<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0"><channel><title><![CDATA[footballutopia]]></title><description><![CDATA[footballutopia]]></description><link>https://vakantio.de/footballutopia</link><image><url>https://vakantio.de/uploads/794ae89edacf07732877c43d48cfbea0_small.jpg</url><title>footballutopia</title><link>https://vakantio.de/footballutopia</link></image><generator>Vakantio RSS</generator><lastBuildDate>Fri, 07 Aug 2026 00:41:03 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://vakantio.de/vak-service/rss/footballutopia.rss" rel="self" type="application/rss+xml"/><language><![CDATA[de]]></language><item><title><![CDATA[Fußballtaktik History Special (warum der König auch mal aufgrund des Königs Willen geopfert wurde)]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://vakantio.de/uploads/ede7fca43d1479ce9f17f136241f3175_large.jpg" /><figcaption>Fußballtaktik History Special (warum der König auch mal aufgrund des Königs Willen geopfert wurde)</figcaption></figure>  <p>Fußball ist eigentlich etwas sehr simples. Es gibt einen Ball, dieser liegt zunächst einmal auf dem Boden und du kannst mit ihm eigentlich machen, was du willst. Nur in die Hand nehmen darfst du ihn nicht, und falls dich jemand fragt, ob er auch mal damit spielen darf, darfst du ihm zwar mit dem Ball vor den Füßen davon rennen, nur schubsen oder treten darfst du ihn nicht. Klingt nach dem simpelsten Spiel der Welt, eigentlich simpel genug für jeden Fünfjährigen.</p>  <p>Und dennoch gibt es unzählige Bücher, die das Phänomen Fußball behandeln, wie das Beherrschen eines Instruments auf höchstem Niveau oder dem geniehaften Wissen eines Schachmeisters, der dir erklärt, warum du mit Sicherheit in zwölf Zügen matt bist, nur weil er grade fernab vom gegnerischen König seinen Randbauern von A1 nach A2 geschoben hat.</p>  <p>Hier wären wir bei der nächsten Gemeinsamkeit zum Schachspiel. Denn auch beim Fußball gibt es ein Ziel. Nur ist der gegnerische König in diesem Fall das Tor. Da muss der Ball irgendwie rein, was umso leichter wird je näher man dran ist und je weniger Leute im Weg stehen.</p>  <p>Letzte kleine Anmerkung: Es gibt übrigens nur einen Ball, das heißt geteilt wird nicht, zumindest nicht wenn es um das lederne Rund geht.</p>  <p>So simpel - und dennoch strömen jedes Wochenende im Schnitt rund 30.000 bis 40.000 Menschen in Fußballstadien, selbst in die Stadien kleinerer Orten wie Sandhausen, Heidenheim oder Hoffenheim, obgleich diese Orte weder eine traditionsreiche Geschichte haben noch eine besonders hohe Einwohnerzahl.</p>  <p>Wo also liegt die Faszination? Und vor allem wo (neben Fitness, Athletik, Geschwindigkeit, Mentalität und Zielgenauigkeit) liegt die Essenz hinter der erfolgreichen Arbeit eines Teams - eben jene Formel, die das Zuschauen von Mannschaften wie Manchester City, FC Bayern oder Real Madrid für den Fan zum Teil so faszinierend macht, dass einem beim Zuschauen fast schwindelig wird?</p>  <p>Im Folgenden möchte ich zunächst einmal auf die Geschichte von dem eingehen, was sich heute Fußballtaktik nennt. Denn natürlich beruht jede Kunstform, und nichts anderes ist Fußballtaktik, auf eine Entwicklung, der eine Geschichte zugrunde liegt. Eine Geschichte in die alles mit einströmt, was Menschen bewegt: Tradition, Trends, wie natürlich auch Dinge neben dem Platz wie Gesellschaft und Politik.</p>  <p>Insbesondere hier sind mir beim Durchwälzen unzähliger Spielberichte, wie auch intensivem Analysieren vergangener Spiele mehr und mehr Parallelen zwischen Fußballtaktik und politischen Strömungen, zum Teil sogar Ideologien, aufgefallen und damit eine weitere Parallele zu Musik, Literatur und bildender Kunst.</p>  <p>Zunächst einmal gibt es mittlerweile Beweise, dass es Vorläufer des Fußballs schon weit vor dem 19. Jahrhundert gab. Natürlich waren zu dem Zeitpunkt noch keine klaren Regeln erkennbar und so manchem archäologischen Fund kann man entnehmen, dass man (zum Beispiel bei den Azteken, wo auch mal die Köpfe von getöteten Menschen oder Tieren als Ball verwendet wurden) hier auch durchaus mal kreativ war, was die Wahl des Spielgeräts angeht.</p>


  <p>Die ersten, die schließlich ein wenig Struktur in diesen Sport gebracht haben, waren die Engländer. Sie brachten mit ihren Regeln überhaupt erst einmal den Grundstein für die Regeln auf die heutzutage ein Fußballspiel beruht und sorgten damit auch für den Grundstein für Fußballtaktik in seiner heutigen Form.</p>  <p>Denn wie in jedem anderen Spiel auch, sind Regeln die Grundlagen jeder Taktik, beziehungsweise Taktik das Nutzbarmachen von Regeln, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Man könnte auch sagen: Taktik sind all diejenigen Tricks, die sich eine Einzelperson, eine Mannschaft oder ein Trainer ausdenken kann, um den Gegner zu verwirren, zu täuschen oder sogar mit etwas Neuartigem auf jenen Regeln beruhendem völlig zu überrumpeln.</p>  <p>Wobei es laut Carl von Clausewitz, einem Militärhistoriker, nochmal einen entscheidenden Unterschied gibt zwischen Strategie, im Fußball heute vorwiegend Philosophie oder System genannt, und Taktik. Die Strategie beinhaltet - auf den Fußball bezogen - einen bestimmten Spielstil, z.B. spiele ich eher offensiv oder defensiv, die Taktik hingegen z.B. die Frage: Spiele ich ein 4-4-2 mit einer klar defensiv ausgerichteten Abwehrkette oder ein 5-4-1 mit einem klaren Stoßstürmer und zwei nach vorne arbeitenden Außenverteidigern.</p>  <p>Diese Formen von Taktik entwickelten sich schließlich noch einmal entscheidend weiter als als erste große Revolution in der Geschichte der Fußballtaktik die Abseitsregel ins Leben gerufen wurde. Ab hier waren Mannschaften gezwungen in ihren defensiven Reihen “kompakt” zu stehen, was bedeutet, dass der Abstand zwischen dem letzten und vorletzten Feldspieler möglichst gering sein musste, um den gegnerischen Stürmer entweder mit mindestens 2 Mann verteidigen zu können oder ihn in die verbotene Abseitszone hinter dem letzten Mann laufen zu lassen.</p>  <p>Bei dem Verständnis von der Geschichte der Taktik muss einem klar sein, dass Fußball zunächst einmal ein Einzelkämpfersport war - ein Sport, wo jeder zeigen wollte, wie stark er ist, wie schnell er ist und wie gut er dribbeln kann.</p>  <p>Dieser Philosophie liegen somit auch im Großen und Ganzen die ersten Aufstellungen Ende des 19. Jahrhunderts zugrunde: Meist war hier ausschließlich ein Torwart, ein Feldspieler hinten, der ein bisschen aufpasst, dass kein Gegner zu leicht zum Abschluss kommt, und eventuell noch einer im defensiven Mittelfeld für die Verteidigung des eigenen Tors zuständig.</p><p>Der Rest hingegen war ausschließlich dazu da, sobald der Torwart den Ball nach vorne gedroschen hatte, möglichst schnell hinterher zu rennen und den Ball mit möglichst viel Überzahl ins gegnerische Tor zu bugsieren. </p><p>Taktisch würde man diese Aufstellung ein 1-1-8 bezeichnen, oder wie es die Engländer auch nannten: “Kick & Rush.”</p>  <p>Dies war zunächst die Taktik, die die Engländer im ersten bis heute überlieferten Länderspiel gegen Schottland im Jahre 1872 verwendeten. Die Schotten hatten zu dem Zeitpunkt allerdings schon den sogenannten "Schottischen Flachpass" im Repertoire. Dies war natürlich kein Pass wie wir ihn heute kennen, hoch oder in einen Raum gespielt, in den der Mitspieler zeitgleich hinein rennt (von ganzen Passstafetten ganz zu schweigen) sondern hieß für den Spieler einzig und allein: Man darf den Ball auch gerne mal bewusst an einen Mitspieler abgeben, sollte dieser grade besser stehen.</p>  <p>Erst später, um 1880 herum, entwickelte sich die sogenannte Pyramidenformation, 2 Verteidiger, 3 Mittelfeldspieler (damals Läufer genannt) und 5 Angreifer: ein 2-3-5, auf einer Taktiktafel eben eine Pyramide, die auf dem Kopf steht. (Wichtig: Der Torwart ist bei jeder Formation nicht mit eingerechnet, etwas, was sich bis heute so gehalten hat).</p>  <p>Schon damals wurden die Mittelläufer dafür eingesetzt mit Hilfe der 5 Stürmer irgendwo auf dem Feld Überzahl zu erzeugen, die die verteidigenden Teams dann oft gemeinsam mit den 3 Mittelfeldspielern und den 2 Verteidigern verteidigten, woraus sich dann (beim anschließenden Nach-Vorne-Rücken des ballführenden Mittelläufers) ein 6 gegen 5 ergab.</p>  <p>Erst um 1925 herum kam schließlich Herbert Chapman ins Spiel, der auch der erste Trainer war, der eine Taktiktafel zum Einstudieren von taktischen Kniffen und Formationen verwendete. Dieser war damals bei Arsenal London tätig. Chapman ging noch einen Schritt weiter und zog den Mittelläufer, wie auch den 2. und den 4. der 5 Stürmer ein Stück nach hinten, so dass am Ende ein sogenanntes 3-2-2-3-System herauskam, was auf einer Taktiktafel ein W und ein M ergibt. Dieses System nennt man WM-System (was übrigens nichts mit Weltmeisterschaften zu tun hat) und gilt bis heute als das erste moderne Taktiksystem, welches professionelle Fußballmannschaften auf internationalem Niveau verwenden.</p>  <p>Auffällig war, dass es im Fußball schon damals auf der britischen Insel einem permanenten Kampf zwischen Trainern und Journalisten, beziehungsweise ersten Fangruppierungen gab. Die Trainer versuchten mehr und mehr Fußball durchdachter und taktischer zu denken, während die Fans, insbesondere die Journalisten, einer permanenten Angst unterlagen, der Sport Fußball könne mit zu vielen taktischen Eingriffen auf lange Sicht immer defensiver und damit unattraktiver werden.</p>  <p>Hier ergab sich in der Geschichte der erste Konflikt zwischen Fußball als taktische Kunstform und Fußball als reines Entertainment. Denn so wie Fußball in Großbritannien fortwährend Popularität erreichte, so wurde er auch rasch im Eventkontext verwendet, nicht selten auch mal für politische Ansprachen oder andere Veranstaltungen, wo es einzig und allein um die Attraktivität eines Events ging. Und Attraktivität hieß in dem Fall noch bis in die 20er Jahre: Nicht zu viel Ballbesitz, sondern Kampf, Adrenalin, Athletik und vor allem - viele Tore.</p>  <p>In dieser Zeit bekam der Fußball auch seinen bis dahin größten Aufschwung in der Geschichte. So fand ein Fußballspiel 1915 herum noch vor maximal 6.000 Zuschauern statt, 1920 waren es hingegen schon 35.000, beziehungsweise hatten erste Verbände schon bis zu 750.000 Mitglieder. Der Fußball hatte sich also (zunächst einmal in England, dann aber auch rasch auf dem Festland) als Volkssport etabliert.</p>  <p>Insbesondere in Österreich-Ungarn fand der Fußball auch beim Bürgertum und in der Oberschicht großen Anklang und so wie über Dichtkunst und Politik diskutiert wurde, sah man um 1930 herum nicht selten unzählige Studenten in den Wiener Kaffeehäusern über Fußball diskutieren, fasziniert von diesem zu der Zeit auf dem europäischen Festland noch so vollkommen unbekannten Sport - ein Sport, der so anders schien als reiner Kraftsport - ein Sport, der eben nicht die Kraft des Einzelnen darstellte, sondern die einer Gemeinschaft - einer gemeinsamen durchdachten Mission für ein bestimmtes Ziel.</p><p>Taktisch entwickelten sich hier die Anfänge der sogenannten Donauschule, dem Vorläufer des heutigen Ballbesitzfußballs. Diese Philosophie beruhte schlussendlich einfach formuliert auf dem Kernsatz: „Hat die eigene Mannschaft den Ball, kann die gegnerische Mannschaft logischerweise kein Tor schießen.“ Somit war es nicht mehr entscheidend, möglichst schnell in den gegnerischen Strafraum zu kommen, mit der Gefahr den Ball zu verlieren, sondern den Ball immer möglichst klug zu zirkulieren, fern vom Gegner zu halten, um dann im richtigen Moment zum Torerfolg zu kommen.</p>  <p>Ein Anfang der 30er stattgefundenes Länderspiel zwischen Österreich und Schottland, welches in einem 5 zu 0 endete, gilt heute als die erste Wachablösung des „Kick & Rush“ durch den Ballbesitzfußball, und damit als ein historischer Wendepunkt in Sachen Fußballtaktik. Noch dazu war dieses Spiel auch der Beginn der falschen 9.</p>  <p>Als falsche 9 bezeichnet man einen Stürmer, der nicht nur versucht Tore zu erzielen, sondern sich auch zurückfallen lässt und damit die gegnerischen Verteidiger auf sich zieht, um seine Mitspieler in Szene zu setzen. Die erste falsche 9 war dann schlussendlich auch der Stürmer dieser "österreichischen Wundermannschaft“, die gegen Schottland für so viele offene Münder gesorgt hatte: Matthias Sindelaar, auch "Le Papienne" genannt, ein spindeldürrer aber hochinteligenter Stürmer, der so komplett gar nicht in die Statur eines Profisportlers passte - so wenig, dass er sogar zunächst von vielen, gerade englischen, Fußballfans belächelt und als "schwachbrüstig" bezeichnet wurde.</p>  <p>Weitere dieser Art Spieler: Neben in Ansätzen der Brasilianer Pelé nicht zuletzt ein gewisser Lionel Messi, „La Pulga“, zu deutsch der Floh und der vielleicht beste Spieler des modernen Fußballs, wie wir ihn heute kennen und feiern.</p><p>Zu dieser Zeit fanden auch die ersten Weltmeisterschaften statt. Dies hatte zur Folge, dass sich mehr und mehr auch im größeren Rahmen die Politik in den Fußball einmischte. So gilt das Halbfinale jener österreichischen Mannschaft um Matthias Sindelaar von 1934, welches im damals faschistisch regiertem Italien stattfand, für viele als das bis heute unfairste Fußballspiel aller Zeiten. Denn von keinem Spiel gibt es so viele Berichte über Schiedsrichterkorruption und zum Teil sogar Schiedsrichterbedrohung mit dem Ziel, Italien unbedingt zum Weltmeister zu machen. Dies gelang denn auch, nicht zuletzt weil ein Schiedsrichter - so heißt es - unter anderem bei einem Torversuch der Österreicher den Ball selbst ins Aus geköpft haben soll.</p>  <p>Dies war das erste Mal, wo das Ergebnis eines Fußballspiel klar von der Politik beeinflusst wurde, in dem Fall von dem damals von Benito Mussolini beherrschten Italien mit dem Ziel der Propaganda für ihr Regime.</p><p>Und natürlich hatte die italienische Nationalmannschaft damals auch Qualität (schließlich gewannen sie auch 4 Jahre später erneut die Trophäe), dennoch gilt aber der Weltmeistertitel von Italien von 1934 als der bis heute umstrittenste Weltmeistertitel aller Zeiten. Und wer weiß: Wäre Italien damals politisch in anderer Hand gewesen, hätten wir mit Österreich (oder der Tschechoslowakei, dem späteren Finalgegner Italiens) heute nicht 8, sondern vielleicht 9 verschiedene Weltmeister.</p>  <p>Auch in Deutschland wurde Fußball trotz der politischen Lage, die sich bald zur dunkelsten Zeit des 20. Jahrhunderts entwickeln sollte, zunächst einmal gefeiert und auch taktisch weiter entwickelt.<br /></p>  <p>Eines der ersten deutschen taktischen Gebilde war der Schalker Kreisel, der, wie der Name schon sagt, vom Traditionsverein Schalke 04 gespielt wurde. Bei diesem Kreisel ging es um eine Mischung aus dem Angriffsspiel rund um das Tor, wie es von den Engländern gespielt wurde und dem österreichischen von der Donauschule inspirierten Ballbesitzfußball.</p>  <p>Dieser Schalker Kreisel erforderte natürlich eine unglaubliche Technik in Sachen Ballbehauptung und Passgenauigkeit und konnte sich zu dieser Zeit auch nur deswegen so behaupten, weil es damals eine Form des Pressings, wie wir es heute kennen, noch nicht gab. Die Priorität im Verteidigen lag bis Anfang der 50er noch ganz klar darauf, sich möglichst so zwischen Gegner und Tor zu stellen, dass der Gegner das Tor nicht traf oder aber eben ihm den Ball abzunehmen, um selbst einen Angriff aufzubauen. Den Gegner auf Biegen und Brechen zu pressen, anzulaufen und den Ball notfalls irgendwo in die Wallachei zu schießen, nur um dem Gegner den Spaß zu verderben, diese Taktik war zu dieser Zeit noch nicht im Trend. Das machte den Schalker Kreisel als Taktiksystem im offensiven Drittel natürlich ungleich leichter.</p>  <p>Über die nächste Zeit, die dunkelste Zeit in der deutschen Geschichte, gibt es unzählige großartige Lektüre, so dass ich diese nur am Rande streifen möchte. Nur zwei Namen muss ich in diesem Zusammenhang doch erwähnen: Otto Nerz und Sepp Herberger. Otto Nerz, späterer Medizinprofessor und Mitglied der NSDAP, war zu Beginn von Hitlers Machtergreifung Nationaltrainer Deutschlands, Sepp Herberger, späterer Weltmeistertrainer von 1954 (Stichwort: Das Wunder von Bern), ein Kind aus einfachen Verhältnissen, was mit Straßenfußball und der Philosophie des Schalker Kreisels großgeworden war, sein Co-Trainer.</p>  <p>Otto Nerz hingegen konnte mit dem Schalker Rumgekreisel und Rumgetrickse mit dem Ball nur wenig anfangen. Für ihn war Fußball der Inbegriff von Tapferkeit und Härte, den Willen für sich und seine Kameraden alles zu opfern, um den Gegner zu schlagen. Von ihm kam auch das legendäre Zitat:</p>  <p><i>"Meine Beobachtungen im weltweiten Spitzenfußball haben mir klar gemacht, dass Kraft und Härte </i><i>unumgängliche Eigenschaften guten Fußballs ist. Ohne sie: Dekadenz."</i><i></i></p>  <p>Dies ging sogar so weit, dass er das deutsche Nationalteam zum Teil in puncto Fitness von der SA trainieren ließ, sollten sie seine konditionellen Anforderungen nicht erfüllen. Ebenso verbot er dem damals talentiertesten Stürmer und Edeltechniker von Schalke 04 Fritz Schöppan die Mittellinie zu übertreten, damit er sich (so Nerz) nicht von irgendwelchem "südländisch-dekadentem Herumgespiele" verführen ließ.</p>  <p>Hitler selbst hatte für Fußball ohnehin nur wenig übrig. Er propagierte und verehrte den Einzelkraftsport, der für ihn Zeichen der Stärke eines jeden tapferen Deutschen war. So war der deutsche Fußball trotz des großen Potenzials von Mannschaften wie Schalke 04 oder auch dem 1. FC Nürnberg in den 30er Jahren international nur mäßig erfolgreich. Bei der WM 1934 schaffte man es zwar noch ins Halbfinale, scheiterte 1938 dann aber im Viertelfinale an der Schweiz.</p><p>Hierbei ist erstaunlich, dass die Generation der 30er-Jahre als eine vom Spielerpotenzial her technisch herausragendsten Generationen Deutschlands gilt, sogar noch mehr als die, die dann 1954 in Bern den Weltmeistertitel gewann. Daher bleibt hier auch auf ewig die Frage, wie sich diese beiden Weltmeisterschaften unter einem weniger von Ideologien und Disziplin geprägten Trainer entwickelt hätte.</p>  <p>Dass sich die Fußballtaktik in den nächsten zehn Jahren nur wenig entwickeln konnte, scheint angesichts der Geschichte dann auch nicht verwunderlich. Erst Anfang der 50er fand sich eine neue Nation, die europa- wie auch weltweit den Fußball auf überragende Weise dominierte: das kleine Land Ungarn, Finalgegner von Deutschland beim Wunder von Bern 1954 und haushoher Favorit in diesem Spiel und damit auch auf den WM-Titel.<br /></p>  <p>Diese Mannschaft schaffte es nicht nur England als erste Kontinentalmannschaft überhaupt zu Hause in Wembley mit 6 zu 3 zu schlagen, sie galt zusätzlich noch als die erste Mannschaft, die nicht nur Ballzirkulation, sondern auch Mannzirkulation verwendete, sprich Positionswechsel.</p>  <p>Man stelle sich das etwa so vor: Zwei Menschen stehen vor einem Kicker-Tischfußballtisch, doch während bei dem einen (wie bei einem normalen Kicker) jeder Mann an einer bestimmten Stange hängt, kann der andere Spieler seine Männer (alle mit bestimmten individuellen Fähigkeiten gesegnet) jederzeit austauschen, so dass auf einmal der robuste kantige Abwehrspieler vor dem Tor auftaucht, oder der gefürchtete Stürmer irgendwo im defensiven Mittelfeld Bälle verteilt. Bezeichnet hierfür ist das Zitat des englischen Kommentators bei jener historischen Niederlage Englands gegen Ungarn:</p>  <p><i>"Die Ungarn nehmen es wohl nicht so genau mit ihren Rückennummern",</i><i></i></p>  <p>womit er natürlich die Rückennummern auf den Spielertrikots meinte, die damals noch exakt nach dem Schema 1-2-3-4-5 (gelesen von rechts nach links vom Torwart bis zum Stürmer oben links) die Positionen der Spieler markieren sollten.</p>  <p>Die ungarische Nationalmannschaft, auch "die goldene 11" genannt, war somit das erste Team, was "kontrollierte Freiheit" als ihre Spielphilosophie definierte und mit dieser Spielphilosophie von 1950 bis 1954 nicht ein einziges Mal besiegt wurde. In dieser kontrollierten Freiheit stand vor allem ein Mann im Mittelpunkt: Nandor Hidegkuti, der Dirigent dieses neuen Systems, ein Spieler, der sich immer wieder zurückfallen ließ, wobei sich die gesamte Mannschaft, allen voran Stürmerlegende Ference Pukas, an seinem Spielaufbau orientierte. Das heißt je nachdem, wo er stand, und was er damit mit den Gegnern ausrichtete, veränderten sie ihre Positionen und waren dadurch auf eine einzigartige Art und Weise unberechenbar ohne dabei jedoch dem Chaos zu verfallen.</p>  <p>Erst Sepp Herberger, damals Cheftrainer Deutschlands, entdeckte diese einzige Schwachstelle dieser goldenen ungarischen 11, und ließ jenen "Dirigenten" der Ungarn im Finale permanent von mindestens zwei deutschen Spielern decken. Das Ergebnis kennen wir: Sepp Herberger nahm den Spielmacher der Ungarn komplett aus dem Spiel und auf einmal wurde aus dem perfekt geleiteten Orchester doch wieder Chaos. Das Ende vom Lied - Deutschland wurde Weltmeister. Dieses Finale gilt bis heute als ein taktischer Meilenstein, von dem, was jenes „Wunder von Bern“ für das immer noch völlig zerrüttete Nachkriegsdeutschland emotional bedeutete, natürlich ganz zu schweigen. Denn auf der psychologischen Ebene bedeutete dieses Finale, dass ein Land zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg wieder gemeinsame Freude für ihr Land empfinden konnte, auch wenn es noch 35 weitere Jahre zumindest auf der Landkarte geteilt bleiben sollte.</p>  <p>Die Italiener hingegen waren zu dieser Zeit mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Der Defensive. So erfanden sie Ende der 50er einen taktischen Stil, der bis heute als der immer noch unattraktivste Stil der Geschichte gilt: Der sogenannte Catenaccio, zu Deutsch Riegel, der von Heleno Herreira, zu jener Zeit Trainer von Inter Mailand, etabliert wurde.<br /></p>  <p>Dieser taktische Stil beinhaltete, dass neben dem Torwart stets immer noch ein weiterer Spieler hinten stand, der sogenannte "Rausputzer", der weder für Spielaufbau noch für offensive Aufgaben zuständig war. Die Aufgabe des „Rausputzers“ war einzig und allein, seinem Torwart bei Gefahr zur Hilfe zu eilen, sprich den gegnerischen Stürmer aufzuhalten ohne dass der Torwart hinauseilen musste.</p>  <p>So spielte Herreira zum Teil sogar in einem 1-5-2-2 System, sprich 2 Stürmer, 2 Mittelfeldspieler, 5 spielaufbauende Abwehrspieler und eben jener Rausputzer, wobei er natürlich darauf achtete, dass stets ein Verteidiger aus der 5er-Kette auf der Höhe des Rausputzers stand. Dieser Spielstil galt auch in den darauffolgenden Jahren als einer der am schwierigsten zu knackenden Stile. Denn schon Herreira verfügte natürlich über dementsprechend blitzschnelle Stürmer und Außenverteidiger, so dass bei einem Konter durchaus mal 4 Leute im gegnerischen Strafraum auftauchen konnten, um sich anschließend wieder in die alte Catenaccio-Ordnung zurückfallen zu lassen.</p>  <p>Nun mag man sich möglicherweise fragen, warum bislang der Name des mittlerweile 5maligen Weltmeisters Brasilien noch nicht gefallen ist. Dies liegt daran, dass bis heute kaum ein System für Taktikexperten so schwer zu durchschauen ist, wie das der Brasilianer Ende der 50er rund um ihren bis heute einzigen 3maligen Weltmeister Pelé.</p>  <p>Brasilliens Stil beruhte nämlich auf ständigen Asymmetrien. Auch hier kann man sich einen Tischfußballtisch vorstellen, wo sich die Stangen von der Horizontale bis in die Diagonale, bzw. nahezu Vertikale schieben lassen. Dies sorgte dafür, dass - in der Regel in einem 4-2-4-System - stets immer eine Restverteidigung vorhanden war, jedoch eben mal auf der einen oder anderen Seite. Oft wurden die Abwehrketten sogar schon so "gecasted", dass auf der einen Seite ein eher offensiver Außenverteidiger, auf der anderen Seite ein eher defensiver Verteidiger stand.</p>  <p>So hatten die Brasilianer - im Gegensatz zu Ungarn - auch ohne große Positionswechsel und gepaart mit der fulminanten Klasse ihrer Einzelspieler eine enorme Flexibilität in ihren Ketten ohne dass die Restverteidigung in Gefahr geraten konnte.</p>  

<p>Doch auch in Deutschland hatte sich Ende der 60er etwas getan und das ausgerechnet dank - man mag es nicht glauben - Nandor Hidegkuti, jenem Dirigenten, der einst Sepp Herberger vor dem "Wunder von Bern" so viele schlaflose Nächte bereitet hatte. Dieser fand nämlich Anfang der 70er einen Nachfolger - einen Nachfolger mit Namen Franz Beckenbauer, wobei dieser jene Philosophie der „kontrollierten Freiheit“ eines Einzelspielers nochmal komplett neu erfand. Mit ihm einher geht nämlich der Anfang einer völlig neuen Position im Fußball: Dem Libero.</p>  <p><i>Ein Abwehrspieler ohne unmittelbaren Gegenspieler, der sich aber ins Angriffsspiel einschalten kann, was von der Definition her erstmal nach dem Gegenteil des sich zurückfallenden Stürmers </i><i>klingt.</i><br /></p><p><i></i></p>  <p>So beschreibt Wikipedia die Rolle des Liberos, in Bezug auf Franz Beckenbauer stimmt diese Definition allerdings nicht ganz. Franz Beckenbauer interpretierte diese Rolle eher so, dass er aus der „kontrollierten Freiheit“ der Ungarn einfach die „komplette Freiheit“ machte. Beckenbauer war quasi immer und jederzeit auf dem Spielfeld zu finden und „dirigierte“ genau aus dieser Position heraus seine Mannschaft, was seinen Mitspielern wie Bulle Roth, Wolfgang Overath, Günter Netzer etc. wieder umsomehr Kompaktheit erlaubte. Oder um noch einmal einen Vergleich aus dem Schach ins Spiel zu bringen: Beckenbauer war zwischen all den Springern, Läufern und Türmen eben genau die „Wunderfigur“, die mal die eine, mal die andere Aufgabe übernehmen konnte, worauf sich sein Team dementsprechend an ihm orientierten konnte. Er lebte und zelebrierte damit die nahezu vollkommene Freiheit auf dem Feld.</p>  <p>Einer von Beckenbauers Vorteile war sicherlich, dass es eine Weile dauerte, bis überhaupt irgendein Gegner verstand, was dieser Typ auf dem Feld da eigentlich machte. Hätte es (wie heute) schon eine halbe Stunde nach dem Spiel weltweit Highlight-Videos auf Youtube gegeben, wäre der Einwand vielleicht berechtigt, ob die Revolution, die er mit dieser taktischen Rolle auslöste, eine so Große gewesen wäre, weil man ihn dann sicherlich als Gegner einfach bei jedem Spiel permanent in Manndeckung genommen hätte.</p>  <p>So aber waren zunächst einmal alle mit ihm überfordert und zum zweiten Mal nach 20 Jahren schaffte es die deutsche Mannschaft 1974 erneut in ein WM-Finale gegen die Niederlande, die wiederum zu dieser Zeit grade das Pressing erfanden, oder wie sie es nannten: den „voetball totaal“.</p>  <p>Hier war es die Philosophie der Niederländer, den Ball nicht nur angelehnt an die Donauschule möglichst jederzeit zu besitzen, sondern ihn auch bei Ballverlust jederzeit und mit vollem Risiko so schnell wie möglich wieder zurückzuerobern (Stichwort: Gegenpressing) um damit jede noch so durchdachte Taktik eines Gegners im Keim zu ersticken. Dieser damals von Legenden wie Johann Cruyff etablierte „Voetball totaal“ gilt bis heute als der für den Fan begeisterndste Fußball von allen taktischen Systemen, da er unglaublich offensiv ist, aber auch durchzogen von zum Teil hinreißenden Passstafetten.</p>  

