafür am Abend dann ein wunderbares Klavierkonzert im Obergeschoss des Opernhauses La Fenice, das vor einigen Jahren total abgebrannt war und liebevoll detailgenau wieder aufgebaut wurde. auch der prächtige Sale Apollinee glänzt in Gold und Kristall wieder in voller Pracht ohne steril-neu zu wirken. </p><p>Das Konzert mit dem italienischen Pianisten Axel Trolese ist atemberaubend, bei der Zugabe, einem Stück von da Falla, fällt er zum Schluss beinahe vor Enthusiasmus vom Hocker.</p><p>Es macht großen Spaß die „feine Gesellschaft“ von Venedig in voller Aktion zu beobachten. Was sympathisch ist, ist dass alle ihre eleganten Mäntel mit in den Saal bringen und unter die Stühle stopfen, einer stellt sogar seinen Trolleykoffer am Eingang ab, und Turnschuhe sind neben Abendroben völlig ok.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5b620cec8cf8d7a5adbe580fb7de1baa_large.jpg" /><figcaption>Die Nonne räumt ab</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/38bc9620ab22c81beecee9f9ef742544_large.jpg" /><figcaption>Frühstück mit Kuchen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8d9eab15f386446a5682915853da4771_large.jpg" /><figcaption>Klostergarten</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a1f6ade6e62c92d4ca772fbe14506778_large.jpg" /><figcaption>Morgenwäsche</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/15485f8ca40e115754dab47a7d015900_large.jpg" /><figcaption>Banksy  verhüllt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6dca03e0db700c188c9fb9d5ef0a055c_large.jpg" /><figcaption>Sestiere San Polo</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/60bd8b9f0692cc6a7520d5234485322a_large.jpg" /><figcaption>Volle Kirche</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/af6ddeac9aaafe29f8291298d793daad_large.jpg" /><figcaption>Gondolieri warten auf Kundschaft</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/490d4fe69e17bdfd29748dc579444985_large.jpg" /><figcaption>Sammelleidenschaft</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/venedig-am-sonntag-la-dolce-vita</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/venedig-am-sonntag-la-dolce-vita</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 08:32:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Sonnabend in Giudecca und Umzug ins Kloster]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ed43cfc7492ea0abeb3051984617c97d_large.jpg" /><figcaption>Campo Santa Margherita am Tag</figcaption></figure><p>Am Sonnabend morgen ist das Bild plötzlich völlig anders: Viele Menschen,  augenscheinlich Einheimische, sind unterwegs und gehen einkaufen. Man plaudert mit den Nachbarn, bewundert die Kinder und die Hunde und ist guter Laune. Viele Läden an der Uferstraße, die sonst verrammelt sind, haben die Rollläden hochgezogen, es gibt Fischgeschäfte, Obst und Gemüse werden vor der Tür aufgebaut, Fleischer, Drogerien, kleine Feinkosthändler haben geöffnet. Vielleicht geht man in Giudecca nur am Sonnabend Vormittag einkaufen und überlässt ansonsten den Boulevard den im Moment ja nur vereinzelt vorkommenden Touristen. Ich hatte gedacht, hier gäbe es nur einen kleinen Supermarkt und eine Apotheke….</p><p>Auch das öffentliche Schwimmbad ganz am Ende der Insel ist am Sonnabend Vormittag gut besucht. Kinder lernen unter strenger Anleitung älterer Bademeisterinnen den Kopfsprung, vier Damen plagen sich eifrig mit Wassergymnastik (in einem kleinen Teil des Beckens ist eine Plattform angebracht worden, auf der einige Menschen stehen können, es ist ziemlich eng), es gibt eine Bahn für schnelle Schwimmer, zwei für gemächliche, die anderen drei sind heute für Schülergruppen reserviert. Vom Becken aus hat man einen weiten Blick über die ganze Lagune, das Wasser ist sehr angenehm warm.</p><p>Wie beim letzten Mal amüsiere ich mich über die unterschiedlichen Sitten in den verschiedenen Ländern: Hier gibt es keine Schließfächer oder Schränke. Man gibt seine Wertsachen an der Kasse ab, wo sie in einer Schublade verstaut werden. Seine Sachen hängt man in einem großen Umkleideraum an den Haken, anscheinend wird hier nicht geklaut. Zum Duschen muss man seinen Badeanzug anziehen, nackt ist verboten. Alle haben Badekappen auf, auch die Männer, und man bewegt sich in der Halle mit Slippern, viele haben auch Bademäntel mitgebracht für den Gang zum Becken. Es gibt weder eine Sauna noch ein Kinderbecken mit Rutsche oder Wassermassagedüsen. Alles ist einfach, zweckmäßig, freundlich und schön warm. Die jüngsten Kinder sind vielleicht im Grundschulalter. Wahrscheinlich geht man in Italien nicht mit Kleinkindern ins Schwimmbad.</p><p>Statt des angekündigten Dauerregens währen des Tages bleibt alles sonnig und trocken und so nehme ich einen letzten Aperitif am Wasser und setze dann über zum „Haupt-Venedig“ und begebe mich zu meiner nächsten Herberge, dem Frauenkloster „Casa Caburlotto“, das auch als Hotelpension fungiert, einen kleinen Innengarten besitzt und wo einem das Frühstück von den Nonnen serviert wird. Ich darf schon eine Stunde zu früh einchecken und bekomme wieder, wie schon viele Male zuvor, das Zimmer mit Aussicht. Spartanisch, aber zweckmäßig und völlig ausreichend ausgestattet, nur diesmal haben sie das Kruzifix über dem Bett durch eine freundlich dreinblickende Madonna ersetzt. Wahrscheinlich werde ich so besser schlafen. Das einzige, was hier anders ist, ist der Curfew: Das Haus ist von 24 Uhr bis 6 Uhr morgens geschlossen, kein rein und kein raus. Das fand ich so komisch vor einigen Jahren, dass ich das mal ausprobieren wollte, und so bin ich hier gelandet und dabei geblieben. Nachtleben in Venedig ist ja sowieso nicht, selbst der Jazzclub beendet sein Programm um 23 Uhr.</p><p>Dann bin ich endlich bereit für meine endlosen Spaziergänge und das Verlaufen in dieser Stadt, in der ich seit knapp 70 Jahren immer wieder gewesen bin. Trotzdem verliere ich mich noch immer entzückt im Gassengewirr. Schließlich findet man aber immer zuletzt irgendeine Vaporetto-Haltestelle und kann sicher wieder in vertraute Gegenden zurückschippern. Es gibt an jeder Ecke interessante, auch verrückte Geschäfte mit Kunst, Krempel und Krimskrams zu entdecken, kleine, versteckte Bars und Cafés, Treppen und Brücken zum Verweilen und komische Typen zum Beobachten. Hier hört man nun etwas mehr ausländische Sprachen, aber die Italiener sind jedenfalls zu dieser Zeit des Jahres klar in der Überzahl und von Menschenmassen kann man noch nicht wirklich sprechen.</p><p>Am Nachmittag begehe ich einen furchtbaren Fauxpas und gehe um 4Uhr in ein Straßenrestaurant am Campo Santa Margherita, um zu essen. Kein Mensch isst um diese Zeit in Italien, aber ich habe die lunch-Zeit knapp versäumt und musste bei Bacareto di Lele leider umkehren, weil sie um Punkt 2 Uhr Schluss machen, und hatte so furchtbaren Hunger, dass ich mich nun leider schlecht benehmen musste und nicht bis zum Abend warten konnte. Glücklicherweise ist man aber in Venedig tolerant auf solche irren Touristen eingestellt und ich bekam köstliche heiße Spaghetti con Cozze🍝 (was für ein Name!) und knusprige Calamari.</p><p>Nach weiteren Gängen durch die krummen Gassen und einem abendlichen farbenfrohen Campari in einem schön von oben angewärmten versteckten Café leiste ich mir noch abschließend eine Schiffsfahrt auf dem Canale Grande, vorbei an von antiken Lampen in prächtigen Innenräumen erhellten Palazzi (wer mag da wohl wohnen?),die etwa dreimal so lange dauert als wenn ich gelaufen wäre, aber das muss nun einmal sein jeden Tag.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4a64477e3b818371fe69a40d3bcfefc3_large.jpg" /><figcaption>Fischladen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/925ba92e2b7caf5ef43fa38346ce29bb_large.jpg" /><figcaption>Einheimische</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f39af8e2a4d5e7419ea5004875c4b6df_large.jpg" /><figcaption>Schwimmbad</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/230285677d8453b96e695f226c8dade5_large.jpg" /><figcaption>Mit Blick</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0cddb93621135f03525e41ad389c4205_large.jpg" /><figcaption>Mandeln oder Kirschen?</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/94f20aaac0b1ab7cfaa7fdf03bda110e_large.jpg" /><figcaption>Aperitif </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a358b055eea1a3cd7688a5605527661d_large.jpg" /><figcaption>Klosterzimmer mit Ausblick</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f1e7f10c98050eb71e2aeec646726d66_large.jpg" /><figcaption>Café an der Ecke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ed43cfc7492ea0abeb3051984617c97d_large.jpg" /><figcaption>Campo Santa Margherita am Tag</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/sonnabend-in-giudecca-und-umzug-ins-kloster</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/sonnabend-in-giudecca-und-umzug-ins-kloster</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 15 Mar 2026 09:00:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Giudecca]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5ade8bd7b9f5cd9b224cc320e4f627b8_large.jpg" /><figcaption>Strahlende Sonne</figcaption></figure><p>Eigentlich dachte ich, diese Reise würde ganz geruhsam und ohne große Neuigkeiten oder Abenteuer verlaufen, ich würde selig lächelnd durch die altbekannten Gassen streichen, gut essen und ab und zu zu einem Gläschen in einem kleinen Café niedersinken, aber schon die erste Nacht hatte es in sich. </p><p>Drei meiner Zimmergenossinnen hatten ihr Handy nicht abgestellt und eines von den dreien klingelte immer abwechselnd alle halbe Stunde, bis ich um 5 Uhr morgens aufstand und einmal kräftig brüllte! Dann war endlich Ruhe, aber an Schlaf war jedenfalls nicht zu denken und ich freue mich jetzt schon auf meine Nonnenklause im Kloster, wohin ich morgen umziehen werde und wo ich das Zimmer nur mit einem Kruzifix teilen werde!</p><p>Am Morgen strahlt endlich die Sonne vom blitzblanken blauen Himmel, alles sieht fröhlich aus, pastellfarben und glänzend. Trotz der durchwachten Nacht wollte ich heute den Tag im Zickzack durch Giudecca laufen. Die Insel ist lang und schmal und die Straßen und Gassen führen immer nur vom Kanal bis zur Lagune auf der anderen Seite, es gibt fast keine Querverbindungen, so dass man immer wieder zurückgehen muss, um zur nächsten Straße zu gelangen. </p><p>Viel bunte Wäsche hängt hoch oben zwischen den Häusern, die Mülltüten werden an einer Leine oben vom Balkon heruntergelassen, wo die Müllabfuhr sie dann abholt und per Boot abtransportiert. Blühende Obstbäume, Gänseblümchen und wucherndes Gras zwischen den Häusern und in kleinen Parks.</p><p>Die große Kirche, die als Dank nach Ende der großen Pest gebaut worden ist, ist ziemlich hässlich und kahl, auch wenn einige Tintorettos zu bewundern sind, aber dahinter finde ich ein kleines Paradies, in das ich beinahe nicht hineingegangen wäre, weil der Eintritt 12€ kosten sollte. Die junge Frau am Eingang erzählt, dass es vor dem Bau der Kirche hier nur ein Kloster gab mit einem Kräuter- und Gemüsegarten und einer kleinen bescheidenen Kapelle, und dass das alles bis heute existiere. Die letzten 8 Mönche, die heute noch das Kloster bewohnen, sind wohl zu alt oder zu faul, den Garten noch zu bewirtschaften, und so hat die Stadt Venedig dieses Juwel, das auch während der großen Überflutung 2019 stark gelitten hatte, übernommen und wieder in Stand gesetzt und heute sorgen Freiwillige für die Beete und Bäume, die zum großen Teil gespendet wurden, es gibt Olivenhaine und blühende Obstbäume zwischen den Klostermauern, der Garten zieht sich bis hinüber zum Ufer der Lagune, wo man einen herrlichen Blick übers Wasser und auf die vielen kleinen Inseln hat. Ab und zu schippert eine Gondel oder ein hölzernes Privatboot vorbei. Es duftet im Garten köstlich nach Sabei, Rosmarin und Zitronenmelisse, die Anlage ist sehr gepflegt, überall stehen hölzerne Bänke, auf denen man sich niederlassen kann, Hunde sind erlaubt, ein kleines Wasserbecken plätschert in der Mitte, alles atmet Frieden. Nur wenige Besucher haben den hinter der Kirche versteckten Eingang gefunden. </p><p>Fast zwei Stunden sitze ich beglückt am Wasser und plane schon fast, mich als Volunteer zu bewerben, denn wie immer, wenn ich in Venedig bin, möchte ich am liebsten gleich ganz hierherziehen, aber dann reiße ich mich doch wieder los und wandere weiter, an Bootswerkstätten und Handwerksbetrieben, Keramikstudios und Reparaturläden vorbei bis zu meinem Aperitif hoch oben auf der Terrasse eines historischen Restaurants mit Ausblick auf die Lagune.</p><p>Bei La Palanca werde ich schon erwartet, der Wirt selber stellt mir einen kleinen Tisch draußen neben das Kanalufer und bringt mir einen halben Liter Rotwein (auch wenn ich nur einen Viertel bestellt habe) und drei köstliche Großkrabben als Vorspeise und Überraschung, bevor er die grünen Nudeln mit Gamberetti und Muscheln serviert.</p><p>Wie wohl nicht zu übersehen ist, wenn man meine Photos betrachtet, liebe ich „mein“Venedig (wie eigentlich die meisten Orte, die ich bereise) vor allem meistens menschenleer. Ich suche und finde für mein Leben gerne die Nebenstraßen, Hinterhöfe und verlassenen Gegenden, in denen ich die Fassaden, die Fenster, Brücken, Aussichten und Durchblicke höchstens mal mit einem Hund oder einer Katze teile. Eigentlich würde ich mich weder als menschenscheu noch  gar -feindlich bezeichnen, aber genau wie ich bei Konzerten am liebsten nichts und niemanden zwischen der Musik und mir haben will, was gar husten oder mit dem Programm rascheln könnte, gucke ich mir Orte, Städte und Gegenden am liebsten alleine an, mit Vorliebe auch sehr früh am Morgen oder dann abends nach dem Dunkelwerden. Es gelingt eigentlich fast immer: dreimal um die Ecke und dann ist man meist schon ganz für sich, hat den ganzen Rummel hinter sich gelassen und findet die erstaunlichsten Dinge und Plätze und das , was man als „normales Leben“ in diesem Teil der Welt bezeichnen könnte.</p><p>Am Abend mache ich dann wieder einen Ausflug ans andere Ufer, also ins eigentliche Venedig, sehe mir mit einigen anderen Ufer-Sitzern, Eis-Essern und Buch-Lesern den Sonnenuntergang an und streiche dann noch ein wenig durch die nun meist finsteren Straßen mit der Handy-Taschenlampe bewaffnet wie alle anderen, die mir entgegenkommen auch, zum Campo Santa Margherita, wo eine Gruppe Kinder im Dunkeln laut quietschend Fußball spielt, während die Eltern ein Glas Wein nehmen und vergnügt plaudern. Hier schaue ich immer nach Wohnungen und träume davon, im Lotto zu gewinnen. Morgen vielleicht….</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4a3b9bc1a366b6e5dc110b36545f875c_large.jpg" /><figcaption>Garten</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/21361b6970b847dbc24d708118d36fcc_large.jpg" /><figcaption>Park</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/955e8b8f2cba9f0943de2af4d8679903_large.jpg" /><figcaption>Müllabfuhr</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/92d19850520011c8c9d5676fecfd0aef_large.jpg" /><figcaption>Müll vom Balkon</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/aa8e27e7c683a4abbfb9fe5ab4c6d08c_large.jpg" /><figcaption>Gefängnis?</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/64932f8e90c2b29a81bc830722204319_large.jpg" /><figcaption>Fenster</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/860a89f91f6b037d937fa366a6a46200_large.jpg" /><figcaption>Stacheldraht gegen Tauben</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a8e502fee3bd6836908ebc0642e342d4_large.jpg" /><figcaption>Hochwasserbänke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/544409ecc0959778ba160aa04baa23da_large.jpg" /><figcaption>Hinterhlof</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/giudecca</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/giudecca</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Fri, 13 Mar 2026 21:27:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Venedig im Dunkeln]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4be4517216abb28ba018eb2a92cc1bb7_large.jpg" /><figcaption>Die typischen Winterpullover der Gondolieri</figcaption></figure><p>Spaziergang durch das abendliche Venedig am ersten Abend. Die Stadt ist bei fast jedem Licht magisch und faszinierend. Im Dunklen sieht man die Baustellen nicht so, der Markusplatz funkelt und die Seufzerbrücke ist doppelt melancholisch bei Nacht.</p><p>In der kleinen Bar treffen sich die Gondolieri nach der Arbeit. Ich habe irgendwo gehört, dass die Ausbildung sieben Jahre dauert.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/92ad5e1fd11e07f6096c425c3cd9da13_large.jpg" /><figcaption>Giudecca sunset</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f513c0311c6a5316e2a4d9ac807419aa_large.jpg" /><figcaption>Limoncello spritz</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6de77e9fdd9e18c15428280e771052f2_large.jpg" /><figcaption>Bar</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/656902b0dd0d4aa87bddc9a492a300db_large.jpg" /><figcaption>Gondolieri after work</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4be4517216abb28ba018eb2a92cc1bb7_large.jpg" /><figcaption>Die typischen Winterpullover der Gondolieri</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7f42b9c3e0f55ae717f113ef4e36c463_large.jpg" /><figcaption>Melancholie</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/46df80b781b36891028d08503c41d384_large.jpg" /><figcaption>Seufzerbrücke bei Nacht</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/63c102b6cc85f46ef85e6828b1652439_large.jpg" /><figcaption>Magisch</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a7bc2ae585811bc134cc6d65697461c1_large.jpg" /><figcaption>Palazzo</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/venice-in-the-dark</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/venice-in-the-dark</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 12 Mar 2026 19:19:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Venedig zwischen Karneval und Ostern]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b6d475770465b3509e52e1ec5217c156_large.jpg" /><figcaption>Rialto</figcaption></figure><p>Nachdem ich nun mal wieder dem Tod von der Schippe gesprungen bin (das wievielte Mal😳?), fand ich, ich brauche ein paar Tage Venedig für meine Seelenruhe. </p><p>Die Tage zwischen Karneval Mitte/Ende Februar, und Ostern, dieses Jahr Anfang April, sind schön ruhig, und wirklich: keine Menschenmassen auf dem Canale grande, relativ friedlich der Markusplatz, leider sind einige Palazzi mit Planen verhüllt und under construction, auch vor dem Eingang des Markusdoms ist einiges unter Plastikfolie verborgen, das Licht ist, wie manchmal im Sommer, milchig und die Sonne kommt nicht richtig zum Vorschein, aber im Großen und Ganzen ist Venedig herrlich und macht mich glücklich wie immer. </p><p>Mit dem Bus Nr.5 geht es direkt vom Flughafen zur Piazzale Roma, wo man ein Wochenticket für die Vaporetti erstehen kann, und dann gleich aufs Boot und einmal den ganzen Canale Grande herunterfahren bis zum Markusplatz, unter der Rialtobrücke und der Accademia-Brücke hindurch, am Fischmarkt und bei Peggy Guggenheim vorbei bis zur Haltestelle am Dogenpalast. Erster Blick auf die herrlichen Fenster und fleckigen Fassaden in allen erdigen Farben, die man sich vorstellen kann und die Gondeln, die meist noch eingepackt friedlich an den Kanalufern schaukeln.