<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:geo="http://www.w3.org/2003/01/geo/wgs84_pos#"><channel><title><![CDATA[Off Off]]></title><description><![CDATA[Vier Wochen raus. Aus dem Job, aus dem Alltag, rein ins Landleben. ]]></description><link>https://vakantio.de/off-off</link><image><url>https://img1.vakantio.de/uploads/1b462a7c3b98f9f2d6bbe32d76bb49e7_small.jpg</url><title>Off Off</title><link>https://vakantio.de/off-off</link></image><generator>Vakantio RSS</generator><lastBuildDate>Thu, 06 Aug 2026 09:18:43 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://vakantio.de/vak-service/rss/off-off.rss" rel="self" type="application/rss+xml"/><language><![CDATA[de]]></language><item><title><![CDATA[Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bd5979063ed0ae524b8d659208a79db1_large.jpg" /><figcaption>Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst</figcaption></figure><p>Moritz ist der Bruder von Max. Seit die beiden getrennt wurden, lebt Moritz auf dem Hof und erfüllt dort eine Aufgabe, die auf keinem klassischen Bauernhof fehlen darf: Hofhund sein. Natürlich gibt es auch Katzen. Vier Streuner, die ich liebevoll „Die Gang“ nenne, weil sie grundsätzlich gemeinsam auftreten, in der Sonne herumlungern oder wie kleine Dachdecker über das Gebälk Richtung Heuboden spazieren. Ob und wie sie miteinander verwandt sind, weiß niemand so genau. Namen haben sie auch keine. Katzen brauchen so etwas offenbar nicht, sie haben schließlich Personal.</p><p>Bei Moritz ist das anders. Moritz hat einen Namen, eine Geschichte und vermutlich auch ein Selbstbild. Und wie mir erzählt wurde, beginnt diese Geschichte mit einem Urlaubsflirt.</p><h2>Stammbaum mit Sommerromanze</h2><p>Vor Moritz gab es auf dem Hof eine Hündin. Sie war, sagen wir, ein wenig speziell. Der Vorbesitzer hatte sie wohl nicht besonders gut behandelt, und ihr Urvertrauen war nachhaltig beschädigt. Das hinderte sie allerdings nicht daran, mit einem amerikanischen Collie die warmen Sommernächte im Pustertal zu genießen. Und wie das bei Sommernächten im Pustertal offenbar so ist: Irgendwann waren die Feriengäste wieder weg, natürlich samt Collie. Zurück blieb die Hündin. Trächtig. Kennt man ja aus italienischen Arthouse-Filmen, nur mit mehr Heu.</p><h2>Und die Mutter?</h2><p>Ungefähr zu der Zeit, als Max und Moritz zur Welt kamen, war ein Helfer auf dem Hof. Quantenphysiker. Und ausgerechnet dieser Mann hatte einen unglaublich guten Draht zu der Hündin. Ihr Urvertrauen war, zumindest ihm gegenüber, plötzlich wieder da. Sie wich ihm nicht mehr von der Seite.</p><p>Eine solche Verbindung trennt man nicht. Also nahm er sie mit. Ohne Leine folgte sie ihm bis in seine Heimat. Per Zug. Eine Hündin, ein Quantenphysiker und die Deutsche Bahn beziehungsweise ihre italienisch-österreichische Variante: Das klingt auch nach Arthouse, aber die Realität schreibt bessere Geschichten. Max fand später eine neue Familie. Moritz blieb. Und wurde der hiesige Hofhund.</p><h2>Beschützen, bewachen, bekuschelt werden</h2><p>Wie jedes Tier auf dem Hof hat auch er eine Aufgabe. Den Hof beschützen und alles bewachen. Vor Tieren oder vor Einbrechern. Eigentlich.</p><p>Bewachen klingt nach etwas Archaischem. Nach Zähnefletschen, tiefem Knurren und einem Tier, das tagsüber nur deshalb an einer Kette liegt, weil es sonst den Paketboten samt Lieferwagen zerlegen würde. Ein Wachhund eben. Furchteinflößend. Unbestechlich. Treu. Dienst nach Vorschrift mit Reißzähnen.</p><p>Moritz interpretiert diese Stellenbeschreibung eher frei. „Das ist kein Wachhund, der hilft eher noch beim Raustragen“, meinte David irgendwann. Und was den Schutz vor wilden Tieren angeht: Vor einiger Zeit konnte ein Fuchs über zwanzig Hennen abholen. Moritz hat also offenbar verstanden, dass sein Job irgendetwas mit Besuchern zu tun hat. Nur nicht, in welche Richtung.</p><h2>Die Moritz-Methode</h2><p>Moritz ist ein Collie-Irgendwas-Mix. Nicht gerade klein, dafür aber maximal flauschig. Und das weiß er. Seine Taktik besteht deshalb nicht aus Angriff, sondern aus emotionaler Überwältigung. Sobald jemand den Hof betritt, trottet er heran, stellt sich wortlos in den Weg und wartet. Nicht auf Befehle. Auf Streicheleinheiten.</p><p>Manchmal begleitet er diese Forderung mit einer Art Schnurren. Wahrscheinlich hat er es sich bei den Katzen abgeschaut, auch wenn die wiederum gar nicht schnurren. Vielleicht ist es also weniger ein Geräusch als vielmehr ein sehr deutliches Vertragsangebot:</p><p>·       Ich blockiere.</p><p>·       Du kraulst.</p><p>·       Deal.</p><p>Zur Absicherung perfektioniert Moritz seine bewährte Einsatzstrategie:</p><p>·       Er legt sich auf Füße.</p><p>·       Er legt sich vor die Haustür.</p><p>·       Er legt sich unter das Auto.</p><p>·       Oder dahinter.</p><p>·       Er legt sich auf die Terrasse.</p><p>·       Er liegt einfach mitten im Weg.</p><p>Natürlich erschwert das den Abtransport irgendwelcher Wertgegenstände erheblich. Mit Tresor oder Klavier in der Hand steigt man nun einmal schlecht über ein riesiges Fellknäuel, das gerade beschlossen hat, Teil der Innenarchitektur zu sein. Also stellt man alles brav zurück, krault den Hund und verlässt den Hof mit leeren Händen.