<p>Dennoch war es wieder Deutschland, die zwar Anleihen des niederländischen System übernommen hatten, die aber, unter anderem wegen Franz Beckenbauer, den Holländern die Show stahlen und erneut Weltmeister wurden.</p>  <p>In den folgenden Jahrzehnten zeigte sich auch im Fußball, beziehungsweise Fußballtaktik im künstlerisch-kreativen Kontext das, was sich auch in anderen Kunstformen wie Musik, der Literatur und der Malerei zeigte. Natürlich gab es nachwievor Veränderungen in taktischen Stilrichtungen, nur waren sie spätestens ab den 80ern weitaus detaillierter und dadurch natürlich auch weniger revolutionärer.<br /></p>  <p>Meistens beinhalteten taktische "Revolutionen" nur Einzelpositionen, wie z.B. die Rolle von Manuel Neuer, der aus dem Torwart zuweilen einen 11. Feldspieler machte oder die die der Doppel-6, beziehungsweise der Dreiecksformationen im Mittelfeld (Formationen, die zum Ziel hatten, dass ein Spieler immer mindestens zwei Anspielstationen hat) wie sie der FC Barcelona unter Pep Guardiola etablierte.</p>  <p>Wer in diesem Kontext aber definitiv noch erwähnt werden muss, ist Trainer-Legende Valery Lobanovsky von Dynamo Kiew.</p>  <p>Dieser spielte in den 60er Jahren einen Stil, der in jeder Hinsicht das Gegenteil vom holländischen Pressingfußball war. Er verzichtete komplett auf Manndeckung, sondern zog stattdessen eine komplette Raumdeckung vor, d.h. er begann die Ketten wieder zu ordnen, aber mit einem schon fast pedantischen Feinsinn in dem Punkt, dass gerade die hinteren Ketten immer und stets ihre Abstände zueinander einhielten.</p>  <p>Dies hatte in seiner Philosophie zur Folge, dass die Abwehrketten - egal, wie schnell und dribbelstark ein Gegenspieler war - von den Abständen stets so geordnet waren, dass sich nie so viel Raum bilden konnte, dass nicht sofort mindestens zwei Spieler am Gegner dran sein konnten um dann den eroberten Ball sofort nach vorne zu schlagen.</p><p>Wichtig in dem Zusammenhang ist zu wissen, dass Lobanovsky ebenfalls penibel darauf achtete, dass vor diesen Abständen der 4-er-Kette eine weitere 4-er-Kette stand, aber eben so versetzt, dass sie immer vor diesen Lücken stand, so dass man hier auch von einer „doppelten 4er-Kette“ spricht. Dies mag man sich in etwa so vorstellen wie im Schach eine Bauernkette, wo der hinten stehende Bauer jeweils die beiden versetzt stehenden Bauern vor ihm deckt.</p>  <p>Dass dieses System enormer Disziplin gepaart mit nur wenig Freiheit auf dem Feld bedarf, liegt auf der Hand, was auch zu Lobanovskys grundsätzlicher Philosophie passte.</p>  <p>Er selbst nannte diese Philosophie Rückbesinnung zum System. Niemand durfte seinen Abstand grundlos verändern, geschweige denn selbst ins Dribbling gehen oder womöglich unbegründet seine Position wechseln. "Das System ist immer größer als der Einzelspieler" war stets das, worauf Lobanovskys Grundhaltung beruhte. Als kleines Beispiel hierfür:</p><p>Eine Trainingsmethode, die beinhaltete seinen Torhüter und 4 Verteidiger gegen 10 seiner Top-Stürmer 15 Minuten lang spielen zu lassen. Diese 10 Stürmer durften das Tor angreifen, wie sie wollten, während die 4 Abwehrspieler einfach nur in ihrer Reihe stehen und auf ihre Abstände achten sollten.</p>  <p>Die einzige Regel war: Die 10 Stürmer durften kein Gegenpressing machen, d.h. sie mussten, sobald sie den Ball verloren hatten, wieder zurück an ihr eigenes Tor und den Angriff von vorne beginnen. Diese Trainingsmethode wurde dann schließlich auch von Italiens Trainerlegende Arrigo Sacchi (AC Mailand) etabliert und entwickelt und Studien besagen, dass in 8 von 10 Fällen das verteidigende Team trotz klarer Unterzahl das Spiel gewann.</p>  <p>1975 und 1986 gewann Lobanovsky so mit Dynamo Kiew den Europapokal der Pokalsieger und in vielen weiteren damals kommunistisch geprägten Ostblock-Ländern, insbesondere in Polen, der DDR und der Tschechoslowakei wurde sein von vielen "Systemfußball" genannter Stil kopiert. Lobanovsky selbst wurde als Nationaltrainer der UDSSR 1988 Vize-Europameister, ausgerechnet (ironischerweise) hinter den Niederlanden, dem Team, dem es zu der Zeit wie kein anderes Team wichtig war, den Ball zu haben.</p>  <p>Nun könnte sich manch einer vielleicht fragen: Was wäre, wenn ein Spieler wie Franz Beckenbauer, Johann Cruyff, Pelé oder der in den 80ern geniale wie auch exzentrische Argentinier Diego Maradonna eben nicht in einem dieser Länder ausgebildet wurden wäre, wo Offensiv- und (wie es Ex-Freiburg-Trainer Volker Finke einst ausdrückte) Heldenfußball gelebt wurde, sondern eben in einem Land, wo der Grat zwischen fußballtaktischer Philosophie und einem grundsätzlich sehr regelorientierten politischen System dann doch ein sehr schmaler war: Würden wir sie dann heute überhaupt kennen? Und könnten wir ihre unzähligen wilden Sololäufe, wie das unglaubliche Tor von Diego Maradonna im WM-Halbfinale 1986 bei dem er 7 Engländer übers halbe Spielfeld einfach austanzte, heute überhaupt so bewundern können?</p>  <p>Hätte Maradonna sich als Spieler von Dynamo Kiew überhaupt gewagt, so zu spielen, wie er nun mal spielte, bzw. hätte ein Trainer wie Lobanovsky ihn dann nicht einfach sofort ausgemustert, bzw. auf die Bank gesetzt? Und wo bleibt nicht doch letztendlich die Begeisterung beim Publikum entscheidend, ungeachtet dem, wie grade anno 2022 Taktik und eine klare Spielphilosophie wie kaum etwas anderes für den sportlichen Erfolg einer Mannschaft entscheidend ist?</p>  <p>Arrigo Sacchi, einer der größten Lobanovsky-Verehrer, gilt heute mit dem AC Mailand als einer der erfolgreichsten Trainer aller Zeiten und auch Trainer wie Pep Guardiola, Thomas Tuchel oder Louis van Gaal sind sicherlich nicht als Trainer bekannt, die von ihrem Motto „Das System ist immer größer als der Einzelkönner“ gerne oder oft abweichen.</p>  <p>Und dennoch sind und bleiben es diese Momente wie eben der von Maradonna bei der WM 1986, wie auch der eines Zlatan Ibrahimovics, der irgendwo Nähe der Mittellinie auf einmal zum Fallrückzieher anzieht und trifft, die in der Retrospektive in Erinnerung bleiben - und ja, vielleicht sogar Momente, wie der von Zinedine Zidane, als er beim WM-Finale 2006 wie ein Stier seinem Gegner mit dem Kopf gegen die Brust rannte, und sich (neben herausragenden sportlichen Leistungen) alleine mit dieser Aktion auf ewig selbst in die Fußball-Geschichtsbücher schrieb.</p><p>Ist Fußball also doch nur eine reine Eventsportart, bei der das Ergebnis und damit auch die Taktik zuweilen sogar fast zweitrangig ist?</p><p>Hierbei bekommt der Fußball natürlich noch einmal eine ganz neue Dimension, der auch ich mich als großer Taktikliebhaber niemals absprechen möchte.</p><p>Auffällig bleibt zudem nachwievor, dass die taktischen Systeme, die Einzelkönnern nur wenig Freiheit ließen, nicht selten in politischen Systemen gespielt wurden, die auch in anderen Bereichen sehr von Regeln und zum Teil auch Ideologien durchzogen waren.</p>  <p><i>Taktik bedeutet das sichzunutzemachen von Regeln um ein bestimmtes Ziel zu erreichen".</i></p><p>Wir erinnern uns an die anfängliche Definition von Taktik. Man könnte diese Definition aber auch weiterführen, zum Beispiel mit:</p>  <p><i>Taktik bedeutet, die Regeln zu kennen, sich neue eigene kreative Regeln zu schaffen, um dann </i><i>unter dem Flow der Zuschauer und des Moments im entscheidenden Moment aus ihnen auszubrechen.“</i></p><p>Hier allerdings denke man wieder an Lobanovskys Motto „Das System ist immer größer als der Einzelkönner“. Schwelgt da nicht ein gewisser Widerspruch, bzw. nicht sogar eine gewisse Parallele zum Kommunismus und dessen Ideologien mit? Hierbei muss man allerdings fairerweise betonen, dass Valery Lobanovsky, wenn auch von 1975 bis 1990 Nationaltrainer der UDSSR, niemals direkt in Zusammenhang mit dem zu seiner Einstellung noch von Leonid Breschnew regierten System stand und auch im Westen als Trainer, u.a. auch von Trainerlegenden wie Franz Beckenbauer und Louis van Gaal, bis heute verehrt und geachtet wird.</p>  <p>Sicherlich wäre es grundsätzlich auch falsch zu behaupten, dass dort, wo totalitäre Machthaber wie Breschnew ihre Ideologien zur Erhaltung ihrer Macht benutzten, grundsätzlich schlechter Fußball gespielt wird.</p><p>Ein von Vladimir Putin regiertes Russland schaffte es bei der Heim-WM 2018 bis unter die TOP 08, bzw. wurde das von einer Militärdiktatur regierte Argentinien, wo Folter und Massenverhaftungen zur Tagesordnung gehörten, 1978 sogar Weltmeister.</p>  <p>Und doch zeigt die Geschichte tendenziell, dass in dem Moment, wo die Politik sich aktiv in den Sport einmischt, diese Länder oft kläglich scheiterten, was wir aktuell auch an Beispielen wie Iran, Saudi-Arabien oder Katar sehen, bei dem (wie im Falle Katar) zuweilen nicht einmal der sportliche Erfolg der eigenen Mannschaft im Vordergrund steht, wie noch bei Italien 1934, sondern einfach nur reines Sport-Washng.</p>  <p>Vielleicht, weil eine Diktatur am Ende die Freiheit von jedem einzeln einschränkt? Und bekommt hier das Thema Sport-Washing noch einmal eine ganz andere Dimension, nämlich dort, wo sich die Ideologie eines Systems nicht nur um das Drumherum, sondern auch in das Spiel an sich einmischt? Und wo schneidet sich eine Nation hier mit seinen eigenen Ideologien am Ende sportlich gesehen sogar ins eigene Fleisch?</p>  

<p>Es wäre nicht weit hergeholt zu behaupten, dass Sport-Washing immer Einfluss hat auf das Fanverhalten und das Drumherum einer Fußballkultur. Selbst in der Bundesliga haben es aus vorwiegend marketingtechnischen Gründen gegründete Vereine nachwievor schwer, eine ähnliche Fankultur zu entwickeln, wie Vereine, mit denen Fans Ehrlichkeit, Vertrauen, wie auch ein mit anderen Menschen verbindendes Lebensgefühl verbinden können.</p>  <p>Was mich aber aus rein fußballtaktischer Sicht viel mehr beschäftigt, ist die Frage, inwiefern sich Diktaturen, Ideologien oder andere Formen von Heucheleien auch auf den rein sportlichen Erfolg auswirken können, auf die Taktik, bzw. auf das mentale Zusammenheitsgefühl eines am Ende doch aus Individueen bestehenden Teams, welches auch von der Überzeuung her für einen Verein oder vielleicht sogar ein ganzes Land stehen soll.</p><p>Was ist mit dem einen iranischen Starspieler, der gerne mal seine Frau mit im Stadion gesehen hätte, vielleicht sogar auch mal ohne Kopftuch? Ist er in dem Moment wirklich noch genauso auf seine doppelte 4er-Kette konzentriert, wie er es unter anderen Umständen wäre?</p>  <p>Grundsätzlich ist es schwer zu definieren, wo Regeln zum Selbstzweck einer Machterhaltung werden, da grundsätzlich jeder Mensch Freiheit auch anders interpretiert - auf Basis seiner eigenen Erfahrung und seiner Sozialisation.</p><p>Eine direkte Beeinflussung des Profisports durch Politik hat sich aber bislang so gut wie immer als negativ erwiesen, sei es in der Taktik direkt oder im Drumherum. Und hierzu gehören alle Situationen, wo offensichtlich klar ist, dass Fußballer und Profisportler klar für ein politisches Zeichen zum Selbstzweck bestimmter politischer Werte benutzt werden - Zeichen, die in den Menschen (nicht selten auch den Spielern auf dem Feld) aufgrund ihrer Unglaubwürdigkeit Stresshormone auslösen und damit in ihrem Tun und Handeln einschränken, selbst wenn sie von einem System als gut gemeint verkauft werden oder in ihrem Ansatz vielleicht sogar mal gut gemeint waren.</p>  <p>Einschränken tut eine solche Einmischung der Politik in den Sport immer ab dem Moment, wo ein Mensch in seiner Individualität (und sei es, alles zu geben für seine eigene Passion, nämlich Fußball zu spielen) in politische Kämpfe mit hineingezogen wird für die er weder direkt verantwortlich ist, noch wie zum Beispiel ein Politiker indirekt durch seine Berufswahl.</p>  <p>Hier dürfen wir nie vergessen, dass auch Rebellion und Solidarität etwas ist, wo es jedem Menschen erlaubt sein sollte, diese auf seine individuelle Weise auszuleben, ob aus moralischen oder ganz persönlichen Gründen, nämlich als z.B. 18jähriger Newstar seiner Passion zu folgen und seinen Traum zu leben.</p>  <p>Denn nur das ist, was Freiheit bedeutet, die Freiheit die letztendlich für sich selbst beste Entscheidung zu treffen ohne dabei zu vergessen, dass es auch ein paar wenige allgemeine Grundlagen gibt, die ein angenehmes globales Zusammenleben schon immer leichter gemacht haben und immer leichter machen werden, ob man sie nun Vielfalt, Verständnis, Freiheit oder am Ende einfach Liebe nennt.</p>  <p>Oder, um Pep Guardiola, einem der besten, aber sicherlich auch regelfanatischsten Trainer aller Zeiten, abschließend zu zitieren:</p>  

<p><i>„Achtet auf die Dreiecke bei euren Anspielstationen, achtet auf eure Abstände in der </i><i>Raumaufteilung, aber wenn ihr Lionel Messi vor dem Strafraum seht - dann lasst ihm die Freiheit </i><i>und gebt ihm einfach den Ball.“</i></p><p><i>------------------------------------------------------------------------------</i></p><p>(written by Leon Buche)</p>]]></description><link>https://vakantio.de/footballutopia/fussballtaktik-und-seine-verbindung-zu-politik-und-gesellschaft</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/footballutopia/fussballtaktik-und-seine-verbindung-zu-politik-und-gesellschaft</guid><dc:creator><![CDATA[footballutopia]]></dc:creator><pubDate>Sat, 31 Dec 2022 11:17:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Vorschau Europa-League KO-Runden 2023]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://vakantio.de/uploads/3ec25ca4c4ab1a5028b25c2d01eb6303_large.jpg" /><figcaption>Vorschau Europa-League KO-Runden 2023</figcaption></figure><p>In einem können wir uns sicher sein: Die Eintracht Frankfurt wird den Europa-League-Titel zumindest schon mal nicht verteidigen können. Dies ist eine Tatsache, die so mancher Eintracht-Fan mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinnimmt. Denn so unglaublich es erscheint, dass man sich nun auch im noch größeren Wettbewerb, der Champions League, für die TOP 16 qualifiziert hat und selbst in der Bundesliga aktuell auf einem Champions-League-Platz überwintert, was will man als Fan mehr? Im Champions-League-Achtelfinale sang- und klanglos gegen den SSC Neapel ausscheiden oder in der Europa-League erneut gemeinsam mit der Eintracht quer durch Europa reisen?</p><p>Diese Wahl hat man nun als Eintracht-Fan leider nicht mehr, dennoch hat die Europa-League grade in diesem Jahr so viele spannende neue Mannschaften zu bieten wie noch nie. Ganze vier Teilnehmer kommen aus Spanien, darunter der große FC Barcelona, wo sich einmal mehr zeigen wird, ob er in der Lage ist auch den vermeintlich kleineren Wettbewerb anzunehmen und die junge hochbegabte Generation rund um Pedri, Gavi & Co. endlich mal mit einem Titel zu belohnen. </p><p>Drei Teams kommen desweiteren aus Frankreich, drei aus den Niederlanden, drei aus Deutschland, wie auch jeweils zwei aus England und Italien, darunter die ebenfalls krisende alte Dame aus Turin, bei der erst kürzlich der gesamte Vorstand zurücktrat. Desweiteren sind noch Portugal, Belgien, Dänemark, Österreich, Ungarn, die Ukraine, wie auch die Türkei mit jeweils einem Verein vertreten.</p><p>Auffällig ist dabei, dass selbst in diesem vermeintlich kleineren Wettbewerb nahezu sämtliche große osteuropäische Vereine fehlen, Vereine wie Olympiakos Piräus, Slavia Prag, Roter Stern Belgrad, Dinamo Zagreb, Dinamo Kiew, um nur einige von denen zu nennen, die sonst zumindest in der Europa League eigentlich immer mindestens eine Rolle gespielt haben.</p><p>Ganz besonders schlimm trifft es auch in dieser Saison wieder Rumänien und Bulgarien, die mittlerweile in so ziemlich jedem internationalen Wettbewerb weit entfernt sind von alten 90-er-Zeiten, wo Steau Bukarest noch den Europapokal der Landesmeister gewann oder Bulgarien im Halbfinale einer WM auflief. Es ist also nicht nur eine Kommerzialisierung des europäischen Fußballs zu beobachten, sondern auch eine (geographisch gesehen) Verwestlichung. Woran das liegen könnte, werde ich in einem späteren Blog nochmal thematisieren, denn warum sollte für ein Ölstaat-Konsortium eigentlich nicht auch mal ein Club in Osteuropa interessant sein? Dort könnte man doch genauso gut mit viel Geld ein Verein aus dem Nichts nach ganz oben stampfen.</p><p>Die größte Überraschung der diesjähigen EL-Saison ist sicherlich eindeutig: Der Club <b>Union St. Gilloise </b>aus dem gleichnamigen Brüsseler Arbeiterviertel. Hier träumt man bereits seit letzter Saison von der 1. Belgischen Meisterschaft seit 1935, bzw. hätte diese in der vergangenen Saison sogar rein punktetechnisch gewonnen, gäbe es in Belgien eben nicht jene Playoff-Regelung, die dann doch am Ende dafür sorgte, dass der aktuelle belgische Champions-League-Vertreter FC Brügge die Schale gewann.</p><p>Bei Union St. Gilloise wird nachwievor Fußballromantik groß geschrieben. Auf charmante Weise marode wirkt das heimische Stadion, beziehungsweise sieht auf dem ersten Blick sogar aus wie ein ganz gewöhnliches leicht verfallenes Wohnhaus.</p><p>Auch wirtschaftlich war der Weg der belgischen Unioner in den letzten Jahrzehnten eine einzige Achterbahnfahrt, zwischenzeitlich stieg man sogar bis in die 4. belgische Liga ab. Letztendlich waren es die Millioneninvestitionen des durch Sportwetten reich gewordenen Investors Tony Bloom, der dann auch mal eben das Amt des Präsidenten übernahm, die für den Aufschwung sorgten. Auch einige deutsche Kultkicker fanden bereits den Weg in die Belgische Hauptstadt, darunter auch Dennis Undav, der als absoluter Mentalitätsspieler gilt und dessen Namen sich der ein oder andere Deutschland-Fan deswegen sogar schon im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gewünscht hat.</p><p>Ganze 17 Tore schoss er für die Brüsseler bis er schließlich dem Ruf des großen Geldes folgte und in die Premier League abwanderte. Kurz darauf verpflichtete man im Sommer 2022 mit Dennis Eckert-Ayensa vom FC Ingolstadt jedoch ein weiteres interessantes deutsches Talent mit dessen Hilfe man u.a. den zum damaligen Zeit an der Spitze der Bundesliga-Tabelle stehenden FC Union Berlin schlug. Dies sorgte schließlich dafür, dass man sich als Tabellenerster sogar direkt für das Achtelfinale qualifizierte und nicht mehr durch die Zwischenrunde muss. (In dieser treten die acht Zweitplatzierten der Europa-League-Gruppenphase noch einmal gegen die drittplatzierten und damit eine Liga abgestiegenen Vereine aus der Champions League an).</p><p>Ob es nach dem 8tel-Finale aber noch lange im Wettbewerb weitergehen wird, bleibt dennoch eher fraglich, wobei man auch in der belgischen Liga derzeit vor dem Champions-League-Achtelfinalisten FC Brügge steht und den sonstigen Favoriten in Belgien regelmäßig ganz gut weh tut.</p><p>Ebenso direkt und überraschend fürs Achtelfinale qualifizieren konnte sich der ungarische Vertreter <b>Ferencvaros Budapest</b>. Hier werden sich Zuschauer der WM in Russland sicherlich noch an den Trainernamen erinnern, denn richtig - der als ruppig bekannte russische Trainer Stanislav Cherchessov brachte in diesem Turnier die russische Nationalmannschaft bis ins Viertelfinale und schlug bei diesem Turnier mit seinem spielzerstörenden Defensivsfußball (zu dem selbst der FC Augsburg neidvoll aufblicken würde) am Ende sogar Spanien.</p><p>Letztendlich wurde er aber dennoch nach der EM 2016 wegen Erfolglosigkeit entlassen. Cherchessovs Taktik sollte aber sicherlich auch weiterhin die Philosophie von Ferencvaros sein. Große Stars sucht man hier nämlich vergebens, selbst ein Großteil des Kaders der sich derzeit im Aufschwung befindenden ungarischen Nationalmannschaft (4 zu 0 gegen England in der Nations League u.a.) spielt mittlerweile nicht mehr in der Heimat.</p><p>Einer der Schlüsselspieler könnte sicherlich noch der tunesische Nationalspieler Aissa Laidouni sein, der in Katar beim sensationellen 1 : 0 Sieg gegen Frankreich einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war, insbesondere was die Arbeit gegen den Ball angeht.</p><p>Schließlich kommen wir zum dritten absoluten Außenseiter: <b>FC Midtylland </b>aus Dänemark. Dieser Verein, der klingt wie der Name irgendeines Ponyhofs aus einem Kinderbuch von Astrid Lindgren, fährt europäisch nämlich derzeit mit dem niedrigsten Gesamtetat auf und auch in der (nicht grade für ihre Weltklassekonkurrenz bekannten) dänischen Liga steht man derzeit nur auf Platz 7. Alles andere als ein kurzes Gastspiel in der Zwischenrunde wäre für das Team um den Ex-Barca-Jugendtrainer Albert Capellas somit daher schon ein Riesenwunder. Die größte Sensation für die Dänen der letzten Jahre war ansonsten die Teilnahme an der Champions League 2020/21, wo man sogar dem großen FC Liverpool ein 1 zu 1 abringen konnte.</p><p>Weitaus besser stehen da schon die Chancen für <b>Real Sociedad San Sebastian</b>, die in ihrem engen Stadion schon lange als gefürchteter Favoritenschreck in Spanien bekannt sind. Dazu sind sie sicherlich eine der Überraschungen der bisherigen La-Liga-Saison, wo sie aktuell auf Platz 3 direkt hinter den Platzhirschen Real Madrid und Barcelona stehen. Real Sociedad profitiert hier vor allem von seinem Unique Selling Point, nämlich einerseits sowohl als hervorragender Ausbildungsclub bekannt zu sein als auch für Starspieler interessant zu sein, die schon über ihrem sportlichen Zenit hinaus sind. </p><p>Prominentester Name ist hier derzeit sicherlich Welt- und Europameister David Silva, den man 2020 von Manchester City holte. Auch sonst liest sich die „hall of fame of San Sebastian“ nicht schlecht: Txiki Begeristian, lange Sportdirektor von Barca und guter Freund von Pep Guardiola, dazu noch Antoine Griezmann, Mikel Oyarzabal, wie auch der jetzige Leverkusen-Trainer und Weltmeister Xabi Alonso. Zeitgleich schafft man es auch die Preise von eigenen Spielern auf die Spitze zu treiben, wo in jüngster Zeit sicherlich der Transfer von Alexander Isak am meisten herausstach, der für ganze 80 Millionen Euro in die Premier League zu Newcastle wechselte.</p><p>Real Sociedad ist daher mindestens eine Wundertüte, denn noch dazu spielt man mutigen Umschaltfußball mit oftmals gegnerüberrumpelnder Effizienz. Mit Imanol Alguacil hat man zuzüglich noch einen Trainer, der als Spieler wie auch als Trainer fast seine gesamte Karriere bei San Sebastian verbracht hat.</p><p>Ebenfalls Ex-Spieler ist Trainer Ruben Amorim von <b>Sporting Lissabon</b>, ein Trainer, der für viele Journalisten und Fans schon wenige Monate nach seit seiner Amtsannahme bei Sporting als eines der größten Trainertalente Europas gehandelt wurde, was die neue Generation an großen Trainern angeht.</p><p>Nicht zuletzt hätte er (wenn ihm nicht im letzten Moment Oliver Glasner mit Eintracht Frankfurt dazwischen gekommen wäre) beinahe das ganz große portugiesische Wunder vollbracht und mit Sporting Lissabon den dann insgesamt dritten portugiesischen Verein in den Top 16 der höchsten europäischen Spielklasse untergebracht.</p><p>Spätestens in dem Fall hätte man sich dann wirklich fragen müssen, warum man eigentlich immer noch von den europäischen TOP-5 und nicht von den europäischen TOP-6-Ligen (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, England, wie auch Portugal) redet.</p><p>In der Europa League zählt Sporting daher nun umsomehr zu den erweiterten Titelfavoriten. Insbesondere das Youngstar-Trio aus Marcus Edwards, Pedro Goncalves und Trincao hat derzeit einen Marktwert von insgesamt 75 Millionen Euro und das obwohl die Spieler höchstwahrscheinlich noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen sind. Auch sonst präsentiert sich die Mannschaft gefährlich im Ballbesitz, insbesondere auf den Flügeln und in den Halbräumen. Ballverluste des Gegners werden gerade im eigenen Drittel, wie im Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt u.a. zu sehen war, eiskalt ausgenutzt und blitzschnell in Konter umgewandelt.</p><p>Auch sonst gilt der einstige Entdeckerclub von Cristiano Ronaldo weiterhin als familiär und bodenständig. Auf die Frage einer möglichen Rückkehr von Cristiano Ronaldo antwortete Amorim daher nur leicht schelmisch grinsend „Keine Kohle“. Der portugiesische Journalist Duarte Monteiro formulierte es gegenüber der Plattform Zero-Zero ein wenig eloquenter mit „sollte Ronaldo zu seinem Ausbildungsclub zurückkehren, müsste er auf einen dicken Verlobungsring verzichten“. Momentan sieht es aber ohnehin eher danach aus, dass Ronaldos Neuverlobung in Saudi Arabien stattfinden wird und der neue Partner, mit dem Ronaldo die Ringe anstecken wird, Al Nassr FC heißen wird.</p><p>Ob man Ronaldo hier einen Vorwurf machen sollte, was sein Image angeht? In jedem Fall wäre er nicht der erste große Name, der am Ende seiner Karriere in Saudi Arabien oder in einer vergleichbaren Liga gekickt hat, die zwar sportlich international keine Relevanz hat, wo aber der Scheck dafür umsomehr stimmt. Und bei aller Fußballromantik muss man auch faireweise zugeben: Kaum ein Spieler hätte so wenig zu der Philosophie des Vereins Sporting Lissabon und der Trainerphilosophie von Ruben Amorim gepasst wie Cristiano Ronaldo. Denn nicht erst seit Ronaldo ist der Verein dafür bekannt junge Talente zu entdecken und regelmäßig spielen zu lassen, wie auch für einen Fußball, der zu jeder Sekunde über die Mannschaft kommt und nicht über "den einen Star." Dann vielleicht doch besser noch ein paar Jahre warten und Ronaldos Sohn signen, auf dass sich der Kreis schließt und die ganze Geschichte mit Ronaldo junior von vorne losgeht.</p><p>Für Cristiano Ronaldo senior wäre dann vielleicht doch <b>Fenerbahce Istanbul </b>der bessere Verein. Denn hier ist man Stars, die sich am Ende ihrer Karriere befinden, gar nicht so abgeneigt, allerdings würde das finanziell wohl niemals matchen. Ob es internationale Spielerlegenden wie Robin van Persie, Nicolas Anelka oder Victor Moses sind oder Bundesligaspieler wie Mesut Özil oder Max Kruse, bei denen das Mundwerk auch mal ein bisschen lockerer sitzt, Fenerbahce bietet stets alles an Unterhaltung und ist zuzüglich europaweit für sein als absoluter Hexenkessel bekanntes Stadion berühmt. Ein Kopf eines toten Schweins ist hier zwar (wie einst nach dem Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real Madrid) noch nicht aufs Spielfeld geflogen, dafür aber schon allerlei andere größere und kleinere Gegenstände.</p><p>Entscheidend für den Erfolg in der Champions-League für Fenerbahce dürfte der Gesundheitszustand von Enner Valencia sein, der zuletzt 13 Buden in der Liga machte und bei der vergangenen WM sogar mit 3 Toren kurzzeitig Torschützenkönig war, bevor ihn Kylian Mbappé wenige Tage später überholte.</p><p>Auch mit Jorge Jesus verpflichtete man einen Trainer, der mit Saudi Arabien, Brasilien und Portugal schon nahezu auf jedem Kontinent trainiert hatte und jüngst sogar als Nachfolger von Luis Enrique als spanischer Nationaltrainer gehandelt wurde. Ob es allerdings für den ganz großen Wurf für das - unter Jesus zuletzt meist in einem 3-5-2 aufspielende - Team reichen wird, bleibt abzuwarten.</p><p>Desweiteren schlug auch die politische Stimmung beim Spiel gegen Dynamo Kiew zuletzt heftig um, als man die Ukrainer auspfiff und dabei mit Pro-Putin-Rufen und rassistischen Schmähgesängen begleitete. Auch hier ist seitens des Vereins definitiv Arbeit angesagt, insbesondere dann, wenn es im weiteren Verlauf des Wettbewerbs z.B. zu einem Zusammentreffen mit <b>Shakhtar Donezk </b>und damit einem weiteren ukrainischen Verein kommen sollte.</p><p>Shakhtar Donezk ist sicherlich der Verein der Europa-League, dem derzeit am meisten Respekt gebührt. Seit Beginn des Krieges konnte der Verein kein Spiel mehr in der heimischen Donbass-Arena austragen. Alle "heimischen" Spiele mussten entweder nach Warschau oder in die westlich gelegeneren Städte Lwiw, Charkyiv oder Kiew verlegt werden. Schwer beschädigt wurde das Stadion, welches die Jahre zuvor wie kaum ein anderes für gemeinsame Begeisterung stand und insbesondere junge brasilianische Spieler immer wieder anzog. Denn für seine Brasilien-Connection waren die Ukrainer schon immer bekannt, vielleicht nicht für die Ronaldos, Rivaldos oder Neymars dieser Welt, aber zumindest für immer wieder hochtalentierte brasilianische Spieler aus der zweiten Reihe des Weltfußballs.