</p><p>Ein kurzer Gang vom Dogenpalast zum Campanile, der mir diesmal eine Spur zur Seite geneigt scheint, aber das ist wahrscheinlich eine optische Täuschung, er wird hoffentlich nicht noch einmal zusammenbrechen. </p><p>Keine Tauben mehr auf dem Markusplatz, man hat streng durchgegriffen und den Spaß meiner Kindheit endgültig verboten. Das Café Florian und das andere auf der gegenüberliegenden Seite sind ziemlich menschenleer. Die beiden Glockenschläger stehen aber noch auf ihrem Dach, und dieses Gebäude ist endlich fertig restauriert.</p><p>An der Seufzerbrücke vorbei (auch diesmal nicht eingepackt!) zur nächsten Vaporetto-Haltestelle und weitergeschippert nach Giudecca und zu meinem Lieblingsrestaurant La Palanca, wo der Wirt einen strahlend entgegennimmt und Ratschläge gibt, was es heute Gutes aus der Küche gibt. Ich glaube, manchmal kocht er auch selber. Vor allem Fischer und Leute aus der Nachbarschaft kehren hier ein. Es ist laut und voll und fröhlich, und das warme Chicorée-Gemüse, die Pasta mit Oktopus-Sauce und der Schokoladen-Mandelkuchen sind ein Genuss. Ich mache sofort eine Reservierung für den nächsten Tag, dann aber draußen am Wasser, und werde herzlich mit „A domani, Susanne!“ verabschiedet.</p><p>Giudecca ist viel ruhiger und einfacher als der Rest von Venedig, irgendwie gute alte Zeit. Hier liegt auch mein ziemlich gemütliches, blitzsauberes Hostel mit Blick auf das gegenüberliegende Venedig mit Türmen, Fassaden und Palästen.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f912d9a644cc24aa42d0d2297754e104_large.jpg" /><figcaption>Vaporetto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b6d475770465b3509e52e1ec5217c156_large.jpg" /><figcaption>Rialto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/487ce586da7d55a76a1f7455bd390cd1_large.jpg" /><figcaption>Rialto-Brücke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a99186a43ec36e02ab7d94b3ce0f6fa7_large.jpg" /><figcaption>Canale grande</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b59021f6f358b6e2c79905da3ca506fe_large.jpg" /><figcaption>Markus-Dom, teilweise verpackt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/16e937e395ceb2a18279b951849bf3c9_large.jpg" /><figcaption>Markusplatz, ziemlich leer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/92536932fa1adb6a1b3518e4803e24bf_large.jpg" /><figcaption>Seufzerbrücke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/062a9f9dd6edbb42592ac7c380d14c32_large.jpg" /><figcaption>Erster AperolSpritz</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d88ba04435935131473f2994fb6b1a44_large.jpg" /><figcaption>La Palanca, Wirt</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/venedig-zwischen-karneval-und-ostern</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/venedig-zwischen-karneval-und-ostern</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 12 Mar 2026 16:11:00 GMT</pubDate><geo:lat>45.440379</geo:lat><geo:long>12.3159547</geo:long></item><item><title><![CDATA[34. und letztes Kapitel, letzte Streifzüge und letzte Bilderflut]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/00835351b5c95e25ce90486a4dc64790_large.jpg" /><figcaption>Alle meine Entchen …🎶</figcaption></figure><h3><b>Die letzten zwei Tage waren reserviert für meine Lieblingsplätze in Kyoto. Eigentlich wollte ich ja noch zu den Stromschnellen in Arashiyama, aber es war einfach zu kalt.<br /></b><b>So schlenderte ich noch zwei, drei Mal über den Philosophenpfad, jetzt beinahe blattlos und ziemlich leer, die Touristensaison ist vorbei, jedenfalls sieht man kaum noch westliche Gruppen.<br /></b><b>Herrliche Ruhe, und alle Katzen sind noch da: die Stummelschwanzkatze, die braune, die schwarze und die beiden weißgefleckten kommen eifrig angerannt, als wieder eine neue Katzenfütterin anradelt und die Näpfe füllt und aus einer mitgebrachten Flasche frisches Wasser in den Topf gießt. Nochmal streicheln.<br /></b><b>Die meisten Cafés und Geschäfte sind den ganzen Vormittag geschlossen, weil ja kaum noch einer vorbeikommt, aber als ich später auf dem Rückweg bin, haben sie doch hoffnungsvoll wieder aufgemacht.<br /></b><b>Weiter zum Nanzen-ji, nochmal das Tor bewundern und die alten dicken Holzsäulen streicheln, nochmal beim Aquädukt sitzen und hochklettern und den rasch fließenden Wasserstrom vom Biwa-See beobachten und das Wasser rauschen hören. Die letzten Ahornbäume mit den zarten kleinen Blättern leuchten noch sehr rot und sehr gelb.<br /></b><b>Dann zurück nach Norden und ein letztes Ramen beim Nudelschütteler. Ich wollte eigentlich das Fisch-Ramen probieren, aber da ist irgendwas schiefgegangen, dicke Schweinefleischscheiben schwimmen auf der Nudelsuppe, schmeckt aber trotzdem gut. Er scheint heute schlechter Laune zu sein, seine Frau und der junge Helfer werden ganz schön herumgescheucht und in ihrem sehr fleißigen Tun korrigiert, aber vielleicht macht er ja auch nur Spaß.<br /></b><b>Eigentlich wollte ich danach noch einen Kaffee im wunderschönen alten Café Mo-an mitten im Wald trinken , das ich auch in der Zwischenzeit vergessen hatte, das mir aber im letzten Moment noch wieder eingefallen war, und für das ich tatsächlich nochmal pustend einen mittelkleinen Berg erklimme, nur um festzustellen, dass es leider geschlossen ist für einige Tage.<br /></b><b>Über die Brücke noch einmal schnell den Fluss betrachten und den Adlern und Störchen winken, bevor ich zu meiner maßlosen Überraschung auf der anderen Seite des Flusses noch zwei neue interessante Plätze finde: ein hochmodernes Café mit Photogalerie und einer Ausstellung mit Menschen, die sehr amerikanisch aussehen, aber von einer Insel stammen, die nicht sehr weit vor Tokio liegt und im Laufe der neueren Geschichte vor und nach dem Krieg eine völlig eigene Kultur und Lebensweise entwickelt haben und deren Bewohner sogar als eine eigene „Rasse“ im Pass eingetragen werden. Vor allem die gelben futuristischen, aber sehr bequemen Möbel gefallen mir gut. Nicht weit davon finde ich auch noch ein sehr gemütlich aussehendes Stadtteilkino, leider ist es jetzt zu spät. Die Filme werden zum größten Teil in Originalfassung gezeigt, wäre also möglich gewesen.<br /></b><b>Weiter, weiter zu meinem „Kathedralenpark“ mit den hohen Bäumen und den schmalen Pfaden, einmal hin und einmal her. Mein Abschiednehmen ist langwierig, weite Wege, und sentimental. Ich habe mich am Ende von Reisen immer sehr schwer getrennt, aber diesmal ist es noch etwas schlimmer aus Alters- und Gesundheitsgründen, aber wer weiß….<br /></b><b>Den Abend beschließe ich wieder im Jazz-Café Yamatoya mit einem Glas Wein, und erzähle, dass ich am folgenden Tag abfahren werde und versuchen will, kurz vor dem Flug noch auf einen Kaffee vorbeizuschauen, und wie sehr ich diesen Ort liebe. Seine Frau, die jetzt öfter still an der Theke sitzt,  aber nicht mehr mitarbeiten kann, kommt an meinen Tisch und erzählt mir, dass ich darauf achten soll, wie schön der Vollmond heute über Kyoto steht.</b></h3><h3><b>Und dann auf dem Nachhauseweg noch schnell eine Runde durchs Sento bei dem Deprimierten um die Ecke.<br /></b><b>Heute Morgen habe ich den letzten Schreck der Reise: Finnair erklärt mir beim Einchecken, dass ich für den Rückflug nur Handgepäck habe. Ich schaue verzweifelt auf mein dickes Gepäck mit den Käufchen, ich hatte auf dem Hinflug zwei große  Koffer mit je 23 kg und war natürlich davon ausgegangen, dass das auch für den Rückflug gilt. Hatte extra noch eine große Tasche eingepackt, um diese  Gepäck-Allowance auch auszunutzen. Jetzt große Panik und dann bestelle ich schnell für viele Euros ein Check-in-Gepäckstück und stopfe alles verzweifelt mit Ach und Krach in den einen dicken Koffer und hoffe, dass sie ihn durchlassen, auch mein Handgepäck ist viel zu fett und schwer! Finnair kann sich auf eine saftige Auseinandersetzung gefasst machen, wenn ich wieder zu Hause bin!<br /></b><b>Da der Rückflug aber erst kurz vor Mitternacht beginnt, kann ich den letzten Tag noch voll ausnutzen, es ist wieder herrlich mild und wolkenlos, heute wäre das Rafting möglich gewesen, ist mir aber zu weit, und so nehme ich noch zum Abschied, nachdem ich das dicke Gepäck im Bahnhof in ein Schließfach gezwängt habe, einen schönen kleinen Handarbeitsmarkt, wo nun wirklich nur Handgemachtes angeboten wird, teilweise sehr originelle und sogar schwarzhumorige Sachen. Außerdem scheint hier ein Hundetreffen angesagt worden zu sein, denn so viele verschiedene Hunderassen hab ich bisher in Japan nicht gesehen, und die meisten dürfen sogar auf dem Boden laufen! Die letzten Shibas in allen Farben, schwarz, weiß, braun und beige und allen Größen entzücken mich noch einmal.<br /></b><b>Dann wirklich auf den letzten Kaffee ins Yamatoya, sie machen glücklicherweise schon um 12 auf. Der nette junge Kellner erinnert sich sogar, dass ich den Kaffee nur mit Milch trinke, obgleich ich nur einmal vorher dort einen Kaffee bestellt habe. Und der Meister zelebriert wieder langsam und andächtig die Zeremonie: Tasse wählen, mit kochendem Wasser zum Anwärmen füllen, Wasser zum Kochen aufsetzen, Thermometer rein, Kaffee mahlen, dann durch den Filter ganz langsam einfüllen. Er ist sichtlich stolz auf sein Werk, und der Kaffee schmeckt köstlich! Dann kommt er noch überraschend an meinen Tisch und überreicht mir ein Tütchen mit japanischem Konfekt, eine Visitenkarte des Lokals und vier Bierdeckel, die sie hier benutzen mit dem sinnigen Spruch (den ich nur unterschreiben kann): „It ain’t what it used to be“, aber hier ist es eben doch.<br /></b><b>Es kratzt mir wieder verdächtig im Hals, ich bin ziemlich gerührt. Nach einigen Minuten schickt er noch den Kellner, um zu fragen, ob ich einen Musikwunsch hätte, und ich hatte im dick mit Vinyls gefüllten Regal irgendwann eine Platte von Anita O‘Day entdeckt, von der ich selber keine LP habe. Die wird dann zum Abschied aufgelegt. Danach verabschiede ich mich mit einer sehr tiefen Verbeugung.<br /></b><b>Der letzte Gang vor der Abreise führt mich dann noch einmal zum Ginkaku-ji mit dem silbernen Pavillon, der Sandpyramide und -Feld, den Ponds, bunten Bäumen und Moosen, ich sauge nochmal alles so tief ein, wie ich kann, und dann mache ich mich über das letzte Stück Philosophenpfad auf zum Gästehaus, um das restliche Gepäck abzuholen und bei Sonnenuntergang zum Bahnhof und weiter zum Flugplatz zu fahren.<br /></b><b>Die Damen am Schalter sind furchtbar bemüht und nett und versuchen die Koffersituation zu lösen. Am Ende darf ich noch schnell umpacken und sie nehmen das zweite Gepäckstück ohne Aufpreis mit, meinen aber, dass Finnair mir nichts erstatten wird, war mein Fehler, dass ich das nicht bemerkt habe.<br /></b><b>Und jetzt sitze ich im Flugzeug und wir fliegen gerade über Grönland, also diesmal über die Nordroute, eine Stunde schon Verspätung, insgesamt 14,5 Stunden Flug! Interessant ist, dass es über Alaska schon hell wurde, jetzt aber wieder stockduster geworden ist. Das muss mir dann mal später jemand erklären bitte….<br /></b><b>Um 6.30 morgens werden wir in Helsinki landen. Ich bin hochbefriedigt von meiner Reise, so viele beglückende Momente, so viel wiedergefunden, so viel Neues, so viel Schönes!<br /></b><b>Danke fürs Mitreisen! Ich verabschiede mich dann mal  und sage zum Schluss: „Mata ne“!</b></h3><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/24fd4ce269d3025c17e72070142cb643_large.jpg" /><figcaption>34. und letztes Kapitel, letzte Streifzüge und letzte Bilderflut</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/13b67ea6e88e320a6e8079fa10ace437_large.jpg" /><figcaption>5.Dezember!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b7d6c56a14602ccba22de2f4831644e8_large.jpg" /><figcaption>34. und letztes Kapitel, letzte Streifzüge und letzte Bilderflut</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/de376cfe64412dba914b39e4ec7ac208_large.jpg" /><figcaption>Ganz leer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/aeea7304af3edbe7c0bd9d07ddea5394_large.jpg" /><figcaption>Blaue Dachziegel</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0923adc1ccccad9a7e8044ad67af5845_large.jpg" /><figcaption>Blütenmeer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/00835351b5c95e25ce90486a4dc64790_large.jpg" /><figcaption>Alle meine Entchen …🎶</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/04ee21677b7452ab3043cdae56833e4c_large.jpg" /><figcaption>Die braune…</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a1c36dd47a6c3b15fe8769d75cbb773f_large.jpg" /><figcaption>Fütterung</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/34-und-letztes-kapitel-letzte-streifzuege-und-letzte-bilderflut</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/34-und-letztes-kapitel-letzte-streifzuege-und-letzte-bilderflut</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 07 Dec 2025 04:30:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f30554b4b4ece266264d1229e79ffa7c_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><h3>Jetzt bin ich auf der Abschiedstournee durch Kyoto, aber mir fallen immer noch Orte ein, die ich vergessen hatte, aber unbedingt nochmal wiedersehen möchte. Glücklicherweise weiß Johnny immer gleich, was ich meine, wenn ich ihm beschreibe, woran ich mich erinnere und schickt mir prompt den Google Maps-Link zu.<br />So fand ich gerade noch rechtzeitig den Sanjūsangen-dō wieder, einen Tempel, der 120 Meter lang, das längste Holzgebäude der Welt, und 15 Meter hoch ist und 1000 Buddhas nebst 25 zumeist erschrecklich anzusehenden buddhistischen Göttern von Wind und Sturm, Feuer, Weisheit und Musik (mit Instrumenten!) beherbergt und sicher einen der faszinierendsten Anblicke bietet, die ich in meinem Leben gesehen habe.<br />Die vergoldeten Buddhas in langen Reihen, etwa 10 hintereinander, sehen auf den ersten Blick alle gleich aus, aber wenn man sich Zeit nimmt, etwas genauer hinzuschauen, sind sie tatsächlich alle individuell und haben unterschiedliche Gesichtsformen, Augenbrauen und Münder. Die Nasen fand ich allerdings alle genau gleich. Die meisten haben die Augen züchtig niedergeschlagen, einige blinzeln mit einem oder sogar beiden Augen etwas neugierig unter den Lidern hervor. Die Götter, die alle vorgestellt werden mit ihren indischen ursprünglichen und dann japanisierten Namen, haben Augen aus Kristall oder Edelsteinen, was sie besonders lebendig erscheinen lässt.<br />Die lebensgroßen Statuen sind aus Zypressenholz geschnitzt und mit Blattgold belegt. Jede hat mehr als 20 Armpaare und ist verantwortlich für die Rettung und Bewahrung mehrere Welten. 124 der Buddhas, die seit Gründung des Tempels im Jahr 1164 existierten, wurden gerettet aus dem verheerenden Feuer von 1249, die übrigen stammen aus dem 13. Jahrhundert.<br />Es ist streng verboten, in der großen Halle zu photographieren (es gibt aber keine Aufpasser🙂), und so sind die meisten Aufnahmen von den Skulpturen aus einem Prospekt, aber zweimal hab ich schlimmerweise mal schnell aus der Hüfte geschossen, um meinen eigenen Blick festzuhalten. Dabei kann man aber nicht so genau zielen….<br />Bei diesem Tempel fand in alter Zeit ein berühmter  Bogenschießwettbewerb statt und bis heute wird im Januar jedes Jahr ein großes Bogenschießen veranstaltet, bei dem die Schützen über die halbe Länge der Halle, also 60 Meter, auf Zielscheiben schießen.<br /> Ich konnte mich kaum losreißen, begab mich dann aber doch auf meine Nostalgie-Abschiedstour, auf der ich noch einmal meine liebsten Plätze in Kyoto in den letzten drei Tagen besuchen will.<br />Es ist inzwischen bitterkalt geworden, aber im Laufschritt kann man noch gut den ganzen Tag draußen sein.<br /> Also durchstreifte ich noch einmal den Fressteil des Nishiki-Marktes, um endlich die fermentierten Gemüse zu sehen und einen frittierten Riesen-Scampi zu verspeisen. Auf dem Weg dahin kam ich an einem interessant aussehenden Pudding-Shop vorbei, und da ich mal wieder vergessen hatte, nach dem Frühstück etwas zu essen, musste ich auch da einkehren und einen japanischen Tee-Pudding mit Caramel-Sauce, wunderschön angerichtet, probieren.<br />Dann entdeckte ich in einem wohl sehr feinen Viertel (warum ist mir schleierhaft! Meine Gegend, der Philosophenpfad und Gion gefallen mir viel besser), jedenfalls den Preisen und den Hotels nach zu urteilen, mehrere Woll-, Stoff- und Handarbeitsgeschäfte, die mich geraume Zeit in Anspruch nahmen, und landete dann noch einmal in dem schönen alten Onsen im Nordwesten von Kyoto. Sehr zu meinem Ärger war auch hier wieder die Seite gewechselt worden, sodass hier das Holzbecken zwar draußen war, dafür aber kein Felsenbad zur Verfügung stand. Trotzdem war es schön, und auf dieser Seite gab es besonders interessante alte Kacheln und Holzschnitzereien.<br />Danach noch ein letzte Mal zu Takoyaki, dem Lokal mit den vielen Oktopussen und dem netten fröhlichen Besitzer. Bei jedem „letzten Mal“ breche ich fast in Tränen aus, aber so ist es nun mal. Sein selbstgemachter Pflaumwein mit der gelben alkoholgetränkten Plaume drin war so gut, dass ich noch einen zweiten bestellen musste, auch um noch ein bisschen länger bleiben zu können.</h3><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ae1605e4c4708c00d87e9e3e38e5c221_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/80c2449affafc1b9b4c12ccdb367f3e4_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d1222c920155435d29f6acb35f6bedbb_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/adfe714b0b1e79f8b009c89ca04529ba_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/965daf423f9d56e70174a917e9b08329_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/70fd05c8e33fbf4a4cf4da515b9a933f_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/65c993a4a155628507b5dd0bcf375138_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1693d9b8db3df2fed4f93ab882eb6075_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1792af0bf7774a52b23f910fa17e7171_large.jpg" /><figcaption>33. Kapitel: Abschiedstour mit 1000 Buddhas,Tee-Pudding und Fermentiertem</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/32-kapitel-abschiedstour-mit-1000-buddhastee-pudding-und-fermentiertem</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/32-kapitel-abschiedstour-mit-1000-buddhastee-pudding-und-fermentiertem</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 04 Dec 2025 22:31:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[32. Kapitel: Bei den Geishas in Gion, ein sehr frohes Wiedersehen und einmal im Leben Thunfisch-Sushi satt]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7237bd1b480536da42d184829a5b3a17_large.jpg" /><figcaption>Altes Geisha-Haus mit Motorroller </figcaption></figure><p>Gestern bin ich den ganzen Tag durch Gion, den alten (und heutigen) Geisha-Bezirk gestrichen, wo sich die Touristen mit Kimonos, Yukatas und Schirmchen als traditionelle Japaner verkleiden und ziemlich verzweifelt in großer Zahl mit diesen hölzernen Zehenlatschen über Treppen, Hügel und Gassen klappern. Man erkennt sie sofort, aber wenn man das Glück hat, einen Blick auf eine echte Geisha oder Maiku, einen Geisha-Lehrling, zu werfen, was nur sehr selten der Fall ist, sieht man den Unterschied auf den ersten Blick.