</p><h2>Moritz in Action. Also fast.</h2><p>Ein einziges Mal habe ich Moritz in Aktion gesehen. Scheinbar hatte er es auf die Kühe abgesehen. Plötzlich machte es „Kläff!“, die Rindviecher setzten sich auf der Weide in Bewegung und Moritz rannte vor dem Zaun hinterher. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als hätte irgendetwas tief in seinem Inneren den Hütehund-Schalter umgelegt. Herde, Instinkt, Bestimmung. Scheuchen. JUHUUU.</p><p>Oder aber, und das ist leider deutlich wahrscheinlicher: Er lag auf der Wiese, irgendetwas hat ihn gestochen, er hat gebellt und ist gleichzeitig losgerannt. Die Kühe auch, weil erschrocken.</p><p>So bleibt Moritz, was er ist: kein Wachhund im klassischen Sinne, sondern ein flauschiger Concierge. Wer den Hof betritt, wird nicht gestellt, sondern weichgekocht. Und vermutlich ist genau das sein genialer Sicherheitsplan: Niemand kann hier etwas mitgehen lassen, weil man vorher mindestens zwanzig Minuten lang diesen Hund streicheln muss.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/49285a9eca9c56b7f68a29a44332e8ec_large.jpg" /><figcaption>Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/b2bb1b3f802262f34610c6e285386135_large.jpg" /><figcaption>Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/652853499af94d4c13b744b27279276d_large.jpg" /><figcaption>Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/137e619541e4de20a91037de55730a24_large.jpg" /><figcaption>Moritz, der flauschige Sicherheitsdienst</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/moritz-der-flauschige-sicherheitsdienst</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/moritz-der-flauschige-sicherheitsdienst</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Mon, 13 Jul 2026 19:47:00 GMT</pubDate><geo:lat>46.584092733478684</geo:lat><geo:long>11.919622401757838</geo:long></item><item><title><![CDATA[Wochenende]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/53bf612343e358e8ce0c0fe8e4dc970c_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure><p><br /></p><p>Samstags ist weniger zu tun, und sonntags habe ich frei, die Zeit nutze ich für mich für einen kleinen Ausflug in ein 5.000 Seelendorf mit einem eigenen Dom und eine größere Wanderung, nicht ohne den Morgen mit einem Kaffee und Pistaziencroissants zu starten. Die sind hie ähnlich gut, wie am Gardasee. Nun ja, das Café gehört auch einem Italiener… also, einem italienischen Italiener.</p><h2>Freitag wird der Käs‘ gepflegt</h2><p>Freitags ist Pflegetag, der gesamte Käsekeller wird einmal umgedreht. Die Laiber brauchen Zuwendung und jemanden, der sich ihre Geschichten anhört. Käsetherapie, denn ein Käse ist auch nur ein Mensch.</p><p>Mit einer Salzlake und einer Bürste erhalten die Laiber ihr Styling und ihre Rinde. Einmal den Rand und die Oberfläche bürsten – bitte. Das beugt unerwünschte und übermäßige Bildung von Schimmel vor, wobei Schimmel kein Zeichen für schlechten Käse ist.</p><p>Das Ganze ist quasi ein kontrolliertes Aromatisieren, denn Käse braucht Zeit. Aroma und Würze entstehen durch Bakterien und Enzyme, die langsam Eiweiße und Fette abbauen. Auch bekommt der Käse erst dadurch seine Festigkeit. Und damit er nicht verdirbt, wird er gepflegt.</p><p>Denn durch das Wenden wird der Käse gleichmäßig fest. Mit dem Umdrehen verhindert man, dass sich Feuchtigkeit nur auf einer Seite im Inneren sammelt.</p><h2>Käsetetris</h2><p>Das alles passiert in einem Käsekeller, in dem Hunderte Käse stehen und es nach Käse riecht. Ein Traum. Ein Alptraum jedoch, wirklich jeden Käse anfassen, bürsten, umdrehen und zurücklegen zu müssen. Die Kisten und Bleche mit Käse stapeln sich. Ein Alpenkäse bringt gut 15 Kilo auf die Waage, und von denen gibt es nicht wenige. Sie liegen meist zu zweit auf großen Lochblechen, die Bleche übereinander. Käsetürme.</p><p>Darüber hinaus gibt es noch unzählige vier, zwei und ein Kilo Stücke, die in Kisten lagern. Dann heißt es Kiste runter, Käse pflegen und wenden, neuen Platz für die Kiste finden. Und dann geht es weiter mit den nächsten Kisten.</p><p>Es ist eine harte, körperliche Arbeit. Und wenn man dann bedenkt, zu welchem Preis man meint, Käse kaufen zu müssen, dann spiegelt nach dieser Erfahrung dieser Preis nicht die damit verbundene Arbeit wider.</p><h2>Es fügt sich</h2><p>Freitag bin ich nicht ganz fertig geworden. Den Rest mache ich daher Samstag Vormittag. Eine Arbeit ist erst erledigt, wenn sie erledigt ist. Der Keller gehört mir und ich erinnere mich ans „Final Destination“ in Frankfurt. Ein Kellerclub, den ich oft und gerne besucht habe. Hach, die gute alte Zeit.</p><p>Aus meinem Handy trällert die passende Begleitmusik und so langsam sortiert sich alles. Der älteste Käse wandert langsam nach vorne, die großen Käseräder haben ihren Platz und die Ziegenkäse bekommen einen eigenen Stapel. Alles fügt sich.</p><p>Spannend, was die Käse so zu erzählen haben, von welchen Wwoofern sie geformt wurden, wie sie mit der Langeweile hier unten klarkommen und wie sie sich gegenseitig Mut zusprechen, wenn es so feucht und dunkel ist.</p><p>Ich glaube, ich habe zu viel Käseduft inhaliert und bin froh, dass ich nun fertig bin und diesen Ort verlassen kann.