</p><p>Diese brasilianischen Spieler wählten nicht zuletzt diesen Verein wegen, wie sie immer wieder selbst betonten, diesem Stadion und der mitreißenden Stimmung vor Ort, Luiz Adriano, Fred, Maycon, Tete und Willian sind nur einige von ihnen, die zum Teil dann auch in anderen Vereinen oder in der Nationalmannschaft große Karrieren hingelegt haben.</p><p>Nun ist das Stadion, was u.a. auch Austragungsort der Europameisterschaft 2012 war, geschlossen und der Verein ist derzeit auf der Flucht, dabei angewiesen auf andere Vereine, die ihnen ihre Stadien zur Verfügung stellen. Auch der wieder begonnene Spielbetrieb in der ukrainischen Liga ist strengen Regeln untergeordnet. Im Falle eines Bombenalarms müssen alle sofort in die Katakomben, nach 15 Minuten wird dann entschieden, ob das Spiel fortgesetzt werden kann oder nicht. Das hat zur Folge, dass der Spielplan starken Zeitverzögerungen ausgesetzt ist, da nie wirklich klar ist, ob ein Spiel überhaupt zu Ende gespielt werden kann oder im nächsten Moment die Bomben der russischen Flieger fallen.</p><p>Ob man in so einer Situation eigentlich überhaupt noch über Sport reden kann? Über die umsomehr beachtliche Nachwuchsarbeit eines inzwischen fast nur noch Ukrainern bestehenden Kaders von Shakhtar, da von den vielen Brasilianern, auf die der Club einst so stolz war, nur noch einer (Verteidiger Lucas Taylor) übrig ist? Über unfassbare neue Talente wie Taras Stepanenko, Marijan Svedt und dem alles überragenden Flügelstürmer Mikhailo Mudryk hinter dem derzeit mehrere große Premier-League-Vereine, u.a. der FC Arsenal, her sind? Über ebenso unfassbare Ergebnisse wie dem 4 zu 1 gegen RB Leipzig in der Champions League Gruppenphase?</p><p>Wie immer in solchen Extremsituationen gibt es hier auf allen Seiten nur Verlierer. Denn wieviele russische und nichtrussische Spieler sitzen derweile ebenfalls zu Hause vor dem Fernseher und fragen sich, wann dieser sinnlose Krieg - ein Krieg, an dem kein Spieler, welche Staatsbürgerschaft er auch immer besitzt, etwas kann - endlich beendet ist und auch sie mit ihren Vereinen wie Zenit St. Petersburg, Lokomotive Moskau, Spartak oder Krasnodar irgendwann mal wieder Normalität erleben dürfen, Auswärtsfahrten mit ihren Fans in andere Länder genießen können oder vielleicht sogar irgendwann auch mal wieder mit der russischen Nationalmannschaft mitfiebern können?</p><p>Alle diese russischen wie auch nichtrussischen Spieler genannter Vereine haben mit Vladimir Putins Angriffskrieg ungefähr so viel zu tun, wie Youssouffa Moukoko mit der Verletzung von Schwulen- und Frauenrechten in Ländern wie z.B. Katar oder dem Iran. Anstatt den Leuten weh zu tun, die in Wirklichkeit hinter dem Unrecht stehen, werden die zur Verantwortung gezogen, die mit dem, was sie tun vielleicht sogar Vorreiter sein könnten, was ein schnellstmögliches Ende dieser europäischen Katastrophe angeht: Musiker, Künstler, Sportler, eben all die, die schon aufgrund ihrer Berufswahl für etwas stehen, was grenzübergreifend ist, wie auch Menschen und Nationen miteinander verbindet.</p><p>Was ich mir, um den kleinen Exkurs in die Politik damit zu beenden, für die Zukunft wünschen würde? Neben einem maximal erfolgreichen Europa-League-Turnier für Shakhtar Donezk, welches den Menschen dort irgendwie wieder Hoffnung gibt und sie darin bestärkt, niemals aufzugeben, so schlimm die Situation auch ist, vielleicht auch einfach mal die Bilder, die man beispielsweise nach dem WM-Spiel Iran gegen die USA gesehen hat - Bilder, wo sich die Mannschaften beider seit Jahrzehnten verfeindeter Länder am Ende umarmt und damit der ganzen Welt gezeigt haben: "Wir sind hier als Freunde, Freunde, die die selbe Leidenschaft haben, nämlich mit Fußball unseren Fans unserer Nationen die größtmögliche Freude zu bereiten" - Bilder, die ausgelebt von ukrainischen und russischen Top-Sportlern allen korrupten Machthabern am Ende eins zeigen würden: "Hört endlich auf mit diesem Scheiß.</p><p>Wir leben hier in einem Europa von 2022, solche Dinge haben anders geklärt zu werden als mit Waffen an denen auf allen Seiten letztendlich auch noch die verdienen, die am wenigsten Interesse daran haben, dass Menschen in der Ukraine glücklich und angstfrei leben können.</p><p>Und wenn ihr etwas zu klären habt, trefft euch zu zweiundzwanzigst und klärt es verdammt noch mal in einem Elfmeterschießen. Macht vorher einen Vertrag aus, wer was will, der Verlierer hält sich dran und gut ist. Aber lasst uns da raus, so wie auch unsere Familien und all die vielen anderen Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden. Und wenn es nur ist, um wieder zu träumen - träumen von einer hoffentlich niemals ganz unmöglichen Utopie."</p><p>Träumen von einer Karriere, wie ihn z.B. der ukrainische - derzeit beim <b>FC Arsenal </b>spielende - Mittelfeldmann Alexander Zinchenko hingelegt hat, das tun sicherlich auch viele junge ukrainische Fußballer, neben Gabriel Jesus der zweite herausragende Transfer Arsenals im Sommer 2022. Beide Spieler spielten zuvor bei Manchester City und dass sie in der Premier-League-Tabelle vor der Winterpause mit ihrem Verein dann am Ende sogar vor ihrem Ex-Arbeitgeber stehen würden, das hätte vor der Saison sicherlich auch noch niemand gedacht.</p><p>Der Mann, der das Unmögliche möglich gemacht hat hört auf den Namen Mikel Arteta, dessen taktischer Mut neben einigen Toptransfers, bei dem wie im Falle von Verteidiger Ben White durchaus auch mal etwas tiefer ins Portemonnaie gegriffen wurde, sich bislang voll ausgezahlt hat. Dazu setzt man wie selten zuvor in der Geschichte der Londoner auf die eigene Jugend - wohlgemerkt in einer Liga, wo der Investorenwahnsinn im Fußball wie in keiner anderen Liga gelebt und, siehe Newcastle, sogar von den eigenen Fans zelebriert und gefeiert wird.</p><p>Man kommt also nicht umhin Arsenal zu einem der absoluten Top-Favoriten der Europa-League zu erklären. Ganze 11 von 13 Spielen konnte man in der Premier-League-Hinrunde gewinnen, darunter Spiele gegen Topvereine wie Chelsea, Tottenham und Liverpool. Dass man es weiterhin schafft, mit Bukayo Saka einen der derzeit teuersten und talentiertesten englischen Nationalspieler zu halten, spricht dann noch einmal mehr für die Rückkehr der einstigen „Invincibles“ auf der europäischen Bühne. Hinzu kommen mit Gabriel Martinelli und Reiss Nelson noch zwei weitere hochdekorierte Talente im Sturm und auch der kampfstarke schweizer Nationalspieler Granit Xhaka konnte in jüngster Zeit wieder zu alter Stärke zurückfinden.</p><p>Ob man es wirklich schaffen wird, sich in der Premier League bis zum Ende der Saison gegen das übermächtige Manchester City durchzusetzen wird sich zeigen. Derzeit scheint das Rennen ein Finale David gegen Goliath mit - wer weiß - einem überraschenden Ergebnis, wie es neben der italienischen Liga von den großen Ligen nur noch die Premier League immer wieder mal liefern kann. In der Europa-League, in der man 2019 schon das Finale erreichte, ist man auf jeden Fall als Tabellenführer der reichsten und wahrscheinlich besten Liga der Welt ganz weit vorne mit dabei.</p><p>Wie sähe indessen das perfekte Europa-League-Stadtderby-Finale aus wenn nicht: Betis Sevilla gegen den <b>FC Sevilla</b>! Die Europa-League-Light-Variante des spanischen Stadtderby-Champions-League-Finales von 2014 und 2016 Real Madrid gegen Atletico Madrid?</p><p>Theoretisch wäre dies Stand jetzt (Dezember 2022) zumindest auf dem Papier möglich. Interessanterweise aber wäre momentan, gemessen an der aktuellen Form, eben nicht, wie viele vermuten würden, der 6malige Europa-League-Sieger FC Sevilla Favorit in diesem Duell.</p><p>Vielmehr steht eben genau dieser Club derzeit auf einem direkten Abstiegsplatz in die Seria B. Weder unter Trainer Julien Lopetegui noch unter seinem prominenten Nachfolger Ex-Argentinien Coach Jorge Sampoali kommt die Mannschaft in der heimischen Liga auch nur ansatzweise in den Tritt. Ballverluste im letzten Drittel, Fahrigkeit in der defensiven Raumaufteilung und dazu auch noch eine extreme Harmlosigkeit in der Offensive prägen derzeit das Spiel des EL-Rekord-Champions.</p><p>Ob es die marokkanische Achse aus Torwart Bono und Stürmer Youssef En-Nesyri schaffen kann, den Teamgeist und den Siegeswillen wieder zurück in die Mannschaft zu bringen? Beide haben in der Nationalmannschaft erst kürzlich bewiesen, dass sie mit den Besten der Welt mithalten können, insbesondere Bono hätten viele bei der vergangenen WM sogar als „Torhüter des Turniers“ gesehen. (die Trophäe machte letztendlich der Argentinische Schlussmann Emiliano Martinez).</p><p>Hinzu hat man in der Defensive mit Marcos Acuna und Gonzalo Montiel sogar zwei Weltmeister im Kader, letzterer verwandelte sogar den entscheidenden Elfmeter im WM-Finale und brachte damit Millionen Argentinier ins Reich der Glückseligkeit und zu ihrem dritten WM-Titel. Diese Emotionen jetzt irgendwie mit in den tristen Ligaalltag mitzunehmen, das wird die entscheidende Aufgabe dieser genannten Spieler sein oder wie Sport-BILD-Experte Marcel Reif sagen würde: „die größte Party schön und gut, aber irgendwann ist dann aber auch wieder Montag, man muss ins Büro und einfach seinen Job erledigen.“ Sollte dies hingegen nicht gelingen, könnte es bereits in der Europa-League-Zwischenrunde gegen Ruud Van Nistelrooys durchaus kampfstarke Eindhovener eng werden.</p><p>Bereits sicher fürs Achtelfinale qualifiziert ist hingegen der Stadtrivale <b>Betis Sevilla. </b>Auch sonst kann man den weiteren Weg im europäischen Geschäft jetzt eigentlich so richtig schön freiburgeresk, sprich entspannt, angehen. Denn genau wie bei Freiburg schreit auch bei Betis Sevilla niemand auf, wenn die Sensation nicht gelingt, aber natürlich freuen sich alle, wenn sie gelingt - so wie im letzten Jahr in der Copa del Rey, wo man im Finale gegen Valencia sensationell den Ligapokal gewinnen konnte.</p><p>Schafft man es erneut auf die Betis-Stärken wie mannschaftliche Geschlossenheit und gemeinsames Arbeiten gegen den Ball zu setzen, wer weiß, was dann noch passieren könnte. Betis-Fans würden sich in jedem Fall freuen, wenn man sich auch in der Europa-League endlich mal aus dem Schatten des großen FC Sevillas lösen könnte. Bislang konnte man sich (während der Konkurrenzclub aus Sevilla den Europa-League-Titel zeitweise schon fast abonniert hatte) nur zwei mal für ein Europa-League-Achtelfinale qualifizieren, u.a. auch in der Saison 2021/22, wo man dann allerdings gegen den späteren Euopa-League-Sieger Eintracht Frankfurt ausschied.</p><p>Das größte Kopf-an-Kopf-Rennen findet derzeit zweifelsohne in der holländischen Liga statt, und - wie sollte es anders sein - natürlich unter genau den drei Vereinen, die nun auch in der Europa League um das Weiterkommen kämpfen, den holländischen Platzhirschen aus Amsterdam, Rotterdam und Eindhoven. Einzig und allein <b>Feyenoord Rotterdam</b>, der letztjährige Finalist der Europa Conference League, hat sich hier bereits sicher für das Achtelfinale qualifiziert, die beiden anderen hingegen müssen noch durch die Zwischenrunde.</p><p>Bei der <b>PSV Eindhoven </b>gilt es nun zunächst einmal den Abgang vom holländischen Shootingstar Cody Gakpo zum FC Liverpool diesen Winter zu verarbeiten. Glücklicherweise hat man hier mit Xavi Simons ein weiteres junges holländisches Stürmertalent im Kader (auch Simons war bei der WM in Katar dabei, wurde allerdings nicht eingesetzt). Generell ist die PSV derzeit drauf und dran Ajax in Sachen Talentschmiede mehr als nur ein bisschen Konkurrenz zu machen. Denn während man in Amsterdam auf dieser Position mit Klaassen, Bergwijn und Berghuis klar auf erfahrene Spieler setzt, hat der PSV Eindhoven in den letzten zwei Jahren gleich zwei niederländische Top-Talente entdeckt, die neben Arnaud Danjuma und Myron Boadu als vielleicht die niederländischen Superstürmer von morgen gelten, eben jene beiden Rohdiamanten Simons und Gakpo, bei denen letzterer vielleicht der entscheidende Spieler im holländischen Kader bei der vergangenen WM war.</p><p>Desweiteren sitzt mit Ruud van Nistelrooy derzeit jemand auf der Trainerbank, der wie kaum ein anderer schon als Spieler und Mittelstürmer holländischen Hurrafußball verkörperte. Umso bitterer erscheint der Abgang von Cody Gakpo und könnte - sollte Simons nicht in der Rückrunde komplett durchstarten - der PSV noch teuer zu stehen bekommen.</p><p>Bei <b>Ajax Amsterdam </b>hingegen wurde in dieser Saison mal wieder klar wie sehr der Verein dann doch darunter leidet, jährlich wieder und wieder seine besten Talente zu verlieren. Das BVB-Syndrom "vom Namen zu groß für einen Ausbildungsclub, aber dann doch auf die Transfererlöse angewiesen" schlägt hier bei Ajax schon seit Jahren auf eine noch viel intensivere Weise zu als bei den Schwarzgelben, da man sich im Verein von seinen Erwartungen eben nicht als Meisterverfolger eines anderen Clubs sieht, wie beispielsweise dem FC Bayern, sondern als die klare Nr. 1 in der holländischen Eredivisie. Und sicherlich könnte man aus den Top-Ajax-Talenten der letzten 5-6 Jahre eine Top 11 zusammenkriegen, die sogar um den Champions-League-Titel mitspielen könnte. Die Betonung liegt hier allerdings auf „könnte“. Denn auch wenn mit dem Ghanaer Mohammed Kudus schon wieder ein neues Talent in Amsterdam auf dem Weg ist, einer der ganz Großen und damit der nächste große Top-Transfer für Ajax zu werden - mittlerweile bemerkt man den Aderlass an Spielern von Ajax auch in der Stimmung bei den Fans.</p><p>Viele Ajax-Fans träumen nachwievor von der glorreichen alten Zeit unter Trainer Louis van Gaal, wo man noch Champions-League-Titelanwärter war. Dabei haben sie das Gefühl, dass der Verein für viele Spieler nur noch als Durchgangsstation wahrgenommen wird, eben eine Illusion auf Zeit. Für ein paar Jahre berauschen die neuen Stars ihre Fans mit teilweise überragenden Einzelaktionen, die großen Trophäen halten sie dann aber doch anderswo in die Höhe. Für Vereine, die diese Philosophie verfolgen, aber von ihrer Tradition her eigentlich andere Amibitionen haben, ist dies letztendlich Sisyphosarbeit. Sie verpflichten die größten Nachwuchstalente, verkaufen sie für viel Geld z.B. in die Premier League, nur um dann wieder von vorne anzufangen und am Ende wieder genau dort zu landen, wo man schon vorher war, in der ewigen zweiten Garde der europäischen Top-Clubs.</p><p>Erschwerend für Ajax kommt noch hinzu, dass der defensive Stil von Alfred Schreuder (Ex-Hoffenheim) weder dem entspricht, was man bei Heimspielen in der Johann-Cruyff-Arena offensiv gewohnt ist, noch so richtig zum aktuellen Kader passen will. Denn im Gegensatz zu noch vor ein paar Jahren, wo Ajax mit Virgil van Dijk und Mattijs de Ligt noch eine absolute Weltklassedefensive hatte, ist man hier, abgesehen von Jurrien Timber, derzeit eher suboptimal besetzt, nicht zuletzt weil auch ein Daley Blind sich derzeit kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern befindet und damit noch einmal mehr beweist, wie sehr ein Verein wie Ajax sich derzeit im "Wir-Bilden-Aus-Bitte-Bedient-Euch"-Modus befindet. Einen Erfolg von Ajax Amsterdam in der aktuellen Europa-League-Saison sehe ich daher eher skeptisch entgegen, ebenso einen von PSV Eindhoven, sollte nicht noch ein Ersatz für Cody Gakpo geholt werden.</p><p>Weitaus klarer ist die Hierarchie der drei Clubs aus der französischen Ligue 1 Stade Rennes, AS Monaco und FC Nantes. Der absolut klare Außenseiter ist dabei der <b>FC Nantes</b>, neben dem FC Sevilla der einzige Club, der derzeit zeitgleich Europa League, wie auch Abstiegskampf spielt. Auch bei ihrem letzten Gruppenspiel in der Europa League, einem 0 : 4 gegen den SC Freiburg, konnten die Franzosen alles andere als überzeugen, reihten sich dann aber dennoch auf Platz zwei hinter eben jenen Breisgauern in der Tabelle ein.</p><p>Bei Nantes bemerkte man in der Gruppenphase wieder das Problem, was auf so einige Clubs zutrifft, die sich eher in der unteren Hälfte der französischen Ligue 1 befinden: Zu viel Kampf, zu wenig Spielwitz, zu viel Disziplin in der Raumdeckung, doch dabei zu wenig Zug nach vorne.</p><p>Desweiteren fehlt Vereinen wie Nantes auch der Mut auf dem Transfermarkt auf höchstem Niveau zu scouten. Die Prioritäten liegen hier verstärkt bei Themen wie Fannähe und Authentizität, was auch immer wieder mal dafür sorgt, dass französiche Fanszenen, insbesondere aus Südfrankreich, medial oft mehr im Mittelpunkt stehen als auf sportlicher Ebene ihre Vereine. Nur wenige Vereine in der Ligue 1 schaffen das, was in der Saison 2020/21 dem OSC Lille gelungen ist (und was aktuell auch der RC Lens zumindest versucht) nämlich mit den Milliarden aus Katar, die Paris St. Germain zum französischen Dauermeister gemacht haben, wenigstens auf sportlicher Ebene irgendwie mitzuhalten.</p><p>Klar ist - die französische Liga hat ihre ganz eigenen Vibes. Insbesondere die Rolle des Heimatvereins spielt in Frankreich nochmal eine weitaus größere Rolle als z.B. in Deutschland, wo nicht nur Retortenclubs wie Hoffenheim und Leipzig Fans haben, die in ganz Deutschland verteilt leben, sondern auch Clubs wie der FC Bayern. Dass an einem Ort wie Nantes hingegen eine plötzliche Welle an z.B. neuen Marseille-Fans ausbricht, scheint wiederum nahezu ausgeschlossen. Man unterstützt seinen Verein hauptsächlich aus patriotischen und weniger aus sportlichen Gründen. Somit ist man emotional auch weitaus unabhängiger von Abgängen und Neuzugängen als in der Bundesliga, wo Spielern, insbesondere bei Vereinen wie Dortmund, Gladbach oder Frankfurt oft schwere "Verräter"-Vorwürfe seitens der eigenen Fans gemacht werden, wenn sich diese für ihre Karriere, ihr Portemonnaie und nicht für ihren Verein und ihre Fans entscheiden.</p><p>So wurden z.B beim <b>AS Monaco </b>auch keine „Verräter"-Rufe laut, als der aktuell größte französische Star Kylian Mbappé Monaco verließ, um sich Paris St. Germain anzuschließen, genausowenig wie diesen Sommer beim vielleicht derzeit formstärksten Mittelfeldspieler der französischen Nationalmannschaft Aurelien Chouameni.</p><p>Dies, wie auch die Fülle an neuen Talenten sorgt dafür, dass Monaco, obwohl sie aktuell nur auf Platz 7 in der Tabelle stehen, einen deutlich spritzigeren Fußball spielt als Nantes und auch auf dem Transfermarkt der deutlich raffiniertere Verein ist.</p><p>Was die Monegassen hier transfertechnisch seit Jahren auszeichnet ist: Scouting ohne jegliche Scheuklappen in Verbindung mit perfektem Timing. Ob es ein Kevin Volland ist, den man genau zu der Zeit aus Leverkusen geholt hat, wo sich der Transfer von Patrick Schick so langsam angebahnt hatte, ob es ein Ismail Jakobs ist, der als junges Talent beim FC Köln in der Saison 20/21 absolut herausragte, für den der AS Monaco zu der Zeit dann aber doch (gerade gehaltstechnsch) der logische nächste Schritt war oder eben Torwart Alexander Nübel, das vielleicht größte Fragezeichen des FC Bayerns in den letzten Jahren.</p><p>Für Alexander Nübel, dem vielleicht größten jungen deutschen Torwarttalent aktuell, hat sich nicht zuletzt der AS Monaco als absoluter Glücksgriff erwiesen, ein Glücksgriff, der aber auch dringend notwendig war. Denn bislang glich Nübels Geschichte schon fast einem schlechten Hollywood-Film, erst - so wie einst Manuel Neuer -  mit maximalem medialen Brimborium von Schalke zu den Bayern gewechselt, dann bei den Bayern auf der Bank gesessen, weil Manuel Neuer selbst dann noch auf jede Spielminute bestand, wenn es gegen das Barkeeper-Freizeitteam des Münchener Hofbräuhauses ging, um dann (insbesondere von Schalke-Fans schon als der neue Jan-Fiete Arp verschrien) irgendwie über eine Leihe bei Monaco zu landen.</p><p>"Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt" wie der Rapper Eko Fresh einst so schön sagte. Dieser Satz trifft wohl auf keinen zweiten Speler derzeit so zu wie auf Alexander Nübel. Warum also sollte er überhaupt zu den Bayern zurückkehren, nun wo es bei Monaco, einem ebenfalls großen Verein, grade so gut läuft?</p><p>Soll er etwa darauf hoffen, Manuel Neuer würde am besten für die nächsten Jahre verletzt bleiben oder, falls nicht, noch möglichst viele weitere waghalsige Skitouren unternehmen? Mit einem solchen Karma möchte doch kein Fußballer Fußball spielen. Insofern wären Monaco hier klar in der Poleposition, sollte Nübel aus seinem Schalke-Bayern-Wechsel gelernt haben.</p><p>Sollte dies aber nicht der Fall sein und Nübel wirklich noch diesen Winter zurück zu den Bayern gehen, könnten die Monegassen hinten ernsthafte Probleme bekommen, denn der französische Ersatzkeeper Thomas Didillion, mit 27 Jahren grade mal 1,2 Millionen Marktwert, kann Nübel derzeit nicht ansatzweise ersetzen.</p><p>.Der in der Ligue 1 derzeit erfolgreichste Europa-League-Teilnehmer <b>Stade Rennes </b>hingegen setzt in seiner Philosophie wie kaum ein anderer Verein in Europa klar auf Jugendförderung. Insbesondere zahlreiche Talente mit französischer Staatsbürgerschaft bekommen in der für seine mittelalterlichen Fachwerkhäuser bekannten französischen Stadt eine der besten Ausbildungen des Landes. Chiomaya Ugochukwu (17), Desirée Doué (17), Matthieu Albine (19) plus ganz vorne Stürmer Arnaud Kalimuendo (22) könnten möglicherweise schon bald Teil der nächsten Top-Generation im französischen Fußball werden. Dass Stade Rennes für seine herausragende Jugendakademie in ganz Frankreich bekannt ist, zeigt auch der enge Austausch mit der Nationalmannschafts-Landesakademie Clairefontaine, wenn es darum geht den jungen Talenten aus Clairefontaine den nächsten Schritt in den Profifußball zu ebnen. Denn welcher 17jährige träumt nicht davon sich - statt nur in den U17-Teams zu zocken - schon im zarten Alter von 17 mit Stars wie Lionel Messi und Kylian Mbappé zu duellieren? Bei Stade Rennes bekommen sie die Chance dazu.</p><p>Stade Rennes könnte also durchaus zu einer Überraschungsmannschaft dieser Europa-League-Saison werden, da in diesen jungen Spielern eine Menge Ehrgeiz schlummert und noch niemand absehen kann, wie groß ihr Potenzial wirklich ist. Fakt ist, dass viele der jungen wilden aus Rennes bereits jetzt schon technisch auf herausragendem Niveau spielen, ganz vorneweg Rennes Flügelstürmer Jeremy Doku, der an einem guten Tag locker mal ganze Abwehrreihen mit seinen Dribblings zu Zuschauern werden lassen kann. Dies hatte der Belgier auch zuletzt beim letzten WM-Gruppenspiel gegen Kroatien bewiesen, wo er einer der wenigen überzeugenden Akteure auf dem Platz war.</p><p>Ähnlich gut läuft die Jugendförderung beim österreichischen Vertreter <b>RB Salzburg</b>. Hier allerdings läuft die Ausbildung aufgrund des weltweiten Red-Bull-Netzwerkes, auf welchem der Verein fußt, noch einmal deutlich organisierter ab. Dies hat zur Folge, dass die Talente des österreichischen Serienmeisters bereits von Kind auf eine klare Perspektive aufgezeigt bekommen, die meistens heißt - Ausbildung beim Farmclub in Liefering, dann Wechsel zu RB Salzburg, um dann im Idealfall zum deutschen Partnerclub RB Leipzig zu wechseln.</p><p>Für viele Fußballfans scheint dieses Konstrukt nachwievor sehr befremdlich, für junge Spieler, die ihre Zukunft auf Sicherheit aufbauen, ist dieser für das schnelllebige Sportgeschäft eher seltene Berufsweg aber in mancher Hinsicht sicherlich sehr angenehm.</p><p>Dieser Weg ist eben ein für das Fußballgeschäft ungewöhnlich klassischer Berufsweg, was ja auch irgendwo zur Mozartstadt passt: du machst dein Abitur, um im Zweifelsfall BWL zu studieren, du studierst BWL, um dann im Zweifelsfall in einem Betrieb Kariere zu machen, der in erster Linie wirtschaftlich gut aufgestellt ist: Das mag alles wenig romantisch klingen, ist aber für viele junge Menschen der entspannteste Weg, um später sich und ihre Familie ernähren zu können.</p><p>Warum also soll man das Fußballern oder Trainern nicht auch gewähren?</p><p>Aus diesem Grund würde ich auch niemals einem Spieler einen Vorwurf machen, der sich statt für Schalke oder Frankfurt für Salzburg oder Leipzig entscheidet. Dass mich erstere Vereine als Fan mehr abholen, ist einfach nur meine rein subjektive Wahrnehmung, woraus dann natürlich folgt, dass ich über diese Vereine mehr weiß und mehr schreibe (dies nochmal als kleine Erklärung zu meiner kleinen Leipzig-Kritik in meinem Champions-League-Special.)</p><p>Jeder Verein soll arbeiten, wie er will und Vorwürfe, wie dass ein Verein wie Leipzig bei einem Erfolg einem anderen Verein den Platz wegnehmen würde ist Quatsch. Wenn überhaupt könnte man hier seitens der DFL mal die wirklichen Fanzahlen anhand der Einschaltquoten und Zuschauerzahlen checken und sich überlegen, ob vielleicht dann doch die Vereine in der Verteilung der Fernsehgelder mehr bevorzugt werden sollten, die die meisten Zuschauer ziehen und nicht die, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Poleposition in der Tabelle am Erfolgreichsten sind.</p><p>Letztendlich ist dies ja in jedem anderen Entertainment-Sektor genauso. Wenn ein Menderes Bagci beispielsweise in einer Unterhaltungsshow wie "Deutschland sucht den Superstar" einfach aufgrund seines Entertainment-Faktors oder weswegen auch immer jedes Jahr die meisten Fernsehzuschauer zieht, wird er für die Macher der Show (was im Fall Bundesliga die DFL wäre) bevorzugt behandelt, unabhängig davon, ob er jetzt besser oder schlechter singt als andere Kandidaten.</p><p>Dies wäre zumindest mal ein interessanter Ansatz für die Bundesliga, der auch publikumsstarken Traditionsvereinen wie dem 1. FC Kaiserslautern, Dynamo Dresden, Schalke 04, dem 1. FC Köln oder dem HSV auch kurzfristig wieder ganz andere Türen auf dem Transfermarkt und damit dann auch sportlich öffnen könnte.</p><p>Doch zurück zum Thema Salzburg, wo umsomehr im Winter 2019 überrascht hat, dass der eigentlich schon sicher in Leipzig gehandelte Salzburg-Youngstar Erling Haaland sich dann doch dafür entschieden hat, nicht diesen typischen RB-Weg zu gehen u.a. auch - und hier wären wir wieder beim oben genannten Punkt - aufgrund der Stimmung im Stadion und den enthusiastischen BVB-Fans. Dies hatte Erling Haaland nach seinem Wechsel zu Dortmund wieder und wieder selbst betont.</p><p>Doch nicht jeder brauch eben exzessive Fanaufmärsche oder eine authentische Vereinshistorie, um einen Ball mit dem Fuß von A nach B zu tragen, weswegen mittlerweile auch viele österreichische Nationalspieler oder U-Nationalspieler in Salzburg bleiben, darunter Andreas Ulmer, Maximilian Wöber, Nicolas Seiwald und Junior Adamu. Ob sich das noch verstärkt, jetzt wo auch noch Ralf Rangnick österreichischer Nationaltrainer geworden ist - einst einer der entscheidenden Strippenzieher, was den Erfolg der RB-Vereine angeht? Zumindest kann man sich aufgrund dieser Zusammensetzung sicherlich auf eine sehr spannende Zeit im österreichischen Fußball freuen.</p><p>Freuen kann man sich sicherlich auch auf José Mourinhos <b>AS Rom</b>, vorausgesetzt „The special one“ ist bis dahin überhaupt noch Trainer, wurde er doch nach der WM in Katar sowohl mit dem brasilianischen, wie auch mit dem portugiesischen Nationaltrainerposten in Verbindung gebracht. Denn immerhin hat er mit der Roma ja grade erst einen Titel gewonnen - den Sieg in der Europa Conference League, dem drittgrößten europäischen Wettbewerb, bei dem Mourinhos legendäre Aussage „ich bezeichne mich nicht als Besten, ich kenne nur keinen Besseren“ gegen Gegner wie Vitesse Arnheim, Bodo/Glimt und der Jahrhundertgeneration von Zorya Lugansk nochmal einen ganz neuen Charme bekam - nichts gegen Lugansk, aber diese Gegner zeigen dann doch, dass dieser Wettbewerb einfach dann doch nicht die ganz große Herausforderung für einen Top-Trainer wie José Mourinho ist.</p><p>Dennoch befindet sich die Roma durchaus im Aufschwung - mit einem Kader, der sich grade in der Offensive international absolut sehen lassen kann. Tammy Abraham, Andrea Belotti, das italienische Megatalent Niccolo Zanioli, wie auch nicht zuletzt der von Juventus Turin dazugestoßene argentinische Superstar Marco Dybala, das alles verspricht sehr viel und sollte Mourinho es irgendwie schaffen, so wie einst beim FC Chelsea der Roma eben jene "Wer-seid-ihr-da-draußen-eigentlich-alle-wir-sind-doch-eh-die-geilsten"-Wagenburg-Mentalität zu vemitteln, könnte auch im eins höher gerankten europäischen Wettbewerb extrem viel drin sein.