</p><p>Der Geisha-Beruf ist vielfältig und erfordert eine jahrelange Ausbildung, in der man lernen muss, gepflegte Konversation über alle möglichen Themen zu führen, zu singen, zu tanzen, Gedichte zu rezitieren, zu servieren, die Tee-Zeremonie zu veranstalten, sich elegant und traditionell zu kleiden und zu bewegen und die Haare zu schmücken, sich zu schminken mit weißem Untergrund und einem kleinen roten Mündchen, bis man aussieht wie ein japanischer Holzschnitt und viele andere Dinge. Die Mädchen treten als Maikos ein in diese Karriere mit etwa 15 Jahren und werden von einer erfahrenen alten Geisha wenigstens fünf Jahre unterwiesen.</p><p>Ich habe diese Tradition nie verstanden, aber eine Karriere als Geisha scheint ziemlich erstrebenswert zu sein in Japan. Die Frauen arbeiten nach der Ausbildung völlig selbständig, der Beruf ist hochangesehen. Die echten Geishas und Maikos wirken höchst elegant und sind sehr respekteinflößend. Ich konnte vor sechs Jahren eine Zeremonie beobachten, bei der jährlich im November bei einem Gedenkstein ein japanischer Poet geehrt wird in diesem Geisha-Bezirk, der sich wohl sehr für diese Menschen begeistert und eingesetzt hat, und war beeindruckt von der Würde und Aura dieser Frauen. </p><p>Die ganze Angelegenheit findet in den kleinen Holzhäusern von Gion statt, man kann wohl einen Abend mit Geisha buchen, aber wer das macht und was sich da abspielt ist vor der Öffentlichkeit streng geschützt und verborgen und findet wohl am späten Abend statt, wenn die Touristen sich verlaufen haben.</p><p>Jedenfalls wollte ich trotz Touristenmassen noch einmal dahin, weil es wirklich sehr schön dort ist und unglaublich viel zu sehen gibt. Viele der kleineren Gassen sind heute halbwegs gesperrt und mit Photographierverboten gekennzeichnet, weil sich wohl einige Reisende mal wieder unmöglich und aufdringlich benommen haben, es gibt Hinweisschilder, wie man sich zu verhalten hat, wenn man einer echten Geisha oder Maiko begegnet, und was man absolut nicht tun darf. Und bei einem der Schreine, wo unzählige bunte Stoffkugeln hängen, die aber solche japanischen Äffchen-Handarbeiten sind und sehr symbolische Bedeutung zur Überwindung des eigenen Schweinehunds haben, habe ich das Glück, eine echte Maiko in voller Ausstattung mit Make-up und Frisur bei einem ihrer wohl obligatorischen Photo-shoots beobachten zu können. Sie hat einen weiblichen bodyguard und die Photographin zum Schutz dabei, und die Leute benehmen sich anständig.</p><p>In einer der beiden beliebtesten Touristenstrassen, wo sich bergauf, bergab die Kimono-Trägerinnen aus Ohio und Hongkong, Malmö und Düsseldorf von ihren Begleitern in allen möglichen Posen ablichten lassen, liegt auch das absolut schönste,  stilvollste Starbucks-Café in einem der uralten Geisha-Häuser. Man kauert auf flachen Kissen auf dem Tatami-Boden an flachen Tischchen, ohne Schuhe selbstverständlich, und schlürft andächtig seinen Latte.</p><p>Ich quäle mich einmal bergauf durch alle diese Menschenmassen, weil ich auf der Suche bin. Rechts und links sind viele kleine Läden, die vor allem Süßigkeiten (man darf kosten!) und Souvenirs verkaufen, viel Peter Rabbit und Ghibli-Kram, sogar immernoch ein ganzes Geschäft für Monchichis, die ich als Jugendliche geliebt habe, was mich aufquietschen lässt! Aber ich suche etwas Bestimmtes: Ich weiß ganz genau, dass ich 2019 hier in einem kleinen Laden war, wo ein Mann sogenannte „ewige Kaffeefilter“ aus einem porösen Stein vorgeführt hat, ich war damals zu geizig, einen zu kaufen und habe mich die letzten sechs Jahre darüber geärgert!</p><p>Nach vielem Drängeln durch die Massen und dem Gefühl, nur noch weglaufen zu wollen aus diesem Irrenhaus, kann ich es nicht fassen: In einem Innenhof sehe ich schon von weitem, dass derselbe Mann mit seinen Filtern da einen kleinen Stand aufgebaut hat und dieselben Filter noch immer anbietet. Es gibt die nur hier, ich habe sie nirgendwo anders gesehen. Ich erzähle ihm von meinem langjährigen Ärger über mich selber und er freut sich ganz augenscheinlich furchtbar und fühlt sich geehrt, verkauft mir ein Exemplar und sagt mehrmals „Kiitos“, als ich nochmal vorbeikomme.</p><p>Als ich mich wirklich die ganze Sannenzaka hinaufgequält habe, stehe ich vor dem Eingang zu einem der beliebtesten Tempel in Kyoto, dem Kiyomizu-dera, und wo ich schonmal da bin, denke ich, ich geh mal rein.Das letzte Mal war der Haupttempel eingerüstet und nicht betretbar, jetzt kann ich wenigstens einen Blick auf den dunkelbraunen, mit Stroh gedeckten Hauptbau  und einen anderen, den berühmten Blick auf die bergige Umgebung werfen, aber als ich die Schlangen vor dem Eingang bemerke, ziehe ich es vor, doch lieber von draußen zu gucken und mich dann schnell wieder zu entfernen. Die übrigen Gebäude waren mir schon in früheren Jahren viel zu orange!</p><p>An mehreren uralten Pagoden und noch mehr Geisha-Häusern vorbei fliehe ich zurück in die Stadt und zu einem einmaligen Thunfisch-Sushi-satt-Abendessen.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/16f01c0a78ecc7cd6624a2326d8cec92_large.jpg" /><figcaption>Teenager mit Gebammel am Rucksack</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6fefb3c4dc574bee1ab734e82813a00d_large.jpg" /><figcaption>Kimono- Mietshop</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7237bd1b480536da42d184829a5b3a17_large.jpg" /><figcaption>Altes Geisha-Haus mit Motorroller </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/33da8040753b42a1a95006c18df01338_large.jpg" /><figcaption>Gion</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3f927020c08558dce1e0684cd7922c98_large.jpg" /><figcaption>32. Kapitel: Bei den Geishas in Gion, ein sehr frohes Wiedersehen und einmal im Leben Thunfisch-Sushi satt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4059ae773146ad4e9da282357d297a33_large.jpg" /><figcaption>32. Kapitel: Bei den Geishas in Gion, ein sehr frohes Wiedersehen und einmal im Leben Thunfisch-Sushi satt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/e6dc4101892a5f63b79019cdce15add8_large.jpg" /><figcaption>32. Kapitel: Bei den Geishas in Gion, ein sehr frohes Wiedersehen und einmal im Leben Thunfisch-Sushi satt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/04e71bca9d550a76588c9f5738696d80_large.jpg" /><figcaption>Nicht photographieren!😉</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f8a4d1e2d4d10b71921e057e0e9b3a31_large.jpg" /><figcaption>Streicheln für die Weisheit und erfolgreiche Geschäfte…</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/32-kapitel-bei-den-geishas-in-gion-ein-sehr-frohes-wiedersehen-und-einmal-im-leben-thunfisch-sushi-satt</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/32-kapitel-bei-den-geishas-in-gion-ein-sehr-frohes-wiedersehen-und-einmal-im-leben-thunfisch-sushi-satt</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Wed, 03 Dec 2025 23:28:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[31. Kapitel: Der letzte Berg]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/88652be8ff61d771f70a0857f78aecdc_large.jpg" /><figcaption>2.Dezember!</figcaption></figure><p>Gestern war reserviert für den mächtigen Berg Hiei, mit 840 m der höchste Gipfel in der Nähe der Stadt, Beschützer und Ausgangspunkt der Verbreitung des Buddhismus in Japan im 7. Jahrundert.</p><p>Man kommt dorthin, indem man erst am Fluss entlang spaziert bis zum Eizan-line-Bahnhof und von dort mit einer kleinen Bummelbahn bis an den Fuß des Mount Heian tuckert. Die Linie hat nur zwei kurze Strecken und teilt sich nach kurzer Zeit, nach links geht es nach Kifune und Kurama, nach rechts zur Bergbahn auf den Hiei.</p><p>Dann steigt man um in den Schienenbus und es geht eingleisig sehr steil bergan durch bunte Wälder immer weiter in die Höhe. Ganz geheuer ist das nicht, denn der Wagon ist meiner Meinung nach heillos überladen, aber wenigstens hat man festen Boden unter den Füßen und eine Konduktörin sitzt am Steuer (wozu das allerdings nötig ist, wird mir nicht ganz klar:Man bewegt sich doch auf Schienen?!). In der Mitte der Strecke teilen sich die Gleise, so dass der Zug von oben, der gleichzeitig losgefahren ist, am anderen vorbeikommt. Das Seil, an dem alles hängt, sieht dick und fest aus….</p><p>Als nächstes muss man sich in eine Gondelbahn wagen, die dann, wieder viel zu voll nach meinem Geschmack und ohne offizielle Begleitung und Aufsicht, auf 840m hinaufschaukelt.</p><p>Von dort geht es zu Fuß weiter, vorbei an einer sehr interessanten Anlage, vielleicht Radar, aus frühindustrieller Zeit mit rostigen Gestellen, sehr photogen, zu den überall verstreuten Tempelanlagen am Berg. Ich erinnere mich, dass wir damals mit Johnny die ganze Strecke gelaufen sind, wie ist mir schleierhaft, weil die Höhenunterschiede gewaltig sind, und dass wir damals meiner Meinung nach ganz andere Tempel gesehen haben. </p><p>Das kann aber auch daran liegen, dass erstens mein Gedächtnis trügt (ich muss die alten Photos wiederfinden!), und zweitens leider hier oben beinahe alle bunten Blätter schon abgefallen sind und die Bäume kahl und grau neben den Tempelgebäuden stehen. Vor sechs, sieben Jahren gab es hier ein regelrechtes Feuerwerk in rot, orange und gelb, beinahe unwirklich in dieser Intensität!</p><p>Diesmal nehmen wir den Bus, um uns zwischen den vielen Tempeln zu bewegen, es geht fast wieder bis nach unten und dann auf der anderen Seiten wieder hinauf und dazwischen sehr viele rote und braune Holzgebäude, Glockentürme (die eine sehr große mit mächtigem Klang darf man sogar anschlagen mit dem dicken Holz, das davor hängend angebracht ist, was ich natürlich auch mache), Pagoden, Mönchswohnstätten, Museen und natürlich die Tempel selber. Am besten gefällt mir der letzte, alte, nicht angemalte. An der Seite steht ein Mönch mit einer Axt und schlägt murmelnd und singend Holzscheite von einem dicken Holzblock, auf die später die Gläubigen ihre Wünsche und Gebete schreiben werden. Meine estnische Freundin versteht ja schon ziemlich gut Japanisch und erzählt, dass er sich selber gut zuredet, damit die Scheite gleichmäßig werden.</p><p>Als wir uns mit den verschiedenen Bahnen wieder in die Tiefe stürzen, ist schon wieder Sonnenuntergang, und es wird sehr schnell stockduster. Ich steige noch um, um nach Kurama in die heiße Draußen-Quelle zu fahren zum Abschluss. Die hier unten noch üppigen Blätter werden zur Freude der Bahnfahrer angestrahlt und der große Tengo am Bahnhof, einer der Geister, die sich angeblich hier in den Wäldern herumtreiben sollen, begrüßt mich mit seiner erschreckend riesigen Nase, genauso wie ein Kleinbus vom Bad, das mich sicher den dunklen Weg nach oben transportiert. Nach einem fürstlichen Mahl, wieder mit gebackenen Austern, sinke ich hochbefriedigte ins warme Wasser.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/88652be8ff61d771f70a0857f78aecdc_large.jpg" /><figcaption>2.Dezember!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/804bdf322d9803282c35d2a910a52982_large.jpg" /><figcaption>Picknick-Plattform am Fluss</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3d48f45b726d1b6d76def15b41edc15a_large.jpg" /><figcaption>„Mein“Fluss❤️</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/62229c4b6dff65d28c1e8e11c0bf3947_large.jpg" /><figcaption>„bring your own fee-fee“</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4eefbe5005bba50ee51eb45b6a29133b_large.jpg" /><figcaption>Der mächtige Hiei</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/88ee04db04e9eafc0f26fcccaf0438c2_large.jpg" /><figcaption>Zuerst die Bergbahn</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a06d5900ffd8b228e1c578531eb5470f_large.jpg" /><figcaption>Dann die Gondelbahn</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4790f96b45665cc8553f8ed8ac8fece2_large.jpg" /><figcaption>31. Kapitel: Der letzte Berg</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8baa1b3597669f50baa1f2c2baf750b4_large.jpg" /><figcaption>31. Kapitel: Der letzte Berg</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/31-kapitel-der-letzte-berg</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/31-kapitel-der-letzte-berg</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Wed, 03 Dec 2025 00:28:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/01c9d8ef0d812e92dccae439071c4900_large.jpg" /><figcaption>Teil des Hafens</figcaption></figure><p>Maizuru ist eine ziemlich große Hafenstadt, Handelsschiffe, Kriegsschiffe, Fischerboote, Ausflugsdampfer. Sie liegt rund um eine wild zerklüftete Küste, die ich mir eigentlich von oben angucken wollte, weil ich Photos von dieser Aussicht gesehen hatte.</p><p>Früh am Morgen mache ich einen langen Spaziergang zu dem einen Hafen, der von Fischerbooten, meist kleinen und sehr alten, gefüllt ist, viele Netze und Bojen auf der Hafenmauer, bemooste Kisten und Metallgitter, alles sehr pittoresk. Ich hatte vor, ein Frühstückscafé auf dem Weg zu finden, aber so etwas gibt es hier nicht.</p><p>Auf dem Weg komme ich an einer der Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei: ein langer, enger Kanal voller Boote und viele alte Häuser direkt an die Wasserlinie gebaut, genannt „Maizurus Klein-Venedig“, wirklich hübsch!</p><p>Hier liegt auch ein kleiner versteckter Schrein, und weil nun wirklich niemand in der Nähe ist, wage ich es, das dicke Tau mit Glocken oben dran etwas zu schütteln, um die Götter aufzuwecken, klatsche, wie ich es bei den Japanern beobachtet habe, zweimal in die Hände, um ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen, und sende ein kurzes Stoßgebet für unser aller Gesundheit zu den shintoistischen Gottheiten, klatsche nochmal zweimal und verbeuge mich, sieht ja keiner! Irgendwann auf der Reise habe ich auch eine Kerze gespendet, aber das war glaube ich bei den Buddhisten. Kann ja nicht schaden….<br /></p><p>Auf dem Quai stehen einige Angler, Zigarette im Mund („Surabaya-Johnny…“), und bemühen sich, etwas Beute zu machen, wie ich sehen kann, mit sehr mäßigem Erfolg und klitzekleinen Fischchen. Als Köder benutzen sie ein Art Paste, die sie in ein Körbchen schmieren. Darüber ist dann die Angelschnur befestigt mit mehreren Haken übereinander, immer etwa 30cm entfernt vom nächsten. Sie amüsieren sich darüber, dass mich das interessiert.</p><p>Über der Gruppe kreisen immer wieder fünf oder sechs Raubvögel, für mich alles Adler, können aber auch Falken oder Habichte sein, ich hab keine Ahnung von Vögeln, und hoffen, dass die Männer ihren mickrigen Fang wieder ins Wasser schmeißen.</p><p>Als ich um halb elf immer noch kein Café gefunden habe, beschließe ich, den Berg Berg sein zu lassen. Ich hatte vorgehabt, mir ein Taxi zu suchen, dass mich bis beinahe auf den Gipfel, wo der Aussichtsturm steht, gebracht hätte, aber die Aussicht, dann von da oben etwa eine Stunde durch unbekanntes Gelände wieder absteigen zu müssen, vor allem bei der augenblicklichen Bärenhysterie in Japan, lässt mich zu der Einsicht gelangen, dass selbst meine Energie irgendwann mal ein Ende hat, und so springe ich erleichtert in den nächsten Zug nach Kyoto. (In den Zügen ist übrigens toll, dass man mit einem Tritt auf ein Pedal jede Sitzbank ganz umdrehen kann, so dass man immer in die Richtung fährt, in die man gucken möchte)</p><p>Wahrscheinlich war dies einer der letzten wirklich warmen Tage und Abende hier. So sitze ich für den Rest des Tages am Fluss und nehme am Abend glücklich ein Glas Rotwein mit Jazz.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/01c9d8ef0d812e92dccae439071c4900_large.jpg" /><figcaption>Teil des Hafens</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/adaf93a8bb932d30f1fe6245be40d65b_large.jpg" /><figcaption>Schöner Schmuddel</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5b8c70f7f7d2b18e475a0efc2fd96271_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/e6214b203a444fb53f94d1955fc10be2_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/765a0193352fe6a861c9002e87b85f1c_large.jpg" /><figcaption>Schrein</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c5698d66961061006fcd51e7203fe380_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a8783c27d2a1798aa3d94c28dfd047d5_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ea201e856ffcb19f1dc83570ae8c631a_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a53bd074b0039ed0c734bbc965c63584_large.jpg" /><figcaption>30.Kapitel: Adler über Maizuru oder genug ist vielleicht mal genug</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/30kapitel-adler-ueber-maizuru-oder-genug-ist-vielleicht-mal-genug</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/30kapitel-adler-ueber-maizuru-oder-genug-ist-vielleicht-mal-genug</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Tue, 02 Dec 2025 00:02:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Letzte Bilder aus Kinosaki]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/77b90abdf80310899da2e354cb50d1ab_large.jpg" /><figcaption>Mein Lieblings-Onsen</figcaption></figure><p>Am letzten Tag in Kinosaki Onsen treffe ich am Morgen eine sehr nette junge Frau aus Osaka beim Frühstück, die viel Interessantes zu erzählen hat, u.a. dass sie als Kind 7 Jahre in Hamburg gelebt und im letzten Jahr mit Entzücken das Berghain in Berlin entdeckt hat! Ihr Englisch ist erstklassig und ein bisschen Deutsch kann sie auch. Sie berichtet, dass unser Gästehaus 100 Jahre alt ist (1925 hat es ein verheerendes Erdbeben gegeben mit einer Stärke über 7, wobei ganz Kinosaki schwer zerstört wurde) und zuerst ein Geisha-Haus war. Die Großeltern der beiden Schwestern, die jetzt hier wohnen, eröffneten dann das Gästehaus, zunächst eine sehr noble Institution, und als die beiden jetzigen Inhaber es übernahmen, machten sie es zu einer erschwinglichen Bleibe nur für weibliche Reisende.</p><p>Sie erzählte auch eine Menge von Japan, z.B. dass die Menschen in Kyoto zwar nett zu den Touristen sind, andere Reisende aus Japan aber sehr arrogant und herablassend behandeln, allgemein als kühl und hochnäsig gelten, während die Osaka-er eher lustig und entspannt seien. Na, was man eben so sagt, genau wie über Münchner, Hamburger oder Berliner.</p><p>Und dass es jetzt, nachdem die neue japanische Regierungschefin so frech über Taiwan gesprochen hat, dass Xi sogar versucht, bei Trump Unterstützung zu bekommen, viel weniger chinesische Touristen in Japan sind, was sehr angenehm sei, weil die oft so furchtbar laut und unverschämt aufträten (kann ich unterschreiben).</p><p>Und dass die Angst vor dem großen nächsten Erdbeben immer gegenwärtig ist. Sie arbeitet im 32.Stock eines Gebäudes! Man hat ein Emergency-Paket mit etwas Wasser und Keksen und Proviant, Taschenlampe, Radio für etwa drei Tage zu Hause und zweimal im Jahr gibt es in allen Schulen und Firmen Erdbebenübungen, wo sie die 32 Stockwerke nach unten rennen muss!