</p><h2>Feierabend in Innichen</h2><p>Es gibt Mittag, ich dusche und fahre nach Innichen. In diesem 5.000 Seelen Dorf steht ein Dom. Zumindest wird er Dom genannt, auch wenn es hier keinen Bischof gibt. Den gab es aber früher. Also, ganz, ganz, ganz früher.</p><p>Sogar Karl der Große ist involviert, sein Cousin Tassilo von Bayern soll hier das Kloster gegründet haben, wurde später dann von Karl entmachtet und im 12. Jahrhundert haben sich die Klosterbrüder gedacht, „Eine Kirche muss her!“</p><p>12. Jahrhundert bedeutet romanisch, und deshalb steht heute in Innichen eine der bedeutendsten Stiftskirchen im Alpenraum. Und man nennt sie halt Dom, weil sie wirklich groß ist.</p><h2>Chill with a view</h2><p>Ich schlendere durch die Fußgängerzone. Wirklich pittoresk (das Wort wollte ich immer schon mal benutzen). Schaue mir das ein oder andere Geschäft an und lande in einem Café. Es gibt Aperol, Negroni und Bier. Das ist nett. Was aber wirklich toll ist, ist der Ausblick.</p><p>Ich schaue durch eine Gasse auf ein altes Haus, dahinter erstrecken sich Bäume, schneebedeckte Berge und der blaue Himmel. Ich verweile einfach, genieße mein Getränk und schreibe diese Zeilen.</p><h2>Sonntag geht’s n’aufi</h2><p>Für den Sonntag habe ich mir eine kleine Tour ausgesucht. Die Plätzwiesen rauf, und wieder runter. So langsam will ich mich ja an die Höhe gewöhnen. Im August steht schließlich Zelttrekking in Indien auf dem Plan.</p><h2>Colazione italiano</h2><p>Der Tage beginnt zeitig, bereits um sieben verlasse ich das Haus, steige in den Bus und beginne meine Suche. Meine Suche nach einem offenen Café oder einen Bäcker. Das ist hier im Pustertal und vor allem an einem Sonntag gar nicht so leicht. Die bei Google und Apple Maps als „Offen“ gezeigten Lokalitäten scheinen spontan ihre Öffnungszeiten angepasst zu haben. Oder sie haben versäumt, ihre derzeitige Renovierung anzugeben.</p><p>Ich fahre drei Geschäfte an und finde letztendlich ein Café, vor dem ein Auto der Carabinieri steht – ein gutes Zeichen.</p><p>Es ist ein italienisches Café und die Besitzer sprechen italienisch. „Prego?“ „Un Café grande, per favore.“ Zu meinem Glück gibt es frisch gebackene Cornetti, sogar mit Pistaziencreme. Ich bin im siebten Himmel und nehme gleich zwei.</p><h2>Das Brückele</h2><p>Im Pragser Tal fahre ich Richtung Plätzwiese, oder Prato Piazza, was so viel heißt wie „Rasenplatz“, auf italienisch dann doch wesentlich eleganter klingt. Da ich aber keine Rentnerrunde absolvieren möchte, parke ich am unteren Parkplatz, gelegen an einer kleinen Brücke. Das Brückele eben.</p><p>Fluchs schnüre ich meine Bergstiefel an und packe den Rucksack. Los geht’s. Geschmeidig rauf zur Plätzwiese. Nach knapp eineinhalb Stunden bin ich dort und auf 2000 Metern erwartet mich ein Restaurant.</p><h2>Ein perfekter Moment</h2><p>Die Loungemöbel sind einladend, der Blick noch einladender. Und dank Tiramisu bleibe ich, packe ich mich auf das Sofa und genieße bei strahlend blauem Himmel die Aussicht.</p><p>Sicher kennt jeder diese „No Thinking Zone“, wenn das Gehirn endlich Ruhe gibt, man keinem Gedanken mehr nachgehen muss und einfach den Moment in sich aufnehmen kann. Ungefiltert, so wie er ist. Und genau dieser Moment stellt sich gerade bei mir ein.  Nur ein kleiner Augenblick. Sehen, wahrnehmen, die innere Stille genießen. Es ist alles perfekt, es ist alles auf den Punkt, auch wenn es nur ein kleiner Augenblick ist, gedankenverloren. Dieser Augenblick ist wie einer Kernfusion. In dem Bruchteil einer Sekunde ist mein Akku komplett aufgeladen. Ich atme frei, bin einfach nur und es gibt nichts, was ich vermisse.</p><h2>Schon vorbei</h2><p>Es dauert nur kurz, denn schon plärren drei Amerikaner an mir vorbei. Nicht etwa wandernd. Sie in High Heels und er im weißen Anzug mit Lederschuhen. Dabei ist eine weitere Dame, vermutlich die Hochzeitsplanerin und sie besprechen lauthals irgendwelche Arrangements. Ich überlege, ob ich ihnen für ihre Showhochzeit alles Gute wünschen soll. Ich lasse es aber, und ziehe weiter.</p><h2>Nix besonderes mehr</h2><p>Ich steige noch ein bisschen höher, suche einen Klettergarten, den ich aber nicht finde. Laufe noch in eine Sackgasse und steige dann ab, zurück zum Auto. Ich wechsle die Klamotten, mache mir eine Packung Mac’n’Chees und genieße sie mit einer Dose Aperol bei einem fantastischen Blick. Ein gelungener Tag.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/89a7ed6e5152f6a43205538df50c2f10_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/53bf612343e358e8ce0c0fe8e4dc970c_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2cdb0ccf82d6057433e5296e621eb777_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2b937ccdc53d8873c2b25b7d07261d7d_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/790702f0b0737ddb1e7b79715e48cbf0_large.jpg" /><figcaption>Wochenende</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/wochenende-7</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/wochenende-7</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Sun, 24 May 2026 13:18:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Ziegen und Stiere]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/e025a0ca9c8e1641a4d2dbbebc6e73de_large.jpg" /><figcaption>Da guckst du</figcaption></figure><p>Milch – also echte Milch – stammt von Tieren. Meistens von Säugetieren. Wie die Menschheit im Laufe der Jahrtausende dazu gekommen ist, aus dieser Milch auch noch Käse zu machen, überlasse ich gerne den Historikern.