</p><p>Das Interessante am Projekt Roma ist, dass für José Mourinho der Weg mit der Roma wieder ein wenig der Weg zurück zu seinen Wurzeln ist, nämlich nach Porto, wo er einst ebenfalls mit einem absoluten und in der Form noch nie auf der Fußballlandkarte vertretenen Underdog-Verein namens FC Porto (der einzige Champions-League-Sieger seit 2000, der nicht aus den Top-5-Ligen stammt) sensationell den Henkelpott gewinnen konnte.</p><p>Denn nach so vielen Stationen ist Mourinho endlich wieder da angekommen, wo er als Underdog eigentlich nur alle überraschen kann: Überraschen, schockieren, begeistern, eben „The Special One“ und mit der Roma sicherlich diese Saison auch einer der Mitfavoriten auf den Europa-League-Titel.</p><p>Wie aber geht die Reise für <b>Bayer Leverkusen </b>weiter, den Gegner vom AS Monaco? Hier beruht im Grunde alles auf zwei Fragen: Zum einen wäre da die Frage inwieweit und vor allem wie genau Trainer und Weltmeister Xabi Alonso es schaffen kann die Mannschaft mitzureißen und dabei vor allem die jungen Defensivspieler rund um Jeremie Frimpong, Edmond Tapsoba und dem zuletzt auch in der Nationalmannschaft Ecuadors überzeugenden Piero Hincapie emotional mitzunehmen, zum anderen die Frage, inwieweit sich das aus seiner Kreuzbandrissverletzung zurückkehrende 19jährige deutsche Gigatalent Florian Wirtz wieder in die Mannschaft einfügen wird.</p><p>Denn trotz einer in der Bundesliga-Hinrunde auch oftmals fehlerbehafteten Abwehrkette, war es doch vor allem die Offensive, die letztlich erschreckend schwächelte. Hierbei muss man auch den Mittelstürmer hinzuzählen, den viele vor der Saison noch als Torschützenkönig getippt hatten: Patrick Schick.</p><p>Spielte Leverkusen hingegen erfolgreich, kamen fast alle Angriffe über außen, Jeremie Frimpong und Moussa Diaby waren hier die entscheidenden Spieler. Dieses könnte sich mit Florian Wirtz aber entscheidend ändern und muss sich auch ändern, möchte man in der Europa League eine Chance haben weit zu kommen. Florian Wirtz könnte hier genau dieser Gegenpol zu dem eher defensiv ausgerichteten Robert Andrich sein. Mit seiner für sein Alter überragenden Spielintelligenz könnte er dafür sorgen, dass es Teams wie Monaco nicht so einfach möglich sein wird Leverkusen offensiv den Riegel vorzuschieben indem sie einfach mit zwei starken Außenverteidigern die Flügel dicht machen.</p><p>Sicherlich wäre aber auch transfertechnisch die ein oder andere Verstärkung hilfreich. Ausgerechnet der momentan bei Monaco unter Vertrag stehende Ex-Kölner Ismail Jakobs wurde hier zuletzt gehandelt, da er in Monaco in letzter Zeit unter Philippe Clement relativ wenig Spielpraxis bekam. Das Wichtigste aber ist, dass die Mannschaft die Gewissheit zurückbekommt, offensiv eine der stärksten Mannschaften der Bundesliga zu sein, eine Mannschaft, die, so wie der FC Bayern und der BVB, in erster Linie für "schönen" Fußball steht. Dieses Selbstbewusstsein war insbesondere in den letzten Wochen unter Xabi Alonsos Vorgänger Gerardo Seoane nicht mehr zu sehen und muss zurück, damit die Saison für Leverkusen doch noch erfolgreich wird. Daher könnten die Spiele gegen die AS Monaco zwei ganz Entscheidende sein, auch für den weiteren Erfolg der Leverkusener in der Bundesliga. Ist man international noch konkurrenzfähig oder geht man den Schalke-/Stuttgart-/Hertha-Weg und entwickelt sich zum Krisenclub? Kaum ein Verein befindet sich hier derzeit in so einer Weggabelung wie Bayer Leverkusen. Somit liegt es an allen Verantwortlichen, das Lenkrad rumzureißen und wieder auf die richtige Spur zu kommen, die mindestens heißes muss - europäisches Geschäft, sprich Europa League.</p><p>Und hiermit wären wir beim letzten großen Thema, man könnte sagen: Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen der diesjährigen Europa-League-Saison. (meinen Heimatverein Union Berlin behandle ich in einem zeitnah erscheinenden Special noch einmal ausführlicher, also nicht wundern, liebe Union-Fans).</p><p>Denn was haben Manchester United, Juventus Turin, der FC Barcelona und der SC Freiburg gemein? Sie alle meinen von sich, eigentlich nicht in die Europa League zu gehören oder (das muss man im Fall <b>SC Freiburg </b>fairerweise sagen) meinten es zumindest mal. Denn die Zeiten, wo Freiburg-Trainer Christian Streich mit den Worten „so viele Spiele. Wie solln wir dasch nu schaffn?“ schon beim Gedanken an Europa gefühlt die Hände über den Kopf schlägt, scheinen spätestens seit dieser Saison, wo man aktuell auf Platz 2 grade mal 4 Punkte hinter dem FC Bayern steht, endgültig vorbei.</p><p>Nun heißt es aus Christian Streichs Mund viel eher: „Die Zeiten, wo wir nicht mehr sexy sind, sind vorbei. Dafür bin ich jetzt nicht mehr sexy.“ Auch gut, wir lieben dich trotzdem, werden sich viele Freiburg-Fans wohl sagen.</p><p>Dennoch gibt es nachwievor Menschen, die sich am Image des SC Freiburgs als sympathischer Heimatverein reiben. Vielen scheint das ganze Freiburg-Universum irgendwie zu schön um wahr zu sein, wenn man sieht, wie rasant der Fußball immer kommerzieller und für normale Menschen überhaupt nicht mehr greifbar wird. Kehrt ein hochdekorierter Nationalspieler wie Matthias Ginter wirklich nach Freiburg zurück, nur weil er sich in seiner Heimat Freiburg am Ende am wohlsten fühlt? Kann so etwas 2022 auf diesen Niveau wirklich noch wahr sein? Klar, eine 0 zu 5 Niederlange gegen den FC Bayern in der Bundesliga sorgt dann für einen Abend zumindest mal wieder dafür, dass einem als Freiburg-Fan wieder klar wird, dass man sich das alles zumindest gerade nicht komplett einbildet.</p><p>Grundsätzlich zeichnet sich der SC Freiburg dadurch aus, dass er auch in der Führungsriege immer mit einem klaren Teamgedanken arbeitet: Jeder kennt jeden, jeder weiß genau, wie seine Kollegen ticken, alles bildet am Ende eine Harmonie. Zerwürfnisse oder Klüngeleien, wie man sie beispielsweise in Stuttgart oder beim HSV kennt, scheinen in Freiburg undenkbar. Desweiteren funktioniert bei keinem anderen Verein in Deutschland derzeit die Jugendarbeit so gut. Der Übergang zu den Profis erscheint hier nahezu nahtlos, hinzu ist auch die Freiburger Jugendmannschaft mittlerweile Stammgast in der dritten Liga und damit eine der Besten des Landes. Die einzige Frage rund um den Verein mit dem mit Abstand dienstältesten Trainer Deutschlands (seit 2012 im Amt, selbst europaweit topp ihn einzig und allein Atletico-Trainer Diego Simeone um ein Jahr) ist die Frage nach der Zukunft. Was passiert, wenn Leute wie Christian Streich oder andere aus dem Vorstand, die teilweise schon seit Jahrzehnten für den SC Freiburg arbeiten, altersbedingt irgendwann doch mal gehen?</p><p>Kann der SC Freiburg auch ohne dieses Dreamteam aus Jochen Saier, Klemens Hartenbach und Christian Streich weiterhin dieser „ganz andere Verein“ in Deutschland sein? Ist die Philosophie des SC Freiburgs mittlerweile so weit gereift, dass sie, wie beim FC Bayern auch dann noch funktionieren würde, wenn neue Gesichter für den Verein stehen würden?</p><p>Das alles sind sicherlich Fragen, die man sich in Freiburg früher oder später mal stellen muss, für die aktuelle Europa-League-Saison sollte dies allerdings nicht von Relevanz sein. Aus diesem Grund kann man dem bereits sicher qualifizierten Achtelfinalisten aus dem Breisgau nur Glück wünschen. Wann, wenn nicht jetzt? Eintracht Frankfurt haben es schließlich vorgemacht.</p><p>Vorgemacht, wie man bergeweise Schulden in Milliardenhöhe macht, hat hingegen der FC Barcelona, <b>Juventus Turin </b>allerdings hat es hervorragend nachgemacht. Und nun stehen sie beide dort, wo sie niemals stehen wollten, beide - grade erst frisch aus der Champions League abgestiegen - in der Europa League. Tja, Leben kann manchmal hart sein, um dann, wenn es am härtesten erscheint, noch härter zu werden.</p><p>Denn auch wenn es sportlich bei der alten Dame derzeit wieder besser läuft (Platz 3 in der Liga) ist das wirtschaftliche Umfeld mittlerweile eins, was mit Fußball eigentlich nichts mehr zu tun hat. Hierbei sollte man vorweg erwähnen, dass Juventus Turin schon seit Dekaden von der Familie Agnelli geleitet wird, die - ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen - durchaus dafür bekannt ist, hin und wieder finanziell und steuerlich ein bisschen zu tricksen. Geschenkt, andere Vereine tun es auch, nur lassen sich Juventus Turin dabei irgendwie immer erwischen.</p><p>Laut neuesten Ermittlungen der italienischen Finanzbehörde Consop soll Juventus Turin alleine für die Saison 2021/22 ein Steuerminus von über 264 Millionen eingefahren haben, womit Konsequenzen wie ein erneuter Zwangsabstieg in die 2. Liga (so wie schon beim Calciopolo-Skandal im Jahr 2006) drohen könnte. Dazu könnten auch Transfersperren und Steuernachzahlungen in so unermesslicher Form drohen, dass fraglich ist, inwieweit man den aktuellen Kader überhaupt noch in der Form zusammen halten kann.</p><p>Dies war der Stand vor vier Wochen, nun heißt es allerdings nicht mehr "von der Familie Agnelli geleitet wird" sondern „von der Familie Agnelli geleitet wurde“. Denn was passierte? Mit einem Schlag trat nahezu der gesamte Vorstand zurück, was heißt neben Präsident Andrea Agnelli auch der Vize-Präsident, die tschechische Spielerikone Pavel Nedved.</p><p>John Elkann heißt nun der neue starke Mann, der Juventus Turin nun irgendwie aus dem Schlamassel retten soll, bis auf die Aussage „es kommen spannende Zeiten auf uns zu“ kamen aber bislang wenig geniale Ideen. "Live the moment" heißt daher das Motto, und damit: Vielleicht wenigstens schnell noch die Europa League gewinnen? Hier hofft man weiter auf den endgültigen Breakout des serbischen Mittelstürmers Dusan Vlahovic, der nach seiner Gigasaison beim AC Florenz von vielen Experten schon auf Augenhöhe mit Erling Haaland und Kylian Mbappé gehandelt wurde, zuletzt aber bei Turin und in der serbischen Nationalmannschaft nicht einmal mehr regelmäßig in der Startelf stand.</p><p>Bei Juventus Turin hat Vlahovic mit seinem Landsmann Filip Kostic von Eintracht Frankfurt nun zumindest noch einen der besten Vorlagengeber Europas zur Seite bekommen und auch sonst - Weltmeister 2022 und WM-Finaltorschütze Angel di Maria, Weltmeister 2018 Paul Pogba, Vize-Weltmeister 2022 Adrien Rabiot - letztendlich alles Namen von einer solchen Strahlkraft, dass man die Europa League damit eigentlich gewinnen muss.</p><p>Und <b>Manchester United, </b>der dritte außergewöhnliche Gentleman, für den im Gegensatz zu Juventus die Europa League mittlerweile schon fast zur neuen Normalität geworden ist? Hier wird sich nun entscheiden, inwiefern all jene Vorwürfe des vom Hof gejagten Superstars Cristiano Ronaldo, der Verein wäre veraltet und nicht mehr das Manchester United von vor 10 Jahren, komplett haltlos waren oder ob hier ein ähnlicher Fall vorliegt, wie beim von der Zeitung mit den 4 Buchstaben veröffentlichten Klinsmann-Tagebuch nach dessem Abgang bei Hertha BSC.</p><p>Klar, einen Verein verlassen, um dann nochmal öffentlich nachzutreten, ist niemals schön, dennoch hat der Fall Hertha/Klinsmann zumindest gezeigt, dass in solchen Fällen auch unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kommen können, die am Ende dann auch einfach mal Wahrheiten sind.</p><p>Wenigstens ist man bei Manchester United nun endlich bereit für den Neustart. Eine Trennung von der US-amerikanischen Familie Glazer steht kurz bevor, der Kader wurde deutlich verjüngt, u.a. mit dem brasilianischen Flügelflitzer Antony und desweiteren wurde mit Erik ten Hag ein Trainer geholt, der bereits bei Ajax Amsterdam bewies, dass er etwas aufbauen kann.</p><p>Damit das, was unter Ralf Rangnick, wie auch zuvor unter Ole-Gunnar Solksjaer nicht funktionierte, aber funktioniert, brauch es nun vor allem eines, nämlich eine geordnete Zusammenarbeit im gesamten Team. Hier wird insbesondere entscheiden, ob Manchester United im Winter nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo nochmal in der Offensive auf dem Transfermarkt tätig wird oder ob man tatsächlich auf die 3 Antonys setzt: Anthony Elanga, Anthony Martial plus eben jener brasilianische Antony, den man geradeerst für 85 Millionen aus Amsterdam geholt hatte.</p><p>Natürlich wäre da noch ein Marcus Rashford zu nennen, dennoch - so ganz vollkommen wirkt der United-Kader im Sturm noch nicht, so dass alles nach einem weiteren Königstransfer riecht. Ob dieser so schnell stattfinden wird, hängt einmal mehr von der Investorenfamilie Glazer ab. Solange diese im Boot sind, wollen sie finanziell keine Risiken mehr eingehen, möchte man doch trotz sportlichem Misserfolg der letzten Jahre zumindest wirtschaftlich als Sieger aus der United-Sache herausgehen. Selbst einem Cody-Gakpo-Transfer trat man seitens der Glazers skeptisch gegenüber, was die Konkurrenz aus Liverpool blitzschnell ausnutzte in dem sie Gakpo den Red Devils quasi vor der Nase wegschnappten.</p><p>Ebenso bleibt die Torwartposition eine vakante Stelle. Denn schon lange liefert der langjährige spanische Nationaltorwart nicht mehr die Leistungen und die Verhandlungen mit Borussia Mönchengladbach rund um deren Nr. 1 Yann Sommer verlaufen derweile auch eher schleppend. Das größte Problem ist aber, dass man bereits im Achtelfinale den vielleicht größten Brocken schlechhin zugelost bekommen hat - mit genau dem Verein, der von seiner Historie wohl mehr als jeder andere Verein dieser Europa-League-Endrunden so gar nicht in dieser Europa League spielen möchte: Dem <b>FC Barcelona.</b></p><p>Zum FC Barcelona sei eigentlich nur eines gesagt:</p><p>Darf man als Fußballblogger und Sportjournalist eigentlich hin und wieder auch einfach nur träumen? Oder muss man immer nur berichten von all den Schuldenbergen und einer Misswirtschaft, die jeden Football-Manager-Zocker nur mit einem komplettes Stirnrunzeln zurücklässt. "Moment mal" wäre hier die einzige berechtigte Frage. "Habe ich vielleicht dieses Spiel nicht verstanden? Ging es bei diesem Computerspiel nicht eigentlich darum mit einem Verein ein möglichst großes Plus zu erwirtschaften? Oder ist der wahre Sinn dieses Spiels am Ende doch wie bei Mankomania? - jenes Brettspiel, was einst auf so herrliche Weise Monopoly veräppelt hat in dem es den kompletten Sinn von Monopoly einfach ins Gegenteil verkehrt hat."</p><p>Schaut man auf den FC Barcelona der letzten Jahre kommen einem durchaus Zweifel, ob man das Computerspiel Football Manager vielleicht einfach nur sein Leben lang einfach nur nie richtig verstanden hat?</p><p>„Sie haben kein Geld, doch kaufen jeden Spieler, den sie haben wollen“, hat es Bayern-Trainer Julian Nagelsmann erst kürzlich so wunderschön auf seine typisch eloquent wie direkte Art auf den Punkt gebracht.</p><p>Und trotzdem möchte ich träumen, nicht von der Vergangenheit, all diesen Pep Guardiolas, Messis, Neymars, Iniestas - nein, ich möchte träumen von der Zukunft, jener Zukunft, wo genau diese Spieler, die nie viel Geld gekostet haben, sondern einfach nur das Produkt der eigenen Nachwuchsakademie La Masia sind, brillieren - das Produkt einer absolut herausragenden Nachwuchsarbeit: Pedri, Gavi, Ansu Fati, Alejandro Baldé und noch so viele weitere junge Spieler, wo man schon bei dem Gedanken, wo diese Spieler mal in ein paar Jahren stehen könnten, Gänsehaut bekommt. Das sind die Spieler, denen man es gönnt, mit dem FC Barcelona wieder die Welt zu erobern und meinetwegen noch den Mond, wo dann von mir aus auch die Super League stattfinden kann (dort stört sie wenigstens keinen).</p><p>Hiervon möchte ich träumen - träumen von dem Verein, der mich in meiner Kindheit neben meinem Heimatverein Union Berlin wie kein anderer geprägt hat, mich hineingeführt hat in einen Sport, der ist wie Musik, so voller System und dennoch zu jeder Zeit unberechenbar - der immer bereit ist, einen komplett zur Ruhe kommen zu lassen, um einen im nächsten Moment wieder in komplette Ekstase zu bringen.</p><p> Ich möchte aber auch träumen von einem Vorstand, der dann hoffentlich auch eines gelernt hat: Nämlich dass es nicht immer die Megatransfers für irgendwelche Mondablösesummen sind, sondern dass man als ein FC Barcelona gerne auch mal stolz sein darf auf seine Strahlkraft, die dann eben dafür sorgt, dass Ikonen wie zum Beispiel Xavi ein Leben lang mit diesem Verein verbunden sind und sich in dieser schwierigen Zeit dann genau dieser Aufgabe stellen - dieser vielleicht gewaltigsten und schwierigsten Aufgabe im Weltfußball derzeit, den FC Barcelona wieder dorthin zurückzubringen, wo er einst war, nämlich jedes Jahr einer der Top-Favoriten auf die Champions-League-Trophäe zu sein.</p><p>Und genau deswegen wünsche ich mir den FC Barcelona als Europa League Sieger 2022/23 - als das erste Zeichen für eine neue Ära, beginnend mit dem nachwievor authentischsten Wettbewerb in diesem ganzen Fußballwahnsinn - für alle die vielen jungen Barca-Talente der erste große Titel in ihrer Karriere.</p><p>Denn bei all dem Schuldenwahnsinn gibt es immer noch keinen Verein, der was seine Qualität in allen sportlichen Bereichen angeht, so vollkommen ist wie Barcelona. Hierzu gehört auch, dass nicht nur die Jugendteams, sondern auch die Frauenmannschaft seit Jahren auf einem weltweit herausragendem Niveau spielt.</p><p>Und sicherlich ist es schön, einem Weltklassestürmer wie Robert Lewandowski beim Kicken zuzuschauen. Dennoch ist es nicht das, was der FC Barcelona langfristig brauch, um wieder zu sich selbst zu finden.</p><p>Jene Kids, die normalerweise noch die Schulbank drücken würden und die auf einmal alles reißen und wissen "Wir, genau wir könnten diese neue Generation sein, die Barcelona wieder an die Spitze bringt.": Das war schon immer und nicht erst seit Lionel Messi die DNA von Barca und das muss sie wieder werden.</p><p>Denn natürlich ist Spotify eine schöne Plattform zum Mucke genießen  und "mit Schläuchen am Leben gehalten von Goldmann Sachs" klingt irgendwie auch ganz nett, am Ende ist es aber doch die eigene Kreativität, der Glaube an die eigene Innovation und das eigene Können, was wirklichen und damit meine ich auch inneren Erfolg letztendlich ausmacht - die DNA eines Vereins aus Fansicht, der durch einen Verein verkörperte Glaube an sich selbst an dem man sich als Fan aufrichten kann.</p><p>Einer Gruppe von zum Teil noch minderjährigen, die irgendwann sagen kann: Wisst ihr noch? Damals! Diese neue Ära, die begann - mit diesem einen Europa-League-Titel. Den Titel in einem Wettbewerb, den wir eigentlich nie spielen wollten und der uns dennoch wieder das werden ließ, was wir sind - am Ende dann nämlich doch: Der FC Barcelona.</p><p><br /></p><p>Prognosen:</p><p><br /></p><p>Europa-League-Teams, die die Erwartungen erfüllen werden:<br /></p><p>- PSV Eindhoven</p><p>- RB Salzburg<br /></p><p>- Betis Sevilla</p><p>- Real Sociedad San Sebastian</p><p>- Fenerbahce Istanbul</p><p><br /></p><p>Europa-League-Teams, die die Erwartungen nicht erfüllen werden:</p><p><br /></p><p>- Manchester United</p><p>- Juventus Turin</p><p>- Bayer Leverkusen</p><p>- Ajax Amsterdam</p><p>- Ferencvaros Budapest</p><p>- Feyenoord Rotterdam- </p><p><br /></p><p>Europa-League-Teams, die überraschen werden:<br /></p><p>- FC Barcelona</p><p>- FC Sevilla</p><p>- FC Arsenal</p><p>- Shakhtar Donezk<br /></p><p>- Union Berlin</p><p>- AS Monaco<br /></p><p>- Stade Rennes</p><p>- AS Rom</p><p>- SC Freiburg</p><p><br /></p><p>(written by Leon Buche)</p><p><br /></p><p><br /></p>]]></description><link>https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-europa-league-2023</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-europa-league-2023</guid><dc:creator><![CDATA[footballutopia]]></dc:creator><pubDate>Sat, 31 Dec 2022 11:13:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Vorschau Champions League KO-Runden 2023]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://vakantio.de/uploads/f437e42a263e2722643e5968c1a5b1ed_large.jpg" /><figcaption>Vorschau Champions League KO-Runden 2023</figcaption></figure><p>Was kann es, um seine Begeisterung für den deutschen Fußball nach dem enttäuschenden Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft und der ohnehin nur wenige Deutsche wirklich begeisternden Winter-WM im Unrechtsstaat Katar, derzeit besseres geben als der Blick auf die aktuelle Champions-League-Saison?</p><p>Denn wo sich im Jahr 2021/22 mit dem FC Bayern grade mal eine einzige deutsche Mannschaft für die KO-Runde qualifiziert hatte, sind es diesmal ganze vier deutsche Mannschaften, die die Herausforderung Achtelfinale gerockt haben. Damit steht die Bundesliga vom Erfolgsfaktor in dieser Champions-League-Saison auf Platz eins zusammen mit der angeblich so uneinholbaren Premier League und vor den vielleicht spannendsten und brandheißesten Battles für die vier deutschen Vereine in dieser Saison.</p><p>Manchester City, FC Chelsea, Paris St. Germain und SSC Neapel heißen die Gegner der deutschen Champions-League-Achtelfinalisten RB Leipzig, Borussia Dortmund, Bayern München und Eintracht Frankfurt.</p><p>Dazu ist mit Jürgen Klopp noch einer der beliebtesten deutschen Trainer der jüngsten Zeit im Wettbewerb, der nun noch einmal die Chance hat, sich an Real Madrid für das Finale im Juni 2022 zu revanchieren, welches entgegen allen statistischen Werten mit 0 zu 1 verloren ging. Könnte es Klopp mit einer erfolgreichen Revanche gelingen aus der bislang eher misslungenen Liverpool-Saison doch noch eine erfolgreiche zu machen? Wer sind die tatsächlichen Favoriten in diesem Jahr, bezogen auf ihre aktuelle Formstärke? Sind es auch in diesem Jahr wieder die wirtschaftlich dominierenden Premier League Clubs?</p><p>Oder schafft es das zuletzt bei der WM so furios aufspielende Sturmduo Kylian Mbappé und Lionel Messi den Henkelpott nun endlich auch mal nach Paris zu holen? Oder ist es am Ende doch wieder Real Madrid, die der Welt noch einmal mehr zeigen werden, dass sie mit ihrer fast schon arroganten Siegesgewissheit auch weiterhin dauerhaft der Favorit um den größten Titel im europäischen Vereinsfußball sind? Und vor welchem Underdog sollte man sich in dieser Saison besonders in Acht nehmen? Läuft die portugiesische Liga, deren dritter Champions-League-Vertreter Sporting Lissabon nur haarscharf am Achtelfinaleinzug vorbeigesaust ist, so langsam der spanischen Liga den Rang ab? Denn bislang ist die spanische La Liga der große Verlierer der bisherigen Champions-League-Saison. Einzig und allein mit einem Vertreter (Real Madrid) ist man noch im Rennen, dafür aber mit insgesamt vier Vertretern im vermeintlich kleineren Wettbewerb Europa League. Und inwieweit sind die jüngst wiedererstarkten Mailänder Clubs schon bereit möglicherweise doch irgendwann mal wieder an die CL-Triumphe von 2010 (Inter) beziehungsweise 2007 (AC Mailand) anknüpfen zu können?</p><p>Und wie geht der FC Bayern mit seinem Verletzungspech (mit Manuel Neuer, Sadio Mané und Lucas Hernandez gleich 3 Schlüsselspieler, die mit teils schweren Verletzungen auf unbestimmte Zeit ausfallen) um? </p><p>Und welche Rolle spielt der derzeit überragend aufspielende italienische Tabellenführer SCC Neapel dessen absoluter Superstar, der schon jetzt von italienischen Medien als „Kvaradonna - der georgische Maradonna“ bezeichnete Flügelflitzer Cwitcha Kvaratskhelia, im ersten CL-Spiel beim 4 : 1 gegen den FC Liverpool die Abwehr rund um Virgil van Dijk (Europas Fußballer des Jahres 2019) teilweise aussehen ließ wie Schuljungen? Ist Neapel dieses Jahr die absolute Wildcard - die jungen Wilden, die sich um gar nichts scheren, sondern einfach durchziehen und damit am Ende vielleicht sogar alles gewinnen können?</p><p>Bei meinen Analysen werde ich, wie schon bei meiner Vorschau auf die EM 2024, nach meinem gewohnten Prinzip verfahren: Welche Mannschaften werden angesichts ihrer Erwartungen und finanziellen Möglichkeiten enttäuschen, welche hingegen überraschen? Wer sind die Hottakes - alles am Ende natürlich auch nochmal für euch aufgelistet mit der Hoffnung, dass am Ende dann doch wieder alles anders kommt. </p><p>Denn so ist der Fußball eben und darum lieben wir ihn alle. Also - los geht's!</p><p>Der kleinste Hottake wäre wohl einfach mal zu behaupten, dass man den <b>Club Brügge </b>schon mal klar in die Rubrik „Erwartungen übertroffen“ einordnen kann. Hier gibt es glaube ich keine zwei Meinungen, auch da das Team von Trainer Carl Hoefkens selbst in der mäßig besetzten belgischen Liga derzeit weitentfernt von einer Spitzenreiterposition in der Tabelle ist (ganze 13 Punkte ist ihnen der KRC Gent bereits enteilt). </p><p>Ganz abgesehen davon befindet sich der belgische Fußball derzeit ohnehin in einer Krise, das Selbstbewusstsein der letzten Jahre, zu wissen eine der Top-Nationen auf der Fußballlandkarte zu sein, scheint spätestens nach dem letzten WM-Turnier dahin.</p><p>Die Ironie des Schicksals dabei ist, dass es gleich zwei Brügge-Spieler waren, die im ersten WM-Gruppenspiel der belgischen Nationalmannschaft mal gehörig die Grenzen aufgezeigt haben. Die Rede ist von den beiden Kanadiern Cyle Larin und Tajon Buchanon. Gerade Letzterer war insbesondere in der ersten Halbzeit dafür verantwortlich, dass Belgiens Mittelfeldstar Kevin de Bruyne (Manchester City) teilweise komplett aus dem Spiel genommen wurde. Auch für Brügges Torwart Simon Mignolet ist die belgische Nationalmannschaft eine jahrelange Leidensgeschichte. Man könnte es schon fast den „Marc-Andre-ter-Stegen-Fluch“ nennen - dieses Gefühl als Torhüter zu wissen, dass man in seinem Verein Jahr für Jahr herausragende Leistungen bringt, dennoch aber das Pech hat zur falschen Zeit geboren wurden zu sein und als Torwart in einer Generation mit Manuel Neuer (oder im Fall Mignolet Thibaut Courtois) gelandet zu sein. Vielleicht sollte man für solche Fälle einfach mal die Regel einführen, dass ein Trainer auch zwei Torhüter aufstellen kann, bei dem der eine die linke Hälfte des Tors bewacht und der andere die rechte, kleiner Spaß am Rande.</p><p>Mit freudiger Überraschung nahmen Brügge-Fans auch die Entwicklung des dänischen Flügelspielers Andreas Skov-Olssen wahr, der mit 6 Toren und 3 Assists derzeit ganz vorne in der Jupiler Pro League steht. Auch sonst versucht man in Brügge derzeit scheinbar der dänischen Premier-League-Bastion FC Brentford Konkurrenz zu machen, denn auch auf Platz 2 steht mit 5 Toren mit Casper Nielssen ein weiterer dänischer Spieler im Blickpunkt, während der belgische Routinier Hans Vanaken im Mittelfeld nachwievor das Spiel macht und mit seinen Schlüsselpässen entscheidend zum Überraschungserfolg des Vereins aus der Stadt mit der größten autofreien Fußgängeraltstadt Europas beigetragen hat.</p><p>Auf dem ersten Blick scheint Brügges Achtelfinal-Los auch eines der verhältnismäßig leichteren zu sein. Hier liegt die Betonung aber ganz klar auf den Worten "Auf dem ersten Blick".</p><p>Denn <b>Benfica Lissabon</b>, die Mannschaft mit den offiziell immer noch zweitmeisten Vereinsmitgliedern der Welt hinter dem FC Bayern, hat in den letzten Jahren bewiesen, dass sie schon längst kein Geheimfavorit mehr sind, wenn es darum geht in der Champions League weit zu kommen. In der Gruppenphase haute man nicht nur den einstigen italienischen Serienmeister Juventus Turin aus dem Wettbewerb, man qualifizierte sich zuzüglich auch noch auf Platz eins in ihrer Gruppe vor dem Superstarensemble aus Paris rund um keine geringeren als Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé. Dabei steht das Team um den deutschen Ex-Leverkusen-Trainer Roger Schmidt derzeit noch vor dem Stadtrivalen Sporting Lissabon, der, was erfolgreiche Nachwuchsarbeit angeht, als der (!) Cristiano-Ronaldo-Entdecker-Club langezeit dafür europaweit berühmt war.