<br /></p><p>Zum Abschied mache ich dann noch einmal einen langen Spaziergang durch den Ort, entdecke den kleinen Bootshafen, wo die Schiffchen der Einwohner liegen, die zum Krebsfang oder Angeln zum Meer hinaus fahren, finde eine Galerie mit Holzskulpturen, eine Pfannkuchenbäckerei, wo die runden Dinger frisch ausgebacken und dann in irgendeinem leckeren hellbraunen Pulver gewälzt werden, leiste mir noch einen Taschenkrebs, der vor dem Servieren mit so einem kleinen  Feuerwerfer geflämmt wird und brutzelnd heiß in einer sehr japanischen schönen Verpackung im Holzkästchen serviert und auf einer Bank in der Sonne auf den Knien schaukelnd ausgelöffelt wird</p><p>Dann ein letztes Bad unter dem schönen Wasserfall. Ich wundere mich, dass es hier ganz anders aussieht als gestern Abend, denke schon, ich hab mich im Bad getäuscht, bevor ich darauf komme, dass täglich die Seiten gewechselt werden. Einmal sind die Frauen rechts der Trennwand, dann wieder links. Rechts ist schöner!😅</p><p>Ich hasse Abschied nehmen! Aber am Mittag steige ich in den Zug zu meinem nächsten Ziel, Maizuru, und bemerke im letzten Moment, aber gerade noch rechtzeitig, dass ich meinen Rucksack im Schließfach vergessen habe! Mein letzter Blick fällt auf ein Ehepaar, dass ihre zwei Bulldoggen-Miniaturen im Kinderwagen spazieren fährt und finde, die Ähnlichkeit ist unverkennbar…</p><p>Am Abend lande ich in totaler Finsternis in Maizuru und kann nur noch in ein Ramen-Restaurat gehen vor dem Schlafen. Die Katze auf dem Tresen winkt mit der rechten Hand, was bedeutet, dass sie Freunde will, mit der Linken gewinkt heißt, man will Geld!</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/334cfd0e0f74125a10491a984e611edc_large.jpg" /><figcaption>Eingangsbereich</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7af0e660c0a0f00639bd7dd01e6b19e5_large.jpg" /><figcaption>Wandbilder</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/cb3656e3d82e5d347cdd4b85efbd1c4f_large.jpg" /><figcaption>Decke</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2659f87181eef76653cb1f6401cb7b2d_large.jpg" /><figcaption>Letzte Bilder aus Kinosaki</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f3b944fa8738d24394cf793a7213c2a0_large.jpg" /><figcaption>Warme Ofannkuchen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/72ade4cae53a1e719e4928545821b13b_large.jpg" /><figcaption>Letzte Bilder aus Kinosaki</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/aefaa87bd3d3b1b417a69ab97f9630e5_large.jpg" /><figcaption>Letzte Bilder aus Kinosaki</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/dde16b56c635e73e807ad79f788caf61_large.jpg" /><figcaption>Spielplätze sind schrecklich hier!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/43a78269c655eff1763bbba138737c67_large.jpg" /><figcaption>Taschenkrebs</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/letzte-bilder-aus-kinosaki</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/letzte-bilder-aus-kinosaki</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 30 Nov 2025 22:20:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[28. Kapitel: Ausflug in die japanische Wüste und ein verhinderter Kamelritt]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c027bdd75c4afd3dfa97d96e01c6b291_large.jpg" /><figcaption>Reisfelder</figcaption></figure><p>Gestern bin ich in die Wüste gefahren. Ich hatte gelesen, dass es bei Tottori eine erstaunliche Sanddüne von 16 km Länge und mit drei Graten direkt am japanischen Meer gäbe, und da ich einen JR-West wide area pass für 5 Tage hatte, dachte ich mir, ich nutze das aus und fahre da mal hin.</p><p>Zweieinhalb Stunden hin, zweieinhalb Stunden da und zweieinhalb Stunden wieder zurück. Die Zugfahrt alleine, die ganze Nordküste entlang mit Bergen und Schluchten und vielen kleinen Orten an tiefen wilden Meeresbuchten war schon den ganzen Ausflug wert. Dann kam die Wüste, und ich hatte mir wirklich vorgenommen, sie auf einem Kamel sitzend zu durchqueren, nur: Entgegen aller Ankündigungen war da keines zu entdecken.</p><p>Also marschierte ich los, genauso wie hunderte andere Ausflügler. Das Gelände ist riesig und eindrucksvoll, es gibt wieder 100 Verbote: Man darf nicht schwimmen an diesem ellenlangen Traumstrand vor den Dünen, man darf nicht in den Sand malen!!! Man darf keinen Sand mitnehmen! Und so weiter und so weiter, aber jedenfalls darf man sich überall frei bewegen, und da der Sand erstaunlich fest ist, ist es kein Problem, auf alle Hügel und Grate emporzuklimmen, herunterzurutschen oder zu springen, mit Gleitdrachen zu fliegen oder eine Art Sandschlitten zu benutzen, um die Berge herunterzurodeln. Ganze Schulklassen werden von ihren Sportlehrern die Hänge hinaufgescheucht und Gruppen drängeln sich geradezu oben auf der Kippe, um ihre Selfies und Photos zu machen.</p><p>Die Ausblicke die steilen Abgründe hinunter zum Meer machen einen beinahe schwindelig, aber ich muss zugeben: Ich bin ein wenig enttäuscht. Ich liebe meine Wüste eher unberührt, und hier ist es schwierig, überhaupt eine Stelle zu finden, wo der Sand so schön geriffelt und gewellt ist, und nicht von Fußstapfen zerstört und zertrampelt wurde. Die Gran Canaria-Dünen haben mir besser gefallen.</p><p>Ganz am Schluss meines langen Rundgangs sehe ich schon von weitem endlich zwei Kamele herumstehen, aber als ich näher komme, stellt sich heraus, dass heute nicht geritten wird, sondern die Tiere nur für Photo-shots zur Verfügung stehen, 600 yen für ein Photo mit der eigenen Kamera. Die Leute stehen Schlange und klettern die Treppchen hoch, quälen sich auf den Sitz auf dem Tier und lassen sich strahlend zwei Sekunden ablichten. Ich verzichte dankend, schade eigentlich, wäre sicher komisch gewesen und ich hätte ja zu gerne mal auf so einem Wüsten-Schaukelpferd gesessen!</p><p>Stattdessen fahre ich zurück nach Kinosaki und setze mich noch ein bisschen unter dem dampfenden Wasserfall ins heiße Bad.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/80f35128a72256c0450969779a87c336_large.jpg" /><figcaption>Küstenfahrt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c027bdd75c4afd3dfa97d96e01c6b291_large.jpg" /><figcaption>Reisfelder</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a88b9331b551bb35ad53491b44e62294_large.jpg" /><figcaption>Aus dem Zug </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/383369ec9ab9551a68f348c45975fcd7_large.jpg" /><figcaption>28. Kapitel: Ausflug in die japanische Wüste und ein verhinderter Kamelritt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7f0fe06b85e5cb64646ba1281fedd560_large.jpg" /><figcaption>28. Kapitel: Ausflug in die japanische Wüste und ein verhinderter Kamelritt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c8ad05b9155fe1434c877e57c22e0ce2_large.jpg" /><figcaption>Die Sanddünen von Tottori</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/11e2a6db5eacd7d032d53c1f3ee7055a_large.jpg" /><figcaption>Alles verboten!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/aafed9344d5444acd12074a376112629_large.jpg" /><figcaption>Mehr Verbote zur Erinnerung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a7443ad2379a3f56b242e02ad70d1e7a_large.jpg" /><figcaption>Fußspuren </figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/28-kapitel-ausflug-in-die-japanische-wueste-und-ein-verhinderter-kamelritt</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/28-kapitel-ausflug-in-die-japanische-wueste-und-ein-verhinderter-kamelritt</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 30 Nov 2025 10:58:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[27. Kapitel: Ich hab „mein“ japanisches Dorf gefunden: Kinosaki]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7cab9ec8a57d75d87c509b006a9f048e_large.jpg" /><figcaption>Kinosaki Onsen vom Berg</figcaption></figure><p>Kinosaki Onsen ist so ungefähr das genaue Gegenteil von Ine, dem abweisenden Fischerdorf. Hier strahlt alles eine derartige Gastfreundlichkeit aus, dass einem immerzu ganz warm ums Herz wird. Menschen auf der Straße grüßen freundlich, viele erkundigen sich, woher man kommt („oooh, Finland! So far!“, wahrscheinlich würden sie genauso bewundernd sagen“oooh, Timbuktu“, aber es scheint immer, dass Finnland hier einen guten Ruf hat), an den Restaurants, Cafés und Bars hängt ein Schild mit „Welcome“ an der Tür, aber alles ganz unaufdringlich, man wird nicht genötigt oder aufgefordert, hereinzukommen und etwas zu konsumieren. Der Ort scheint sich in gewisser Weise selbst genug zu sein und ein sehr gutes Selbstbewusstsein zu haben. Er besteht aus zwei Straßen, beide an kleinen Kanälen gelegen, ist 1300 Jahre alt und wunderbar wabisabi, alt, einfach, bisschen verschludert, sehr geliebt. Die Besonderheit hier sind die sechs Badehäuser mit heißen Thermalquellen, was das Dorf zu einer Art Kurort macht, ohne im Geringsten hochgestochen oder elitär zu sein. Es gibt eine Reihe sehr feiner und irrsinnig teurer Hotels, die aber auch von außen ganz bescheiden aussehen, aber die Menschen laufen hier fast alle mit diesen japanischen Morgenröcken, Yukatas, den etwas dickeren Jacken, Haori, darüber und hölzernen Klapperlatschen, Geta, herum, die von den Hotels und Gästehäusern zur Verfügung gestellt werden, wenn sie von morgens um 7 bis abends um 11 von einem Bad zum anderen spazieren, sodass alle Klassenunterschiede verschwinden, und in den Bädern selber ist man ja, wie in der Sauna, natürlich nach Geschlechtern getrennt, splitterfasernackt.</p><p>Diese allgemeine Bekleidung trägt man den ganzen Tag, geht damit ins Restaurant und in die Geschäfte, und tatsächlich ist das Geklapper der Schuhe fast das vorherrschende Geräusch im ganzen Städtchen! Ich habe einen halben Tag versucht, mit diesen Klapperlatschen herumzulaufen mit dem Ergebnis, dass ich auf beiden Seiten blutige Zehen hatte und bin dann wieder zu meinen Turnschuhen zurückgekehrt.</p><p>Der Ort hatte seinen Anfang, als um das Jahr 700 ein buddhistischer Mönch auf der Suche nach Heilmitteln für seine leidenden Mitmenschen in diese Gegend kam und den Auftrag erhielt, 1000 Tage lang ein bestimmtes Sutra aufzusagen. Als er diese Aufgabe erledigt hatte, soll an der Stelle eines der heutigen Badehäuser die erste heiße Thermalquelle aus dem Berg geschossen sein, der Mönch gründete ein Kloster auf halber Höhe des Berges, was man heute noch besuchen soll, bevor man das erste Bad nimmt, und der Ort entstand um diese Heilquellen herum und wurde berühmt. </p><p>Auf den Berg und zu dem Kloster kommt man mit einer schon ziemlich in die Jahre gekommenen Seilbahn (seit 1963), die mir zwar nicht recht geheuer war, in die ich mich aber dennoch hineingewagt habe um hinaufzufahren. Der Blick über den Ort und die Berge rundum bis zum  Japanischen Meer, das ja gar nicht weit entfernt ist, ist wunderschön, in der Ferne ahnt man Nordkorea und dahinter gleich Russland.</p><p>Mein wunderbares Gästehaus Kinosaki Wakyo (females only) ist ganz alt, ganz klein (aber wenn man reinkommt, plötzlich riesig!), ganz traditionell, liebevoll eingerichtet mit schönen Dingen und Möbeln und hat große Zimmer, ganz mit Tatamis ausgelegt und für jeden Gast einen großen Bereich mit hölzernen niedrigen Stellwänden abgetrennt, in dem eine Matratze, ein Futon, Kissen und eine dicke schwere  Prinzessinen-Decke bereitliegen. Das Haus wird geführt von zwei sehr herzlichen Schwestern, deren Englisch sich vor allem auf „Thank you! Sorry! Ok?“ beschränkt, aber damit kommt man schon weit genug. Die wichtigen Informationen bekommt man am Anfang schriftlich in die Hand gedrückt. Was bisher nur hier geschieht: Man wird von Anfang an und immer wieder mit seinem Namen angesprochen. „Oh, Susanne, ok?“ morgens, mittags und abends. Süß!</p><p>Die Tage verbringt man schlendernd zwischen den Badehäusern, sitzt so lange man will in den Becken, meist drinnen und draußen, einige in Felsen, in einer Höhle oder unter einem heißen Wasserfall, der direkt vom Berg herunterrauscht. Nachdem ich alle einmal durchprobiert habe, sind mir zwei zu heiß, eines zu langweilig, eines ganz nett, aber zwei sind meine Favoriten, die ich von nun an bevorzugen werde. An der Straße kommt man immer wieder an heißen Fußbädern vorbei, wo man sich auf Bänken niederlassen, Schuhe und Strümpfe abstreifen und die müden Füße ins Wasser stecken kann. Für die Bäder kann man eine Tageskarte kaufen für etwa 8€ und kann dann alle so oft besuchen, wie man möchte, die Fußbäder sind frei.</p><p>An der Seilbahn gibt es einen großen Felsen, aus dem heißes Thermalwasser direkt aus der Erde sprudelt. Am Kiosk daneben kann man Eier kaufen und in ein rotes Netz hängen und in ein Becken neben dem Stein senken, nach einigen Minuten soll es gar sein. </p><p>Im Moment hat gerade die Krebssaison angefangen und es gibt im Ort mehrere große Geschäfte, die anscheinend auf diese Tiere spezialisiert sind. Es gibt viele unterschiedliche Arten in allen Größen von Handfläche bis sagen wir Gartentischgröße, die überall lebendig oder schon gekocht angeboten werden, die größten wieder zu Unpreisen.,wir nannten die früher in Griechenland Taschenkrebse, hier heißen sie Schneekrebse und werden nur im Winter gefangen. In beinahe allen Restaurants werden jetzt natürlich auch Krebsgerichte angeboten, von einfachem Eierreis oder Sushi mit Krebsfleisch bis hin zu raffinierten Grilltellern und anderen Kreationen. Obgleich mir die armen Tiere in der Seele leidtun, muss ich natürlich auch mal probieren: Köstlich!!!</p><p>Am ersten Tag werde ich von einer fröhlichen Frauengruppe auf einer der kleinen Brücken gebeten, ein Photo zu machen, Die etwa 60-jährigen kichern wie die Teenager vor Vergnügen! Kurz darauf sprechen mich 4 etwa 12-jährige Schuljungen in gebrochenem Englisch an, ob sie mich interviewen dürfen. Sie haben eine Liste mit Informationen zu ihrem Dorf, das etwa 10 km entfernt liegt, und geben mir gute Ratschläge, was ich da machen, essen, sehen, besichtigen könnte und schließen dann den Satz ab mit jeweils “This is delicious!“ oder „This is very interesting!“ Sie haben ihren Spaß, dass ich mitspiele, auch wenn ich vor allem Bahnhof verstehe, und der Lehrer steht stolz daneben und macht Photos.</p><p>Kinosaki Onsen ist jedenfalls ein Ort, der sowohl ästhetisch als auch von der Stimmung her derartig mein Fall ist, dass ich nun wohl mein japanisches Dorf gefunden habe. Stadt: Kyoto! Ort: Nara! Dorf: Kinosaki Onsen!</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/358158ac3c71b110e531ead7c31ce2aa_large.jpg" /><figcaption>Dorfbahnhof </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/eddf959a852b9a00f0a2b0316d541abf_large.jpg" /><figcaption>27. Kapitel: Ich hab „mein“ japanisches Dorf gefunden: Kinosaki</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f47a63e5f5c480eb4790a153e9c6491c_large.jpg" /><figcaption>Erster Blick auf die eine der beiden Dorfstraßen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ea58c9ad13971bc6528ff11c44c2f317_large.jpg" /><figcaption>27. Kapitel: Ich hab „mein“ japanisches Dorf gefunden: Kinosaki</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/858991b1e61cd022eafc42ae86e39f3b_large.jpg" /><figcaption>Nein Gästehaus, nur für Frauen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/abf457e768782b7259066b04ac3cd153_large.jpg" /><figcaption>Japan-Äathetik: Aufenthaltsraum</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b3cb40c6ece982dd158402ea202c7180_large.jpg" /><figcaption>Meine Bettstelle</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b327262544c3782f92d4870ef1404877_large.jpg" /><figcaption>Großer Schlafraum für mich alleine</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1d095ccade36b1542b6ea725e975cea7_large.jpg" /><figcaption>27. Kapitel: Ich hab „mein“ japanisches Dorf gefunden: Kinosaki</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/27-kapitel-ich-hab-mein-japanisches-dorf-gefunden-kinosaki</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/27-kapitel-ich-hab-mein-japanisches-dorf-gefunden-kinosaki</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sat, 29 Nov 2025 00:18:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[26. Kapitel: 
Frühstücksbuffet und Amanohashidate-Landzunge: Beide atemberaubend]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/690c633a4dc539304a08b1603c3077ac_large.jpg" /><figcaption>Landzungenplakat</figcaption></figure><p>Gut, dass ich mir den Wecker auf 7 gestellt hatte: So ein Frühstücksbuffet habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich glaube, beinahe alles, was die japanische Küche zu bieten hat, war hier aufgefahren, heiß und kalt, süß, salzig und umami. Etwa 12 verschiedene Arten Fisch, gebraten, gegrillt, gepickled, eingelegt, roh, gedämpft, Kaviar in großen Schüsseln, drei verschiedene Miso-Suppen, Nori in allen möglichen Formen, Gemüse, Salate, Früchte, verschiedene Omelettes, frittierte Fleischstückchen, Dumplings, Creme-Törtchen, Yoghurt, Säfte, drei große Tische brachen fast zusammen unter der Last, aber um 8.15 war buchstäblich alles leer gefressen! Angesagt war eigentlich Frühstück von 7 bis 9, die armen Langschläfer und Nachzügler standen verzagt und resigniert kichernd vor den mickrigen Resten.</p><p>Die  natürlich entstandene Landzunge von Amanohashidate, die die ganze große Bucht teilt und für Fußgänger und Fahrradfahrer die Wege erheblich verkürzt, ist sicher einer der schönsten Orte, die ich kenne auf der Welt. Ein etwa 75m breites Sandband, zugänglich über eine Drehbrücke, zieht sich 2,6km lang durchs Wasser von Ufer zu Ufer, in der Mitte ein breiter Streifen voller alter, dicker, langnadeliger Kiefern mit einem Pfad dazwischen, auf der einen Seite ein breiter weißer Sandstrand über die gesamte Länge, auf der anderen ein eher karges Ufer mit Bäumen bis ans Wasser.</p><p>Ich habe zu Kiefern eine ganz besondere Beziehung, denn das ist mein „Heimat-Baum“ aus Berlin, wir hatten 18 Kiefern im Garten, der Grunewald und ganz Brandenburg sind voller Kiefern und  auch unser Weihnachtsbaum war fast immer eine Kiefer. Der Duft der Nadeln verbindet sich hier mit der frischen salzigen Meeresbrise, und das ist wirklich unwiderstehlich.</p><p>Interessant wie sich die Reaktionen verändern. Als ich das erste Mal hier war, war ich voller Erstaunen und lebhafter, jubelnder Begeisterung.  Jetzt überwiegt warme Wiedersehensfreude und eine tiefe Befriedigung, beinahe Rührung, dass sich hier absolut nichts verändert und wahrscheinlich auch in 50 und 100 Jahren alles noch genauso sein wird („Oh, sagte Herr K. und erbleichte“, B.Brecht). Ich laufe die gesamte Strecke einmal hin und einmal her, setze mich auf Bänkchen, sammle ein paar Muscheln auf, streichle den einen oder anderen alten Baum und sehe mich satt.</p><p>Am Mittag steige ich dann wieder in den Zug und fahre weiter nach Kinosaki Onsen, aber davon kann ich erst morgen erzählen. </p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b30fda2b4c26fd5b86fd85f0adc1acd0_large.jpg" /><figcaption>26. Kapitel: 