</p><p>Mir geht es heute um Ziegen, die werden nämlich gemolken. Und um einen Stier. Den melkt man nicht – vor dem läuft man besser weg. Aber dazu später.</p><h2>Theorie und Praxis</h2><p>Damit es Milch gibt, braucht es Nachwuchs. Nur wenn Ziegen Lämmer bekommen, geben sie Milch. Allerdings produzieren sie mehr und länger Milch als die kleinen Biester zu sich nehmen wollen oder können. Also wird abgepumpt.</p><p>In der Theorie klingt es ganz einfach:</p><p>Man lockt eine bestimmte Anzahl von Tieren mit Kraftfutter in den Melkstand, fixiert sie dort und während sie futtern, schleicht man sich sie ran und zapft die Milch ab. So weit, so gut.</p><p>In der Praxis haben Ziegen aber eine eigene Vorstellung von Zusammenarbeit. Vor allem wenn sie einen nicht kennen, also mich. Und statt sich von mir in den Melkstand treiben zu lassen, gucken sie, wie Ziegen eben gucken. Kauend und unbeeindruckt. Sie lassen sich von mir nicht aus der Ruhe bringen. Melk dich doch selber.</p><h2>Ein neuer Plan</h2><p>Der Plan wird also angepasst. Zunächst sollen die Tiere in das Außengehege, von dort dann einzeln in den Melkstand.</p><p>Ich bahne mir den Weg durch die Herde im Ziegenstall zur hinteren Tür, trete hinaus und stehe knöcheltief in Ziegenkacke. Der Geruch ist überwältigend. Mir schießen Tränen in die Augen – nicht vor Rührung.</p><p>Franzi, die Tochter des Bauern, treibt die Ziegen nach draußen. Und ich schließe die Tür und verkeile sie pragmatisch mit einem großen Haufen Mist. Dann steige ich über den Zaun und stapfe zurück zum Melkstand.</p><p>Die Tür vom Melkstand geht auf. Er hat Platz für elf Tiere, elf, zwölf oder auch fünf Tiere drängen durch die Tür, wuseln sich an einen Platz und inhalieren das Futter. Ein Brett wird von oben herabgelassen und fixiert sanft die Köpfe der Tiere, die Hörner passen jetzt nicht mehr durch. Auf Augenhöhe sind jetzt elf Ziegenärsche, mehr oder weniger. Der erste Schritt ist getan.</p><h2>Das Melken</h2><p>Warum Ziegenärsche? Und warum auf Augenhöhe?</p><p>Nun ja, die Euter der Tiere hängen ungefähr zwischen den Hinterbeinen. Der kürzeste Weg an die zwei Zitzen – Ziegen haben zwei Zitzen – ist von hinten. Und damit man da gut rankommt, stehen die Tiere auf einer Empore, auf Augenhöhe eben.</p><p>Man könnte jetzt meinen, man flanscht die Melkmaschine an die Euter, wartet kurz – und der Drops ist gelutscht. Leider nein.</p><p>Zuerst werden die Zitzen mit warmem Wasser gereinigt. Schon hier zeigt sich, die ein oder andere Ziege reagiert empfindlich auf Berührungen. Sehr empfindlich. Sie sind kitzelig.</p><p>„Ohne Angst,“ raunt mir Franzi zu. Ich empfinde mein Vorgehen jedoch nicht als ängstlich, sondern als respektvoll. Es ist ja schließlich das erste Mal.</p><p>Nach der Reinigung werden die Euter „angemolken“, zwei drei Spritzer Milch holt man von Hand aus dem Euter, um – technisch gesprochen – den Durchgang zu fluten. Ich forme die Hand um die Zitze und – die Bewegung der Finger lässt sich nicht wirklich beschreiben. Tatsächlich schießt ein Strahl weißer Milch aus der Zitze. Stolz, ganz kurz.</p><h2>Saugen und Blasen</h2><p>Dann wird das Melkzeug angelegt. Ein für mich völlig rätselhafter Saug- Blasmechanismus. Beim Anlegen braucht das Ding Unterdruck, damit die Saugglocken an den Zitzen halten.</p><p>Beim Abnehmen muss der Unterdruck weg und Luft muss reingelassen werden. Sonst verletzt man womöglich das Tier beim Abziehen der Glocke. Dafür gibt es einen Knopf oder Hebel, den man entweder drücken, drehen, schieben oder ziehen muss. Die Geräte unterscheiden sich da etwas in ihrer Mechanik.      Irgendwie schaffe ich es dennoch, die Dinger dran zu dengeln und auch wieder abzubekommen.</p><h2>Kitzelige Ziegen</h2><p>Wie schon gesagt reagieren einige Tiere empfindlich. Sie zucken zusammen, treten aus oder gehen in die Hocke. Wenn sie das tun, habe ich Sorge, dass sie ihrem Stoffwechsel freien Lauf lassen, während ich hinter ihnen stehe.</p><p>„Du mußt die Tiere beruhigen,“ meint Franzi und führt meine Hand an den Euter. Haarig und warm. Dabei belassen wir es.</p><p>Nicht jedes Tier lässt sich so überzeugen. Manche treten auf die Melkschläuche und reißen sich die Glocken ab. Dann muss halt nochmal nachgesaugt werden. Keine Ziege verlässt den Stand ungemolken.</p><h2>Jetzt kommt der Stier</h2><p>Das Melken geht geschmeidig über die Bühne, knapp 50 Tiere gaben heute ihre Milch. Ich gable Heu aus der Scheune und füttere die Tiere, als Franzi mit drei Kühen und einem Stier von der Weide in den Stall kommt. Nur sollen sie wieder raus auf die Weide. Eigentlich</p><p>Denn die Viecher finden es im Stall gemütlicher. Hier ist es wärmer, man steht nicht im Regen und das Kraftfutter schmeckt auch besser als das Grünzeug draußen. Die Tiere haben keinen Grund, den Stall zu verlassen. Also treiben wir sie wieder raus. Eigentlich.</p><p>Zwischen Weide und Stall sind knapp zwanzig Meter freies Gelände. Meine Aufgabe besteht nun darin, die aus dem Stall getriebenen Tiere auf die Weide zu treiben und die zwanzig Meter zu sichern.