</p><p>Erst kürzlich holte der FC Liverpool für ihren Sturm den Uruguayer Darwin Nunez für insgesamt 75 Millionen Euro aus Lissabon, ohne dass das nur im Geringsten Auswirkungen auf den Toroutput von Benfica hatte.</p><p>Viele WM-Nicht-Boykottierer werden sich an jenen magischen Moment erinnern, der wie kein anderer einen klaren Generationswechsel einleutete - ein schmollender Cristiano Ronaldo sitzt bei einem WM-Spiel erstmals auf der Bank, während der bis dahin noch völlig unbekannte 21jährige Benfica-Stürmer Goncalo Ramos, der für Cristiano Ronaldo eingesprungen war, mal eben drei Buden macht, in einem WM-Achtelfinale, was Portugal anschließend mit 6 zu 1 gegen die Schweiz gewann ohne dass man Ronaldo auch nur ein einziges Mal wirklich vermisst hatte.</p><p>Die Talentschmiede beider Vereine aus der Stadt der 1000 Stufen scheint also nachwievor grenzenlos. Als das größte Benfica-Talent derzeit kann aber zweifelsohne nur der Argentinier Enzo Fernandez genannt werden, bei der WM im Katar zum "besten jungen Spieler des Turniers" gewählt, mit dem selben Titel ausgezeichnet mit dem vier Jahre zuvor schon die Weltkarriere von Kylian Mbappé begann.</p><p>Dabei ist Benfica Lissabon trotzalledem weitaus mehr als ein Ausbildungsverein. So holte man zuletzt mit David Neres und Julian Draxler zwei kreative wie auch erfahrene Offensivspieler in die Stadt, in die laut Pascal Mercier „Der Nachtzug zur wahrhaftigen Wirkung des Seins“ fährt, letzteren vom Milliardenclub Paris St. Germain. Auch in der vergangenen Saison schaffte man es bereits ins Champions-League-Viertelfinale.</p><p>Sollte daher diese Saison für die Portugiesen vielleicht sogar noch mehr gehen? Immerhin gab es auch mal eine Zeit, wo Benfica Lissabon auch international regelmäßig große internationale Titel holte, auch wenn diese inzwischen scheint, als würde sie sich nur noch leise, manchmal im Schlaf flüsternd, hinter den vielen uralten Steinmauern Lissabons verbergen.</p><p>Auf Steine sollte man auch achten, wenn man Ski fährt, insbesondere dann, wenn man Manuel Neuer heißt.</p><p>Denn das was für Manuel Neuer eigentlich Abschalten vom Profialltag und vielleicht auch Verarbeiten der verpassten und höchstwahrscheinlich letzten großen Chance, als deutsche Nr. 1 im Tor nochmal bei einem Weltmeisterschaftsturnier etwas zu reißen, sein sollte, endete für den Weltmeister von 2014 und DFB-Kapitän in einem weiteren Fiasko - nur für einen Moment nicht aufgepasst, Fraktur des rechten Oberschenkels, und vorbei war die Saison. Spätestens da schrillten für den Münchner Vorstand an der Säbener Straße rund um Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic alle Alarmglocken.</p><p>Viel mehr Verletzungspech als der <b>FC Bayern </b>aktuell kann man eigentlich nicht haben, fallen doch zuzüglich mit Lucas Hernandez auch noch eine der entscheidenden Säulen in der Abwehr, wie auch der Königstransfer des letzten Sommers Sadio Mané im Sturm derzeit  verletzungsbedingt aus.</p><p>Mehr denn je zuvor ist Julian Nagelsmann in den nächsten Monaten nicht nur als Trainer, sondern auch als Psychologe gefragt. Dies gilt auch für die, nach dem deutschen WM-Debakel nicht nach gerade topmotivierte, deutsche Nationalsmannschaftsachse rund um Gnabry, Musiala, Sané, Kimmich und Thomas Müller - Spieler, die noch dazu genau wissen, dass ihr Achtelfinalgegner Paris St. Germain rund um die allesamt bei der WM hocherfolgreichen Superstars Mbappé, Messi und Hakimi den Bayern mit der breitesten Brust begegnen werden mit der sie ihnen vielleicht jemals begegnet sind.</p><p>Und was passiert eigentlich, sollte sich Ersatztorhüter Sven Ullreich auch noch verletzen? Wird der mittlerweile 37jährige Manuel Neuer überhaupt noch einmal in seiner alten Form zurückkehren oder brauch es auch auf dieser Position einen Umbruch? Torhüter wie Yann Sommer (Mönchengladbach), der kroatische Nationalkeeper Dominik Livakovic (Dynamo Zagreb) wie auch Paris‘ Nr. 2 Ceylor Navas von Costa Rica standen bereits bei den Bayern auf dem Zettel, allerdings werden wohl insbesondere die Pariser, wo die Champions League doch für die katarischen Geldgeber der einzige wirklich wichtige Wettbewerb ist, wohl kaum die sein, die den Bayern jetzt in ihrer Torwartnotlage helfen werden. Auch was eine mögliche Rückkehr ihrer früheren, an Monaco ausgeliehenen, Nr. 2 Alexander Nübel angeht sind die Monegassen derzeit vertragstechnisch in der besseren Position.</p><p>Desweiteren ist auch Verteidiger Benjamin Pavard schon lange unzufrieden mit seiner Position im Verein, denn laut seiner eigenen Auffassung ist und bleibt er Innen- und nicht Außenverteidiger, was die Bayern (wenn sie ihn überhaupt spielen lassen) aber anders sehen. Ebenso um Pavard-Ersatz, den graderst für Marokko so herausragend aufgespielten Noussair Mazraoui gab es zuletzt Gerüchte rund um einen Wechsel zu Inter Mailand.</p><p>Sollte am Ende in dieser Saison möglicherweise ein Rollenwechsel stattfinden und nicht Paris, sondern das Team von der Isar (sonst immer der Fels in der Brandung, was ein solides Fundament im Kader angeht) als aktuell "der Chaos-Club" in dieses Duell gegen den Scheichclub gehen?</p><p>Fest steht, dass der FC Bayern im Achtelfinale einer der aktuell formstärksten Mannschaften der Welt gegenübertritt, rein von den Namen im Kader her und aufgrund seiner vielen Ausfälle somit sogar tendenziell als Außenseiter nach Paris reisen wird. Dies ist allerdings etwas, was die Bayern in der Vergangenheit oft auch wieder umso stärker gemacht hat.</p><p>Sollte Julian Nagelsmann hier ohne große Wintertransfers ein Triumpf gelingen, wäre das meiner Meinung nach seine bisher größte Leistung als (noch) junger Trainer, ein Meisterwerk in Sachen "ein Team taktisch gut aufstellen und seinen Akteuren zuzüglich noch maximale positive Energie schenken".</p><p>Ich bleibe aber aktuell eher skeptisch, denn Stand jetzt ist man laut Hasan Salihamidzic auch nicht gewillt, im Winter nochmal mit der ganz großen Nummer auf dem Transfermarkt anzugreifen. Die Voraussetzung für ein Ausscheiden der Bayern ist natürlich, dass <b>Paris St. Germain </b>sich nicht (wieder mal) selbst schlägt. Hier könnten die neuesten Gerüchte um Kylian Mbappé Bayern-Fans ein wenig Hoffnung geben.</p><p>Angeblich soll der WM-Torschützenkönig von 2022 nämlich erst kürzlichst gesagt haben, er würde nur dann langfristig bei Paris bleiben, wenn Neymar den Verein verlässt, wie auch ein neuer Mittelfeldspieler der Marke Harry Kane verpflichtet wird.</p><p>Zuzüglich soll dann auch noch die unglaubliche Aussage seitens Mbappé gekommen sein, er würde die Entlassung des aktuellen Trainers Christophe Galtier und stattdessen die Einstellung von Zinedine Zidane fordern, mit dem er bereits seit vielen Jahren ein enges Verhältnis pflegt.</p><p>Sollte das stimmen, würde ich persönlich mir wünschen, so polemisch und unjournalistisch das jetzt klingen mag, irgendjemand aus der Vereinsführung würde Mbappé einfach mal mit dem einfachen Satz "Halt die Klappe oder hau ab" abfertigen. Denn bei allem Respekt vor diesem fußballerischen Ausnahmekönner: Das toppt, sollten die Gerüchte stimmen, dann noch einmal alles an Abgehobenheit seitens eines Spielers, der ohnehin schon 200 Millionen Euro im Jahr verdient. Nicht einmal in der Karriere von Cristiano Ronaldo gab es eine vergleichbare Situation, bei der es um solche Forderungen gegenüber einem Verein ging und das will wirklich was heißen.</p><p>Denn nicht zuletzt zeigt auch grade die Verpflichtung von Trainer Galtier einen Lernprozess der Pariser auf, zumindest auf dieser Position zur Abwechslung mal nicht noch einen weiteren Superstar und Harlem-Globetrotter zu verpflichten, sondern jemanden, der bislang nur in Frankreich trainiert hat (zum Teil bei kleineren Vereinen) und der die ganzen Stars irgendwie bei Laune, gleichzeitig aber auch ein bisschen auf dem Boden halten soll.</p><p>Der zweite elementar wichtige Punkt wird sein, ob Lionel Messi im Verein weiterhin so performt, wie beim letzten WM-Turnier für Argentinien. Kann der Weltmeister an diese absolut herausragende Form anknüpfen, sollte PSG die Erwartungen eigentlich erfüllen, wobei dies, zumindest laut Präsident Nasser Al-Khelaifi, eigentlich nur eines heißt, nämlich die Champions League zu gewinnen. Für diesen ist nämlich ein Halbfinal- oder ein Finaleinzug schon eine Enttäuschung, aus diesem Grund - mal abwarten. </p><p>Denn da wäre ja schließlich auch noch <b>Manchester City</b>, die ich - ich nehme es vorweg - für den wirklichen Favoriten für das Turnier halte, individuell ähnlich top besetzt wie PSG, aber taktisch und als Mannschaft nochmal weitaus stärker. Hierbei tobt natürlich auch ein Teil meiner Fantasie - City in einem berauschenden Finale gegen PSG - Erling Haaland gegen Kylian Mbappé - Abu Dhabi gegen Katar!</p><p>Da stellt sich doch nur noch die Frage: Welcher Traditionalist und wahre Fußballfan hat sich dieses Finale nicht schon immer gewünscht?</p><p>Zwei Vereine, die wie keine Clubs dieser Welt für ihren Traum gekämpft haben, dabei alle Höhen und Tiefen durchgemacht hatten, die man erleben konnten, die sich das alles, ihren gesamten Erfolg, als fannahe Heimatvereine Stück für Stück selbst aufgebaut haben und dann doch immer wieder von diesem Glück verschont wurden, einmal - nur ein einziges Mal - dann doch mal diesen einen Henkelpott zu gewinnen.</p><p>Diese beiden Vereine und Aushängeschilder gelebter Fußballtradition dann im Finale - mit dem Wissen, dass einer der beiden erneut scheitern wird, während für die Fans des anderen Vereins das ganz große Glücksinferno losgeht - ist das nicht der Inbegriff von wahrer Fußballromantik 2022?</p><p>Fußballromantik, so romantisch, dass man daraus eigentlich einen weiteren Twilight-Teil drehen müsste, bei der sich Bella als Vertreterin der Qatar Sports Investments Group und Edvard als Vertreter der Abu Dhabi United Group Investment und Development Ltd. zunächst endgültig trennen, um sich dann in genau diesem Finale erneut zu vereinen - in Form der beiden heißesten Kandidaten auf die Topspitze der Welt in der Post-Ronaldo-Messi-Ära Haaland und Mbappé - ein Finale nachdem Haaland verkündet, er würde nun, seiner großen Liebe zu seinem Verein zum Trotz, doch zu Real Madrid wechseln, wonach Mbappé nur perplex in die Kamera schaut und sich denkt "Komisch, da wollte ich doch eigentlich hin. Muss ich jetzt etwa doch in meiner Heimat bleiben und mit meiner Vereinstreue zu Paris St. Germain ein klares Zeichen gegen die Kommerzialisierung des Fußballs setzen?"</p><p>Nun machen wir den Ironieknopf aber mal wieder aus. Denn rein sportlich betrachtet wäre dies Duell natürlich ohne jeden Zweifel ein absolutes Spektakel, vielleicht das Duell der beiden Stürmer (und Vereine) der Zukunft, was künftige Champions-League-Siege angeht.</p><p>Und hier muss man eben auch klar unterscheiden. Schaut man z.B. ein WM-Finale Frankreich gegen Argentinien aufgrund des Fußballs? Oder boykottiert man es, weil es eben in Katar stattfindet und gesellschaftspolitisch wie kein anderes von Korruption und Menschenrechtsverletzungen geprägt war und den Fußball, ganz vorne die FIFA, in seiner dunkelsten Seite gezeigt hat?</p><p>Wo liegen unsere eigenen Prinzipien? Wollen wir wirklich ein Messi in einem WM-Finale fünf französische Gegenspieler ausdribbeln sehen und dabei denken „jetzt bitte verlier doch den Ball oder verletz dich am besten schwer, einfach nur, damit es so ein richtig beschissenes Finale wird, passend zu einer WM an der Blut klebt"?</p><p>Oder wollen wir es in dem Moment dann doch einfach nur genießen? Ein sehr alter Beduine aus dem Sinai, wo ich über ein Jahr lang gelebt habe, sagte mir einmal: „Wenn I look in the world I see also the pain and yes, I feel like I have to see it. But if I look in the horizon I only see the sunrise over the ocean and nothing else. I just see it because that's what's making me strong in my heart“.</p><p>Vielleicht ist das der springende Punkt, der uns allen helfen könnte, die Entwicklung des modernen Fußballs wie auch viele andere Dinge auf der Welt sowohl kritisch zu hinterfragen als dennoch zu genießen.</p><p>Dass Dinge wie ein unglaublicher Messi-Lauf live im Stadion am Ende dann eben auch Momente sind, die uns Kraft schenken, Kraft, die uns prägen, begeistern und zu glücklicheren und damit im Idealfall auch besseren Menschen machen können - Menschen, die diese Energie dann wiederum nutzen, um mit umsomehr Feuer und Empathie Missstände anzusprechen und Menschen zu helfen, denen, völlig egal wo auf der Welt, Unrecht geschieht.</p><p>Deswegen ja - ich persönlich möchte Mbappé gegen Haaland im Finale sehen, einfach weil es das allererste Aufeinandertreffen der beiden wahrscheinlichsten neuen GOATs wäre, vielleicht sogar, auf lange Sicht betrachtet, der Vorausblick auf den spanischen Classico der Zukunft. Ich möchte es sehen, weil es - bei aller Kritik an den beiden Vereinen - mit Sicherheit ein fantastisches Fußballspiel wäre.</p><p>Und viel mehr muss man zu Manchester City dann auch eigentlich gar nicht mehr sagen, denn wer wäre ich, Pep Guardiola taktische Tipps zu geben?</p><p>Das Einzige, was man Manchester City raten könnte, wäre höchstens, nun wo man in der Premier League den ärgsten Konkurrenten Liverpool bereits im Winter abgehängt hat, sich in diesem Jahr so klar wie möglich auf diesen einen Wettbewerb, die Champions League, zu fokussieren, damit man nicht am Ende wieder aufgrund des Drucks die Nerven verliert. Es muss diese Siegermentalität rein a la "jetzt haben wir mit Haaland das letzte entscheidende Puzzlestück, jetzt gewinnen wir das Ding". Und selbst wenn man dann in der Premier League hin und wieder mal ein Spiel verliert, sogar wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass mal nicht ManCity, sondern Chelsea, Tottenham oder Arsenal am Ende die Premier League gewinnen sollte, who cares?</p><p>Niemand schert sich doch noch um den xten Premier-League-Titel von Manchester City. Mit dem Gewinn der Champions League hingegen, dem Wettbewerb, bei dem man jetzt so viele Jahre so knapp gescheitert ist, würde sich Pep Guardiola endgültig ein Denkmal setzen und jeden sehen lassen, dass Manchester City derzeit einer der besten Vereine der Welt ist, wenn nicht sogar der Beste.</p><p>Dass ich mit <b>RB Leipzig </b>und den <b>FC Porto </b>nun zwei Achtelfinalteams ein bisschen überspringe, tut mir Leid, aber ersteren werde ich im Verlaufe der Rückrunde in meinen Bundesliga-Spieltagskommentaren noch oft genug analysieren. Grundsätzlich bin ich kein grundsätzlicher Gegner des RB-Konstrukts, es holt mich im Vergleich zu den meisten anderen Bundesliga-Teams aber auch nicht so besonders ab. Während ich selbst bei Augsburg und Wolfsburg dann immer doch irgendwie genau wissen möchte, was im Verein grade abgeht, ist es bei Leipzig dann eben oft so ein Egal-Gefühl, ein bisschen, wie wenn man beim Friseur im Wartebereich irgendein Klatschblatt liest, weil es eben grade da liegt.</p><p>Wenn überhaupt sind es Spielerentwicklungen, wie die von Christopher Nkunku, Konrad Laimer und Dominik Szoboszlai, die meine Aufmerksamkeit erregen. Dennoch - Leben und leben lassen und in diesem Sinne - schön, dass es Leute gibt, die sich mit den roten Bullen identifizieren und für die der Verein einen entscheidenden Teil ihrer emotionalen Welt ausmacht. Denn sportlich relevant ist der Verein allemal wie auch interessant für die 50+1-Frage in der Bundesliga.</p><p>Trotzalledem sehe ich beide Vereine, sowohl Porto als auch Leipzig, nicht wirklich weit vorne, wenn es um den Gewinn der aktuellen Champions League geht - Porto, weil es hier aktuell einfach an absoluter Topqualität im Kader fehlt, Leipzig eben wegen Manchester City als Achtelfinalgegner, dem vielleicht schwerstmöglichen Gegner in diesem Turnier gegen den man höchstwahrscheinlich ausscheiden wird.</p><p>Was Portos Gegner <b>Inter Mailand </b>hingegen angeht, wäre da zumindest ein Club, der gerade im Sturm so einige Fragen aufwirft - ob es der gefühlt schon 50jährige Edin Dzeko ist, der in den letzten Jahren mit allerlei Verletzungen und Formschwächen geplagte Chelsea-Rückkehrer Romelu Lukaku ist - oder eben Lautaro Martinez, der trotz Weltmeistertitel zuletzt auch als Sturmpartner von Lionel Messi dem jüngeren formstärkeren Julian Alvarez von Manchester City weichen musste.<br /></p><p>Auch Inter-Stürmer Joaquin Correa spielte in der argentinischen Nationalmannschaft zuletzt gar keine Rolle mehr, war für den WM-Kader für Katar sogar nicht einmal nominiert. Desweiteren steht man auch in der Seria A derzeit auf Platz 5, ganze 11 Punkte hinter Tabellenführer SSC Neapel, was für die Ansprüche von Inter Mailand definitiv zu wenig ist.</p><p>Hoffnung macht jedoch die seit langem mal wieder stark italienisch geprägte junge Defensive rund um Franesco Acerbi, Federico di Marco, Alessandro Bastoni und Matteo Darmian, die auch den deutschen Nationalspieler Robin Gosens auf die Bank verdrängt haben. Hier zeigte man sich erstaunlich souverän gerade gegen die defensiv eingestellten Teams aus der hinteren Tabellenhälfte. Die 5 Spiele, die man in der aktuellen Saison verlor, verlor man ausschließlich gegen Teams, die wie Juventus oder Lazio auch selbst den Ball haben wollten. Dies ist, auf dieser Ebene, ein entscheidender Fortschritt zur vergangenen Saison für das Team um Trainer Filippo Inzaghi.</p><p>Ich möchte aber noch einmal auf besagten Julian Alvarez zu sprechen kommen, da mich hier eine Frage beschäftigt: Warum denn nicht eine Leihe des Weltmeisters von Manchester City zu Inter? Denn nachwievor steht in den Sternen, dass Alvarez bei Manchester City derzeit auch nur die geringste Chance hat Stammspieler zu werden (da der Sturm mit u.a. Erling Haaland doppelt und dreifach top besetzt ist und Guardiola auch nicht als Trainer bekannt ist, der mit einer Doppelspitze spielt), für Inter Mailand jedoch wäre ein weiterer schneller Stürmer, der gemeinsam mit Lautaro die Außenbahnen beackert, vielleicht die Chance in der Champions-League-Rückrunde nochmal ganz oben anzugreifen. Ich denke hier an das System der französischen Nationalmannschaft, Alvarez und Lautaro auf außen und im Zentrum dann eben noch ein Lautaro oder Dzeko, der auf Bälle lauert, die er dann z.B. mit dem Kopf verarbeiten kann. Noch dazu kennen sich Lautaro und Alvarez auch noch aus der Argentinischen Nationalmannschaft und haben beide weltweite Spitzenwerte, was Läufe in die Tiefe und das Antizipieren tiefstehender Abwehrreihen angeht. Denn momentan nehmen sich Dzeko und Lukaku hier von ihrem Spielerprofil gegenseitig den Platz weg und ein schneller Stürmer eines Lautaro Martinez alleine bringt es dann zu oft dann doch nicht über die Zeit. Auch fehlt dem Mittelfeld der Nerazzuris derzeit ein klarer offensiver Spielplan, da es wenn überhaupt Nicolo Barrella ist, der offensiv ausgerichtet ist und mit seinen Pässen regelmäßig hinter die gegnerische Kette kommt. Hier fehlt dann nur wiederum oft der Mann, der aus dem Halbraum kommt und die gegnerische Kette auf seine jeweilige Seite zieht, um dann wiederum dafür zu sorgen, dass z.B. Lukaku frei zum Abschluss kommen kann.</p><p>Ein Weiterkommen im Champions-League-Achtelfinle gegen Porto ist aber so oder so wahrscheinlich und sollte Inter Mailand auf dieser Position nochmal aktiv werden vielleicht sogar mehr.</p><p>Der Stadtrivale <b>AC Mailand </b>hingegen zieht auch diese Saison wieder locker seinen Stiefel durch, mit dem, was er eben aktuell hat. Ein Platz 2 in aktuellen Seria-A-Tabelle, und das obwohl man rein kadertechnisch immer noch weit entfernt von dem Glanz alter Tage ist, wo noch Namen wie Hernan Crespo, Clarence Seedorf, Andriy Chevchenko, Kaka, Gattuso oder Andrea Pirlo den Kader der Rossoneris schmückten, beweist dies.</p><p>Dennoch konnte das Team von Trainer Stefano Pioli sich vergangene Saison seit langem mal wieder mit dem Scudetto belohnen, ein Erfolg, der angesichts der jüngeren Vergangenheit schon fast einer Sensation gleicht. Taktisch setzt Pioli bei den Rossoneris knallhart auf die alten Tugenden: Knallhartes Positionsspiel, meist in einem 4-2-3-1, und meist mit Leao oder Giroud in der Sturmspitze.</p><p>Letzterer, der seit Dezember 2022 alleiniger französischer Rekordtorschütze ist, könnte auch in der KO-Runde der Unterschiedspieler sein, man erinnere sich nur an seine 4 Tore in einem Spiel als er in der Saison 2019/20 mit dem FC Chelsea den FC Sevilla nach Hause schickte.</p><p>Sollte es gelingen ihn gewinnbringend einzusetzen und derweile diszipliniert die Räume zu verteidigen, könnte es das Team von Ex-Inter-Trainer Antonio Conte trotz herausragender Offensivspieler wie Harry Kane, Heung-Min Son oder den zuletzt mit dem Tor des Turniers ausgezeichneten brasilianischen Ballzauberer Richarlison schwer haben.</p><p>Denn die große Stärke von <b>Tottenham Hotspur </b>wiederum liegt in der Geschwindigkeit der Außenstürmer, welche sich natürlich nur dann entfalten kann, wenn sich Räume zwischen den Ketten ergeben und es Spielmachern wie Rodrigo Bentancour oder Pierre-Emille Hojbjerg gelingt, ihre Schnittstellenpässe genau dorthin zu bringen, wo sie den Mailändern wehtun könnten.</p><p>Sollten diese allerdings hinten die Schotten dicht machen, könnten die Spurs schnell Probleme bekommen, zumal Antonio Conte nicht grade als sonderlich flexibler Trainer bekannt ist, sondern in solchen Fällen eher versucht, seine Mannschaft an der Seitenlinie mental und emotional zu pushen (was, insbesondere wenn er mit gewissen Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden ist, auch schnell mal mit einer roten Karte enden kann).</p><p>Hochinteressant wird sein, wie der Transferpoker um den marokkanischen Mittelfeldspieler Sofyan Amrabat (derzeit noch beim AC Florenz unter Vertrag) weitergehen wird, der zuletzt bei der WM aufblühte und bei dem Tottenham derzeit in der Poleposition in den Verhandlungen steht.</p><p>Ansonsten bleibt die ewige Frage, wo Tottenham inzwischen stände, wenn der Verein nicht in der Premier League, sondern in irgendeiner anderen Liga spielen würde, wo er aufgrund der hohen Konkurrenz nicht ewig seinen Ruf als „bester titelloser Verein Europas“ weg hätte. Titellos stimmt in dem Fall allerdings nicht ganz, ein FA Community Shield in der Saison 2007/08 konnte man zumindest im neuen Jahrtausend gewinnen. Das war es dann aber auch schon mit der Ausbeute an Trophäen für die Spurs.</p><p>Dennoch ist sich Tottenham, die 2019 noch sensationell ins Champions League Finale gezogen waren, seiner Stellung auf dem Markt sehr wohl bewusst und gilt weiterhin als einer der schärfsten Verhandlungspartner in Sachen Transfers. Der FC Bayern, der wohl schon seit einiger Zeit an Tottenham-Star Harry Kane als Lewandowski-Nachfolger im Sturm dran ist, wird es daher nicht leicht haben, insbesondere dann, wenn die Spurs den AC Milan schlagen und ins CL-Viertelfinale oder sogar noch weiter ziehen sollten.</p><p>Eines der heißesten Battles außer deutscher Sicht ist zweifelsohne das zwischen dem FC Chelsea und Borussia Dortmund. Denn vieles haben diese beiden Clubs gemeinsam. Beide straucheln aktuell in der Liga (der FC Chelsea auf Platz 8, Borussia Dortmund auf Platz 6), beide haben vor kurzem den Trainer gewechselt und sich für jemanden an der Seitenlinie entschieden bei dem bislang ganz klar Vertrauen über Glamour steht und was nun noch dazu gekommen ist: Beide wollen ihn - Youssouffa Moukoko, das 18jährige deutsche Wunderkind, bzw. die einen ihn kaufen, die anderen mit ihm verlängern.</p><p>Niemand geringeres als der <b>FC Chelsea </b>ist es nämlich, der bereits mehrfach im Fall Moukoko angeklopft hat und Experten u.a. der Plattform Transfermarkt TV sind sich inzwischen sicher, dass in dem Fall, dass der BVB Moukoko keinen neuen besser dotierten Vertrag anbieten sollte, dieser im Sommer Dortmund verlassen wird.</p><p>Ob dies für den 18jährigen sportlich so sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Moukoko würde bei Chelsea kaum Stammspieler sein, einige bezweifelten vor der Saison sogar, dass er für einen Stammplatz beim BVB schon weit genug wäre.</p><p>Moukoko ist ein gutes Beispiel dafür, inwieweit auch Berater und Umfeld oftmals einen Spieler selbst in dem Alter schon nicht nur sportlich, sondern vorwiegend auch monitär beraten, in einer Phase, wo zwischen einer Karriere eines Erling Haaland und eines an einem zu früh getätigten Transfers gescheiterten Jan-Fiete Arp noch alles offen ist.</p><p>Was, aber wenn der BVB in genau diesen beiden Duellen beweist, dass er zumindest sportlich als Verein im Vergleich zu Chelsea gar nicht die kleinere Adresse ist? Zumindest ist der FC Chelsea derzeit weit entfernt von dem Lauf, den er hatte, als man mit Thomas Tuchel als Trainer und dem deutschen Sturmduo Timo Werner und Kai Havertz 2021 sensationell die Champions League gewann.</p><p>Erst kürzlich sorgte der Verkauf des Vereins vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch an den US-Investor Todd Boehly für gewaltiges Chaos an der Stamford Bridge. Wie schon bei Paris St. Germain wurde Thomas Tuchel fast schon über Nacht entlassen, kurz danach machte man sich bei den Brighton-Fans unbeliebt und schnappte ihnen mitten in der Saison ihren bislang erfolgreichsten Trainer Graham Potter weg.</p><p>Dennoch hat sich die Mannschaft auch unter Potter nicht wirklich stabilisiert, wie zuletzt eine Niederlage gegen Aston Villa wieder einmal bewies. Lange Mittelfeldsäulen wie Jorginho und Ngolo Kanté werden sowohl verletzungsbedingt derzeit immer wieder zurückgeworfen oder spielen, wie im Fall Kanté, mit Abschiedsgedanken. Auch im Sturm läuft es seit dem Abgang von Lukaku nachwievor nicht wirklich rund, so wenig, dass man sogar schon Cristiano Ronaldo holen wollte, was Thomas Tuchel allerdings entschieden ablehnte, wie dabei auch dem neuen Investorenteam mangelnde sportliche Kompetenz vorwarf (angeblich soll man ihm seitens des Vorstands vorgeschlagen haben, er solle doch spaßeshalber mal eine 4-4-3-Aufstellung ausprobieren, sprich einfach mal mit 11 statt mit 10 Feldspielern in ein Champions-League-Duell gehen).</p><p>Ein weiterer Name, der derzeit in Zusammenhang mit Chelsea immer wieder fällt ist der Name Enzo Fernandez, an dem nach seiner herausragenden WM aber auch so ziemlich jeder Champions-League-Topclub dran ist. Ein Sieg Chelseas gegen den BVB ist also alles andere als sicher und auch in der Premier League ist man derzeit ganze 6 Punkte hinter den Champions-League-Plätzen, den Plätzen, die für den Verein in puncto eigener Erwartungshaltung eigentlich Pflicht sind.</p><p>Was aber tut natürlich <b>Borussia Dortmund</b>, wenn die Konkurrenz strauchelt? Sie straucheln natürlich ebenfalls. Insbesondere in der Defensive brachte die Abwehr rund um Mats Hummels, Niklas Süle und Nico Schlotterbeck konternde Gegner nicht gerade wirklich zum Schlottern. Dies zeigte insbesondere das letzte Spiel vor der Winterpause, ein 2 zu 4 gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem die hintere Kette fahrig wie selten zuvor verteidigte und es den Gladbacher Stürmen in ihren Tiefenläufen in jeder Hinsicht unglaublich leicht machte. Sobald man in der Nähe der Mittellinie den Ball verlor, waren Gladbachs Stürmer alleine vor dem 16er und kamen in der Regel frei zum Abschluss.</p><p>Nicht zuletzt deswegen möchte man sich gerade auf dieser Position verstärken und schielt hier derzeit sowohl auf den jungen Polen Jakob Kiwior von Spezia Calcio als auch auf den Gladbacher Ramy Bensebaini, einem äußerst kampfstarken Mentalitätsspieler, der dem BVB sicherlich extrem gut tun könnte.</p><p>Schwächen gibt es allerdings auch im Sturm, wo Neuzugang Karim Adeyemi nachwievor bei 0 Scorerpunkten steht und Donyell Malen sich langsam aber sicher in die Liste der größten BVB-Transferflops der letzten Jahre einreihen muss.