Frühstücksbuffet und Amanohashidate-Landzunge: Beide atemberaubend</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b738808477834d3c4be8cfade03c3c04_large.jpg" /><figcaption>Ausblick aufs Meer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1fcef9d9779b37a393048b16453ddf24_large.jpg" /><figcaption>1. Gang</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/caceae07915121908e8aa02ecc3c8d5b_large.jpg" /><figcaption>2. Gang</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3999913047f8d7e4ab29517766a9ef1a_large.jpg" /><figcaption>Nachtisch: Mehr ging nicht rein!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/690c633a4dc539304a08b1603c3077ac_large.jpg" /><figcaption>Landzungenplakat</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6dd15daebc57a9b8186b562abf16e256_large.jpg" /><figcaption>Tempelbaum am Eingang zur Landzunge</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/02325955a0c3ac1d3cea8d5c6499b186_large.jpg" /><figcaption>26. Kapitel: 
Frühstücksbuffet und Amanohashidate-Landzunge: Beide atemberaubend</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7ca091a83ae82d3960aa396a151655d5_large.jpg" /><figcaption>Jährlicher Baumschnitt</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/26-kapitel-fruehstuecksbuffet-und-amanohashidate-landzunge-beide-atemberaubend</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/26-kapitel-fruehstuecksbuffet-und-amanohashidate-landzunge-beide-atemberaubend</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 27 Nov 2025 12:26:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[25.Kapitel: Ein schönes lebloses Fischerdorf und im Blumentopf sitzen in Amanohashidate]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ba5c4095881c64038d4bd0540b7c8b4b_large.jpg" /><figcaption>Morgen-Rush</figcaption></figure><p>Am frühen Morgen mache ich mich auf, um in den Norden von Honshu ans japanische Meer zu fahren. Zum ersten Mal sehe ich mit eigenen Augen, wie die armen arbeitenden und studierenden Menschen sich auch in Kyoto in die Züge quetschen, bis wirklich kein Millimeter Platz mehr ist. Diese Bilder kennt man sonst nur aus Tokio.</p><p>Glücklicherweise ist mein Zug ein Limited Express, was bedeutet, dass jeder eine Platzkarte haben muss, also kein Gedränge. Wir fahren durch bunte ländliche Hügellandschaften, teilweise vernebelt und geheimnisvoll, lange Tunnel und einige kleine Orte bis nach Amanohashidate, wo es pünktlich beginnt zu regnen.</p><p>Mein Hotel (ja! Diesmal ein richtiges Hotel mit Einzelzimmer, Bad, Frühstücksbuffet und Zugang zum Onsen! Sogar gestärkte Bettwäsche! Das habe ich glaube ich seit meiner Kindheit nicht mehr erlebt!) ist glücklicherweise nur drei Minuten entfernt und der nette Rezeptionist drückt mir als erstes einen Regenschirm in die Hand, den ich benutzen darf, solange ich hier bin.</p><p>Amanohashidate und die wunderbare Landzunge ist für morgen geplant, aber heute wollte ich nach Ine, einem Fischerdorf mit uralten Holzhäusern direkt ans Wasser gebaut, von dem ich seit sieben Jahren geträumt habe, weil damals keine Zeit war hinzufahren. Aber bei Regen? Ich tröste mich damit, dass am Meer die Wolken manchmal sehr schnell wieder weggepustet werden und setze mich in den Bus.</p><p>Und tatsächlich: Während der einstündigen Fahrt, vorbei an immernoch blühenden Kosmosfeldern, klart es auf und als wir ankommen, brauche ich den Schirm nicht mehr aufzuspannen und die Sonne malt dramatische Szenen durch die Wolken auf Meer, Berge und Dorf.</p><p>Ine ist ein Traum von einem alten Fischerdorf! Völlig einheitlich, nichts Modernes ärgert das Auge, altes dunkles Holz rund um die große Bucht. Die Häuser, Funaya genannt, sind zweistöckig. Im unteren Stockwerk ist die Bootsgarage untergebracht und auf der anderen Seite zur Straße hin heutzutage ein Auto-Stellplatz. Das obere Stockwerk ist der Wohnbereich.</p><p>Viele der Häuser sind schön renoviert, andere ganz im Urzustand. Aber der Ort ist seltsam: Alles ist menschenleer. Es gibt weder Geschäfte noch Restaurants, oder die drei, die wohl existieren, sind um 2 Uhr mittags schon geschlossen. Ein Café mit drei Tischen finde ich, wo es ausschließlich Tee, Kaffee und Süßigkeiten gibt. Ich war schon hungrig hingefahren und hatte mich auf ein leckeres Mittagessen am Wasser gefreut, aber das ist hier anscheinend nicht möglich. Kein Friseur, Bäcker, Lebensmittelhändler. Es gibt ein Postamt und angeblich eine Schule, aber nichts rührt sich.</p><p>Bis auf zwei Jungen, die mit einem Federball und einer Keule Baseball auf der Straße spielen, sehe ich keine Einwohner auf meinem langen Rundweg die ganze Bucht entlang. Keine Kinder, keine Alten, keine Jugendlichen, keine Mütter mit Babies, nur ein paar renovierende Bauarbeiter werkeln an einigen Häusern. Wo sind die Menschen? Sind sie so genervt von den Touristen (es waren heute vielleicht etwa 30 Menschen im Ort zu Besuch), dass sie sich völlig einigeln und verstecken in ihren Häusern und alles verrammeln? Oder sind sie vielleicht so introvertiert, dass so etwas wie soziales Leben nicht stattfindet? Überall sieht man Hinweise: Kein Zutritt! Privat! Draußen bleiben! Man fühlt sich etwas wie geohrfeigt und absolut nicht willkommen. Ich glaube, ich habe noch nie so ein schön aussehendes abweisendes Dorf erlebt, schade! </p><p>Ich bin allerdings froh, dass ich es gesehen habe, aber nichts würde mich bewegen, noch länger hier zu bleiben oder wiederzukommen. Toll war, dass auf einem der Dächer mein erster tatsächlich wilder Affe herumturnte! Es gibt sie also wirklich!</p><p>Sehr hungrig fuhr ich dann zurück nach Amanohashidate, aß gleich zwei Portionen Reis mit würzigem Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln und nahm dann das hauseigene Sento in Besitz mit den zur Verfügung gestellten Tatami-Latschen und einer warmen Kimonojacke für den Weg.</p><p>Hier gab es nun die erste Sauna, wo man auch Aufguss machen durfte, daneben einen Eisraum mit schneeartigem Belag an den Wänden zum Abkühlen, ein schönes Außenbecken direkt am Meer und als Clou daneben zwei runde Gefäße, Blumentöpfen ähnlich, mit körperwarmem Wasser, in die ein Mensch meiner Größe gerademal mit Ach und Krach hineinpasste, was ich ziemlich amüsant fand.</p><p><br /></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/545e21ebcb5279da027e5caf3847e438_large.jpg" /><figcaption>Nach Norden</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/886db4d1373d4870d2a5573e613a424e_large.jpg" /><figcaption>25.Kapitel: Ein schönes lebloses Fischerdorf und im Blumentopf sitzen in Amanohashidate</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8cdb31cc348a95001b63928cbe65b26d_large.jpg" /><figcaption>Nochmal ein Kosmos-Feld</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c0cbe11afa7453a84dde3d11ab50f6c1_large.jpg" /><figcaption>Ine</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3a38f8ba61c571fbbaa45398ace842ad_large.jpg" /><figcaption>Funaya-Häuser</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2768b4b5da61bc4ba06fd1e42ac0075f_large.jpg" /><figcaption>Bootsgaragen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/732fe491f906bcd0426a30b22411afcf_large.jpg" /><figcaption>25.Kapitel: Ein schönes lebloses Fischerdorf und im Blumentopf sitzen in Amanohashidate</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7ed11c55be1ba892787311bea8bb3899_large.jpg" /><figcaption>25.Kapitel: Ein schönes lebloses Fischerdorf und im Blumentopf sitzen in Amanohashidate</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/46da2c84284d9a08fa428d5db1e12042_large.jpg" /><figcaption>Inseln schützen die Bucht</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/25kapitel-ein-schoenes-lebloses-fischerdorf-und-im-blumentopf-sitzen-in-amanohashidate</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/25kapitel-ein-schoenes-lebloses-fischerdorf-und-im-blumentopf-sitzen-in-amanohashidate</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Wed, 26 Nov 2025 12:53:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[24.Kapitel: Kühe für die Weisheit und Shopping-Hysterie im Nishiki Markt]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4506d335f513506c4bd6f33c84e42cea_large.jpg" /><figcaption>Beim Kitano Tenmangu-Schrein</figcaption></figure><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Ich habe dieses Mal kein richtiges Glück mit den Flohmärkten. Gestern regnete es den halben Tag, was aber gut war, denn ich musste meinen nächsten Ausflug für die nächsten fünf Tage noch genauer planen und die Zugtickets besorgen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Als ich schließlich gegen Mittag, als es nur noch etwas tröpfelte, beim Kitano Tenmangu-Schrein eintraf, waren die ersten Händler schon wieder am Einpacken. Jedes Porzellan-Schälchen und Keramik-Töpfchen wird einzeln in Zeitungspapier gewickelt und in Holzkästchen gelegt, das braucht seine Zeit. Eigentlich sollte der Flohmarkt bis 4 gehen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Einige Stände kann ich aber noch photographieren, eine schöne sehr japanisch aussehende Armbanduhr und ein paar kleine Schälchen kaufen und mich dann dem prächtigen Schrein widmen. Ich hatte ganz vergessen, dass hier der Markt nur außerhalb der Mauern und Tore stattfindet, so kann man im Inneren alles in Ruhe betrachten.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Kitano Tenmangu ist aus mehreren Gründen bekannt und beliebt, nicht nur für die wirklich großartigen Bauwerke, Laternen und Dekorationen. Da sind als erstes die unzähligen Pflaumenbäume auf dem Gelände, die im März noch vor der Kirschblüte herrlich bescheiden blühen. Mir haben diese Blüten noch viel besser gefallen als die üppigen dicken Kirschblüten, aber auch bei denen gab es zurückhaltendere, die mich noch mehr erfreut haben.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Außerdem ist der Schrein beliebt bei Schülern und Studenten, denn die großen steinernen und bronzenen Kühe, die hier überall herumsitzen, sollen, wenn man sie streichelt, dafür sorgen, dass die Weisheit und die akademische Leistungsfähigkeit zunehmen  und der Studienerfolg gesichert ist. Außerdem sollen sie dafür sorgen, dass Katastrophen ausbleiben. Was meint ihr, was ich gestreichelt habe!!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Nachdem dann auch wirklich der letzte Stand zusammengepackt hatte, beschloss ich, mich auch noch etwas ins Getümmel der Kawaramachi-Einkaufsstraße und des Nishiki-Marktes zu stürzen, obgleich die hier herrschende Shopping-Hysterie mich mich immer nervös macht und erschöpft. Plötzlich kommen einem sehr gestylte und elegant-teuer gekleidete und angemalte Menschen entgegen, mit Papiertüten (wenigstens hier mal kein Plastik!) in beiden Händen bepackt. Das erste Weihnachts-Spezialgeschäft glitzert, plärrt und funkelt bis auf die Straße (ansonsten ist Weihnachtsdekoration hier bisher eher spärlich zu sehen und zu hören, ich zucke immer zusammen. Mir ist noch überhaupt nicht weihnachtlich zumute), unglaublich teure Taschen, Designerklamotten, Make-up, Haardekorationen und und und, und die Massen kaufen kaufen kaufen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Dazwischen komme ich vorbei an Eulen-Cafés, in denen man die armen sedierten Tiere auf den Arm nehmen und streicheln kann, und an Tierhandlungen, in denen viel zu junge Hunde und Katzen frenetisch in den Schaufenstern herumrennen und von jubelnden Idioten (entschuldigung, aber wirklich!!!🤯) bewundert werden. Von Tierschutz hat man hier anscheinend wirklich keinen Schimmer! Geschäft muss gemacht werden, auf welche Weise auch immer!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Hinter dieser Nobelmeile liegt dann der berühmte Nishiki-Markt, Tausende von kleinen Geschäften und Straßenrestaurants , die sich durch mehrere ewig lange Korridore über mehrere Straßen und Viertel ziehen. Hier ist normalerweise soviel Trubel, dass man kaum durchkommen kann, aber auch hier haben viele Geschäfte schon zugemacht und die Menschenmenge hält sich in erträglichen Grenzen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Interessant zu sehen, was man alles essen könnte! Vieles ist unglaublich teuer, aber sehr schön anzusehen. Wenn ich Zeit habe, muss ich nochmal zurückkommen, um die fermentierten Köstlichkeiten zu sehen, zu riechen und zu probieren, die gestern schon eingepackt waren.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Ich muss tatsächlich sagen, dass ich manchmal den Eindruck habe, die Japaner haben nicht alle Tassen im Schrank: im Nishiki gibt es mehrere, ich habe den Eindruck kilometerlange Stände, an denen man diese „niedlichen“ Stoff- oder Plastikwesen, die sich vor allem junge Mädchen in Massen an die Rucksäcke bammeln, aus Automaten ziehen kann, so ähnlich wie Überraschungseier, man weiß nicht, was man bekommt. Diese Automaten sind tatsächlich belagert von Menschen jeden Alters und Geschlechts!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Das nächste, was mich nur noch kopfschüttelnd staunen lässt, ist ein „Tier-Paradies“, in dem Kleidchen und Kopfbedeckungen für Hunde und Katzen verkauft werden. Im Moment sind Ausstaffierungen für Weihnachten anscheinend besonders angesagt. Regale über Regale voll mit diesem Schwachsinn! Ich hatte ja schon auf der Straße einige Hunde im Kinderwagen mit Kleid oder Pudelmütze gesehen, hatte aber gedacht, das seien exzentrische Ausnahmeerscheinungen. Die Armeen armen Tiere! Jemand hat mir auch erzählt, dass hier besonders kleine Hunderassen gezüchtet werden, weil die Wohnungen so klein sind….</b></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/cefe9517bd2d3f1115b88d3fd3292dce_large.jpg" /><figcaption>Flohmarkt im Regen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6ee620184417457a7c71b44c60191b9e_large.jpg" /><figcaption>Markt-barista</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4535058f17f634e8f72b3e438227ab38_large.jpg" /><figcaption>Fermentierte Gemüse</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b03e6a2333f9e452dd57f5825164750e_large.jpg" /><figcaption>24.Kapitel: Kühe für die Weisheit und Shopping-Hysterie im Nishiki Markt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/93fe8d4b2ebf18ee416bcb37a9a3ca46_large.jpg" /><figcaption>Werkzeuge</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/13f094593ae1b09b0561ff0aa8fea1c2_large.jpg" /><figcaption>Kimono-Berg</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8b80a7fbdfa6f6676ed17244adfc6aaf_large.jpg" /><figcaption>Kuh-streicheln für die Weisheit</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7c515438cd71deecda30d48667934586_large.jpg" /><figcaption>Da soll man anfassen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3d25718b639033d4ce9d0a4a23fe56b7_large.jpg" /><figcaption>Schrein-Tor mit Washi-Laternen</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/24kapitel-kuehe-fuer-die-weisheit-und-shopping-hysterie-im-nishiki-markt</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/24kapitel-kuehe-fuer-die-weisheit-und-shopping-hysterie-im-nishiki-markt</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Wed, 26 Nov 2025 00:09:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c26cca06aacef34d68d5ded62af981b8_large.jpg" /><figcaption>Teich und Garten am Tenryo-Tempel</figcaption></figure><p>Gestern war ein Tag, der von oben bis unten und von vorne bis hinten mit sehr beglückenden Momenten in Arashiyama gefüllt war. Ich wusste ja, dass es sehr voll werden würde, aber da dieser westliche Teil von Kyoto sowieso jeden Tag bei Touristen sehr beliebt ist, fuhr ich trotzdem hin. </p><p>Früh um neun war es noch ziemlich leicht, sich auf den Straßen zu bewegen, aber die vielen Verkehrspolizisten, die dann später in Aktion treten mussten, machten sich in mehreren Gruppen schon bereit, schoben Straßensperren aus Metall hin und her, als wenn eine Großdemonstration oder ein Staatsbesuch geplant wäre, und fühlten sich sehr wichtig in ihren blauen Uniformen.</p><p>Ich hatte vor, fast alles, was Arashiyama zu bieten hat und mich interessiert, an diesem Tag zu erleben und zog als erstes in den herrlichen Garten vom Tenryo-Tempel, wieder eine der unzähligen Weltkulturerbe-Stätten, mit einem großen Teich, umstanden von bunten Bäumen, mit sorgfältig platzierten Steinen und Felsen, Hügeln und Terrassen, und dem Hintergrund, der „borrowed landscape“ oder japanisch „Shakkei“, einer Gartenbautechnik, in der die natürliche Umgebung, hier die hohen Berge von Arashiyama, in die Planung miteinbezogen wird, um wie bei einem Gemälde den Eindruck größerer Tiefe zu erzeugen. Weil jetzt die Herbstfarben auf dem Höhepunkt sind, ist dieser Eindruck natürlich besonders umwerfend. Aber hier ist ein Ort, den ich auch sehr gerne im Frühling besuchen würde (ich bringe es nicht über mich zu sagen „besucht hätte“…) , denn im Garten stehen unzählige, jetzt schon kahle „weeping“ Pflaumen- und Kirschbäume mit ihren langen bis zur Erde hängenden Ästen. Den Tempel selbst lasse ich diesmal links liegen.</p><p>Wenn man den Garten über den Nordausgang verlässt, kommt man direkt in den berühmten Bambuswald, der in jedem Werbeprospekt von Arashiyama abgebildet ist. Musste das sein? Ja, es musste sein, ich wollte ihn unbedingt noch einmal sehen trotz Völkerwanderung in beide Richtungen. Und musste wieder feststellen: Naja, schön ist er schon, aber eigentlich kann man diese Bambuswälder in Japan an vielen Stellen bewundern, und dann ohne Menschenmassen, und sooo doll ist er nun auch wieder nicht. Nur hier ist eine schmale Schneise in den Wald geschlagen, wo alle ihre erstaunlichen, aber immer gleichen Photos schießen können (ich auch😁), und das ganze ist natürlich unendlich gebrandet und beworben in der ganzen Welt. In 5 Minuten plus Photo-Zeit ist man durch, been there, done that.</p><p>Als nächstes erfüllte ich mir einen langgehegten Traum. Als ich zurück an den Fluss gewandert war, war er gesprenkelt mit unzähligen kleinen blauen Ruderbooten, in denen Paare saßen und auf dem grünen klaren Wasser zwischen den braunen Enten hin und herruderten, d.h. in 99% der Fälle ruderte der Mann. Die Geschlechterrollen scheinen in Asien (die meisten Menschen, die heute am „Feiertag der fleißigen Arbeit“, an dem man anscheinend rudern geht, unterwegs waren, waren asiatischer Herkunft) doch noch ziemlich festgeschrieben zu sein, aber vielleicht wäre das anderswo auch nicht viel anders. Das komische ist, dass viele nicht rudern können und das Boot mit der breiten Seite nach vorne und im Versuch vorwärts zu fahren, mühsam die Ruder wieder und wieder verzweifelt ins Wasser tunkend und angestrengt im Wasser stochernd, in die richtige Richtung zu zwingen suchen. Dazwischen stakten Bootsmänner die traditionellen überdachten Hausboote über den Fluss. Und genau ein solches war das Ziel meiner Begierde! Das letzte Mal, als wir hier waren, wollte Johnny das nicht mitmachen, vielleicht zu touristisch, aber seitdem habe ich von so einer Bootstour geträumt.</p><p>Man entert den Kahn, bekommt eine Plastiktüte in die Hand gedrückt und muss sich die Schuhe ausziehen und sie verstauen. Dann lässt man sich auf flachen bequemen Kissen, die auf einem roten Teppich liegen, ziemlich bequem auf dem Boden nieder und das Wunder beginnt. Ein Fährmann mit einer langen Stange stakt uns etwa einen Kilometer ruhig und friedlich über den wunderschönen kleinen Fluss zwischen den bunten Bergen, indem er das Ruder am Boden aufsetzt und vorwärtsschiebt, anders als bei einer venezianischen Gondel oder den Kähnen im Spreewald steht er vorne im Boot und steuert uns geschickt durch die Ruderboote und braunen Enten, von denen er erzählt, dass es Zugvögel aus Sibirien sind, die hier den Winter verbringen. Das Gefühl ist aber ähnlich: Kein Motorengeräusch, alles ganz ruhig und poetisch, nur das regelmäßige Plätschern, wenn er die Stange ins Wasser senkt.