</p><p>Jetzt stehe ich knöcheltief in Kuhkacke, halte einen alten Hexenbesen in der Hand und harre der Dinge, die da kommen.</p><h2>Zwei rein – einer raus</h2><p>Plötzlich kommen zwei Kühe und der Stier aus dem Stall. Tatsächlich laufen sie auf die Weide. Franzi hat einen Berg Heu aufgeschichtet. Überzeugungsarbeit.</p><p>Ich schließe das Band des Elektrozauns und gehe wieder in Position. Franzi holt die letzte Kuh.</p><p>Dann steht plötzlich der Stier vor mir und will ausbüxen. Todesmutig stelle ich mich in den Weg, halte den Besen quer vor mich. Mein „HEH“ oder „HOH“ oder „WEG, AUFI, HOSSA“ sind wirkungslos.</p><p>Und dann senkt das blöde Vieh seinen Kopf und beginnt, mit den Hufen zu scharren.</p><h2>Selbstaffirmation</h2><p>Ich bin kein Kuhflüsterer. Mein Wissen über Stiere stammt zumeist aus Western oder Kurzvideos von irgendwelchen Stierkämpfen – die lustigsten Videos der Welt.</p><p>Ich glaube allerdings zu wissen, dass die Körpersprache des Tieres kein wirklich gutes Zeichen ist – also für mich, der hier gerade vor ihm steht.</p><p>Wo bleibt Franzi? Keine Ahnung. Das Tier donnert nun auch noch seinen Kopf gegen die Scheune. Oh ja, ich habe Respekt und wünschte, der Besen in meiner Hand wäre aus Harry Potter.</p><p>„Ohne Angst,“ erinnere ich mich vom Ziegenmelken. OK, „Ohne Angst!“ sage ich zu mir selbst. Einmal, zweimal. Nichts passiert. Dreimal. Der Stier brüllt. Es will nicht wirken.</p><p>Ein ausgewachsener Stier ist nämlich, rein objektiv, ein gutes Stück größer als ich. Und die Vorstellung, dass eine Tonnen Rindfleisch mit Tempo X auf meinen Körper Y zudonnert, klingt weniger nach Matheaufgabe, sondern eher nach Notaufnahme. Ich halte den Besen fester. Und er schubst mich.</p><h2>Strategiewechsel</h2><p>Konfuzius sagt: „Konsens statt Konfrontation.“ Und selbst wenn es kein Zitat von ihm ist, das ist meine neue Strategie. Ich lege den Besen aus der Hand und spreche dem Tier gut zu. Beruhigende Worte, Kopf Kraulen, Stirn tätscheln.</p><p>Tatsächlich beruhigt sich der Stier. Und urplötzlich lässt er mich links liegen und trottet in den Stall. Jetzt erst ist der Moment in dem ich gefühlt wieder beginne zu atmen. Herzschlag ist auch wieder da. Alles gut.</p><h2>Die Rettung</h2><p>Zum Glück kommt David, der Bauer, und regelt alles. Er ist nicht zimperlich, auch oder gerade nicht mit dem Stier. „Dann bleiben’s halt im Stall. I treib’s morg’n wida n’aus!“ Hätten wir ja auch draufkommen können.</p><p>Ich erzähle ihm von meinem Tête-a-tête mit dem Stier. Er lächelt nur und meint „Joa, der is‘ gerade a bissl übermütig. Is halt Frühling.“ </p><p>Schön für ihn.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/844c2a21b1b4d4613eddbb2008327a75_large.jpg" /><figcaption>Beruhigende Massage</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/e93b277cabbf40d2582b3b1a9d90bcea_large.jpg" /><figcaption>So sind sie ja noch niedlich</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/bcd299b366346f418fd4cbd2a296eedd_large.jpg" /><figcaption>Aber so…</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/ziegen-und-stiere</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/ziegen-und-stiere</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Sun, 17 May 2026 15:00:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Reminder]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a0d0b58b2f31ad01da099d78f9b08358_large.jpg" /><figcaption>Schaut gut aus</figcaption></figure><p>„Hallo, dies ist eine kurze Erinnerung. Dein bestätigter WWOOF-Aufenthalt beginnt bald.“ Ich freue mich wie ein kleines Kind, als ich die Nachricht in meinem Postfach sehe. Nur noch wenige Tage. „Bitte kontaktiere deinen Gastgeber und stimme mit ihm die weiteren Details ab.“</p><p>Diese Anfänger, das habe ich schon längst erledigt. Bereits Tage vor dieser Nachricht habe ich geschrieben, wie sehr ich mich freue, wann ich aufschlagen soll und ob es irgendetwas gibt, was ich noch mitbringen muss.</p><p>Die Antwort kam unvermindert, dass auch sie sich freuen und ich solle an dem Tag einfach ankommen, dann gibt es eine erste kleine Einweisung. Und auf jeden Fall brauche ich Gummistiefel.</p><h2>Gummistiefel</h2><p>Gummistiefel? Da war doch was! Ich erinnere mich an meine Kindheit. Urlaub auf dem Bauernhof, in Bayern, in einem verschlafenen Nest. Damals gab es dort keine Pommes und ich habe mich zwei Wochen lang von Leberkäse mit Spiegelei und Bratkartoffeln ernährt. </p><p>Jedenfalls hatte der Hof einen kleinen Stall, und natürlich auch Kühe, wie der, zu dem ich reisen werde. Und damals hatte ich keine Gummistiefel dabei.</p><p>Mein Bruder und ich fanden es gar nicht so schlimm, auch mal in sommerlichen Sandalen durch den Stall zu laufen. Zumindest solange wir „auf den Wegen“ blieben un nicht hinter die Kühe getreten sind. Da hätte ich mir Gummistiefel gewünscht. </p><p>„Gummistiefel machen also durchaus Sinn,“ denke ich mir heute, denn ich gehe einfach mal davon aus, dass ich mich in den vier Wochen nicht nur vor den Paarhufern aufhalten werde.</p><p>Bekräftigt werde ich auch, wenn ich an meinen Vater denke. Er musste damals nämlich noch vor dem Frühstück spontan bei einer Kalbung mithelfen. Er hatte keine Gummistiefel und ich glaube, wir sind dann neue Schuhe kaufen gegangen. </p><p>Und auch sonst wollte er an diesem Tag weder etwas von seinem Erlebnis erzählen noch irgendetwas essen. Also. Gummistiefel!