</p><p>Von den Neuzugängen in jüngster Zeit konnte hingegen einzig und allein der Ex-Kölner Salih Özcan sportlich vollständig überzeugen. Auch die Zukunft des Lastminute-Helden im Duell gegen die Bayern Anthony Modeste ist nachwievor unklar, nun wo laut Sky Sport auch der vor einem halben Jahr an Hodenkrebs erkrankte Stürmer Sebastien Haller auf dem Weg der Genesung ist und möglicherweise sogar im Januar 2023 schon wieder ins Training einsteigen könnte. Dies würde zum einen den Poker um die Vertragsverlängerung des dann möglicherweise nicht mehr gesetzten Moukokos verschärfen, dem BVB zum anderem aber auch einen Teil seiner Wucht im Sturm zurückgeben, die man zuletzt seit dem Abgang von Erling Haaland zu Manchester City ein wenig verloren hatte.</p><p>Auch Karim Adeyemi als eher schneller über die Flügel kommender Stürmer könnte es mit Haller als Flankenverwerter deutlich leichter haben, mit seinen schnellen Vorstößen über die Halbräume wieder so zu brillieren wie einst noch bei seinem alten Club RB Salzburg.</p><p>Für mich ist daher das Duell Chelsea gegen Dortmund das vielleicht heißeste und spannendste 50-50-Duell der gesamten Champions-League-Achtelfinalrunde.</p><p>Sollte Haller tatsächlich zurückkommen und möglicherweise sogar mit Adeyemi und (!) Moukoko auf den Flügeln in der Startelf stehen, traue ich dem BVB in jedem Fall den Einzug ins Viertelfinale zu, da sie in dem Fall gemeinsam mit Marco Reus und dem derzeit herausragenden und ebenfalls offensiv ausgerichteten Jude Bellingham über eine unglaublich starke Präsenz im Sturm verfügen würden. Dies könnte dann möglicherweise auch die nachwievor eklatanten Schwächen in der Defensive kompensieren. Sollte Haller allerdings nicht rechtzeitig fit werden und nicht nochmal ein erfahrener Ersatz auf Weltklasseniveau auf der 9er-Position geholt werden, könnten schon die Duelle gegen Chelsea für den BVB unglaublich hart werden.</p><p>Somit wären wir nun bei Titelverteidiger <b>Real Madrid</b>, dem Verein, der nachwievor wie kein anderer Verein auf der Welt Siegeswillen wie auch vor allem Siegesgewissheit in jeder Situation beweist. In der vergangenen Champions-League-Saison setzte man sich als die eigentlich immer spielunterlegenere Mannschaft gegen sämtliche KO-Gegner durch (PSG, Chelsea, Manchester City und Liverpool) und führte damit sämtliche Advanced-Stats-Revolutionen von Expected Goals bishin zu Packing und Non Shot based expected goals komplett ad absurdum. Oder wie die das Sportmagazin „The Athletic“ einst schrieb: „Real Madrid spielen als würden sie sich gar nicht wirklich um die Neuerungen im modernen Fußball scheren.“ Liverpool-Fans mögen hier nachdem letzten Finale, welches Liverpool nach 2018 zum zweiten Mal auf eine diesmal unvorstellbare Art und Weise gegen Real Madrid verloren hatte, laut in die Hände klatschen. Wie allerdings Hermann Gerland einst sagte: „Immer Glück ist Können. Immer Pech ist ...“.</p><p>Aus diesem Grund ist es natürlich für neutrale Fans umso schöner zu sehen, dass ausgerechnet diese beiden Mannschaften nun noch einmal, in dem Fall in gleich zwei Duellen, aufeinander treffen. Das Beeindruckendste ist, dass Real Madrid in all seiner Dominanz und trotz der beiden jungen brasilianischen Flügelstürmer Rodrygo und Vinicius Junior dabei nicht gerade „Jogo-Bonito-Fußball" spielt.</p><p>Sie sind eben nicht mehr jene „Galacticos“ von einst, sondern leben stattdessen von ihren -  immer genau an der richtigen Stelle landenden -  Schnittstellenpässe von Luka Modric, Toni Kroos und dem zuletzt überragenden grade mal 22jährigen französischen Nationalspieler Aurelien Chouameni. Dass man zuzüglich mit dem (zuletzt nach der WM aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen) Homeoffice-Vizeweltmeister 2022 noch den aktuellen Ballon-d‘or-Sieger im Kader als Mittelstürmer hat, sollte dem Erfolg von Real Madrid sicherlich ebenfalls nicht schaden. Und der Erfolgshunger? Nun, dieser ist bei den Königlichen sowieso immer so da wie die Krone auf dem Vereinswappen der Madrilenen.</p><p>Der <b>FC Liverpool </b>muss also alles in die Wagschale werfen, um den nach dem letzten Finale dem Satz „Immer-Glück-Ist-Können" in Bezug auf seine Duelle gegen Real Madrid Lügen zu strafen. Hierfür hat man nun zunächst einmal Cody Gakpo von PSV Eindhoven geholt, dies bestätigte der Verein erst wenige Tage nach Weihnachten auf seiner Website. Dieser Transfer ist durchaus interessant, ist man doch grade im Sturm mit Darwin Nunez, Luis Diaz, Diogo Jota, Mohamed Salah und Roberto Firmino doch eigentlich, auch was die Breite angeht, mehr als Weltklasse aufgestellt. Umsomehr beweist dies, dass beim FC Liverpool championsleaguetechnisch alle Alarmglocken schrillen.</p><p>Denn sollte man gegen Real Madrid verlieren und im Achtelfinale ausscheiden, wäre das nur die logische Konsequenz einer bislang in jeder Hinsicht sportlich abenteuerlichen Saison. Als Höhepunkt muss hier das 1 : 4 gegen Neapel im ersten CL-Gruppenspiel genannt werden, bei dem man als Verein buchstäblich „auseinanderfiel“, so sehr, dass sich man sich sogar schon Sorgen um die Zukunft von Trainer Jürgen Klopp machen musste bei dem sich, wie schon bei Dortmund, das "verflixte siebente Jahr" andeutete.</p><p>De facto rennt man an der Anfield Road nachwievor den eigenen Ansprüchen hinterher, den Ansprüchen eines Vereins, der das Thema Zahlen und Advanced Stats auf ein neues Level gebracht hat wie kaum ein anderer Verein und was das angeht über die vielleicht weltbeste Analytics-Abteilung verfügt.</p><p>Der Grundgedanke dieser Analytics-Abteilung ist hierbei der „Expected Goals“ Gedanke, ein Gedanke, der sowohl auf Stochastik, wie auch auf historische Daten beruht. Wie wahrscheinlich ist es, dass jemand, wenn er zwei Meter vor einem leeren Tor steht, die Kugel mit dem Fuß irgendwie in den Kasten hineinbefördert bekommt? Oder eben als Gegenfrage - wie wahrscheinlich ist es, dass jemand, und sei es ein Zlatan Ibrahimovic, einen Fallrückzieher von der Mittellinie an 6 Abwehrspielern vorbei ins Tor gezwirbelt bekommt?</p><p>Das wären zwei Extrembeispiele, die Nicht-Insidern helfen, die jeweiligen Expected-Goals-Werte von Spielern und Teams, wie auch ihren Sinn zu verstehen. Dazwischen gibt es allerdings, wie man sich denken kann, noch extrem viele andere Spielsituationen, die mit ähnlichen Spielsituationen verglichen werden, wo beispielsweise ein Treffer aus einer bestimmten Position fiel oder eben auch nicht fiel. Jedes neue Fußballspiel wird in diese Statistik mit hereingerechnet, womit die Vorlagedaten für xG-Werte sich immer, zumindest leicht, verändern. Die Analytics-Abteilungen wiederum analysieren genau diese Stats, um die für sich passenden Spieler auf dem Transfermarkt zu holen und auch den eigenen Kader permanent zu beobachten. Denn wie oft ist es schon passiert, dass ein Verein für viel Geld einen Star eingekauft hat, nur um dann zu sehen, dass man genau auf dieser Position bereits über einen Stammspieler verfügt, der in dem, was seine Rolle in der Spielphilosophie des Trainers angeht, vielleicht sogar die besseren Stats hat?</p><p>Selbstreflektion, wie auch die ständige Beobachtung des Marktes anhand von Zahlen, zählen hier seit Jahren zu den größten Stärken des FC Liverpools - Stärken, so groß, dass man damit sowohl 2019 die Champions League, wie auch 2020 die Premier League gewinnen konnte. Nur auf diese Weise konnten die Transfers von Spielern wie Mo Salah oder Virgil an Dijk abgewickelt werden, Spieler, die vorher noch niemand wirklich auf dem Zettel hatte, die aber beim FC Liverpool innerhalb kürzester Zeit zu absoluten Weltstars heranreiften. Denn ein weiterer riesiger Vorteil jener Stats ist auch, dass sie die Eingewöhnungszeit der Spieler, wie auch das Scouting extrem erleichtert. Denn wo in anderen Vereinen die Scouts gefühlt von 365 Tage im Jahr 366 unterwegs sind, beruft man sich bei Liverpool ganz einfach auf die computerbasierten Daten - Daten, die wie kaum etwas anderes für die Entwicklung des Fußballs allgemein in den letzten 10-20 Jahrzehnten stehen und sich dabei auch weiterhin (was ihre Genauigkeit angeht) in rasanter Geschwindigkeit entwickeln.</p><p>Ein Beispiel: Ein Außenbahnspieler flankt von der Grundlinie aus scharf in den Strafraum, ein Mittelstürmer steht frei vor dem Torwart, verfehlt den Ball aber um Haaresbreite. In dem Fall würde dieser Ball aktuell nicht als Expected Goal und der Assist nicht als Expected Assist gewertet werden, da es sich ja um keinen direkten Torschuss handelte. Ein Stürmer, der also ständig mutig im Strafraum auftaucht, aber in seiner Flankenverarbeitung entweder Pech hat oder von seinen Mitspielern zu ungenaue Flanken bekommt, hätte somit einen niedrigeren XG-Wert als jemand, der ständig von überall auf dem Feld einfach raufbolzt und in 8 von 10 Fällen daneben schießt.</p><p>Hier liegen nachwievor leichte Schwachstellen in der xG-Wertung und sowohl in Liverpool als auch anderen Orten der Welt arbeiten Teams aus zum Teil hochentwickelten Mathematikern für die Vereine und daran, die Genauigkeit jener Werte stets zu verbessern.</p><p>Das Ziel dabei ist es, das Thema Scouting so stark wie möglich zu vereinfachen, beziehungsweise anhand so weniger Zahlen wie möglich zu sagen: "Dieser Spieler passt zu uns, beziehungsweise das, was unser Spieler auf dieser Position grade nicht hat, das hat wiederum der, den wir grade holen wollen."</p><p>Das Problem am FC Liverpool aktuell ist: Wo die einen vorreiten, reiten die anderen eben nach. Mittlerweile sind Advanced Stats selbst in mittel- bis unterklassigen Vereinen Gang und Gebe. Nahezu jeder Verein besitzt mittlerweile seine eigene in jeder Hinsicht geschulte Analytics-Abteilung. Hier von der Zeit überholt zu werden ist die Gefahr für den FC Liverpool und genau hier gilt es das Gegenteil zu beweisen, beziehungsweise auch neue Innovationen, vielleicht auch auf anderer z.B. teampsychologischer Ebene, wieder mehr zu fördern.</p><p>Denn wer hört schon gerne seinen eigenen Sound in allen Radiosendern, ist sich dabei aber bewusst: Okay, den Sound habe ich erfunden, die Musik spielen aber grade andere.</p><p>In Italien spielt die Musik derzeit dort, wo es vor der Saison sicherlich niemand erwartet hätte, nämlich in Neapel. Der <b>SSC Neapel </b>ist derzeit die Sensationsmannschaft der italienischen Seria A. Dass das Team von Luciano Spaletti aktuell mit insgesamt 14 Punkten vor dem Fünftplatzierten Inter Mailand steht, scheint allen noch wie ein völlig verrückter Traum, insbesondere, wo sich doch erst vergangenen Sommer mit Dries Mertens und Lorenzo Insigne gleich zwei absolute Schlüsselspieler verabschiedet hatten.</p><p>Ist Neapel am Ende das eine Überraschungsteam der diesjährigen Champions League, vielleicht sogar ein Titelfavorit? Cwitscha Kvaratskhelia, das Wunderkind aus Georgien, könnte es möglich machen. Dennoch ist Napoli natürlich weitaus mehr als nur Kvaratskhelia. Giacomo Raspadori, Matteo Politano, der derzeit weltstark aufspielende defensive Mittelfeldspieler Zamba Aguissa aus Kamerun, wie auch der noch einmal mehr für Torgefahr sorgende Giovanni Simeone (Sohn des dienstältesten Trainers aus Europas Topligen Diego Simeone/Atletico Madrid) haben sich hier mittlerweile zu einem Team zusammen gefunden, was auf gradezu unheimliche Art und Weise miteinander harmoniert.</p><p>Dabei spielt Napoli den wohl unitalienischsten Fußball aller Seria-A-Clubs, immer mit vollem Risiko, nach Ballgewinn sofort mit Vertikalpässen agierend, wie auch mit einer zwar tiefstehenden, aber, was den Spielaufbau angeht, dennoch offensiv ausgerichteten Viererkette aus der von den Passwerten her insbesondere der Koreaner Min-Jae Kim in der bisherigen Saison extrem herausstach.</p><p>Auch die Leidenschaft und Euphorie der Fans ist riesig, so träumt man doch so lange schon von den alten Zeiten, wo man letztmals 1990 mit Diego Maradonna als Kapitän den Scudetto holte. Sollte der jetzigen Napoli-Generation ähnliches gelingen und das Team dabei auch noch in der Champions League weit kommen, könnten einige von ihnen möglicherweise eines Tages ähnlichen Legendenstatus in Neapel erlangen.</p><p>Legendenstatus erspielten sich im vergangenen Jahr auch Spieler wie Rafael Santos Borré, Filip Kostic, Sebastian Rode, Ansgar Knauff, Kevin Trapp, Daichi Kamada und noch viele andere, das Ensemble, was das Unglaubliche wahr gemacht hat: Den Europa League Titel mit <b>Eintracht Frankfurt</b>, der Mannschaft, die ihr Publikum lebt, wie kaum eine andere in Europa und damit den größten Triumpf der Vereinsgeschichte erlebte. Diesen erlebte man, wohlgemerkt, während man in der Bundesliga sechs Plätze vor einem Abstiegsplatz auf Platz elf landete. Genau das ist Eintracht Frankfurt und das ist das, was die gesamte Europa League so einzigartig macht. Man hat als Fan tatsächlich noch das Gefühl, nahezu jeder kann diesen Wettbewerb gewinnen, wenn er an sich glaubt und sich selbst und seine Fans mitreißt.</p><p>Alle erinnern sich an jene unglaubliche Szenen wie bei dem Auswärtsspiel in Barcelona, wo sich tausende von Eintracht-Fans in die Barcelona-Blöcke schmuggelten mit dem Ergebnis, dass man am Ende im Camp Nou fast nur noch Menschen in weiß sah.</p><p>Die Fannähe war schon immer die eine riesige Stärke von Eintracht Frankfurt - jeder Fan ist Teil des Vereins und jeder Spieler spielt eben so, wie das, was die Fans mit ihm machen: Die Vorstellung einer 90minutenlangen mentalen Symbiose, die in dem Moment Realität wird, wo sie alle wahrnehmen ist das, was Team und Fans hierbei leben.</p><p>Jeder Musiker kennt das Gefühl, das Gefühl ein Konzert gespielt zu haben, von allen gefeiert zu werden, und sich in Nachhinein beim Anschauen der Live-Aufnahmen zu fragen: Wie habe ich das gemacht? Habe ich in dem Moment überhaupt gearbeitet? Habe ich überhaupt versucht, an diesem Abend besonders gut zu sein? Eigentlich bin ich doch nur auf dieser Wolke geritten und die wahre Arbeit haben eigentlich die Fans gemacht.</p><p>Genau dieses Gefühl trifft auf Eintracht Frankfurt zu und man kann es nahezu bei jedem Spiel, auch in der Bundesliga, beobachten.</p><p>Deutsche Skepsis a la „mal schauen“, „die sollen erstmal liefern“, „Filip Kostic haut doch eh bald ab“, „wie true ist der Verein überhaupt noch?“: Fehlanzeige. Stattdessen eine Ode an den Moment, beziehungsweise der Wunsch diesen immer und immer wieder zu erleben, dabei als Fan auch innerlich zu wachsen und dabei Erfahrungen zu machen, die einen vielleicht auch einmal auf ganz anderer Ebene stark werden lassen - Erfahrungen wie Glauben an das vermeintlich Unmögliche und die Gewissheit, dass es in dem Moment Realität werden kann, wo zum Beispiel ein Rafael Santos Borré diesen einen entscheidenden Elfmeter reinschießt.</p><p>Man könnte fast sagen, der wahre Vorstand von Eintracht Frankfurt sind die Fans. Denn wen schert es, ob genau jener Borré auf einmal gar kein Stammspieler mehr ist, dass mit Fredi Bobic der jahrelange starke Mann hinter Eintracht Frankfurt nun bei der Hertha ist und möglicherweise bald nebenbei auch noch den DFB retten soll, dass mit Markus Krösche der neue Manager ausgerechnet von RB Leipzig gekommen ist? Die Eintracht bleibt die Eintracht, sogar unabhängig von ihrem Personal. Nur wenigen anderen Clubs in Deutschland, nicht einmal Clubs wie Freiburg oder Dortmund, ist das in der Form so gelungen.</p><p>Auch dass mit Filip Kostic der völlig überragende Mann der Europa-League-Saison 2021/22 zu Juventus Turin abgewandert ist, zu einem Verein, von dem man derzeit mehr in Wirtschaftsmagazinen (oder Staatsanwaltschaftsakten) liest als in Sportzeitschriften, alles halb so schlimm.</p><p>Nur wo liegt das Geheimnis? Ist es das Heimatgefühl, wie beim SC Freiburg oder bei Union Berlin, wo Fans noch das Gefühl haben, jedes Wochenende zu ihrer zweiten Familie aufzubrechen, wenn sie ins Stadion gehen?</p><p>Oder sind es der Trainer, der Kader, die Verantwortlichen, die man vielleicht schon seit seiner Kindheit kennt, und wo man genau weiß, sie stehen am Ende als Personen für das, was man feiert?</p><p>Im Fall Eintracht Frankfurt trifft eigentlich nichts von alldem zu und genau das macht diesen Verein so unbegreiflich.</p><p>Denn sicherlich hat die Stadt Frankfurt auch ihre Geschichte und eine große Strahlkraft in Deutschland, dennoch ist die Gegend, was Traditionsvereine angeht, auch kein weißer Fleck auf der Landkarte: Darmstadt, Mainz, Kaiserslautern, Waldhof Mannheim, wie auch langezeit des FSV Frankfurt - all das sind Vereine aus der Gegend, die Jahrzehnte lang die Fußballkultur um Frankfurt herum geprägt haben. Und doch scheint es so als wären die Eintracht-Fans selbst der Verein, als würden sie es sein, die mit ihrer Energie all das lenken, was am Ende in solchen Wundern wie im Sommer 2022 dem Europa-League-Sieg endet. </p><p>Dazu kommt noch diese unglaubliche Fähigkeit der Frankfurt-Fans sich von einer Euphoriewelle mitreißen zu lassen, so sehr, dass man am Ende als Fan gar nicht mehr nachdenkt, sondern einfach nur gefühlt für alle Zeiten mitschwimmt, immer hinein in das nächstschönere Abenteuer, die nächstgrößere Challenge. Denn alles, was Spaß macht, geschieht sowieso von alleine, wenn man nur daran glaubt, während alles, was einen sonst im Leben vielleicht hält, irgendwo, wie auf einmal verschwunden in einem anderen Universum ist.</p><p>Dabei immer das Motto der Eintracht-Fans: Wir sind jetzt hier in diesem Film, warum ihn also nicht erleben? Da lag es zu Zeiten des Europa-League-Sieges fast schon auf der Hand, dass nahezu jeder Deutsche auf irgendeine Weise Frankfurt-Fan war, inklusive mir, der als gebürtige Ostberliner Schnauze mit der Stadt Frankfurt so rein gar nichts am Hut hat auch wenn ich das Glück hatte, zuvor mit meinem Verein nicht ganz dieselben, aber doch ähnliche Gefühle zu erleben.</p><p>War es daher am Ende bei vielen Menschen vielleicht auch einfach nur die Sehnsucht, das alles grade mit seinem eigenen Verein zu erleben, ganz nach dem Motto, wenn die Ehe nicht mehr läuft, holt man sich die Glücksgefühle eben anderswo? Denn das hundertprozentige Gegenbeispiel zu Frankfurt bei der Europa League liegt auf der Hand: Die DFB-Elf bei der Winter-WM in Katar. Kaum jemand war wirklich bereit zu sagen: Katar hin oder her, ich bin bereit für diese wenigen Wochen mit dieser Mannschaft emotional durch dick und dünn zu gehen, weil das mein Land ist und daher auch mein Team.</p><p>Hier fehlt es derzeit genau an diesem Gemeinschaftsgefühl, welches sowohl die Mannschaft, wie auch die Fans pusht und welches, wie noch 2014, genauso maximalen Glamour versprühen kann, wie es eben auch das Gefühl ist, was zum Beispiel 20 schweißüberströmte Metalheads erleben, die grade völlig euphorisch ihre lokale Lieblingsband irgendwo in einer versüfften Kneipe in Berlin-Rummelsburg abfeiern.</p><p>Doch möchte man diesen sogenannten Erfolgsfans in Bezug auf das DFB-Team einen Vorwurf machen? Oder sollte jene Sehnsucht nicht mehr denn je zu denken geben, auch was den Fußball und die Gesellschaft generell angeht?</p><p>Wo stehen wir als Gesellschaft, wenn wir immer nur dem Idol mit dem größeren Kontostand, der größeren Reichweite oder dem größeren Erfolg hinterherjagen? Und wo steht in alldem der Fußball, der in diesem einen Punkt schizophrener als jede andere von Form von Entertainment erscheint?</p><p>Warum hat 2022 die EM der Frauen viele Deutsche 100mal mehr mitgerissen als die Winter-WM in Katar, ein Turnier, was Eventismus in seiner Größe und Berechenbarkeit nochmal auf eine völlige neue Stufe brachte?</p><p>Warum sehnen sich Leute nach Youtube-Influencern, die wie z.B. Calcio Berlin einzig und allein aus eigener Kraft ihren Traum zum Beruf machen konnten und holen sich lieber dort ihre Anregungen anstatt sich wieder und wieder ausschließlich nur den Ausführungen von Superstars wie Lothar Matthäus, Toni Kroos oder Bastian Schweinsteiger zu widmen?</p><p>Das macht die Analyse des modernen Fanverhaltens so schwierig, denn einerseits sehnen sich alle nach großen Namen, Fanaufmärschen, Triumpfen und Schlagzeilen über große Transfers, andererseits sehnen sich dann aber auch wieder alle nach der Essenz zurück, einer durch den Sport gelebten Wahrhaftigkeit und wenn es heißt (ich denke da nur an Schalke 04 oder den HSV) dass die Verbindung zu seinem Verein zu einem nicht geringen Teil dadurch auch Fluch und Segen zugleich wird.</p><p>"You don't write the song, it will write you“, wie Marlon Roudette in seinem Hit "When The Beat Drops Out" schon so schön sang, eine Aussage, die sich für viele Fans zu hundert Prozent auch auf den Fußball übertragen lässt, wie auch auf die Wahl ihres Vereines, die für viele Fans am Ende dann doch so viel mehr ist als nur eine Wahl.</p><p>Man lebt die Diskrepanz, den Zwiespalt, den man überall im Leben wahrnimmt - die Diskrepanz zwischen "erfolgreich sein" und "man selbst sein" - über seinen Verein. Das ist das, was Fanverhalten psychologisch so unglaublich komplex, gleichzeitig aber auch so unglaublich spannend macht.</p><p>Denn ein Verein wie Eintracht Frankfurt ist fußballerisch nicht attraktiver als z.B. die Bayern, hat nicht mehr Tradition als z.B. Kaiserslautern, hat abgesehen von Legenden wie Jürgen Grabowski auch nicht die Säulen und Ikonen, an denen sich alle aufrichten, jene Franz-Beckenbauer-Idole, die am Ende für ein ganzes Land stehen, genauso wenig wie die Eintracht das eine Motto a la "Mia san mia" hat, ein Motto, was in drei Worten zusammen fasst: Das sind wir. Das ist Eintracht Frankfurt.</p><p>Und dennoch wird das eine der ganz großen Fragen sein müssen auf die die DFB-Taskforce rund um Oliver Kahn, Oliver Mintzlaff, Karlheinz Rummenigge, Rudi Voeller und Matthias Sammer eine Antwort finden muss. Wie machen die das in Frankfurt, dass sich am Ende alle Fans sagen: Das, was mir mit der Eintracht erleben, sind die Momente, die unser Leben ausmachen, Momente, wo wir so glücklich sind, dass es uns vielleicht sogar reicht, sie einmal erlebt zu haben auch wenn wir sie im tiefsten Herzen natürlich immer wieder erleben wollen.</p><p>Und wenn das im Fall Eintracht Frankfurt plötzlich heißt von einem Champions-League-KO-Runden-Platz zu träumen, das dann gemeinsam mit den Fans wieder erreicht und dann auch noch ausgerechnet den Gegner zugelotst bekommt, der genau diesen „zwick-mich-mal"-Traum derzeit in Italien erlebt: den SSC Neapel, auch ein Verein in einem Land, welches aus zwei absoluten WM-Debakeln kommt, was die Nationalmannschaft angeht? Dann fragt man sich schon fast, wie die Geschichte eigentlich noch perfekter hätte laufen können.</p><p>Frankfurt gegen Neapel ist daher nicht nur ein Spiel zwischen zwei Mannschaften, es ist mehr als jedes andere Spiel dieser Saison ein Spiel zweier Fanlager. Welche Fanpower setzt sich am Ende mehr durch? Wo greift die Connection Fans und Mannschaft mehr? Das, was sich so viele Menschen am Ende auch als Champions-League-Finale wünschen würden - ein Finale, wo am Ende gemeinsame Begeisterung, Leistung und Willen über Erfolg entscheidet und nicht das eine Konsortium, der eine Staat oder der eine Konzern, der einfach nur unendlich Geld in einen Verein pumpt und ihn damit erfolgreich macht - am Ende, wie wir alle wissen, eine Utopie, aber dennoch immer wieder eine sehr schöne.</p><p>Eine Utopie die uns aber auch eines lehrt: Schwarz und weiß ist vielleicht die Tastatur eines Pianos, das Fell eines Zebras und das ein oder andere Schachbrett, aber ganz sicher nicht der Fußball. Denn es wird immer auch Fußballfans geben, die sagen, dass ein Finale Haaland gegen Mbappé, sprich City gegen PSG, dann doch das weitaus attraktivere Spiel wäre als Frankfurt gegen Neapel.</p><p>Philosophisch betrachtet bleibt für uns als Fans somit ausschließlich die Frage, wo wir uns am Ende am besten fühlen, beziehungsweise wo wir das Gefühl haben, einen Teil unserer inneren Mitte wahrzunehmen, wir selbst zu sein und dabei gleichzeitig mit der Welt mitzuschwimmen, einer Welt, die am Ende dann doch einfach ist, wie sie ist.</p><p>Wenn wir uns am besten fühlen, uns zu sagen, ein Finale Abu Dhabi (Manchester City) gegen Katar (Paris St. Germain) hat in unserer Welt keinen Platz und damit basta, dann wunderbar. Wenn wir uns aber sagen, dass wir vielleicht doch nicht so wichtig sind, mit dem Boykott eines solchen Champions-League-Finales oder eines WM-Finales Frankreich gegen Argentinien in Katar auf einmal die ganze Welt zu verändern, ist das sicherlich auch ein Teil der Wahrheit. Die Wahrheit liegt bei uns, in unseren Herzen und in unseren Entscheidungen, wozu auch gehört:</p><p>Wenn es die Entscheidung von Clubs wie Eintracht Frankfurt und ihren Fans ist, vielleicht auf lange Sicht das große Ding im europäischen Fußball zu werden, was zeigt, dass 50+1 mehr als nur eine Regel ist und das es auch anders geht, dann sollen sie doch bitte auch genau das tun.</p><p>Denn dann ist genau das der Weg auf dem diese großartige Reise weitergeht, im Fall Frankfurt der einzig richtige Weg für den Club. Und warum - mit dieser Einstellung - nicht eines verrückten, und vielleicht gar nicht so fernen Tages auch mal der Champions-League-Titel?</p><p><br /></p><p>Prognosen:</p><p><br /></p><p>Mannschaften, die in den CL-KO-Runden überraschen werden:</p><p>- Borussia Dortmund</p><p>- Manchester City</p><p>- Inter Mailand</p><p>- FC Liverpool</p><p>- SSC Neapel</p><p>- Eintracht Frankfurt (schon wegen TOP-16-Qualifizierung)</p><p>- Club Brügge (siehe Frankfurt)</p><p><br /></p><p>Mannschaften, die in den CL-KO-Runden die Erwartungen erfüllen werden:</p><p>- AC Mailand</p><p>- Tottenham Hotspur</p><p>- Benfica Lissabon</p><p>- Paris St. Germain</p><p><br /></p><p>Mannschaften, die in den CL-KO-Runden die Erwartungen nicht erfüllen werden:</p><p>- Real Madrid</p><p>- Bayern München</p><p>- FC Chelsea</p><p>- FC Porto</p><p>- RB Leipzig</p><p><br /></p><p>(written by Leon Buche)</p>]]></description><link>https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-champions-league-ko-runden-2023</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-champions-league-ko-runden-2023</guid><dc:creator><![CDATA[footballutopia]]></dc:creator><pubDate>Sat, 31 Dec 2022 11:15:00 GMT</pubDate></item><item><title><![CDATA[Vorschau EM 2024]]></title><description><![CDATA[<figure><img src="https://vakantio.de/uploads/e4e62213e16f2be2dc1c8ac79c996df6_large.jpg" /><figcaption>Vorschau EM 2024</figcaption></figure>Die WM 2022 ist vorbei, ein Turnier, welches wohl mehr polarisierte als jedes andere Turnier in der WM-Geschichte. Ein Turnier, was auch mich herausforderte: Medien, Informationen, Tatsachen und über all dem dieses Gefühl mich in meinem Zwiespalt, was diese WM anging, irgendwo fast schon ein bisschen verloren zu fühlen. Denn so richtig gab es zu dem Zeitpunkt auch in meiner Community keine Partei, die wirklich ich war. Die einen sagten ja, die anderen strikt nein und ich - war eben so verloren irgendwo dazwischen. Kann das wirklich gut gehen? Diese Frage musste ich mir, wie viele andere Menschen auf der Welt, stellen bei der Frage, wie ich mit der WM 2022 in Katar umgehe.<p><br /></p><p>Die gute Nachricht zumindest ist: Die WM in Katar ist vorbei. So als wäre es nie dagewesen und so, als würde dort ab jetzt alles besser laufen. Denn schon blickt man in Deutschland auf die eine große Herausforderung: Die Wiedergutmachung der deutschen Nationalmannschaft für die vergangenen drei Turniere. Doch welches Fazit können wir aus der WM eigentlich wirklich ziehen, auch was die Entwicklung der anderen europäischen Teams angeht? Ist die goldene Generation Belgiens wirklich so komplett am Ende, wie es bei der vergangenen WM erschien? Und ist die französische Nationalmannschaft wirklich gefühlt für die nächsten Jahrzehnte so unschlagbar, wie sie aktuell scheint? Wie schafft es ein grade mal 4-Millionen-Einwohner-Land wie Kroatien Turnier für Turnier immer wieder abzuliefern, wo doch auch hier Topstars wie Modric, Rakitic, Mandzukic & Co. mehr und mehr der Vergangenheit angehören? Und welche nicht für die vergangene WM qualifizierten europäischen Teams könnten noch überraschen? Gibt es dieses eine neue Island, den einen Favoritenschreck, ein Land, mit dem derzeit noch aktuell absolut niemand rechnet?