</p><p>Als wir schon umgekehrt sind, kommt plötzlich ein anderer nicht überdachter Kahn an unsere Seite gefahren und macht halt. Köstliche Düfte steigen auf und die beiden Frauen, die da an Bord auf zwei Grills Tintenfische und süße Mochi zubereiten, versorgen uns mit einem warmen Imbiss, um dann eilig zum nächsten Ausflugsboot weiterzuschippern. Es fühlt sich an wie ein Traum oder wie in einem Film: unwirkliche Glücksgefühle rundherum!</p><p>Am liebsten wäre ich sofort noch ein zweites Mal gefahren oder in eines der Boote umgestiegen, die noch weiter fahren, die Passagiere mit Schwimmwesten ausstatten und eine kleine Stromschnellenfahrt veranstalten, aber das muss dann für ein anderes Mal bleiben, vielleicht schaffe ich es ja noch in den letzten Tagen.</p><p>Als nächstes will ich über die Brücke spazieren, aber jetzt ist hier das totale Chaos ausgebrochen, die Massen werden von vielen Uniformierten mit Flüstertüten dirigiert, es wird geschubst und geschoben, man darf nur auf der einen Seite der Brücke hinüber, nach drüben links, zurück dann rechts,  darf nicht stehen bleiben und wird aufgefordert, langsam zu gehen.</p><p>Endlich auf der gegenüberliegenden Seite gelandet, geht es hier schon viel gemächlicher zu, die Menschen sitzen wieder gemütlich am Ufer mit ihren Picknick-Päckchen, genannt Bento, oder essen an einem der vielen Streetfood-Stände, die hier ihre Spezialitäten anbieten. Endlich komme ich auch dazu, ein Okonomiyaki zu essen, eine Art gebratenes Wunder aus Pfannkuchenteig, darauf in Schichten kommen kleingeschnittener Weißkohl, eine Handvoll Nudeln, ein rohes Ei, ein paar Gemüse und nochmal Pfannkuchen Teig, dann wird dieser Berg kunstvoll auf der heißen Platte gewendet und fertig gebraten. Darauf Umami-Sauce und Mayonaise in feinen Streifen: Köstlich! Dazu eine Coca-Cola, weil es nichts anderes gibt. Die Flaschen sind grün hier!</p><p>Aber dann war da eben wieder ein Berg, den ich unbedingt noch einmal erklettern musste (dass Bergsteigen mal zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören wird, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Eigentlich bin ich ja faul und unsportlich), diesmal der Affenfelsen von Arashijama. 20 Minuten steil bergauf, aber diesmal gut mit Geländern vor den Abgründen gesichert und sogar mit einem Bänkchen hier und da zum Ausruhen, geht es hoch zu den Affen, den nur in Japan lebenden Japan-Maken mit roten Gesichtern und Popos. In den 50er Jahren wurde hier eine Forschungsstation eingerichtet, um das Leben und Verhalten dieser Tierart zu studieren. Inzwischen ist es eine Art Zoo, in dem aber die Tiere frei herumlaufen. Viele Wärter sind im Laufschritt überall unterwegs und passen auf, dass die Menschen genügend Abstand halten, den Affen nicht direkt in die Augen starren, was als Aggression interpretiert werden könnte, man darf weder anfassen noch die Kamera zu offensichtlich auf die Tiere richten, auch nicht in die Hocke gehen oder essen und trinken auf dem Berg. Wenn es tierische Auseinandersetzungen gibt, was sich durch lautes Kreischen bemerkbar macht, sind sie sofort zur Stelle und scheuchen die Affen auseinander. Etwa 160 äffische Individuen leben hier, faulenzen auf dem Dach des Gebäudes, in dem man Apfelstückchen und Erdnüsse in der Schale kaufen kann (immer nur in kleinen Portionen, damit die Tiere nicht überfüttert werden) und dann durch ein Gitter am Fenster, die Menschen im Käfig, die Tiere draußen, den Maken, die teilweise geschickt die Hände fordernd durch die Gitterstäbe schieben, anbieten kann. Sie hüpfen durch die Bäume, rennen auch mal zwischen den Besuchern direkt hindurch oder schauen meditierend hinunter auf die Stadt zu ihren Füßen. </p><p>Ich möchte so einem  Tier wahrhaftig nicht im Wald oder auf den Bergen begegnen, aber wilde Affen so aus nächster Nähe sehen und erleben zu können ist schon ein großes Vergnügen.</p><p>Kurz bevor es dunkel wird wird der Park geschlossen, die Touristen haben sich inzwischen verlaufen, einige blaue Böötchen schaukeln noch auf dem Fluss und ich finde das hochgepriesene Fu Fu No Yu Onsen am Ufer, wo es ein herrliches Außenbecken mit genau richtig warmem Wasser gibt mit Blick auf den Berg, wo man leise vor sich hindämmernd die vielen glücklichen Momente des Tages noch einmal an sich vorbeiziehen lassen kann. </p><p>Ich bin wieder zutiefst dankbar dafür und etwas überwältigt, was ich alles sehen und erleben darf, und lasse diesen schönen Tag ausklingen mit einem Bier bei Yamatoya mit süßen Jazz-Klängen im Ohr.</p><p><br /></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c26cca06aacef34d68d5ded62af981b8_large.jpg" /><figcaption>Teich und Garten am Tenryo-Tempel</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/53188b5893580fff4b85b678dd9804d1_large.jpg" /><figcaption>Die „geborgte Landschaft“</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ff1781137fdec0d9add08c5deeb3a457_large.jpg" /><figcaption>Koi</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/df66f031b69a397e82377b9b1b2d38db_large.jpg" /><figcaption>23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/159db232169a054cb3b4aa831d43aedf_large.jpg" /><figcaption>Ende November!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/816c4ba5e1ea6bba53b37ffbb3866234_large.jpg" /><figcaption>Zen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7a3ee454f02fc4a72c1648f843f87972_large.jpg" /><figcaption>23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ddac9ad3fa1fdbd4df4579eb19de3d14_large.jpg" /><figcaption>23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/78edb24e81414f660c246be0887db2f7_large.jpg" /><figcaption>23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/23kapitel-arashiyama-oder-ein-tag-von-vorne-bis-hinten-gelungen</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/23kapitel-arashiyama-oder-ein-tag-von-vorne-bis-hinten-gelungen</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Tue, 25 Nov 2025 00:15:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/fbe009cefa72a17be8ffbfe44c71b604_large.jpg" /><figcaption>Am Fluss</figcaption></figure><p>Heute bin ich brav nur geradeaus gegangen, nicht rauf und runter. Ich habe gemütlich am Fluss gesessen, einem der friedlichsten und fröhlichsten Orte, die ich kenne. Es ist Sonntag und ein japanischer Feiertag, Niinamatsuri, der dem Erntedankfest ähnlich ist. Man feiert die Ernte, den neuen Reis und die fleißige Arbeit, die dahinter steckt. Es war wieder herrliches Wetter und so waren viele Menschen unterwegs.</p><p>Hier ist es übrigens so (Finnland:Höre!!!), dass wenn ein Feiertag auf einen Sonnabend oder Sonntag fällt, der Montag darauf auch noch arbeitsfrei ist! Also morgen können die Menschen auch noch Ausflüge machen und es wird entsprechend voll sein überall.</p><p>An den Flussufern sitzen die Menschen in Gruppen, Familien, Paaren oder auch einzeln, machen Picknick oder Musik, lesen, hüpfen über Steine, beobachten Vögel oder sitzen ganz einfach da und gucken in die Gegend. Alles ist ruhig und freundlich, gelassen und ganz entspannt, kaum Handys zu sehen, keine Kopfhörer.</p><p>Am Ramen-Restaurant wartete schon eine Schlange, es ist sehr beliebt und ich musste etwa 30 Minuten warten. An der Theke gibt es ja nur etwa 8 Plätze. Wieder eine große Freude, den drei Männern beim Kochen, Nudeln schütteln und Anrichten zuzusehen, ganz abgesehen vom köstlichen Geschmack aller Speisen.</p><p>Dann noch ein Spaziergang in den schönen Wald, der in der Flussgabelung hinter einem großen Schrein beginnt und sich durch die ganze „Insel“ im Fluss zieht. Dieser Wald sieht nun gar nicht japanisch aus, sondern wirkt eher wie eine gotische Kathedrale. Ein langer schnurgerader Pfad führt hindurch und rechts und links stehen sehr hohe sehr dunkle Bäume, das ganze ist schmal und sehr hoch. Mehrmals im Jahr wird hier ein etwas alternativer Kunsthandwerks- und Fressmarkt veranstaltet, den wir einmal miterleben konnten. Zu meiner großen Enttäuschung wird er Ende November wieder stattfinden, wenn ich leider gerade woanders bin. Schlecht geplant, aber diesen Markt hatte ich leider übersehen.</p><p>Nach Sonnenuntergang begab ich mich dann wieder in dieses komische kleine Café von der netten Frau mit den Stoppelhaaren, weil ich wusste, dass dort heute live-Musik angekündigt war. Sie servierte selbstgemachten Pflaumwein mit vielen Früchten drin aus einem riesigen Schraubglass, süß und sehr kräftig.</p><p>In dem Café haben fünf oder sechs Leute Platz, die auf Hockern quer durchs Lokal sitzen, und die Musiker drängelten sich irgendwie davor. Es war eine Art japanischer Folk- und Jazzclub. Die erste war eine alte Dame mit nur noch zwei Zähnen, die mit ihrer Gitarre den Zuhörern den Rücken zudrehte, aber ziemlich gut spielte und sang und guten Applaus bekam. Nach jeweils drei Liedern machte sie immer Pause und ging nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen.</p><p>Als nächstes kam ein Paar, das Bosssanova sang und spielte, viele Stücke von João und Astrud Gilberto, aber ich konnte nicht erkennen, ob sie auf Portugiesisch oder Japanisch sangen. Musikalisch waren sie jedenfalls sehr gut.</p><p>Zuletzt trat dann noch eine Art japanischer Jaques Brel auf, ich war ziemlich beeindruckt von allen Darbietungen.</p><p>Es ist jammerschade, dass dieses originelle, gemütliche, ein bisschen verrückte Café zum Monatsende schließen muss. Viele Sachen sind schon ausgeräumt und die Wirtin ist traurig. Ich auch. Das wäre wahrscheinlich meine Stammkneipe geworden, wenn ich länger hier wohnen würde.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ea2e98ab572d3345842e70d880f51ae5_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/fbe009cefa72a17be8ffbfe44c71b604_large.jpg" /><figcaption>Am Fluss</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c7bd307a8b96e4086d1e20735cc33e4c_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3e71ecc6855a30d7a0835b7d60c240c4_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6d24dc0396256e5c1d12a4238a063e3b_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/34d7bc10fc69b09b0011c00693a9e08d_large.jpg" /><figcaption>Goldfischteich</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0f87880725e532a86ec948d1a11c7994_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/001f059757506df3f319689b7fd0decd_large.jpg" /><figcaption>22.Kapitel: Niinamatsuri, ein Sonntag in Kyoto</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a5af5e30fcdf7f027ef2b8d49619273f_large.jpg" /><figcaption>Baumruine, geschützt</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/22kapitel-niinamatsuri-ein-sonntag-in-kyoto</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/22kapitel-niinamatsuri-ein-sonntag-in-kyoto</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 23 Nov 2025 13:52:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/73b68496209402230756038bdd0a4ea6_large.jpg" /><figcaption>Panorama vom Daimonji</figcaption></figure><p>Gestern war ein so ereignisreicher Tag, dass ich am Abend nur noch todmüde auf den Futon fallen konnte.</p><p>Vor einigen Tagen hatten meine Freundin Christine aus England, die ich vor Jahren in Helsinki kennengelernt hatte und immer mal wieder irgendwo auf der Welt treffe, und ich zufällig festgestellt, dass wir beide gerade gleichzeitig in Japan sind und uns in Kyoto am Philosophenpfad verabredet.</p><p>Nach einem fröhlichen Wiedersehen mit Matcha-Eis machten wir uns auf den Weg und trafen zunächst eine japanische Dame, die mit einem großen braunen Falken auf dem Arm spazieren ging. Sie erzählte dann später, dass der Vogel noch sehr jung und in der Ausbildung sei, sein Name sei Haku und sie gehe jeden Tag mit ihm spazieren.</p><p>Als nächstes wurden wir auf die andere Seite des Kanals zu einer Indigo-Ausstellung mit den schönsten Kleidungsstücken, auf Stoff gedruckten Gemälden, Garnen, Wolle, Lampen und Tüchern geladen. Sogar Holz und Steine hatte die Kunsthandwerksgruppe mit Indigo gefärbt! </p><p>Auch die Katzen waren wieder zur Stelle und wurden ausgiebig gefüttert, gestreichelt und photographiert von allen Seiten.</p><p>An einer Brücke sprach uns ein freundlicher alter Herr an und zeigte seine aus Blättern und Blüten gebastelten kleinen Boote. Er nötigte uns, eines zu nehmen und ins Wasser zu werfen. Wir lehnten erst höflich ab, weil sie erstens so schön anzusehen waren und wir zweitens einen Touristen-Nepp vermuteten, aber NEIN! Er versicherte viele Male, dass das alles frei sei und nahm uns schließlich an der Hand, führte uns auf die Mitte der kleinen Brücke, drückte uns so ein kleines Kunstwerk in die Hand und befahl uns zu schmeißen! Dann, als es richtigherum landete und munter auf dem Wasser davonschwamm, jubelte er: „Oooooh! You will have a happy life! Happy life!!!“, kicherte fröhlich und wandte sich dann den nächsten Spaziergängern zu! Reine echte unverfälschte Freundlichkeit und Lebensfreude! Wunderbar!</p><p>Ich hatte am Morgen beschlossen, an diesem Tag auf Johnny‘s Hausberg, den Daimonji, einer der Berge von denen Kyoto auf drei Seiten umgeben ist, zu klettern. Bewaldet bis hoch auf den 466m hoch gelegenen Gipfel sieht man gleich hinter unserem Gästehaus auf etwa mittlerer Höhe eine kahle Stelle mit einem großen dai-Symbol (大, bedeutet groß). Am 16. August jeden Jahres werden abends auf 5 Bergen nach und nach mächtige Feuer entzündet, die alle verschiedene Symbole darstellen, aber dieses auf dem Daimonji ist wohl das berühmteste. Wir waren vor sechs Jahren einmal nach oben gestiegen und hatten uns die Feuerstellen angeguckt und den Blick über die Stadt genossen. Ich hatte den Aufstieg als anstrengend aber machbar in Erinnerung…..</p><p>Nachdem ich mich von meiner Freundin verabschiedet hatte, machte ich mich nun aber auf einer anderen Route auf den Weg nach oben, weil sie erstens kürzer schien und zweitens an einem Wasserfall vorbeiführen sollte, den ich mir angucken wollte. Der stellte sich dann allerdings als enttäuschendes Gerinnsel heraus, auch wenn er im dunklen stillen Wald akustisch viel eindrucksvoller klang.</p><p>Aber der Aufstieg!!! Ich war mal wieder mutterseelenalleine unterwegs und nach einer Stunde schon dreimal bereit gewesen wieder umzukehren. Der Pfad war sehr schmal und nur schlecht zu erkennen, kaum Markierungen, nur dann und wann eine gelbe Plastiktüte an einen Zweig gebunden, umgestürzte Bäume von den letzten Taifunen quer über dem Weg, teilweise matschig-nasse Abschnitte, immer steil bergauf mit einem tiefen Abgrund auf der einen Seite. Irgendwo ein Schild, dass man sich vor den wilden Affen in Acht nehmen sollte. Improvisierte kleine Brücken ohne Geländer über besonders feuchte Stellen. </p><p>Ich bin nicht besonders sicher auf den Beinen und wenn ich Angst habe, werden meine Knie weich wie Gummi und bieten keinen besonders guten stabilen Stand. An dem Punkt sagte ich mir schon, dass ich auf gar keinen Fall denselben Pfad zurückwandern könnte, aufwärts geht immer noch irgendwie, aber abwärts mit weichen Knien angesichts des drohenden Abgrunds ist keine gute Idee. Ich hätte mir wirklich sehr einen starken Arm gewünscht, an dem ich mich hätte festhalten können, am liebsten Johnny oder Juli, aber hier gab es nun in nächster Nähe nicht einmal Bäume oder Äste zur Unterstützung und so kroch ich teilweise auf allen Vieren über besonders gefährlich scheinende Abschnitte , die Augen immer auf den Berghang gerichtet, nicht auf den Abgrund, und machte, wie ich es gelernt habe, nur ganz kleine Schritte, um die Balance so gut wie möglich zu halten. Als Pünktchen auf dem i gab es dann an einigen Stellen am Berg auch kein Netz mehr, so dass ich nicht mal um Hilfe hätte rufen können…..</p><p>Glücklicherweise traf ich auf der gesamten Strecke drei andere Menschen, von denen zwei mir vorauseilten und mir so eine Idee gaben, wo der Pfad nun eigentlich verlief, und einer, der mir entgegenkam und versicherte, der Abstieg auf der anderen Strecke sei viel einfacher, weil es da überall Treppenstufen gäbe. Das gab mir etwas Mut, weiter nach oben zu kraxeln, immer mit der Befürchtung, dass mir plötzlich ein Affe im Nacken sitzt. Ich hatte mein „Bärenglöckchen“ an der Tasche befestigt und stapfte so leise klingelnd bergan, bis ich schließlich und endlich tatsächlich auf dem Berggipfel ankam, etwa doppelt so hoch, wie wir damals geklettert waren.</p><p>Hier saßen nun mehrere fröhliche Wanderer und machten Picknick mit Campingkochern und Weitblick über die Berge bis zum Meer, über Osaka und bis nach Kobe! Der Abstieg, nicht nur aber wenigstens oft wirklich über Treppen, führte dann an den Feuerstellen vorbei, die ja eigentlich mein Ziel gewesen waren, und nach vielen Stunden kam ich dann aufatmend wieder auf ebener Erde an.</p><p>Ich weiß auch nicht, was das ist, aber dieser Magnetismus von unwegsamen dichten Urwäldern mit wilden Tieren hat schon öfter und in vielen verschiedenen Ländern auf mich eingewirkt, und immer muss ich mich alleine in diese irrsinnigen Abenteuer stürzen! Aber dieses Mal habe ich mir danach wirklich geschworen: Es war das letzte Mal (jedenfalls auf dem Daimonji)!</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1b94106a98959417b20fd67775818331_large.jpg" /><figcaption>Der Berg in der Ferne</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/85ba7f68be7afc0757f23f2d215bb222_large.jpg" /><figcaption>Matcha-Eis mit Christine</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4b4f9812aee5cb951dacd05c5f008867_large.jpg" /><figcaption>Spaziergang mit Falke Haku</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/47a7bae12e36a2fd61cb5bd76e42c5ac_large.jpg" /><figcaption>21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/c0975808b7480594d8c3968da894d28f_large.jpg" /><figcaption>21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a2040f61a8c3deb0cdd2485547145954_large.jpg" /><figcaption>Indigo-Ausstellung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/94ae06f4e96884a225c5ed6cf2ff78fa_large.jpg" /><figcaption>21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a7d43ce5030fa20b1f8eb7ba3863cba1_large.jpg" /><figcaption>21. Kapitel: Überraschungstreffen, ein Falke und eine wilde Bergtour</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7fbcbb07108499422594a021f9df1a24_large.jpg" /><figcaption>Letzte Blätterpracht am Philosophenpfad</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/21-kapitel-ueberraschungstreffen-ein-falke-und-eine-wilde-bergtour</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/21-kapitel-ueberraschungstreffen-ein-falke-und-eine-wilde-bergtour</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 23 Nov 2025 01:12:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[20. Kapitel: Beinahe ein verschenkter Tag]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bcc612bcf36c50f05d41421c20f8f82c_large.jpg" /><figcaption>Flohmarkt</figcaption></figure><p>Eines der großen Vergnügen in Kyoto sind die regelmäßigen stattfindenden Tempel-Flohmärkte und am 21. jeden Monats findet einer der größten im wunderbaren Toji-Tempel neben der großen Pagode statt. Weil es soviele Stände gibt, verschwindet der Tempel an dem Tag ziemlich im Hintergrund.