</p><h2>Handwerklich nicht ungeschickt</h2><p>Nach der ersten Freude über die Nachricht stolpere ich über einen kleinen Satz: „Da du geschrieben hast, dass du handwerklich begabt bist, habe ich schon eine Aufgabe…“</p><p>Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Leichtsinnigerweise habe ich in meiner „Bewerbung“ erwähnt, dass ich handwerklich nicht ganz ungeschickt bin. Tapezieren, streichen, Boden verlegen, Fliesen kleben, Lampen anbringen, sowas halt.</p><p>Auch die Instandsetzung meiner Vespa, damals, der Ausbau meines ersten Campervans vor ein paar Jahren, sowie mein Interesse am Werken und Tüfteln ließen mich diesen kleinen Nebensatz todesmutig formulieren. Zumal mir nicht nur einmal bereits der Beinamen „MacGyver“ verliehen hatte. Und eine Kundenkarte vom Baumarkt habe ich ja auch.</p><p>Doch diesen kleinen Satz male ich mir in buntesten Farben aus. Aufgaben. Was mag das sein? Unwillkürlich denke ich an eine Renovierung eines Rusticos, dem Verlegen von Abwasserkanälen oder dem Aufstemmen einer Wand, um neue Leitungen oder Kabel zu verlegen. Ob ein Dach gedeckt werden muss? Die Sickergrube entleert? Oder ein neuer Stall gebaut soll? Ich bin verunsichert.</p><p>Ich atme das einfach weg. Meine lebendige Phantasie. Es wird sich schon ergeben. Und im Zweifel gucke ich mir einfach ein Tutorial an, dann klappt das schon. Auf diese Weise habe ich schon eine Gitarre gebaut.</p><h2>Weiße Kleidung</h2><p>Erleichtert lese ich zudem, dass ich weiße Kleidung für das Käsen mitbringen soll. Weiße Kleidung… Das stellt mich vor eine Herausforderung. Sozialisiert wurde ich eher auf dem anderen Ende der Farbskala. Also schwarz, mit Spuren von grau. OK, im Sommer darf es dann auch mal ein buntes Surfer-Shirt sein. Und auch sind noch blaue Hemden aus meiner Vergangenheit in einer Bank vorhanden. Aber weiss?</p><p>Das schreit nach einem Einsatz meiner Kreditkarte, und bei Negroni und Pommes finde ich in dem ein oder anderen Laden das, was ich glaube zu brauchen. Ausgestattet mit meinen Errungenschaften könnte ich eine Woche etwas Weißes tragen.</p><p>Jedenfalls bin ich bereit. Die Vorfreude wächst, am Wochenende werden die Gummistiefel auf Hochglanz poliert und mein innerer MacGyver freut sich auf alles, was kommt.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/1ac48b2f55688a5651769148cc77d3a0_large.jpg" /><figcaption>Schwere Entscheidung</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/f480c60525b0f14fabd7c7514994e9bc_large.jpg" /><figcaption>So oder so ähnlich könnte es werden</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/reminder</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/reminder</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Fri, 08 May 2026 17:37:00 GMT</pubDate><geo:lat>48.3705449</geo:lat><geo:long>10.89779</geo:long></item><item><title><![CDATA[Der erste Tag]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ed28e4a9ba26693f73be2dbad48cb380_large.jpg" /><figcaption>Roadtrip</figcaption></figure><p>Man sagt ja, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Nun, der Anfang ist gemacht und ich befinde mich auf dem Weg in meine vierwöchige Auszeit. Und der Zauber? Käsesauna. Mehr dazu aber später…</p><h2>Entspannte Anreise</h2><p>Ich habe mir für die Anreise zwei Tage gegönnt. Mit 78 PS fährt es sich nicht so schnell und wenn die Navi App vier Stunden anzeigt, dann weiß ich bereits aus Erfahrung, dass ich mit meinem Van etwa sechs Stunden brauchen werde. Und ich hatte keine Lust, spät in der Nacht anzukommen.</p><p>Nach der Arbeit und der letzten Übergabe ging es dann los. Am Achensee dann die Übernachtung und es fühlte sich alles so surreal an.</p><h2>Surreal</h2><p>Surreal? Warum das denn? Mit dem Start dieser Auszeit war ja einiges an Vorbereitung verbunden. Ich habe meine Themen auf der Arbeit sortiert, vorbereitet und im Team verteilt. Alles abgegeben. Meine Vorgesetzte gebrieft, Kolleginnen und Kollegen eingespannt, Geschäftspartner informiert. Das Ganze hat zwei Wochen gedauert, und ich war zum Teil erschlagen von der Fülle und der Komplexität der Themen. Im Grunde werde ich für das, was ich für gewöhnlich so tue, gefühlt viel zu gering bezahlt.</p><p>Mit der Abfahrt und der Nacht am Achensee ist das nun alles weg. Nur wenige Stunden nach Feierabend befinde ich mich gefühlt in einer anderen Welt, in einem anderen Zustand. Und surreal ist es, weil es zum einen unglaublich befreiend ist, alle seine Themen abgegeben zu haben. Denn jetzt ist es im Grunde egal, ob ich wiederkomme oder nicht. Auf der anderen Seite aber auch total befremdlich.</p><h2>Befremdlich? Wieso das?</h2><p>Es ist ja so, dass man als wohl sozialisierter Westeuropäer einen Teil seiner Identität über die berufliche Tätigkeit definiert. Kann man wenig dran machen, so wurde man halt sozialisiert. Und jetzt ist das weg. Wodurch ersetzt man das? Keine Ahnung, wird sich zeigen. Und ich muss das ganze noch für mich einordnen.</p><p>Mit diesen Gedanken fahre ich nun weiter an den Ort, an dem ich die nächsten vier Wochen meines Lebens verbringen werde. Nach Prags im Pustertal.