</p><p>Mit all diesen Fragen möchte ich mich beschäftigen mit meiner Vorschau auf die kommende Europameisterschaft 2024, dem Turnier was 80 Millionen Deutschen schlussendlich auch die Antwort auf die Frage geben muss: Ist Deutschland überhaupt noch eine Spitzenmannschaft? Eine Mannschaft, die sich nachwievor Turniermannschaft oder gar Turnierfavorit nennen darf? Sehr viele ehemalige Nationalspieler wie Jürgen Kohler oder Lothar Matthäus sehen das nachwievor so, aber wo stehen wir wirklich als deutsche Mannschaft, wenn man bedenkt, wie rasant sich der Fußball in den letzten Jahren durch Digitalisierung und Kommerzialisierung verändert hat? Ist Deutschland überhaupt noch auf dem Topstand, wenn es um Themen wie Scouting, Datenanalyse und Advanced Stats geht? Und wo sind die Punkte grade in der Nachwuchsförderung, wo uns Nationen wie Frankreich, England oder Spanien derzeit um Meilen vorraus scheinen? Wo scheitert das deutsche Fußballgeschäft mal wieder an seiner deutschlandtypischen Übergründlichkeit, an zu viel Bürokratie und zu vielen Gremien, die am Ende nur dafür sorgen, dass der eine nicht mehr weiß, was der andere tut? Macht die Zentralisierung, wie z.B. die in Frankreich auf Paris und Clairefontaine, hier möglicherweise vieles leichter in der Organisation? Und inwiefern ist es für die französische Nationalmannschaft sogar ein Vorteil, dass viele Fans kleinerer Clubs aus Frankreichs Ligue 1 gar nicht mehr den Anspruch haben, dass die eigenen Talente ihren Vereinen treu bleiben, zum Teil sogar stolz darauf sind, wenn junge französische Talente für viel Geld in die Bundesliga oder die Premier League wechseln, um dort zu noch größeren Stars zu reifen? Wo liegt hier der Unterschied in der Fankultur im Vergleich zu deutschen Vereinen wie z.B. Borussia Dortmund?<br /></p>Genau diese Fragen werde ich nach und nach behandeln in meiner Prognose zunächst einmal, was die kommende EM angeht, sowie dann auch in meinen folgenden Blogs, was die kommenden KO-Runden der Champions League wie auch der Europa League angeht. <p>Hierbei werde ich auch erklären, warum die Europa League, von Franz Beckenbauer einst so schmählich als der Verlierercup betitelt, nachwievor aufgrund seiner Ehrlichkeit mein Lieblingswettbewerb im Fußball ist.<br /></p><p>Grundsätzlich hat uns die vergangene WM in Katar gezeigt, dass Europa nicht mehr in der Form das Maß aller Dinge ist, wie es noch bei vergangenen Turnieren der Fall war. Neben zwei europäischen Mannschaften (wohlgemerkt denselben, die schon bei der WM in Russland 2018 ganz vorne standen) landeten gleich zwei nichteuropäische Mannschaften im Halbfinale, die sensationellen Marokkaner als erste afrikanische Mannschaft der Fußballgeschichte, wie auch der spätere Titelträger Argentinien.</p><p>Auch die Achtelfinalbilanz liest sich vergleichsweise uneuropäisch: Zwei asiatische Mannschaften (Japan und Südkorea), zwei südamerikanische Mannschaften (Argentinien und Brasilien), zwei afrikanische Mannschaften (Marokko und Senegal), dazu noch die USA und Australien. Alle Kontinente waren somit in den KO-Runden vertreten, gerade mal die Hälfte aller Mannschaften kamen aus Europa. Inwiefern das dann bei der nachwievor in Gianni Infantinos größenwahnsinnigem Kopf herumspukenden Club-WM ebenfalls so sein wird, sei mal dahin gestellt (hier denke ich schon, dass die Vertreter der europäischen Champions-League klar dominieren werden, sofern sie nicht aus Protest vor dem Turnier und um ihre Starspieler vor Überbelastung zu schützen geschlossen mit ihren B-Elfs antreten werden), bezogen auf die Nationalmannschaft zeigten sich die nicht aus Europa stammenden Nationen aber erstaunlich stark.</p>Entscheidend hierfür mag sicher zuallererst der Anreiz sein. Viele dieser Länder sind Dritte-Welt-Länder oder haben, wie Argentinien, mit einer Hyper-Inflation zu kämpfen. Desweiteren ist es aber auch die Rolle des Fußballs in der Gesellschaft, die nochmal eine ganz andere ist als in vielen Teilen Europas. Läuft man durch die Gassen von Essaouira in Marokko oder Dakkar in Senegal, sieht man sowohl in den Städten als auch am Strand überall fußballspielende Kinder, teilweise mit Müllsäcken als Torpfosten aber immer mit voller Leidenschaft für das lederne Rund.<p>Keines dieser Kinder denkt dabei ernsthaft über eine Profikarriere nach und auch abkippende 6er und falsche 9en sind für diese Kinder genauso weit entfernt wie Thorsten Legat von einer Karriere als Juror bei „The Voice Of Germany“. Hinzu kommt, dass der (!) eine Spieler, das eine Popidol, in vielen außereuropäischen Länder nochmal eine ganz andere Rolle spielt als in Europa. Bei meinen Reisen durch Marokko, Senegal und Ägypten habe ich viele Interviews mit Fans geführt, wie auch Eindrücke gesammelt und überall fielen immer wieder nur diese Namen: Mo Sallah, Hakim Ziyech oder eben auch Sadio Mané. Viele dieser Menschen waren Fans derer Vereine ausschließlich nur wegen dieser Spieler.</p><p>Denn schafft es ein Spieler nach ganz oben, der wirklich in einem dieser Länder geboren, dabei vielleicht sogar in den Slums großgeworden ist, wird er von jedem Fußballfan gerade in den afrikanischen Ländern geradezu angehimmelt und angebetet. Der O-Ton ist hier immer derselbe: Der war mal einer von uns und zeigt uns, dass jeder von uns es theoretisch genauso schaffen kann. Ähnliches gilt auch für Argentinien, wobei hier die Art und Weise wie Legenden wie Maradonna (und nun hoffentlich auch Messi) von den Argentiniern vergöttert werden, nochmal eine ganz andere ist.</p><p>Kreischende Groupies, wie sonst nur bei Pop-Superstars wie Justin Bieber oder Shawn Mendes, sind hingegen vor allem bei den asiatischen Fußballstars Gang und Gebe. So hat der noch zuvor mit (nur) 70.000 Followern gesegnete koreanische WM-Shootingstar Sue-Gol Cho nur aufgrund zweier Tore gegen Ghana seine Followerschaft in nur einer Nacht verzwanzigfacht. Millionen von Fans in ganz Asien und auf der Welt subscribten den 24jährigen nach seinem Gala-Auftritt während der Vorrunde in Katar, desweiteren finden sich in den Kommentaren Smilies mit Herzchen noch und nöcher.</p><p>Auch nur in die Nähe dieser Stars zu rücken, ist für viele junge grade afrikanische Menschen der Traum aller Träume und wenn sie es dann geschafft haben, spielen sie eben nicht nur für ihr Team, sondern für ihr Land, für ihre Familie, im Fall Marokko am Ende sogar für einen ganzen Kontinent. Die Vorstellung, dass das Wort Patriotismus im Fußball auch negativ behaftet sein kann, existiert in diesen Ländern schlichtweg nicht.</p><p>Und wenn z.B. die afrikanischen Spieler dann noch, dank der hervorragenden Scouting-Abteilungen einiger europäischer Vereine, schon in frühen Jahren die Chance haben, zu einem europäischen Club zu wechseln, trifft am Ende sogar alles zusammen: Haltung, Ehrgeiz und Professionalität. Auch die Arbeit der eigenen Verbände hat sich insbesondere in Afrika in den letzten Jahren verbessert, was auch die Tatsache beweist, dass zum ersten Mal in der Geschichte sämtliche afrikanische Mannschaften mit ebenfalls afrikanischen Trainern antraten. (hier hatte man sich in der Vergangenheit insbesondere auf dem deutschen Markt immer sehr gerne bedient). </p><p>Die Rückbesinnung zu den Wurzeln findet also statt und die Begeisterung für die eigenen Kontinentalwettbewerbe wie dem Afrika Cup oder der Copa America wächst derweile mehr und mehr. Dies wurde insbesondere beim vergangenen WM-Turnier deutlich, wo die Fangruppierungen so mancher europäischer Länder in den Stadien im Vergleich zu den argentinischen oder mexikanischen Fans so wirkten, als würden da grade die Sportfreunde Lotte auswärts gegen Eintracht Frankfurt spielen. Hier hat sich gerade in den letzten 4 Jahren definitiv sehr viel verändert und es bleibt abzuwarten, wie viel sich durch die WM-Reform für 2026 (48 statt wie bisher 32 Nationen) hier noch einmal verändern wird - eine Reform, welche natürlich nochmal weitaus mehr Ländern aus anderen Kontinenten die Chance geben wird, sich auf der größtmöglichen Bühne zu präsentieren.</p><p>Grade Afrika mit Ländern wie Burkina Faso, Südafrika, Sierra Leone, Mali, Guinea, Algerien und der Elfenbeinküste sollte man hier auf dem Zettel haben. Inwiefern es sportlich durch die WM in Katar auch einen Aufschwung der Staaten aus dem nahen Osten geben wird, bleibt hingegen abzuwarten. Trotz finanzieller Möglichkeiten, die sich verglichen mit Afrika in komplett anderen Sphären bewegen, fehlt es hier vielen Ländern nachwievor an der entsprechenden Fanbegeisterung.</p><p>Eine Fußballkultur, wie sie in Südamerika, Europa und großen Teilen von West- und Nordafrika vorhanden ist, lässt sich eben nicht so einfach mit Geld kaufen, wie nicht zuletzt das Eröffnungsspiel der katarischen Nationalmannschaft bei ihrem Heimturnier bewies. Fußball ist für viele Menschen in diesen Ländern wie Kino, ist der Film langweilig, dann geht man eben. Die einzige überraschende Ausnahme beim letzten Turnier war Saudi-Arabien, die ich hier ein wenig ausklammern möchte (hierzu mehr in meinem ebenfalls bald kommenden WM-Special: „WM der Schande oder nicht? Mein abschließender Rundum-Rückblick zum WM-Turnier in Katar“.)</p><p>Nun aber zur Europameisterschaft - und hier ist es nun insbesondere für die deutschen Fans wie auch den DFB an der Zeit, neben One-Love-Binden und abgedeckten Münden, die ja ganz großartig sind, nun auch mal wieder sportliche Zeichen zu setzen.</p><p>Denn bei allem Respekt vor der politischen Anteilnahme zur Menschenrechtssituation in Katar: Falls es eine Zeit gab, wo man sportlichen Misserfolg und fehlende Begeisterung der deutschen Fans für die DFB-Mannschaft mit der (wie Kevin Prince Boateng so schön sagte) „Blutgeld-WM“ rechtfertigte, dann ist diese Zeit nun klar vorbei. Denn 2024 ist Deutschland selbst Gastgeber und damit das Land auf das alle Augen schauen. Was machen sie als Gastgeber besser als Katar, die zumindest, was die Organisation, wie auch die erfolgreiche Vereitlung von Randalen und Alkoholexzessen, sicherlich auch einiges gut gemacht haben? Schafft man es, die eigenen Stadien zu füllen und eine Stimmung, wie beim Sommermärchen 2006 zu wiederholen? Die Skepsis bleibt groß. Grade beim letzten Turnier gab es, insbesondere auf Twitter, nicht wenige Aussagen, wie „Der entscheidende Unterschied zu 2000 und 2004 ist, dass es mir inzwischen egal ist, ob die Deutschen ausscheiden oder nicht“.</p><p>Das Fehlen wirklicher Fanbegeisterung war in Katar allerdings auch kein komplett deutsches Problem. Beim Viertelfinalspiel Argentinien gegen die Niederlande fanden sich von insgesamt 90.000 Fans zum Beispiel gerade einmal 1.400 niederländische Fans im Stadion - gewiss, das Land Niederlande ist ein wenig kleiner als Argentinien, für eine Fußballnation wie die Niederlande (3maliger WM-Finalist) ist ein solch großer Unterschied in den Zuschauerzahlen dann aber doch sehr erschreckend.</p><p>Auch die französischen Fans konnten im Finale nicht einmal annähernd mit den enthusiastischen Fanmassen Argentiniens mithalten, was sicherlich auch zu dem finalen Ergebnis mit beigetragen hat - gleiches gilt für Länder wie Dänemark, Belgien und Spanien, deren Fans in goßen Teilen der Vorrundenspiele fast überhaupt nicht zu hören waren. Wie aber geht es mit der Fanbegeisterung weiter, wenn die Europäer wieder unter sich sind und sich niemand mehr schämen muss, ein Turnier zu verfolgen, welches in einem Land stattfindet, wo Homosexuelle verhaftet werden und Gastarbeiter aufgrund eines immer noch nicht wirklich reformierten Khafala-Systems im Land als mehr oder weniger Zwangsarbeiter gefangen gehalten werden? Im Folgenden möchte ich eine kleine Prognose wagen, was die 24 Nationen angeht, die ich abschließend auch noch einmal auflisten werde. Dies tue ich natürlich nicht ohne euch dabei auch einige meiner Hottakes vorzustellen, mich zu den Favoriten und Geheimfavoriten zu äußern, so wie auch natürlich nochmal ausführlich zur deutschen Nationalmannschaft.</p><p>Dass ich dabei nicht alle Mannschaften besprechen kann, sollte klar sein, ich bitte also schonmal im Vorraus Fans von Mannschaften wie z.B. Dänemark, Niederlande, Serbien oder Schweiz um Entschuldigung.</p><p>Meine Einteilung ist hier wie folgt:</p><p>1) Katar-Teilnehmer, die auch 2024 die Erwartungen erfüllen werden</p><p>2) Katar-Teilnehmer, die die Erwartungen nicht erfüllen werden</p><p>3) Katar-Teilnehmer, die überraschen werden</p><p>4) Nicht-Katar-Teilnehmer, die schon aufgrund ihrer Rückkehr in die Welt der großen Turniere überraschen werden.</p><p>Was letztere Kategorie angeht, kommt man natürlich nicht umhin, <b>Italien </b>zu nennen, denn zwei Nicht-Qualifikationen für die WMs 2018 und 2022 hin oder her - der Kader ist dann doch einfach zu stark. Punkt! Hinzu kommt natürlich der sensationelle Sieg bei der Euro 2021. Diesen sollte man allerdings auch mit Vorsicht genießen, da bereits im März 2022 verkündet wurde, dass sich (natürlich neben Torwart Donnaruma, dem Spieler des Turniers) gleich drei die EM 2021 prägende Schlüsselspieler in Abschiedsstimmung befinden, nämlich Mittelfeldmotor Jorginho, wie auch die beiden Topstürmer Ciro Immobile und Lorenzo Insigne.</p><p>Dies würde natürlich einen gewaltigen Umbruch in der Squadra Azzurra bedeuten. Desweiteren wird die doppelte Schmach 2022 zum zweiten Mal in Folge gar nicht erst zur WM zugelassen worden zu sein (wohlgemerkt nach einer 0 : 1 Niederlage gegen Nordmazedonien) bei den leidenschaftlichen Gli Azzurri trotz des EM-Siegs Spuren hinterlassen haben. Die Sehnsucht der Italiener an die glorreichen alten Zeiten ist groß, viele Fans, die ich z.B. auf einer Neapel-Reise im Oktober 2022 traf, wussten zum Teil nicht einmal, wann die WM überhaupt stattfindet und welche Spieler derzeit überhaupt für Italien auflaufen, so sehr hat man sich inzwischen von der italienischen Nationalmannschaft abgewandt.</p><p>Sportlich scheint mehr denn je die Offensive das Problem der Mannschaft zu sein, die unter Roberto Mancini noch vor der EM 2021 für mehr als 30 Spiele hintereinander ungeschlagen blieb. Nur wo bleiben die neuen Francesco Tottis, Luca Tonis, Roberto Baggios oder Paolo Rossis, eben diese Stürmer mit Weltklasseformat, an die sich Italienfans mit so viel Nostalgie zurückerinnern? Aktuell zumindest sucht man sportlich weiter nach sich selbst, noch dazu ist auch das ehemalige Juventus-Innenverteidiger Bonucci und Chiellini mehr als nur ein bisschen in die Jahre gekommen und wird wohl kaum in der Form mehr auflaufen wie 2021. Bei beiden ist sogar mehr als fraglich, ob sie jemals nochmal für Italien bei einem großen Turnier auflaufen werden.</p><p>Schlussendlich sind es zwei italienische Vereine, die derzeit Anlass zur Hoffnung geben. Diese Vereine sind zum einen in puncto Offensive der SSC Neapel, zum anderen in puncto Defensive Inter Mailand. Insbesondere das neapolitanische (und italienische) Sturmduo Matteo Politani und Giacomo Raspadori spielen derzeit beim aktuellen Tabellenführer der Seria A eine herausragende Saison, zwei italienische Newstars, die bislang gemeinsam mit dem georgischen Wirbelwind Cwitscha Kvaratskhelia alles dafür tun, die Bewohner der Stadt am Fuße des Vesuvs zum ersten Mal seit 1990 (damals noch mit einem gewissen Diego Maradonna im Sturm) wieder den Scudetto-Gewinn feiern zu lassen.</p><p>Bei Inter Mailand ist es hingegen die junge aber hochtalentierte Defensive, die neugierig macht. Hier sind es insbesondere Verteidiger wie Francesco Acerbi und Matteo Darmian, die in den vergangenen Saisons auf sich aufmerksam machten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Hilfe hatten die Nerazzurri es in der Saison 2021/22 geschafft von 48 Spielen gerade einmal 2 zu verlieren, defensiv ein absoluter Spitzenwert. Es könnte also gut sein, dass Roberto Mancini bei einer Qualifizierung für 2024 wieder vermehrt auf die alten italienischen Tugenden (Stichwort Catenaccio) setzen wird und neben einer sattelfesten Defensive vor allem auf blitzschnelle Außenstürmer setzen wird. Eine 5-2-3-Aufstellung erscheint hier nicht unwahrscheinlich, gesetzt den Fall, Ballverteiler und Spielmacher wie Jorginho und Marco Verratti bleiben verfügbar und unverletzt. Vorne könnte neben den Napoli-Stürmern zuzüglich noch der nachwievor als absolutes Supertalent geltende Gianluca Smamacca (West Ham United) auf sich aufmerksam machen oder man wird seinen Gegnern eben mit der Geschwindigkeit eines Nicolo Zaniolis (AS Rom) oder Moise Kean (Juventus Turin) gefährlich.</p><p>Das mag dann vielleicht nicht mehr ganz so begeisternd aussehen wie 2021, eine solche taktische Umstellung könnte dem aktuellen Kader aber gut tun, der dann natürlich wieder alle Chancen der Welt hat, die Geschichte ein zweites Mal neu zu schreiben und eine sehr erfolgreiche EM zu spielen.</p><p>Geschichte könnte auch mein zweiter (Überraschungs?)-Kandidat der WM-Nicht-Nominierten schreiben: <b>Norwegen</b>. Für Norwegen könnte diese EM eine Weggabelung werden, allen voran natürlich aufgrund ihres mit haushohem Abstand größten Stars Erling Haaland im Sturm. Denn sollte Norwegen die Qualifizierung für die EM 2024 erneut nicht schaffen, könnte er sich so langsam aber sicher, trotz seines jungen Alters, in die Reihen der George Bests (Nordirland), George Weahs (Liberia) oder Ali Daeis (Iran) einreihen - Spieler, die zwar - jeder auf seine Art - als Fußballer absolute Legenden waren, die mit ihren Nationalmannschaften jedoch nie etwas reißen konnten (Chelseas für Gabun spielenden Top-Stürmer Pierre-Emerick Abaumeyang könnte man hier, was die jüngere Vergangenheit angeht, auch noch mit hinzunehmen).</p><p>Ich stelle allerdings die vielleicht gewagte Prognose auf, dass dem nicht so kommen wird. Vielmehr sehe ich Norwegen, wenn alles gut geht, als vielleicht das neue Polen - eine Mannschaft, die zwar trotz Haaland zu schwach für einen ganz großen Titel ist, durchaus aber auch mal in einem EM-Viertel- oder sogar Halbfinale mitspielen könnte (siehe Wales mit ihrem Superstar Gareth Bale, die den Halbfinaleinzug 2016 ebenfalls genau so geschafft haben).</p><p>Natürlich muss hierbei auch die Philosophie des aktuellen Trainers Stale Solbakken eine ähnliche sein wie bei genannten Teams: Alles auf eine Karte setzen, die wie im Fall Lewandowski (Polen) oder Gareth Bale (Wales) heißt: Irgendwie, notfalls mit langen Bällen, dafür sorgen, dass dieser eine sicher doppelt und dreifach gedeckte Spieler Erling Haaland in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball bekommt und damit wieder einmal irgendetwas unglaubliches anstellt. Schnelle Konter wären bei einem Erfolg Norwegens natürlich Pflicht, wie auch mannschaftliche Geschlossenheit in der Abwehr.</p><p>Die gute Nachricht für norwegische Fans ist, dass sie (ähnlich wie Wales einst mit Aaron Ramsey) im Mittelfeld zumindest noch einen weiteren Spieler und Lenker haben, der beim FC Arsenal grade in jüngster Zeit mehr und mehr Weltklasse aufblitzen lässt: Martin Odegaard.</p><p>Doch auch sonst finden sich derzeit überraschend viele norwegische Talente, die in Mannschaften spielen, die alle nachwievor europäisch spielen: Leo Ostigaard vom SSC Neapel, Birger Meling von Stade Rennes, Fredrik Oppegard von PSV Eindhoven, Marcus Pedersen von Feyenoord Rotterdam, Kristoffer Zacharias und Joshua King von Fenerbahce Istanbul, Fredrik Aursnes von Benfica Lissabon, wie auch nicht zuletzt die beiden Union-Berlin-Neuzugänge Julien Ryersson und Morten Thorsby. Auch mit dem kürzlichst zu Leipzig gewechselten Oryan Nyland hat man zumindest einen sehr erfahrenen Schlussmann im Kader, auch wenn sich dieser im Verein bislang noch nicht gegen Leipzigs klare Nr. 1 Peter Gulacsi durchsetzen konnte.</p><p>Und sollte es tatsächlich einer Mannschaft gelingen, Haaland durch komplette Dauermanndeckung komplett aus dem Spiel zu nehmen, dann hat man auch im Sturm mit Alexander Sorloth (Real Sociedad, Ex-Leipzig) wie auch den zuletzt von Eintracht Frankfurt an Gent verliehenen Jens-Petter Haugge auch auf dieser Position mindestens zwei weitere vielversprechende Alternativen.</p><p>Eine entscheidende Frage wird auch sein, inwieweit ein Spieler auf dem Level eines Erling Haaland sich überhaupt auf eine, eben den Voraussetzungen entsprechenden, Nationalmannschaftskarriere einlassen kann. Denn so vieles steht fest: Welt- oder Europameister werden wird er mit Norwegen nicht und alles über ein Viertelfinale hinaus wäre für ihn und das norwegische Team schon ein absolutes Weltwunder.</p><p>Hier spielen auch Faktoren wie Identifikation mit seinem Heimatland eine Rolle, etwas, was insbesondere bei Wales und Gareth Bale (verärgerte Madrid-Fans erinnern sich an sein Zitat zu seinen Prioritäten im Leben: Platz 3: Real Madrid, Platz 2: Golf, Platz 1: Wales) bei der EM 2016 absolut entscheidend war.</p><p>Ist es für einen Spieler, der jetzt schon beim vielleicht besten Verein der Welt spielt und auf Champions-League-Ebene alles gewinnen kann, was man gewinnen kann, überhaupt wichtig, ob Norwegen in irgendeinem Nations-League- oder EM-Qualifikations-Spiel gut oder schlecht spielt? Oder wird er früher oder später sogar genervt sein von irgendwelchen Länderspielen mit Norwegen und sich viel lieber glücklich an die WM 2022 erinnern, wo er sich als einer der wenigen europäischen absoluten Topstars komplett schonen konnte? Sicherlich wird hierbei auch eine entscheidende Rolle spielen, ob er es schafft, zeitnah mit Manchester City die Champions League zu gewinnen und zumindest diesen Titel in seiner Vita erstmal abzuhaken.</p><p>Desweiteren wird, wenn man auf die WM 2026 blickt, auch entscheidend sein, ob nicht sogar der gesamte norwegische Verband aus der FIFA austreten wird. Denn kein Verband auf der Welt zeigt sich gegenüber den Korruptionen der FIFA und Gianni Infantino gegenüber so kritisch, wie der norwegische Verband unter Präsidentin Lise Klaveness, ein Verband, der auch was hohe Positionen von Frauen im Herrenfußball angeht, anderen Nationen weit vorraus ist. Auch aus gesellschaftspolitischer Sicht kann man auf Norwegen in den nächsten Jahren also sehr gespannt sein.</p><p>Nun aber zu meinem wirklich heißesten Hottake aller Hottakes, der heißt: <b>Georgien </b>qualifiziert sich als die eine Riesenüberraschung für die EM 2024 in Deutschland und wenn es, wie bei Nordmazedonien bei der letzten EM, über irgendeinen Nations-League-Schleichweg ist.</p><p>Was Georgien angeht befänden wir uns bei einer generellen Frage im aktuellen immer taktischer und athletischer werdenden Fußball: Befinden wir uns in einer Zeit, wo es überhaupt noch möglich ist, dass ein Spieler (in dem Fall 60-Millionen-Mann Khvicha Kvaratskhelia von SSC Neapel, der im Sturm als absolutes Ausnahmetalent gilt) plus ein solider bis sehr guter Torwart (Giorgi Marmadashvili, aktuell die Nr. 1 beim FC Valencia) eine ganze Mannschaft tragen und zum Erfolg führen kann?</p><p>Denn der andere Teil der Wahrheit ist natürlich auch: Abgesehen von diesen beiden Spielern hat keiner der restlichen georgischen Spieler einen Marktwert von über 3 Millionen. Damit hat man in etwa den Kaderdurchschnittswert des VFL Bochums.</p><p>Allerdings hat auch dieser bereits 4 zu 2 gegen den FC Bayern gewonnen und wo wir schon beim Thema Bayern sind: Georgiens aktueller Trainer ist niemand anderes als der Ex-Bayern-Defensiv-Star Willy Sagnol, ein Trainer, der 2017 bereits als Interimstrainer beim deutschen Rekordmeister gearbeitet hat und dem man, insbesondere was die Einstellung einer sattelfesten Defensive angeht, durchaus etwas zutrauen sollte.</p><p>Ansonsten heißt es natürlich auch im Fall Geogien: Alles auf eine Karte setzen. Kvaratskhelia muss seinen zuletzt herausragenden Lauf bei Neapel beibehalten und der Rest muss eben irgendwie den Bus hinten reinstellen (im Idealfall sogar 2 Busse), möchte man sich für das kommende EM-Turnier qualifizieren.</p><p>Mein dritter und damit letzter Hottake wäre <b>Slowenien</b>, wobei auch hier derzeit ein junger aufstrebender Stürmer im Vordergrund steht: Benjamin Sesko bei dem bereits klar ist, dass er im Sommer 2023 von RB Salzburg zu RB Leipzig in die Bundesliga wechseln wird, um dort höchstwahrscheinlich dann einen Christopher Nkunku zu ersetzen.</p><p>Slowenien hingegen könnte grade die Spielphilosophie von Trainer Matjaz Kek extrem zugute kommen: Lange Bälle, Zweikampfhärte, wie auch eine disziplinierte bereits im vorderen Drittel stattfindende Arbeit gegen den Ball, mit anderen Worten ein bisschen das "Kroatien light". Dabei ist man zumindest auf einer Position mit dem Nachbarland aus dem Balkan auf mindestens gleichem Niveau: Dem Tor. Gleich doppelt ist man hier auf Weltklasselevel besetzt, trotz Inter-Schlussmann Samir Handanovic ist hier aber natürlich Routinier Jan Oblak von Atletico Madrid die absolute Nr. 1.</p><p>Auch mit Stürmer Josip Ilicic, der seit Jahren die Kolumbianisch-Slowenische Sturmspitze von Atalanta Bergamo anführt, verfügt man über einen weiteren hochinteressanten Leistungsträger. Desweiteren konnte man sich auch in der Nations League zuletzt vor Schweden und der Türkei und nur knapp hinter Norwegen erneut für die zweithöchste Spielklasse, der Division B, qualifizieren.</p><p>Ob man die <b>Ukraine </b>(ebenfalls sehr unglücklich bei der WM in Katar im Playoff gegen Wales ausgeschieden) noch als Hottake bezeichnen kann, bleibt wiederum fraglich. Hier überrascht vor allen Dingen immer wieder, wie in diesem Land, welches durch Vladimir Putins Angriffskrieg nachwievor so unglaublich gebeutelt ist, Fußball überhaupt noch möglich ist, ganz zu schweigen von der unfassbaren Arbeit von Shakhtar Donezk.</p><p>War hier vor ein paar Jahren noch von einem Top-Talent namens Ruslam Malinovsky die Rede (mittlerweile bei Bergamo unter Vertrag), heißen die Namen der Stars von morgen hier längst Mikhailo Mudryk und Marijan Shved. Letzterer hat insbesondere mit zwei Treffern beim 4 zu 1 gegen RB Leipzig in der Champions League geglänzt, während ersterer mittlerweile sogar bei Premier-League-Topvereinen wie dem FC Arsenal gehandelt wird. Dass hier sogar während eines Krieges weiterhin so erfolgreich in die Jugendarbeit investiert werden kann, schon alleine das gebührt allen Respekt. Alleine schon deswegen möchte man der ukrainischen Mannschaft eigentlich schon alles wünschen, was irgendwie wieder für positive Energie im Land sorgt, selbst wenn es „nur“ Fußball ist.</p><p>Fußballerisch lief es für <b>Schweden</b>, die es noch 2018 in der Post-Ibrahimovic-Ära völlig überraschend ins Viertelfinale geschafft hatten, in den letzten Jahren alles andere als rund. Von einer elementaren Krise war hier die Rede, zum Teil sogar von einem Zusammenbruch der Mannschaft. Der Höhepunkt der Schmach war hierbei sicherlich der doppelte Abstieg in der Nations League, erst in die Division B, dann sogar als Letztplatzierter (hinter Slowenien) in die Division C. Einzig und allein bei der WM-Qualifikation für Katar, wo man nur knapp mit 0 zu 1 gegen Polen im Playoff-Finale ausschied, überzeugte man zumindest halbwegs.</p><p>Dennoch besteht Hoffnung, dass der lange überfällige Umbruch vielleicht bis zur EM 2024 doch noch in Fahrt kommen könnte. Der erst 20jährige Stürmer Anthony Elanga gilt hier zum Beispiel nachwievor als großer Hoffnungsträger, sollte ihm Manchester-United-Trainer Erik ten Hag nach dem Ronaldo-Abgang in Zukunft etwas mehr Spielzeit geben. Desweiteren macht sich auch sein Premier-League-Kollege Alexander Isak bei Newcastle United gut, ein Spieler, für den der Club um das saudische Konsortium ganze 70 Millionen zahlte. Das ist mehr Geld als Manchester City für Erling Haaland an den BVB überwies.