</p><p>Ich hatte mich seit Monaten auf dieses Ereignis gefreut. Leider hatte ich mich dann aber über die Servas-Organisation (ein etwas friedensbewegter Hosting-Verein) heute mit einem japanischen Ehepaar verabredet, die mitkommen wollten. Eigentlich waren wir früher verabredet, aber dann wurde ich krank und musste absagen und heute war die einzige Möglichkeit, sie zu treffen.</p><p>Ich hatte mir vorgestellt, dass es sicher nett wäre, einmal „richtige Japaner“ in Japan zu treffen, aber das war nun ein echter Fehlgriff, denn diese Leute waren derartig langweilig, dass ich beinahe eingeschlafen wäre. Also freundlich und gutwillig, aber sowas von an nichts interessiert und selber uninteressant, dass ich nur gähnen konnte, kein Gespräch kam zustande, keine Fragen, kaum Antworten. Sie blieben da stehen, wo ich weitergegangen wäre, und wenn ich etwas spannend fand und in Ruhe angucken wollte, eilten sie weiter. Also absolut kein gemeinsamer Draht, schade!</p><p>Nach dem Mittagessen verkündete ich dann, dass ich nun auf dem Markt meine Photo-Runde drehen wollte und verdrückte mich kurzfristig mit der Ankündigung, dass wir uns ja sicher noch später über den Weg laufen würden, was natürlich nicht passierte, es war ja brechend voll. Das war sicher furchtbar ungezogen und unhöflich und undankbar, aber ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen.</p><p>Ich drehte dann noch ein, zwei Stunden meine Runden und musste feststellen, dass heute, viel mehr als vor sechs Jahren, sehr viel Touristenkram und -Kitsch angeboten wird, aber dazwischen findet man immernoch schöne Teetassen, Antiquitäten, alte Fächer, lächerlich billige gebrauchte Kimonos aus schwerer Seide, Bonsais und vor allem alle möglichen seltsamen Sachen zum Essen, von denen man keine Ahnung hat, was das ist. Man darf vieles probieren!</p><p>Ein armer Affe muss seine andressierten Kunststücke vorführen, Mönche lesen Menschen aus der Hand, es werden Massagen verabreicht, Schuhe geputzt, Spieße gebraten, Klangschalen in Schwingungen versetzt, also sehr viel zu sehen, aber irgendwie war der Tag für mich ruiniert. Vielleicht bin ich inzwischen auch einfach zu sehr daran gewöhnt, alleine zu reisen und rasch irritiert, wenn etwas nicht nach meiner Nase geht.</p><p>Zum Trost fuhr ich dann zu meinem Jazz-Café Yamatoya und genoss da einen Umeshu und dann die Kaffee-Zeremonie vom Wirt nur für meine Tasse, sogar die Wassertemperatur hat er immerzu gemessen! Zwischendurch schmurgelte er sich auf dem Herd hinter der Theke , wo sonst nur das Wasser gekocht wird, ein schnelles Mittagessen mit Nudeln und schob sich zwischendurch immer eine Portion mit seinen Stäbchen schnell in den Mund.</p><p>Dazu spielte natürlich herrlicher Jazz und ich habe gleich wieder einen großartigen Pianisten entdeckt, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte (das Plattencover von der Vinyl, die gerade spielt wird immer zur Ansicht auf den Schrank gestellt): den von Geburt an blinden Spanier Tete Montoliu.</p><p>Danach noch auf dem Nachhauseweg einen Kurzbesuch im Kyoto-Handarbeitszentrum und dann ging es mir wieder gut.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7fcfe849076721cde836a441ef5979de_large.jpg" /><figcaption>Vor dem Tor</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bcc612bcf36c50f05d41421c20f8f82c_large.jpg" /><figcaption>Flohmarkt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/132cbb4cdced7caf80a62591ce14b299_large.jpg" /><figcaption>Bonsais</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0949209ac6336c80a5c22672b3d36d9e_large.jpg" /><figcaption>Bonsai-Ahorn</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2a616924c2fd2228ca6dbc2900f5c0d0_large.jpg" /><figcaption>Mochi?</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d5dd086175111182cbf41351d67d0bcc_large.jpg" /><figcaption>Dressierter Affe</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/27318ad929b12927bf0341405aed9afd_large.jpg" /><figcaption>Was ist das?</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8db14748ecd75be2c7b1959a93b863f8_large.jpg" /><figcaption>Sushimi</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7579ce8145954488df6ec1e5302c55f4_large.jpg" /><figcaption>Das japanische Ehepaar</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/20-kapitel-beinahe-ein-verschenkter-tag</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/20-kapitel-beinahe-ein-verschenkter-tag</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Fri, 21 Nov 2025 11:30:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[19. Kapitel: Abschied von Nara]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/cc3174347769ff68bceb633ab32982cb_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Heute Nachmittag werde ich nach Kyoto zurückfahren. Ich trenne mich schwer von Nara,denn ich weiß nicht, ob ich jemals noch einmal zurückkommen kann. Ich bin ein notorischer Zurückkehrer und genieße es, an Orte, die mir lieb geworden sind, wieder und wieder zurück zu reisen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Nara ist ein magischer, ein beinahe unrealer Ort. Man wähnt sich in einer völlig anderen Wirklichkeit und ich habe Angst, dass, obwohl ich so viele Photos gemacht habe, die Bilder im Kopf verblassen werden. Es gehört ja auch immer der Ton, die Geräuschkulisse dazu, der Wind, die Temperaturen, die verschiedenen Gerüche, und selbst das Glühen der jetzt so unglaublich bunten Blätter kann man nicht wirklich im Photo einfangen. Ich fürchte, ich werde irgendwann vergessen, wie sich ein ganz junges flauschiges Reh anfühlt, und wie glatt, warm und weich die erwachsenen Tiere unter den Händen sind. Vielleicht kann ich nie wieder in diesem Leben ein Reh streicheln. Das alte Holz der Eingangstore und Tempel, die roten Säulen und Dachkonstruktionen beim Großen Buddha, der verwilderte Kosmosgarten und die Wälder von Steinlaternen unter riesigen dunklen Bäumen, das alles ist völlig einmalig und so wunderbar, dass ich gerne wenigstens ein Auge hierlassen würde, um immer weiter nur zu gucken.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Gestern habe ich noch ein ganz modernes Photographie-Museum besucht, interessante Architektur und Innenausstattung, ein schönes minimalistisches Café und sehr phantasievolle Stühle, drei Ausstellungen, darunter Photographien eines sehr bekannten japanischen Künstlers, der das ländliche Nara in den 50-er und 60-er Jahren eingefangen hat, als es noch keinen Massentourismus gab. Dazu viel Experimentelles, auch international. Wieder kein Mensch weit und breit!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Und einen Baum in der Nähe eines Tempels habe ich gesehen, der im Jahre 1719 unter Schneemassen teilweise zusammengebrochen ist, heute ganz und gar hohl, aber lebendig und mit vielen saftig grünen Blättern an den oberen Ästen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Den letzten Tag werde ich nur im Park spazierend und sitzend verbringen, nochmal Reh-Cracker kaufen und viel füttern und streicheln, auf Vorrat sozusagen und um das Gedächtnis zu schulen. Dann noch einmal panierte Austern essen und dann los zu neuen Abenteuern an anderen Orten.</b></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f83f5a8212026b36ecc8d46e87d0da81_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/89882f73f844041b5dbddb027a430fc5_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/dbd2ed4be84019f61e5d7fbe54bb91d2_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7b7bf17605c14988a0ba1b2bc863452f_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6e03df365a194d8a1f01165d6528747e_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b9a171263f5795a07cca3e1843865a28_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/21d6567439b97142a183c3d1e7da83c7_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/055084ce4ea4ce353f6de695f31d1cc0_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/6c5775ac495539107ad7e4981cbb8671_large.jpg" /><figcaption>19. Kapitel: Abschied von Nara</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/20-kapitel-abschied-von-nara</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/20-kapitel-abschied-von-nara</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Thu, 20 Nov 2025 01:48:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/70115fe486f27040b3528c76c269ab34_large.jpg" /><figcaption>Gefängnismauer</figcaption></figure><p>Ich muss sagen, die gestrige Japan-Information hat mir nicht wirklich gutgetan. Hinter jedem freundlichen Lächeln, jeder höflichen Geste habe ich heute etwas Falschheit gewittert.</p><p> Aber dann habe ich mich daran erinnert, wie ich mich die ersten Jahre in Finnland bemüht habe, meinen Studenten diese Zweifel auszureden, dass die mitteleuropäische Freundlichkeit und Höflichkeit und vor allem die amerikanische nur oberflächlich und nicht „ernstgemeint“ seien. Ich habe mir den Mund fusselig geredet, dass, wenn jemand herzlich und freundlich ist, das auch immer so gemeint ist in dem Moment, selbst wenn man dann nicht unbedingt Freunde fürs Leben werden muss. Mir ist noch sehr präsent, wie empört ich über diese Zweifel war und sie überhaupt nicht verstanden habe. Und dass die oft fehlende finnische Freundlichkeit und Höflichkeit nicht einfach „ehrlich“ist, sondern schlicht unhöflich und frech. das konnten sie dann gar nicht leiden….</p><p>Also habe ich dann heute im Laufe des Tages beschlossen, diese unangenehmen Gedanken zu verscheuchen und mich wieder ungebremst daran zu freuen, wie gut man hier behandelt wird und wie angenehm sich das anfühlt, wenn alle um einen herum freundlich und zuvorkommend sind, egal ob sie das ernst meinen oder nicht!</p><p>Zum Beispiel nahm mir heute Nachmittag in einem neuen Sento, das ich ausprobiert habe, eine sehr alte Dame plötzlich mein kleines Waschhandtuch weg und warf es in ihre Schüssel und begann es mit viel kaltem Wasser auszuwaschen. Ich war wie vom Donner gerührt und dachte schon wieder, ich hätte etwas falsch gemacht, aber dann wrang sie es aus und legte es mir zur Kühlung auf meinen Nacken, freundlich nickend! Und ich bin ganz sicher, dass sie das ernst gemeint hat!</p><p>Eine andere begann in einem der Sprudelbäder in sehr rudimentärem Englisch ein Gespräch mit mir und wollte alles über die finnische Sauna wissen. Richtig mutig und sehr sehr freundlich!</p><p>In der Sauna gab es übrigens diesmal keinen Fernseher, aber dafür brüllte ein Lautsprecher ungebremst Popmusik in den Raum. Stille scheint jedenfalls nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen in Japan zu gehören.</p><p>Auf einem meiner langen Spaziergänge am Vormittag fand ich gleich drei interessante neue Plätze. Der erste war das Gefängnis, eine weite Anlage mit einer hohen lange roten Steinmauer rund herum und einem prächtigen Eingangstor. Das ganze wurde als „ehemaliges Gefängnis“ bezeichnet, sah aber noch ziemlich aktiv aus, weil alles total abgesperrt war und mehrere Wächter da herumliefen. Es hatte etwas von einem Ghetto an sich, man konnte leider nirgendwo näher herankommen und einen Blick über die Mauer erhaschen. Später las ich dann, dass es sich wohl im Umbau befindet und ein Hotel werden soll!</p><p>Als nächstes kam ich mitten in der Stadt an einen Bauernhof mit einem riesigen offenen Kuhstall, in dem Kühe und Kälber gemeinsam vor sich hinkäuten und man überall herumlaufen durfte. Mir kamen die Rinder besonders groß vor, aber das kann auch daran liegen, dass ich Angst vor ihnen habe.</p><p>Und dann fand ich wieder ein echtes Juwel, einen völlig verwilderten Garten, in dem immer noch Cosmos-Blumen in allen Farben blühten, dazwischen unzählige Buddha-Statuen und einige kleine, aber feine Tempelgebäude mit leider wieder nicht photographierbaren Skulpturen und eine dreizehnstöckige Steinpagode: Hannya-ji.</p><p>Und während des gesamten Spaziergangs habe ich tatsächlich keine einzige Menschenseele getroffen, während beim Großen Buddha und im Park wieder die Hölle los war!</p><p>Was ich noch gelernt habe: Ich hab mich die ganze Zeit gewundert, dass es bei den Waschbecken vor den Toiletten weder Papier noch Handtücher gibt, um sich die Hände abzutrocknen, auch keine Lufttrockner. Jetzt weiß ich, das jeder hier so ein kleines Handtuch mit sich herumträgt, mit dem man sich auch den Schweiß abwischt und die Nase abtupft, wenn sie läuft, denn schnäuzen darf man sich auch nicht öffentlich, und Papiertaschentücher kennt man nicht.</p><p>Die so japanisch aussehenden Bäume in den kleinen Vorgärten werden jedes Jahr einmal von einem professionellen Baumbeschneider gestutzt. Egal ob Kirschbaum oder Kiefer.</p><p>Im Hostel benutzt man vier verschiedene Paare Schuhe: 1.seine eigenen, wenn man das Haus betritt. Die muss man noch im Eingang ausziehen und in ein Regal stellen. Dann bekommt man 2. Plastiklatschen, mit denen man im Vorraum, wo auch die Bar und die Rezeption sind, herumläuft. Bevor man auf den Holzfußboden im eigentlichen Wohnbereich tritt, wechselt man 3. zu Filzlatschen. Und wenn man aufs Klo geht, stehen da 4. extra schwarze Plastiklatschen, die nur für diesen Raum benutzt werden und dann für den nächsten in Einstiegrichtung wieder an der Tür zurückgelassen werden.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bc407dd662d830676d96f7f069c3f5a4_large.jpg" /><figcaption>Tempel immwilden Cosmos-Garten</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/11c8b62985960045bee4b1bde2a9937c_large.jpg" /><figcaption>Gefängnistor</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/70115fe486f27040b3528c76c269ab34_large.jpg" /><figcaption>Gefängnismauer</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5cb19b9063bfa053daa700583b941d5a_large.jpg" /><figcaption>Haltestelle mit Stühlen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d2e00dec78efeadaac20dac2c1bbee8d_large.jpg" /><figcaption>Stadtbauernhof</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/fa04dbd59cec80138e9729d0a037f6fe_large.jpg" /><figcaption>18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/fa7f8d87c5b9aef7064b0ea3658e2f5f_large.jpg" /><figcaption>18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8e581bd2a417a40358db9a7c3ff47aa4_large.jpg" /><figcaption>18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/67b821efb22f24ffce7eb143ecf6e0c8_large.jpg" /><figcaption>18.Kapitel: Gefängnisbesuch, noch ein Juwel und ein neues Sento</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/18kapitel-gefaengnisbesuch-noch-ein-juwel-und-ein-neues-sento</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/18kapitel-gefaengnisbesuch-noch-ein-juwel-und-ein-neues-sento</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Tue, 18 Nov 2025 22:18:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[17.Kapitel: Ausflug nach Tenri, noch mehr Religionen und endlich ein Treffen mit einer Freundin, die ich noch nie gesehen habe]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/098fe2c3e479f4fb47426f7d2a41e321_large.jpg" /><figcaption>Zum ersten Mal in person</figcaption></figure><p>Gestern habe ich eine derartig geballte Ladung an Japan-Informationen bekommen, dass ich das erstmal über Nacht etwas verdauen musste, bevor ich anfange, etwas davon zu erzählen.</p><p>Ich fuhr am Morgen nach Tenri, einem Ort im Süden von Nara, um eine alte Freundin zu treffen. Allerdings hatte ich sie vorher noch nie gesehen. Vor etwa fünf Jahren haben wir uns zufällig auf Facebook in irgendeiner Art&Crafts-Gruppe getroffen, und als ich erfuhr dass sie in Nara wohnt, aus Estland stammt und mit einem Japaner verheiratet ist, verabredeten wir, falls ich noch jemals wieder nach Japan reisen könnte, uns dann zu treffen.</p><p>Seitdem sind wir immer mal wieder lose in Verbindung geblieben und gestern war nun der große Tag. Es ist schon verrückt, was man sich für Vorstellungen von einem Menschen macht, den man nur über das Internet kennt! Sie ist völlig anders, als ich mir vorgestellt hatte, doppelt so groß, lebhaft, witzig und ausgesprochen herzlich.</p><p>Als ewige Ausländerin in einem sehr anderen Land zu wohnen, verbindet uns und gibt uns natürlich eine ganz andere Perspektive, aus der wir auf das Land gucken, in dem wir wohnen. Auch unser beider Blick ist sicher dadurch teilweise begrenzt, dass wir lange in einer ganz speziellen Kleinstadt gewohnt haben, von der aus wir das ganze Land beurteilt haben, aber sie hat auch teilweise in Osaka gewohnt und ich jetzt in Helsinki, also erweitert man seine Sichtweise mit der Zeit doch erheblich.</p><p>Trotzdem: Sie erzählt vom Leben in einer zutiefst religiös geprägten Gegend. Die Tenrikyo-„Religion“ hat in Japan 1,75 Millionen Anhänger, durch Mission weltweit 2 Millionen. Sie geht auf eine einzelne Frau zurück, die Mitte des 19.Jahrhunderts eine Vision oder „Erleuchtung“ gehabt hat und die Prinzipien dieser neuen Bewegung festgeschrieben hat. Zunächst war die Gruppe noch Teil des Shintoismus, wurde dann aber verboten, die Gründerin wurde ins Gefängnis gesteckt und danach war die Sekte, oder wie immer man das nennen will,  dann selbständig, was bedeutet, dass jedes Mitglied jeden Monat 10000 Yen (etwa 55€) berappen muss, und das betrifft auch jedes einzelne Kind der Familie, um die ganze Angelegenheit zu finanzieren, Spenden kommen dazu. </p><p>Tenrikyo geht davon aus, dass die Gottheit (monotheistisch) will, dass die Menschen ein frohes (joyful) Leben haben, was schließlich zu einer harmonischen, glücklichen Welt führen soll, an der sie sich auch erfreuen will, und das soll erreicht werden, indem man die 8 Stäube vermeidet. Es gibt also keine Sünden und auch kein Versprechen für ein ewiges Leben, Paradies oder Hölle oder ein nie endendes Nirvana, allerdings eine Idee von einer wiederkehrenden Wiedergeburt, und dann kann man nochmal probieren.</p><p>Aber Staub ist das Schlimmste! Die Stäube, von denen man sich fernhalten soll, die man aber auch wegwischen kann, um dann froher zu werden, sind Arroganz, Gier, Geiz, Hass, Selbstliebe, Nachtragend sein, Wut und Maßlosigkeit (das klingt ja eigentlich nicht schlecht🙂). Um diese schlechten Züge zu vermindern, soll man Freiwilligenarbeit in der Gemeinschaft leisten und auch ansonsten Gutes tun.</p><p>Es gibt bestimmte Gesänge und Tänze, vor allem einen sehr bizarr-elegant aussehenden „Tanz der Hände“, mindestens die Morgen- und die Abendzeremonie, an denen man teilnehmen sollte, man hat auch eine Art Altar zu Hause, vor dem man sich ständig verbeugen muss und betet.</p><p>Diese Organisation hat in Tenri einen riesigen Tempel (oder Gebetshaus) mit unendlich vielen langen Korridoren und Sälen, in denen die Gläubigen auf den gekreuzten Füßen sitzen, singen, klatschen und ihre Handtänze absolvieren, es wird auch Reiki angeboten, das bestimmte höhergestellte Mitglieder vollführen, überall huschen Freiwillige mit Staubtüchern herum und wischen die Geländer und Böden, alles blitzt vor Sauberkeit und riesenhafter Größe.