</p><h2>Ankunft im Mittendrin</h2><p>Über Innsbruck und den Brenner geht es bis nach Brixen, dann nach Bruneck und dann verteilt sich die Straße ins Pustertal. Gegen 10:30 parke ich meinen Bus auf dem Hof und werde als erstes überschwänglich von Moritz, dem Hofhund begrüßt. Zwei Mädels im Käserei-Outfit begrüßen mich direkt im Anschluss. Einer Wwooferin aus Israel, die mit ihrer Partnerin hier wwooft und die Tochter der Eigentümer. Es gibt eine kurze Einweisung, ihr Bruder kommt, ich bekomme ein Zimmer und packe erstmal mit an, den gerade gelieferten Eisschrank in den Keller zu bringen. Zusammen mit der anderen Wwooferin. Mittendrin statt nur dabei.</p><h2>Ab in die Käsesauna</h2><p>Dann wird gegessen, gemeinsam, am großen Tisch. Im Anschluss heißt es, in die Käse Klamotten und ab in die Käserei. Es folgt eine kurze Erklärung, der Käse muss in die Formen. Klar? Klar!</p><p>Ich trete ein und bin erschlagen. Es ist unglaublich warm hier. Kein Wunder. Die Milch wird auf Temperatur gebracht und der Käse braucht ein bisschen an „Klima“.</p><p>Aus einem riesigen Bottich schöpfe ich Molke und den Käsebruch auf einen riesigen Edelstahltisch, in dem die Käseformen stehen. Irgendwas ist wohl bei der Verkäsung oder wie das heißt, schief gegangen. Jedenfalls sind die Brocken zu groß. Ließen sich nicht gut schneiden und jetzt muss das trotzdem da rein.</p><h2>Aus den Vollen schöpfen</h2><p>Gesagt, getan. Ich schöpfe und schöpfe, verteile den Bruch auf die Formen. Tauche tief mit den Armen in die wohl temperierte Molke und hole den Bruch raus. Im Raum sind es gefühlte 80°C und einer Luftfeuchtigkeit von 100%, denn der werdende Käse mag es gerne warm. Eine Käsesauna.</p><p>Am Ende sind 850 Liter Milch verarbeitet und auf dem Tisch liegt das Werk meines ersten Tages, doch fertig sind wir noch lange nicht.</p><p>Mit heißem Wasser wird alles abgespült, Bottich, Werkzeuge und Milchschläuche gereinigt. Die Saune bekommt einen Aufguss, die Luftfeuchtigkeit steigt auf 200% und ich schwitze aus allen Poren. Jetzt verstehe ich auch, wozu die Gummistiefel gebraucht werden. Eben hierfür, denn ich stehe bis zu den Knöcheln in Molke, Wasser und Reinigungslauge.</p><h2>Ausklang</h2><p>Geschafft, aber zufrieden gehe ich in mein Zimmer. Streife mir die vom Schweiß durchnässten Klamotten ab, schaue in den Spiegel und lächle zufrieden. Ein seichter Einstieg. In etwa so, als würde man einfach ins kalte Wasser springen. Nur dass es hier eine heiße Käserei war. Ich bin fix und fertig, denn damit hätte ich nicht gerechnet. Und ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr so gut geschlafen, wie in dieser ersten Nacht.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/ed28e4a9ba26693f73be2dbad48cb380_large.jpg" /><figcaption>Roadtrip</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/362d248242082564da5957f95c75ca01_large.jpg" /><figcaption>Fesch</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/2def1cd960d50b3331bc533a664e2bdd_large.jpg" /><figcaption>Da liegen 850 Liter Milch rum</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/22182a36852df3a7f7335b6889af07b4_large.jpg" /><figcaption>Und so schaut er dann aus im Hofladen</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/der-erste-tag-20</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/der-erste-tag-20</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Fri, 15 May 2026 20:24:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Und was ist mit Holger?]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/511c31f838d7e26226c5b16ab1020b8e_large.jpg" /><figcaption>Und was ist mit Holger?</figcaption></figure><p>Strafende Blicke treffen mich und mir läuft es kalt den Rücken herunter. Morgen geht es los: Der Bus ist getankt, geladen und nach den letzten Stunden Arbeit schwinge ich mich auf die Straße.</p><p>Etwa vier Stunden Fahrt liegen vor mir. Mit 78 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h – bergab und bei Rückenwind – rechne ich allerdings mit gut fünf Stunden. Und dann beginnen vier Wochen Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof.</p><p>Holger habe ich jedoch bei der ganzen Vorbereitung und Vorfreude vergessen. Der Arme. Und jetzt, wo es so weit ist, schaue ich ihn an und denke mir: „Was mache ich nur mit Holger?“</p><h2>Kein Platz für Tiere</h2><p>Ich wohne allein und bin normalerweise viel unterwegs. Mein Leben verteilt sich irgendwie quer durch Deutschland. Da habe ich für Katze oder Hund weder Platz noch Zeit, ihnen gerecht werden zu können.</p><p>Auch nicht für irgendetwas, was in Glaskästen, Käfigen oder Volieren gehalten wird - Amphibien, Fische, Vögel oder Chinchillas. Wobei Chinchillas schon richtig, RICHTIG süß sind - AWWWWWW.</p><h2>Wer ist eigentlich Holger?</h2><p>Vor etwa einem halben Jahr lief mir Holger über den Weg. Ganz ausgetrocknet war er, eingefallen, ausgemergelt. In einem Baumarkt. Ich hatte Mitleid und habe lange überlegt. Letztlich habe ich ihn eingepackt und ihm ein neues Zuhause gegeben. Etwas Lebendiges, so dachte ich, kann bei mir zu Hause nicht schaden. Und Zimmerpflanzen sollen ja sogar das Raumklima verbessern.