</p><p>Nebenan gibt es eine eigene Universität (die übrigens zu Marburg und München Beziehungen unterhält!) und ein wirklich großartiges Museum der Kulturen der Welt, vor allem der asiatischen. Hier sind die zerbrechlichen Gegenstände mit Angelschnur gegen Erdbeben gesichert oder auf Sockeln festgeklebt, damit sie nicht umfallen, wenn es wackelt.</p><p>Als ich frage, ob es etwas gibt, was man nicht tun darf, ist es das absolute Verbot, etwas ins Internet zu stellen, also keine Photos, keine Informationen, keine Texte. Im Grunde genommen dürfte ich hier gar nicht erzählen. Es ist schwer für Interessenten überhaupt an Informationen zu kommen, alles wird persönlich erledigt. Neue Mitglieder müssen zunächst Kurse besuchen und Tests absolvieren.</p><p>Da der Mann meiner Freundin eine Art Hohepriester (das ist aber ein Ehrentitel, kein Beruf) ist, musste auch sie diese Prozeduren hinter sich bringen, damit sie überhaupt heiraten durften. Ansonsten scheint er aber ganz normal und nett zu sein.</p><p>Der ganze Ort wird völlig beherrscht von dieser Sache, ein aus der Reihe tanzen ist so gut wie unmöglich. Es hat mich ein wenig an die Rolle der katholischen Kirche im Kleinwalsertal erinnert.</p><p>Was hat sie noch vom Leben in Japan erzählt? Sie meint, ihr Mann würde an ihr so schätzen, dass bei ihr „ja“ ja bedeutet, und „nein“ nein. Die Japaner (und jetzt kommen natürlich Stereotypen, an denen aber immer auch ein bisschen Wahrheit klebt) sind wohl nicht sehr direkt und winden sich lieber in aller Art Höflichkeiten, anstatt klare Antworten zu formulieren. </p><p>Ein Japaner habe immer drei Gesichter: Eines für die Öffentlichkeit, das immer froh, höflich, aktiv und fleißig erschiene (die ständige fast hektische Aktivität z.B. in den Restaurants, in denen die Angestellten ständig die blitzsauberen Tische abwischen und die Sojasaucenflaschen neu arrangieren, ist mir auch schon aufgefallen. Bloß nicht still stehen oder gar sitzen und untätig erscheinen! Eine gewisse Parallele zu Finnland kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden), eines für die Familie und das letzte nur für sich selber.</p><p>Japaner seien bei weitem nicht so freundlich und höflich, wie es Touristen und Menschen, die die Sprache nicht verstehen, erscheinen mag. Es wird offen, laut und bösartig kommentiert, wenn ein Ausländer etwas falsch macht, das Aussehen wird lauthals kritisiert, und meine Freundin wird offen beschimpft, dass sie nach neun Jahren dies oder das noch immer nicht kapiert hat oder kann (ich muss sagen, dass mir so etwas selber in Finnland nie passiert ist. Die Menschen denken sich vielleicht ihr Teil, sind aber nie offen bösartig), auf der anderen Seite erklärt einem aber auch niemand etwas, man wird völlig alleine gelassen und dann gemein ausgeschlossen. Nach einiger Zeit hat auch sie sich dann entschieden, die Rolle des Dorfnarren (kylähullu) zu übernehmen und im Großen und Ganzen zu tun, was sie will.</p><p>Die Rolle und Macht der Schwiegermutter ist überwältigend, vor allem über den eigenen erstgeborenen Sohn, denn dem fällt die Rolle zu, für die Eltern und die übrigen Geschwister zu sorgen, wenn Not am Mann ist, nicht nur finanziell, sondern in jeder Hinsicht. Darum übernimmt die Mutter die Aufgabe, eine passende Frau für den Sohn zu finden und entscheidet, ob diese oder jene die Geeignete ist, denn auch die Schwiegertochter muss natürlich mitsorgen. Darum ist es für erstgeborene japanische Männer so überaus schwierig, eine Frau zu finden und die Partnerschaftsseiten und -Vermittlungen sind voll von ihnen.</p><p>Eheleute sind sich oft sehr fremd, der Mann geht arbeiten und kommt erst spät nach Hause, hat wahrscheinlich eine oder mehrere Liebhaberinnen, die Frau ist mit den Kindern beschäftigt, macht ansonsten aber auch was sie will. Auch das kann man oft in den Restaurants beobachten: Der Mann hockt vor seinem Laptop und spricht nicht, die Frau guckt gelangweilt in die Gegend und versucht immer mal die unruhigen Kinder irgendwie zu beschäftigen.</p><p>Sie hat noch viel mehr erzählt, aber mir schwirrte schon so der Kopf, dass mir jetzt nicht mehr alles einfällt.</p><p>Diese Reise hat auch Züge eines Kurses in vergleichenden Religionswissenschaften (was ich auch irgendwann mal studieren wollte😅). Am Abend wieder in meinem Hostel brauchte ich erstmal einen großen japanischen Chochu-Schnaps!</p><p><br /></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7e0a39159dcf92734e86601255f557ed_large.jpg" /><figcaption>Fast wie in Tokio (kreuz und quer Zebrastreifen)</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/3cd65ab5db12ca199d32e71e2f51a5cd_large.jpg" /><figcaption>Japanisches Englisch</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1e96865dc0d7a396d46a4a6678e48c17_large.jpg" /><figcaption>17.Kapitel: Ausflug nach Tenri, noch mehr Religionen und endlich ein Treffen mit einer Freundin, die ich noch nie gesehen habe</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/60cb8f8ee18fd6693538dd1aa818a2ae_large.jpg" /><figcaption>Nur für Frauen-Wagon</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/098fe2c3e479f4fb47426f7d2a41e321_large.jpg" /><figcaption>Zum ersten Mal in person</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ac4c9f63a05beb1bc0edc769cda8e02a_large.jpg" /><figcaption>17.Kapitel: Ausflug nach Tenri, noch mehr Religionen und endlich ein Treffen mit einer Freundin, die ich noch nie gesehen habe</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/20d713c45d233ab0fb3909da2508a8ee_large.jpg" /><figcaption>Museum zu Kulturen der Welt</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/99b9c6ef969734256f19013e8d3b1f36_large.jpg" /><figcaption>Korea</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/692e9330c364b216ab6140ba251ff184_large.jpg" /><figcaption>Korea</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/17kapitel-ausflug-nach-tenri-noch-mehr-religionen-und-endlich-ein-treffen-mit-einer-freundin-die-ich-noch-nie-gesehen-habe</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/17kapitel-ausflug-nach-tenri-noch-mehr-religionen-und-endlich-ein-treffen-mit-einer-freundin-die-ich-noch-nie-gesehen-habe</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Mon, 17 Nov 2025 23:57:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[16.Kapitel: Mehr Buddhismus, frittierte Austern und viele Menschen am Sonntag ]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/beda93a9dd551af7764411fb77200c9c_large.jpg" /><figcaption>Anleitung</figcaption></figure><p>Heute ist Sonntag, was bedeutet, das hier noch mehr Menschen einfallen werden als gewöhnlich, also fliehe ich nach einem  starbuckigen Latte Vento (überall dieselbe Scheiße, aber der Kaffee ist gut und man hat Ausblick auf die Rehe) in die Outskirts zu einem weiteren buddhistischen Tempel, Yakushi-ji, der es in sich hat.</p><p>Gegründet und gebaut wurde er vor 1300 Jahren, ist aber bis auf die eine Pagode im 16.Jahrhundert komplett abgebrannt. Wie durch ein Wunder konnten die drei Buddha-Statuen, die zu den schönsten weltweit gezählt werden, wenn auch etwas geschwärzt, gerettet werden. </p><p>Und jetzt kommt es: Weil nur noch die eine alte Pagode erhalten war, beschloss man, alle anderen Teile des Tempels, also die Zwillingspagode, die Haupthalle, und die drei Tore im Osten, Westen und das zentrale Tor nach alten Dokumenten und mit dem Wissen vieler Tempelbauspezialisten von 1976 bis 1995 komplett wiederaufzubauen.</p><p>Auch die alte Pagode wurde zweimal völlig abgebaut und wieder zusammengesetzt, einmal von 1898-1900 und zuletzt, als man Korrosion am zentralen Pfeiler, um den die einzelnen Dächer und Etagen  herumgebaut sind, gefunden hatte, von 2012-2018.<br /></p><p>Heute habe ich gelernt, dass „Pagode“ auf Japanisch „tõ“ heißt, und die alte Pagode heißt „tõ-tõ“. (Zufällig fand ich auch heute, dass diese phantastischen japanischen Klos ebenfalls „to-to“ heißen. Wo da der Zusammenhang ist, ist mir allerdings schleierhaft.) Was ich noch gelernt habe, ist, dass Asche oder eine Art Reliquien vom Buddha in den Pagoden, hier in den Kugeln oben am Pfeiler, aufbewahrt werden, das macht sie wohl zu Pagoden.</p><p>Die drei schönen Buddha-Statuen im Haupttempel, vor allem die beiden zu Seiten des Hauptbuddhas, fand ich zu meinem Erstaunen sehr androgyn. Auch hier weiß ich wieder viel zu wenig darüber, ob das Stilmittel, Zeit-Ästhetik oder ganz bewusst so angelegt war. </p><p>Als ich da noch herumstrich, ertönten einige mächtige Glockenschläge und ich hatte das große Glück, an einer ganzen Zeremonie oder Messe oder Andacht oder wie das nun auf buddhistisch heißen mag, teilnehmen zu können.</p><p>15 kahlgeschorene Mönche kamen klappernd auf sehr hohen Holzlatschen herein und ließen sich rund um den Altar (?) nieder, ein Hauptmönch mit einer mächtigen Stimme begann einen eintönigen Gesang, in den nach und nach erst die oberen und dann die einfachen Mönche einfielen, es gibt eine ganz klare Hierarchie, Gongs und Klangschalen wurden angeschlagen, eine Art hölzerne Gebetskette wie ein Rosenkranz raschelnd zwischen den Händen gerieben, Klanghölzer und Metalltrommeln behämmert. Teilweise fielen die Anwesenden in den Gesang mit ein, mal wurde aufgestanden, dann wieder hingesetzt. Die Mönche saßen abwechselnd auf den gekreuzten Füßen und im Schneidersitz. An einer Stelle warfen sie sich große bunte Konfettis über die Schulter, von denen die meisten aber leider innerhalb der Absperrung landeten und später wieder eingesammelt wurden. Aber einige Gläubige bückten sich schnell und griffen sich einen als Glücksbringer. Das ganze dauerte mehr als eine Stunde und ich bekam etwas Kopfschmerzen von den ganzen Räucherstäbchen, aber es war wieder so ein ganz besonderes Erlebnis, von dem man weiß, dass man es nur einmal im Leben erlebt. Am Ende stiegen sie wieder in ihre Holzlatschen und klapperten davon.</p><p>Nach soviel Geistlichkeit warf ich mich dann doch in die sonntägliche Menschenmenge und ging fein essen. Die panierten frittierten Austern mit verschiedenen Pickles,, Reis, Miso, Salat und meinem geliebten Pflaumenwein Umeshu waren ein Gedicht und von der Creperie nebenan konnte ich dann auch nicht wegbleiben und nahm noch einen Eierkuchen dick gefüllt mit Schlagsahne und Schokostreuseln zum Nachtisch, um dann festzustellen: Das Leben schmeckt gut!</p><p><br /></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/d2782b857ca69f525b49e41856df0b2b_large.jpg" /><figcaption>An der Bushaltestelle </figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/9789ddcf4f9b701fdf0d33cf4ce611e8_large.jpg" /><figcaption>Neue Pagode</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8dd241f88e24c42edeaf90e2f0ce5a8f_large.jpg" /><figcaption>Reinigungsbrunnen</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/beda93a9dd551af7764411fb77200c9c_large.jpg" /><figcaption>Anleitung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/dc451ba73eeb88d04ffcc132d4dd6b96_large.jpg" /><figcaption>Tempelwächter</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2c3185fdc39f6f2c551ec2153cdc5823_large.jpg" /><figcaption>Gemein!</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/160b290584e090d392f5238518933c65_large.jpg" /><figcaption>Goldzahnmonster</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/5723e3df7e38c6203a5d555fccaf9f04_large.jpg" /><figcaption>Alte Pagode</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0a0b86629985b61aa2c336484e38fc50_large.jpg" /><figcaption>Neue Pagode</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/16kapitel-mehr-buddhismus-frittierte-austern-und-viele-menschen-am-sonntag</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/16kapitel-mehr-buddhismus-frittierte-austern-und-viele-menschen-am-sonntag</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sun, 16 Nov 2025 11:47:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8396a5b1a569ba88e32e383e76d0edda_large.jpg" /><figcaption>Das zweite Tor</figcaption></figure><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><br /></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Früh am Morgen, als sie gerade aufgemacht haben, gehe ich den großen Buddha im Todaji-Tempel besuchen, wo er mit 15m Größe als einer der riesigsten Bronze-Buddhas weltweit malerisch auf seinem Lotus-Thron sitzt. Das Internet erzählt außerdem, dass sein Gesicht etwa 5 m lang ist und die Ohren alleine 2,54m messen. Er wurde im Jahr 752 fertiggestellt und finanziert wurde das ganze durch 2,6 Millionen Spender! In der Zeit schon!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Der riesige Holztempel, in dem er zusammen mit zwei Neben-Buddhas und einigen gruselig dreinblickenden Tempelwächtern, haust, ist nach seiner Gründung mehrere Male rekonstruiert worden, zweimal total abgebrannt, so dass der arme Buddha z.B. nach 1567 ganze 120 Jahre buchstäblich im Regen stand, hat seine Form einige Male von breit nach schmal geändert und musste nach 1906, als er unter dem schweren Gewicht seines Daches schon am Zusammensacken war, völlig abgebaut und mit Stahlträgern verstärkt wieder zusammengesetzt werden, was bis 1912 dauerte. 1973 schließlich wurde das ganze Gebäude für die folgenden 7 Jahre erneut völlig eingerüstet und renoviert, weil das Dach wieder undicht geworden war und es an mehreren Stellen hereingeregnet hatte.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Von alldem ist nichts zu sehen oder zu spüren, man wägt sich in einem antiken himmelhohen Tempel mit dicken alten Holzsäulen und halsbrecherischen Dach-und Giebelkonstruktionen, alles in schönem alten Rot, aus dem 8. Jahrhundert.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Der Buddha und seine Hausgenossen sind natürlich sehr eindrucksvoll und respekteinflößend, aber was mich am meisten begeistert und jubeln lässt, ist eben dieser Raum in seiner Höhe und Weite, der so voller wunderbar genialer Handwerkskunst zeugt, dass mir der Atem stockt und das Herz lacht!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Schon das erste der beiden großen massiven Holztore, die zum Hauptgebäude führen, ist zum Weinen herrlich, ich muss immer das alte Holz ein bisschen streicheln, wenn ich an einer Tür oder einer Säule vorbeigehe.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Im Hauptgebäude selber ist ein Stand, an dem man neue Dachgiebel, die ja immer mal wieder ausgetauscht werden müssen, sponsern kann, indem man 2000yen bezahlt und dann mit Pinsel und Tintenstein (was normalerweise für Kalligraphie auf dem schönen Washi-Japanpapier benutzt wird) seinen Wunsch fürs Leben daraufpinselt, in welcher Sprache auch immer. der sehr nette Herr an diesem Schalter lässt sich dann das Handy der Maler geben und macht mit viel Liebe und Geduld ein paar Photos von Künstler und Werk, bevor er den Dachziegel dann vorsichtig an sich nimmt und zu den anderen stellt, mit denen irgendwann wieder das Dach repariert wird.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>An einem anderen Stand stempeln einige Kalligraphen den Buddha in Sammelbücher oder auf extra Paperbögen und malen dann mit Pinsel und schwarzer Tinte geschwind und geschickt, die unglaublichsten Schriftzeichen daneben. Ich könnte stundenlang zugucken und bin mir  ziemlich sicher, dass ich, wenn ich in Japan oder China auf die Welt gekommen wäre, ein Analphabet geblieben wäre.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Den Rest des Tages wollte ich dann eigentlich im Park zwischen den Rehen sitzend meinen japanischen Roman („Butter“ von Asako Yuzuki, große Empfehlung!) weiterlesen, aber dazu kam es nur sporadisch, denn es war zu interessant, Leute zu beobachten. Zum Beispiel das Paar, das seinen kleinen weißen Hund in ein Kleidchen gezwängt hatte, ihn auf einen Teppich am See setzte, mit einer Quietsche-Ente Töne machte, damit er in die richtige Richtung guckt und dann um die Wette photographierte. Danach wurde das Tierchen dann in eine Art Einkaufstasche gesteckt und davongetragen. Manche fahren ihre Hunde auch prinzipiell in einer Art Kinderwagen spazieren, wahrscheinlich, damit sie sich nicht die Füße schmutzig machen.</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Der Tag war warm, blau und sonnig und geradezu ideal für einen Photo-Termin am See und dem kleinen romantischen Holzpavillion, den ich mir als Lese-Platz ausgesucht hatte. So erschienen dann auch nacheinander mehrere Paare mit ihrem Photographen-Team, die entweder gerade geheiratet hatten oder sich jedenfalls besonders in Schale geworfen hatten, d.h. Kimono, um sich stundenlang in verschiedenen Posen  mit verschiedenen Hintergründen ablichten zu lassen, was ausgesprochen vergnüglich anzusehen war. </b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b><br /></b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Das Schönste aber war, als ich endlich meine Nase in mein Buch gesteckt hatte, als eine Gruppe junger Leute, vier Jungen und ein Mädchen erschienen und drei der Jungen das junge Paar mit vielen Witzen und Vorschlägen für Posen zu photographieren begannen, so als wären sie eben dabei, ganz normale Urlaubsphotos zu machen (ich glaube, sie waren aus Hongkong). Plötzlich hörte ich, wie alle Besucher im Pavillon anfingen zu klatschen und die junge Frau des Paares direkt hinter mir zu schluchzen begann. Als ich mich umdrehte, war sie strahlend in Tränen gebadet und guckte fassungslos auf ihren Finger, an dem ein Diamantring funkelte! Es war ganz offensichtlich eine glänzend inszenierte völlige Überraschung und wirklich geglückt!</b></p><p style="color:rgb(0, 0, 0)"><b>Der Rest des Tages war dann aber wirklich mit Buch und Rehen gefüllt, und ein bisschen Ramen.</b></p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/89d5ff5bd08f99b16b04eedfff6dfa08_large.jpg" /><figcaption>Das erste Tor</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/be6c539eed792aafebb99a267c119206_large.jpg" /><figcaption>Halsbrecherische Holzkonstruktion</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/4664453722864bb1c54439b3c5cb9d89_large.jpg" /><figcaption>15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/7d78b5d0ee87b67442a429259e8f4945_large.jpg" /><figcaption>15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b36d8f2f53c888301f9f60ffa164243a_large.jpg" /><figcaption>15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/0d7e6d9da8e655baf998baab95fffa84_large.jpg" /><figcaption>15.Kapitel: Besuch beim großen Buddha und Sonnabend Nachmittag im Park mit Live-Verlobung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b2e32efd93b7215284e9cd7705287513_large.jpg" /><figcaption>Tempelhof mit Reh</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/dfbc2b1c77638e85f691519573f6bd72_large.jpg" /><figcaption>Buddhas Hand versus meine</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/8396a5b1a569ba88e32e383e76d0edda_large.jpg" /><figcaption>Das zweite Tor</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/susanne-reist/15kapitel-besuch-beim-grossen-buddha-und-sonnabend-nachmittag-im-park-mit-live-verlobung</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/susanne-reist/15kapitel-besuch-beim-grossen-buddha-und-sonnabend-nachmittag-im-park-mit-live-verlobung</guid><dc:creator><![CDATA[susanne-reist]]></dc:creator><pubDate>Sat, 15 Nov 2025 12:46:00 GMT</pubDate></item></channel></rss>