</p><p>Es gab noch einen schicken Übertopf, ein bisschen Dünger, und innerhalb kürzester Zeit war Holger wieder aufgepäppelt. Seitdem erfreue ich mich an einer grün blühenden Pracht, die mich - trotz aller Ignoranz und einer bemitleidenswerten Gießdisziplin - mit immer neuen Trieben erfreut.</p><h2>Holger muss mit</h2><p>Nun hat sich Holger so sehr bemüht. Wäre es da nicht gemein, ihn vier Wochen hier alleine in der Wohnung zu lassen? Ohne Wasser? Ohne mich? Nein, das geht nicht. Nicht nach allem, was er durchgemacht hat.</p><p>In den letzten Monaten hat er sich schließlich mächtig ins Zeug gelegt, und irgendwie ist mir der kleine Racker auch ans Herz gewachsen. Ist ja auch ein Gewächs. Also, ich nehme ihn einfach mit. Wenn ein Dackel mit an den Gardasee kann, dann kann Holger auch mit im Bus nach Südtirol. Jet Set Holger.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/581cc091e2840dfd67663191bba8c180_large.jpg" /><figcaption>Und was ist mit Holger?</figcaption></figure><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/511c31f838d7e26226c5b16ab1020b8e_large.jpg" /><figcaption>Und was ist mit Holger?</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/und-was-ist-mit-holger</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/und-was-ist-mit-holger</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Wed, 13 May 2026 18:37:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Einfach Raus]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/a46086239336f230435f0c25df282599_large.jpg" /><figcaption>Käse geht immer</figcaption></figure><p>„Copilot? Hol mich hier raus!“ KI ist super. Man kann sie alles fragen, in einen Dialog mit ihr treten, Wissen ergründen, sich austauschen. Und das auf Augenhöhe. Erst neulich prangte auf der „Psychologie heute“ ein Titelbild mit „KI – Coach, Therapeut, Freund?“.</p><p>Ich gehe nicht so weit, doch KI ist ein nützliches Instrument, den eigenen Horizont in für sich passenden Schritten zu erweitern. Und in einer meinen viel zu häufigen Sinnkrisen fragte ich dann dieses Konstrukt aus Algorithmen und Large Language Models, was ich tun könnte, um hier rauszukommen.</p><p>Wer Kennt es nicht? Aufstehen, zur Arbeit, Dinge tun, Präsentationen feilen, Meetings überleben, die eine E-Mail hätten sein können, Erfolge verkaufen, Misserfolge als Erfolge titulieren und immer so tun, als wäre man erfolgreich. Man nennt es auch Hamsterrad, das von innen so aussieht wie eine Karriereleiter.</p><p>Genau davon brauch ich eine Pause. Vom Alltag, vom Leben, wie es ist. Und das alles kann ich, ohne Bewertung, einer KI erzählen. Sie stellt sich verständnisvoll, fragt nach, wo meine Interessen liegen und wirft etwas aus: WWOOOF.</p><h2>WTF ist WWOOF?</h2><p>Nie gehört, ich klicke den Link. <a href="https://wwoof.de/de/">WWOOF</a> klingt nach einer Abkürzung. Ist es dann auch. Doch dahinter steckt eine ziemlich geniale Idee.</p><p>World Wide Opportunities for Organic Farming. Arbeiten auf Biohöfen, dafür gibt’s Unterkunft, Essen und jede Menge neue Erfahrungen. Und das weltweit. Ich registriere mich für Bella Italia. Warum? Weil Gott vielleicht in Frankreich lebt, aber zum Essen fährt er immer nach Italien.</p><p>Ich registriere mich also für Italien. Die 40 EUR sind gut investiert, habe schon höhere Beträge für weniger Zweck aus dem Fenster geworfen. Parktickets zum Beispiel, braucht kein Mensch, oder den Rundfunkbeitrag. Der Beitrag verspricht deutlich mehr Nervenkitzel.</p><p>Ich stöbere italienische Höfe und scrolle mich durch die Inserate. Es gibt Communities, die die alten Höfe wieder aufbauen. Projekte, um Selbstversorgung zu lernen. Auch „Family Live“ als Au Pair und Bauernhöfe.</p><h2>WWOOFen auf dem Bauernhof</h2><p>Bauernhof, das klingt nach Mist, dreckigen Händen, Rindern, Ziegen, Käse. MEGA! Genau die Kombi, die mich anspricht. Ich schreibe drei Höfe an, einer antwortet prompt und „Ci sto!“.</p><p>Das war im November, da war alles noch so weit weg. Und jetzt? In 14 Tagen ist es so weit, dass ich mich in meinen Bus schwinge und vier Wochen raus bin. Südtirol. Raus aus meinem Alltag, rein in eine komplett andere Realität. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Landwirtschaft wirkt heute ja so fern, liegt ja alles im Supermarkt bereit. Dabei ist das doch die Grundlage unserer Nahrung. </p><p>Ich will wieder verstehen, wie das geht. Und Käse herstellen. Das hat mich schon immer interessiert, denn was ist besser als Käse? Mehr Käse. Ziegen und Rinder melken, Tiere versorgen und irgendwie wieder einen Bezug dazu bekommen. Vor allem zur Arbeit, die dahintersteckt. Nicht in den üblichen Zyklen von Montag bis Freitag, von neun bis fünf denken, denn die Viecher brauchen auch am Wochenende eine Versorgung. Ich bin voller Vorfreude und das erste Mal seit langem so richtig aufgeregt.</p><figure><img src="https://img1.vakantio.de/uploads/9ff9f129eb49ec2b51f0f56b2bf77da9_large.jpg" /><figcaption>Das war 2022, viel zu lange her.</figcaption></figure>]]></description><link>https://vakantio.de/off-off/einfach-raus</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/off-off/einfach-raus</guid><dc:creator><![CDATA[Off Off]]></dc:creator><pubDate>Thu, 30 Apr 2026 19:42:00 GMT</pubDate><geo:lat>48.3705449</geo:lat><geo:long>10.89779</geo:long></item></channel></rss>