</p><p>Die Stärke der Schweden bleibt aber nachwievor das Mittelfeld, auch wenn auch hier die beiden Hauptakteure Emil Forsberg (RB Leipzig) und Dejan Kulusevski (Tottenham Hotspur) in jüngster Zeit bei ihren Vereinen nicht immer Stammspieler waren. Auch junge Spieler wie Isak Hien (Hellas Verona), Matthias Svanberg (VFL Wolfsburg) und Jens Cajuste (Stade Reims) könnten insbesondere bei der Arbeit gegen den Ball gefragt sein. Ob die Mannschaft 2024 schon so weit ist, wieder ganz oben mitzuspielen, bezweifle ich ein wenig, eine Qualifikation für das Turnier sollte aber allemal drin sein, und dann - wer weiß. Zumindest hat man trotz der enttäuschenden letzten Jahre weiterhin am bereits seit 2016 im Amt stehenden Trainer Janne Andersson festgehalten.</p><p>Somit zum letzten Nicht-WM-Fahrer, der noch mehr als in den Turnieren zuvor 2024 eine ganz entscheidende Rolle spielen könnte: <b>Österreich</b>, eine Mannschaft, die mittlerweile weitaus mehr ist als ein Sammelsurium aus mal mehr mal weniger erfolgreichen Bundesliga-Stars.</p><p>Hierfür ist insbesondere die Arbeit des österreichischen Dauermeisters RB Salzburg (inklusive der Nachwuchsarbeit ihres Farmclubs in Liefering) verantwortlich. Denn längst schon ist es nicht mehr so, dass jedes österreichische Talent von dem Moment an, wo es irgendwie den Ball von A nach B bewegen kann ohne dabei über seine eigenen Füße zu stolpern, sofort nach Deutschland wandert. Junior Adamu, Nicolas Seiwald, wie auch das Innenverteidigerduo Andreas Ulmer und Maximilian Wöber seien hier nur als Beispiele genannt, dass auch ein Verbleib in der österreichischen Bundesliga (neben einem bei Salzburg ebenfalls dank Red Bull üppigen Gehalts) für so manchen Spieler auch auf längerfristige Sicht attraktiv sein kann.</p><p>Hinzu sind mit Torwart Daniel Bachmann (FC Watford), Stürmerlegende Marko Arnautovic (FC Bologna), Mittelfeldspieler Florian Grillitsch (Ajax Amsterdam), wie natürlich auch allen voran David Alaba (Real Madrid) mittlerweile auch mehr und mehr österreichische Spieler in den anderen Top-Ligen Europas unterwegs. Die Zeit scheint also vorbei, wo die österreichische Nationalmannschaft so etwas wie die B-11 der Bundesliga ist. Auch mit Michael Gregoritsch vom aktuellen Tabellenzweiten SC Freiburg verfügt man derzeit über einen der formstärksten Stürmer der Bundesliga, dazu kommt mit Leipzigs Konrad Laimer, wo sich mehr und mehr ein Wechsel zum FC Bayern anbahnt, ein weiteres Riesentalent - vielleicht nach David Alaba der beste österreichische Spieler, der je in der Bundesliga gespielt hat.</p><p>Der absolut entscheidende Faktor ist aber sicherlich Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick, einer der prägendsten und erfolgreichsten deutschen Trainer der letzten 15 Jahre. Kaum ein Fußballkenner hat es geschafft einen Red-Bull-Verein sportlich so weit zu bringen, wie Rangnick mit Leipzig, womit er alleine schon deswegen besten Einblick in die Talentschmiede Salzburg-Liefering haben sollte.</p><p>Von dem zuletzt bei Manchester United u.a. an Cristiano Ronaldo gescheiterten Schwaben wird also sehr viel abhängen, denn eins ist klar: Wenn Österreich nicht derzeit ihre große goldene Generation hat, wann dann? Kaum einmal in den letzten 20-30 Jahren waren die Österreicher mit so viel Talent und Erfahrung auf allen Positionen bestückt, nur fehlte es bislang leider immer wieder am nötigen Turnierglück. Sollte also diesmal das heiß ersehnte Viertelfinale drin sein? Entscheidend ist, dass die Mannschaft ihre Konstanz findet und insbesondere in der Qualifikation gegen die kleinen Gegner nicht zu viele Punkte liegen lässt. Dann kann 2024 eine Menge drin sein.</p><p>Ein Viertelfinale wäre bei <b>Belgien </b>vor einigen Jahren noch eine herbe Enttäuschung gewesen, doch spätestens mit dem vergangenen Turnier in Katar haben sich die Dinge geändert. Kaum eine andere Mannschaft ist mit so vielen Nebenkriegsschauplätzen aus der Vorrunde des vergangenen WM-Turniers geflogen. Die Stimmung in der Mannschaft schien dabei so mies, wie seit der Euro 2016 nicht mehr, als man als Team gegen den damaligen Trainer Mark Wilmots aufbegehrte.</p><p>Auch für seinen Nachfolger Roberto Martinez, der Belgien 2018 noch bis ins Halbfinale geführt hatte, bedeutete dies das Ende seiner Trainerlaufbahn bei den roten Teufeln, hatte er doch am Ende nicht mehr die Macht z.B. einen frustrierten Kevin de Bruyne zu bändigen, der bereits vor dem Ausscheiden von einer überalterten Mannschaft sprach, die 2018 auf ihrem Höhepunkt war, aber jetzt nichts mehr reißen könne. Auch sprach er davon, dass die jungen Spieler nicht mehr auf dem selben Level wären. „Ich sehe uns eher als Außenseiter“ war sein finales Schlusswort, nicht grade motivierend für seine Mitspieler, zu einem Zeitpunkt, wo zumindest theoretisch beim Turnier in Katar noch alles drin gewesen wäre.</p><p>Hier wieder für eine positive Stimmung zu sorgen, das wird die Aufgabe des neuen Trainers werden, wo, was diesen Posten angeht, schon Namen wie Thierry Henry gehandelt wurden.</p><p>Wichtig wäre dabei vor allem, so der Verband, dass der Trainer kein Belgier sein sollte, da man hier in der Erfahrung schlechte Erfahrungen mit gemacht hat - wohl eine Anspielung auf die Spielerrevolte und den dramatischeren Trainerbruch mit dem Ex-Schalker Mark Wilmots.</p><p>Kadertechnisch ist das Hauptproblem der Belgier die Defensive, es sei denn man möchte noch bis zur nächsten Sintflut mit Vertonghen, Witsel und Alderweireld auflaufen. Wahrscheinlich müsste der neue Trainer hier sogar vielleicht mal eine komplette Nations-League-Saison ausschließlich auf junge Spieler setzen, um mal wirklich einer komplett jungen Generation die Chance zu geben sich zu zeigen, ähnlich, wie es Jogi Löw z.B. 2017 beim Confed Cup getan hat.</p><p>Denn man sollte trotzalledem auch aufpassen die „neue belgische Generation“ nicht schlechter zu reden als sie ist. Sicherlich, die Zeiten, wo die Belgier Turnier für Turnier immer Geheimfavoriten waren, sind vorbei. Wer sagt aber, dass das, u.a. die vergangene WM, nicht nur eine kleine Durststrecke ist, ähnlich wie sie das Nachbarland Niederlande von 2015 bis 2020 erlebt hatte? Falls ja, dann sollte man den jüngeren Spielern diese Entwicklungszeit auch geben anstatt ständig mit der Angst zu leben, man könne als einstiger 1. in der FIFA-Weltrangliste den Anschluss an Spanien, England oder Frankreich verlieren.</p><p>Denn klar ist: Es gibt es immer noch eine große Hand voll höchst bemerkenswerten belgischen Talenten in international renommierten Vereinen - der jüngst für den Golden Boy nominierte Cisse Sandra zählt zweifelsohne zu ihnen, genau wie auch sein Abwehrkollege beim Club Brügge Clinton Mata. Dazu kämen Johan Bakayoko von PSV Eindhoven, wie auch der schon etwas erfahrenere offensive Mittelfeldspieler Leandro Trossard von Brighton & Hove Albion.</p><p>Allen voran sollte man hier aber Jeremy Doku nennen, der von seinen Anlagen her wie derzeit kein anderer für die Zukunft des belgischen Vollgas-Fußballs steht. Zwar hatte er bei Stade Rennes zuletzt immer wieder mit Formproblemen zu kämpfen, was auch den Wechsel zu einem absoluten Top-Verein bislang verhindert hat, von den Anlagen aber treffen hier Spielintelligenz und Geschwindigkeit auf eine zum Teil fast aberwitzige Dribbelstärke, wie man sie sonst nur von Ausnahmetalenten wie Jamal Musiala zu sehen bekommt.</p><p>Die größte Herausforderung für den neuen Trainer wird sein, der Mannschaft hart aber mit der nötigen Nähe klar zu machen: Die vergangenen Erfolge sind vergangene Erfolge, es muss eine neue Generation her, notfalls, sollten sie in der Mannschaftskabine stören, auch mal ohne einen Kevin de Bruyne, einen Romelu Lukaku oder einen Eden Hazard.</p><p>Louis van Gaal könnte ein Trainer sein, der dafür infrage käme. Lustigerweise hatte dieser auch gegenüber der Sport Bild sogar während der WM verlauten lassen, er könne sich einen Wechsel als Bondscoach von den Niederlanden nach Belgien sogar vorstellen, müsse dafür aber erst seine Frau fragen.  Van Gaal wäre hier für den belgischen Verband sicherlich eine interessante Wahl, denn das ein Trainer wie van Gaal Teams zugunsten seiner Spielphilosophie auch mal komplett kompromisslos umformen kann, hat er ja nicht zuletzt erfolgreich beim FC Bayern bewiesen.</p><p>In jedem Fall gilt es in die Zukunft zu schauen, denn dann könnte man bei der EM 2024 zumindest die Erwartungen insoweit erfüllen, dass man wenigstens wieder irgendwo in der Nähe eines Viertelfinales landet.</p><p>In der Kategorie „können Erwartungen nicht erfüllen“ landen bei mir <b>Kroatien</b>, auch wenn mich die Kroaten, wie seit 2018 eigentlich bei jedem Turnier, wahrscheinlich wieder Lügen strafen werden. Denn schenkte man der Kritik von Expertenseite aus noch vor der WM an der kroatischen Mannschaft Gehör, man hätte wohl die an der belgischen Nationalmannschaft quasi copy-und-pasten können: Mannschaft zu alt, kein Mut zum Umbruch, seit gefühlt Jahrzehnten dieselben Gesichter, und so weiter und sofort.</p><p>Dem tiefgläubigen kroatischen Coach Zlatko Dalic, der vor Spielen oft einen Rosenkranz als Glücksbringer mit sich rumträgt, ging diese Kritik allerdings aber genau dort vorbei, wo die Rosen eher seltener blühen.</p><p>Und wenn man sich die unglaubliche Geschichte Kroatiens bei der WM in Katar (erneut unter den Top 4) anschaut, so muss man sich als Kroatien-Fan schon langsam fast zwicken, wenn man dabei zuschaut, wie ein nun fast 37-jähriger Luka Modric, der zuweilen wirkt, wie aus Umberto Ecos "Der Name Der Rose“ auf ein Fußballfeld gebeamt, immer noch auf diesem Weltklasseniveau spielt.</p><p>So langsam fragt man sich, ähnlich wie lange Zeit noch bei Cristiano Ronaldo, kann das alles überhaupt irgendwann einmal enden? Die schlechte Nachricht ist: ja.</p><p>Irgendwann werden Modric, so wie auch seine Teamkollegen Kovacic und Brozovic, die nun über Jahre hinweg eins der besten Mittelfelder Europas gebildet haben, nicht mehr komplett auf dem Level performen können, wie sie die letzten Jahre performt haben. Wann, das weiß niemand, aber irgendwann wird es so kommen, das schreibt leider die Biologie vor.</p><p>Die gute Nachricht: Kroatiens mittlerweile über Jahre hinweg immer weiter geschulte Spielphilosophie, der komplette Fokus auf das Team und den Abstand in den Ketten - Lobanovsky-Philosophie 2.0 in Reinform. Bei kaum einer Mannschaft scheint die Vorstellung absurder, ein Spieler könne aus der Reihe tanzen, abheben oder bei einer Auswechslung schmollen. Alles, was bei Belgien in Katar vom Teamgeist her nicht stimmte, stimmte beim vergangenen Turnier bei Kroatien. Dort lag der Unterschied und das Ergebnis (Bronze-Medaille) konnten wir alle sehen.</p><p>Auch junge Talente wie Josko Gvardiol, der von vielen Medienhäusern als Innenverteidiger in die TOP-11 des Turniers gewählt wurde, fügen sich in die Mannschaft ein, als hätten auch sie schon seit Jahrzehnten mit Modric & Co. zusammen gespielt.</p><p>Hinzu kommt ein völlig sportverrücktes Land, was nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball, Basketball und vor allem im Wasserball absolute Weltspitze ist, ein Land, was wohlgemerkt so viele Einwohner hat wie Berlin. Einzig und allein der Blick in die Kader der aktuellen Champions-League-Top-Teams macht, was den Fußball angeht, ein bisschen Sorge. Denn bis auf angesprochenen Guardiol und vielleicht noch Luka Sucic von RB Salzburg, findet sich da derzeit nicht mehr wirklich viel Potenzial mit kroatischem Pass.</p><p>Ist die Energie möglicherweise aufgebraucht und auch Kroatien befindet sich vor einer Durststrecke, was Nachwuchs auf ähnlichem Niveau wie Modric & Co. angeht? (schon bei der WM 2022 ist man quasi ohne einen echten Mittelstürmer auf Weltklasseniveau angereist).</p><p>Dies könne man durchaus denken, wären da nicht diese noch ganz jungen kroatischen Top-Talente: Stipe Biuk (19) wird derzeit als einer der talentiertesten Linksaußen in Kroatien, wie auch als künftiger Neuzugang bei Borussia Mönchengladbach gehandelt, hinzu kommen die Bayern-Spieler Josip Stanicic (rechtsaußen, 22) und Lovro Zvonarek (17), der als offensiver Mittelfeldspieler derzeit bei Bayern zwar noch in der zweiten Mannschaft spielt, aber jetzt schon als absolutes Megatalent gilt. Nicht zuletzt wäre da noch Dion Beljo (20). Dieser gilt derzeit als vielleicht die größte Sturmhoffnung im kroatischen Fußball, ein Spieler, der vielleicht sogar eines Tages mal die Lücke füllen könnte, die ein Mario Mandzukic hinterlassen hat. Dies hat zur Folge, dass er derzeit auch wegen seiner physischen Präsenz von unzähligen Vereinen, u.a. auch aus der Bundesliga, gescoutet und als einer der vielleicht künftigen absoluten Top-Stürmern Europas gehandelt wird.</p><p>Somit, auch wenn ich bei Kroatien zumindest eine kurze Durststecke prognostiziere, kann man, was die längerfristige Zukunft angeht, hoffnungsvoll sein auch weiterhin unter den absoluten Top-Nationen der Welt mitzuspielen, sollte ein mittlerweile 37jähiger Luka Modric zum Beispiel irgendwann doch mal seinen Abschied ankündigen. </p><p>Und wie lange Modric noch spielt? „Solange bis ich den Pokal in der Hand halte oder mir ein jüngerer und besserer den Rang abläuft“, sagte er zuletzt, was noch einmal mehr die starke Einstellung des gesamten kroatischen Teams unterstreicht.</p><p>Womit wir so langsam bei den Turnierfavoriten wären: England, Frankreich, Spanien und Portugal. Nicht wenige würden sagen, dass so und nicht anders rein von der Qualität her eigentlich das Halbfinale der EM 2024 aussehen müsste.</p><p>Daran ist sicher was dran, wenn bei einem Turnier zur Abwechslung mal jeder Nationaltrainer die Erlaubnis hätte, so viele Spieler aufs Feld zu schicken, wie ihm grade lustig ist. Eine solche Reform ist allerdings für die kommende EM nicht geplant, was die WM 2026 angeht muss sich allerdings die Frage stellen: Gibt es irgendeine sinnlose Reform im Fußball, die man Gianni Infantino nicht zutrauen würde?</p><p>Warum eigentlich nur 22 Spieler auf dem Platz? Wer sagt das eigentlich? Heißt nicht mehr Spieler gleichzeitig auch mehr Glamour und damit mehr Kohle? Warum denn nicht mal was neues wagen?</p><p>Kleiner Seitenhieb am Rande und dennoch, sollte Infantino eine solche Reform eines Tages durchgesetzt kriegen, würden diese vier Nationen wohl erstmal eine ganze Weile bei jedem Turnier ganz oben stehen.</p><p>Denn dass es diese vier Nationen sind, die zumindest was die reine Fülle an Talenten und sich in Topform befindender Superstars angeht, derzeit das Maß aller Dinge in Europa sind, da gibt es kaum zwei Meinungen.</p><p>Insbesondere die Tatsache, dass <b>Frankreich </b>2022 trotz insgesamt 6 verletzten Top-Leistungsträgern, darunter Ballon d‘or Sieger 2022 Karim Benzema von Real Madrid, erneut das WM-Finale erreichte, unterstreicht die derzeitige Dominanz Frankreichs nochmal auf eine Art und Weise, die fast schon frech ist.</p><p>Nicht wenige Tweets gehen schon um die Welt, Frankreich könnte wahrscheinlich 5 französische Top-11s für die einzelnen Gruppen der kommenden EM-Qualifikation anmelden, die 5 Teams würden sich wahrscheinlich alle qualifizieren.</p><p>Und das Schlimme ist: Rein von den Marktwerten und Transfermarkt-Stats ist das an der Wahrheit alles andere als weit entfernt. Selbst die fünftteuerste Elf Frankreichs ist vom Marktwert der Spieler her höher einzuordnen als die A-Nationalmannschaften von europäischen Verbänden wie Slowenien, Finnland, Island, Griechenland, Bosnien, Rumänien und Bulgarien, Länder von denen zumindest einige durchaus demografisch gesehen im europäischen Mittelfeld stehen, was Bevölkerungsreichtum angeht.</p><p>Wo Frankreich in den letzten Jahren aber diesen Nationen komplett enteilt ist ist die herausragende Organisation in der Nachwuchsförderung, nicht aufgeteilt in 1000 Verbände, sondern zentral gesteuert von einem Ort: Clairefontaine, jener geheimnisvollen Akademie in Clairefontaine-En-Yvelines.</p><p>Diese mitten in einem Naturwildpark gelegene Villa, die sich "Centre national de football" nennt und nur wenige Minuten zu Fuß von einem malerischen Badesee entfernt liegt ist dabei nicht nur der Ort, wo Kylian Mbappé zu dem Superstar gereift ist, der er heute ist, sie ist auch das Maß aller Dinge, was den französischen Nachwuchs angeht, man könnte sagen, das Hogwarts für potenzielle neue französische Ballzauberer.</p><p>Und so wie beim FC Bayern das „Mia san mia“ eben für weitaus mehr steht als für einen reines marketingtechnisches „vision statement“, so werden auch in Frankreich bereits die Kinder in jüngstem Alter auf die französische Spielphilosophie geprägt.</p><p>An oberster Stelle steht hier das Dribbling, die feine Technik mit dem Ball, die den Gegner verwirren soll, täuschen, die aber letztendlich dem Publikum auch maximalen Spaß bringen soll.</p><p>Den Gegner „austanzen“, jede seiner Bewegungen blitzschnell antizipieren, wie auch den Körper im richtigen Moment einsetzen, um den Gegner einen möglichen Ballgewinn maximal unbequem zu machen: Das ist das, was die Kinder in Clairefontaine im ersten Jahr ausschließlich lernen. Danach folgt das Flachpassspiel, zunächst in kleinen 3 gegen 3 Gruppen auf Mini-Feldern. Auch hier gilt es einzig und allein nur um die Technik und die Geschwindigkeit des Passspiels. Sinn dieser Ausbildung ist es die Kinder erstmal komplett auf die reinen athletischen Skills zu fokussieren, bevor man sie mit großartigen Taktikanweisungen überfordert.</p><p>Im Grunde ist es wie bei der Ausbildung zu einem Musikinstrument z.B. an der Juillard School in New York, die hier ein ähnliches Konzept verfolgt wie Clairefontaine. Auch hier heißt die Philosophie: Erst die Nuancen in den Bewegungen erlernen, denn diese erlernen sich im jungen Alter am schnellsten, dann die richtige Anwendung, meistens noch mit technisch zwar schon anspruchsvolleren aber vom musikalischen Verständnis her kurzen und unkomplizierten Stücken und dann -  viel später - erst die großen Brocken, Werke, die 30 Minuten oder auch länger lang sind und musikalisch teilweise ganze Geschichten erzählen.<br /></p><p>Hier ist der französische Fußball genauestens in seiner Ausbildung strukturiert, weswegen auch erst im 5. Jahr erste Elf-gegen-Elf Übungen gemacht werden. Man muss sich das mal vorstellen: Vier Jahre lang professionellste Fußball-Ausbildung, bevor die Kinder überhaupt erst ein Fußballspiel so kennen lernen, wie es am Ende dann wirklich stattfindet, nämlich Elf gegen Elf.</p><p>De Effektivität dieser Ausbildung sieht jeder Fußballkenner sofort, nicht zuletzt sah man sie bei der vergangenen WM: Wann immer eine Flanke z.B. von Antoine Griezmann oder Theo Hernandez in den Strafraum segelte, sie wurde fast immer gefährlich. Die Fehlerquote war nicht nur gering, technische Fehler, z.B. im Passspiel waren bei Frankreich über lange Spielphasen hinweg nicht einmal mehr zu sehen. Was diese Ausbildung noch dazu ausmacht, ist, dass die in Clairefontaine ausgebildeten Spieler technisch so versiert sind, dass sie in nahezu jeder Liga und unter jedem Trainer funktionieren.</p><p>Darauf beruht auch das Ausbildungssystem in den Vereinen der Ligue 1. Wo es bei einem Verein wie Borussia Dortmund oder sicherlich auch Eintracht Frankfurt sofort großes Murren unter den Fans gibt, wenn das Talent, in das man sich doch fußballerisch grade so verliebt hat, zu einem größeren Club wechselt, ist das für einen Großteil der Ligue 1 Clubs (Paris St. Germain ausgenommen) völlig normal.</p><p>Denn am Ende wissen die Fans: Die ganze Liga profitiert von den Erlösen der potenziellen neuen französischen Superstars. Und wenn die eigenen Talente für viel Geld in die Bundesliga oder die Premier League wechseln, um dann als absolute Transfermarkt-Spitzenreiter für die Nationalmannschaft aufzulaufen, dann heißt das für die Fans am Ende nur: Gut für Frankreich, gut für die ganze Nation, schlecht für die Gegner.</p><p>Und Nationaltrainer Didier Deschamps? Dieser wird natürlich auch 2024 wieder die Qual der Wahl haben, denn die verletzten Spieler wie Pogba oder Kanté werden zurückkommen, dazu folgt auf die neue Generation rund um Nkunku, Kolo Muani und Chouameni bereits die nächste Generation. Spieler wie Desiré Doué und Arnaud Kalimuendo zählen zu diesen Talenten von morgen oder man könnte, so schnell wie die Jugendausbildung in Frankreich derzeit voran geht, fast sagen - von übermorgen.</p><p>Das Potenzial der Franzosen scheint, was das angeht, einfach unendlich, dazu ist da noch ein Kylian Mbappé, der im Begriff ist sämtliche GOAT-(Greatest-Of-All-Time)-Rekorde eines Lionel Messis oder Cristiano Ronaldo noch einmal zu toppen. Alles andere als Frankreich auch bei diesem Turnier wieder zu den Titelfavoriten zu zählen, scheint daher schon fast absurd.</p><p>In <b>Spanien </b>hingegen scheint die Entwicklung derzeit ein wenig einherzugehen mit der des FC Barcelonas, so verfügt dieser neben der von Real Madrid über die sicher (trotz Schulden in Milliardenhöhe) nachwievor vielleicht beste Vereinsnachwuchsakademie der Welt: La Masia.</p><p>Das Problem, was ich aus vielen Fußball-Communitys vernommen habe, scheint allerdings zu sein: Die Spanier sind einfach zu lieb - technisch hochtalentiert, aber gegen aggressiv konternde Japaner oder mauernde Marokkaner dann eben auch schnell mal wehrlos. So ein bisschen hat Spanien hier etwas von einem spielenden Kind, was bereits mit 8 mit dem Ball die unglaublichsten Dinge anstellt. Kommt man aber als der böse alte Onkel von nebenan vorbei, schubst das Kind von hinten um und nimmt ihm den Ball dann einfach weg, dann geht bei Spanien aktuell dann doch auf einmal nicht mehr ganz so viel.</p><p>Was die Spanier allerdings mit den Franzosen gemein haben, ist, dass auch in Spanien grundsätzlich nach einer klaren Philosophie ausgebildet wird, so dass man so gut wie immer Spieler von Weltklasseformat hat, die ihre Position mit der entsprechenden Philosophie verbinden können. Diese, auch durch Trainer wie Johann Cruyff und Pep Guardiola geprägte, Philosophie ist in dem Fall gut vergleichbar mit einem Schachbrett. Schau auf die Linien, in dem Fall die Passwege, und spiele stets so, dass dir möglichst viele Linien offen bleiben und dem Gegner möglichst wenige. Oder wie Pep Guardiola, der sich gerne mal mit Schach die Zeit vertreibt (u.a. auch gegen den Rekordschachweltmeister Garri Kasparov während seines Sabbatjahres in einem New Yorker Hotel), so schön sagte: „Mein Traum wäre es, wenn der Gegner im gesamten Spiel am eigenen Sechzehner festgeschnürt wäre und dabei in den 90 Minuten nicht einmal dazu kommt die Mittellinie zu übertreten.“</p><p>Ob Luis Enrique, zum Zeitpunkt der vergangenen WM noch spanischer Nationaltrainer, Guardiola einen Live-Mittschnitt des 7 zu 0 Spiels Spaniens gegen Costa Rica zugeschickt hat? Wir wissen es nicht, er hätte es aber tun können. Denn weit entfernt von dem, wie sich Guardiola mit dieser Aussage ein perfektes Fußballspiel vorgestellt hatte, war diese was Ballbesitzstatistiken angeht schon fast historische Leistung der Spanier sicherlich nicht.</p><p>Was man bei dem Spiel aber nicht vergessen darf: Die Costa Ricaner hatten es bei diesem Spiel fertig gebracht, komplett auf jedes Pressing zu verzichten. (Gegenpressing war da schon gar nicht mehr nötig, denn sie hatten ja sowieso so gut wie nie den Ball).</p><p>Und genau in diesem Wort - Pressing - liegt die Schwäche der Spanier: Wo Deutschland derzeit die Stürmer und Rechtsverteidiger fehlen, mangelt es Spanien aktuell an - kurz gesagt - so richtigen Bluthunden wie z.B. ein Sergio Ramos es war. Nico Williams könnte sich trotz seiner Wendigkeit vielleicht zu einem solchen Spieler entwickeln, da er auch eine extreme Giftigkeit, zumindest im Ballbesitz, hat, dass aber ein Pedri, ein Gavi, ein Ansu Fati, ein Pedro Porro, ein Carlos Soler oder ein Alejandro Baldé dann auch einfach mal die Blutgrätsche auspackt, scheint aktuell kaum vorstellbar.</p><p>Diese Giftigkeit wieder in die spanische Nationalmannschaft zu implementieren und dabei trotzdem fair zu bleiben, das wird Aufgabe des neuen Coachs sein. Dieser soll stand jetzt voraussichtlich Luis de la Fuente werden, der bislang die U21 trainiert hat - sicherlich eine clevere Wahl, weil er die vielen jungen Talente bereits charakterlich kennt und wie vielleicht kein anderer Trainer genau diesen Kampfwillen noch aus ihnen herauskitzeln kann.</p><p>Somit zählt Spanien für mich trotzalledem wieder zu den Top-Favoriten für 2024, Tendenz steigend, was die Turniere danach angeht, wenn die Pedris, Gavis & Co. auch alterstechnisch in der Blüte ihres Schaffens sind.</p><p><b>Portugal </b>sind hier, insbesondere im Sturm und in der Defensive, definitiv schon einen Schritt weiter. Die ManCity-Verteidiger Joao Cancelo und Ruben Dias performen seit Jahren auf herausragendem Level, wobei sich Nuno Mendes von Paris St. Germain, was das angeht, in keinster Weise hinter ihnen verstecken muss. Ein Problem könnte die Linksverteidigerposition werden. Hier hat man sich zunächst einmal mit dem Noch-Dortmunder Raphael Guerreiro begnügt. Mit der Zeit wurde dann aber schnell klar, dass Guerreiros Spielstil für Santos' Spielidee viel zu offensiv war, weswegen Trainer Fernando Santos dann sogar Cancelo auf rechts rausnahm und durch einen defensiveren Verteidiger ersetzt hat. Hierbei setzte Santos auf eine asymmetrische 4er-Kette bei der, jeweils von rechts nach links gesehen, die Verteidiger immer wieder nachrücken, beziehungsweise nach links verschieben.</p><p>Und da liegt das Problem. Zieht man den Portugiesen diesen Zahn mit der einfachen Methode ständig die beiden Außenverteidiger zu beobachten und jeweils da die Räume dicht zu machen, wo sich ein Angriff über die Flügel anbahnt, sind sie derzeit offensiv leicht zu bändigen. Wenn man dann noch, wie beispielsweise ein Hakim Ziyech, genau in dem Moment der Verschiebung der gegnerischen Kette in den dadurch freigewordenen Raum stößt, ist man noch dazu extrem leicht auszukontern, ein ähnliches Problem, was auch die Deutschen hatten, die mit David Raum ebenfalls einen sehr offensiven Linksverteidiger hatten ohne dabei auf der rechten Verteidigerseite eine wirklich klare taktische Absicherung zu haben.</p><p>Neben den Mittelfeldsäulen aus den beiden Manchester-Clubs Bruno Fernandes und Bernardo Silva ist es aber insbesondere der Sturm, der Gegner der Portugiesen Angst machen sollte.</p><p>Diogo Jota (FC Liverpool), Joao Felix (Atletico Madrid), Rafael Leao (Inter Mailand) und Goncalo Ramos (Benfica Lissabon): Alles Portugiesen und alle zählen sie zu den derzeit heißesten Sturmtalenten Europas generell. Und auch das ist Teil der Wahrheit - bei allen Nebenkriegsschauplätzen wäre das Turnier für Cristiano Ronaldo anders gelaufen, wenn nicht gerade auf dieser Position die Konkurrenz in Portugal bei der vergangenen WM in Katar so groß gewesen wäre.</p><p>Im Gegensatz zu Deutschland und vielen anderen Nationen macht Portugal hier derzeit die vielleicht beste Arbeit in ganz Europa, was die Ausbildung von Stürmern angeht.</p><p>Und Cristiano Ronaldo? Offiziell heißt es nachwievor, er möchte seine Karriere in der Nationalmannschaft fortsetzen. Hierbei kann ich nicht verheimlichen, dass ich ein wenig schmunzeln musste als ich hörte, José Mourinho würde eventuell neuer Portugal-Trainer werden: Der exzentrischste polarisierendste Trainer aller Zeiten gemeinsam mit dem vielleicht polarisierendstem Spieler des letzten Jahrzehnts. Ich muss zugeben, dass mich diese Vorstellung, die beiden - Mourinho und Ronaldo - noch einmal gemeinsam arbeiten zu sehen, irgendwie fasziniert hätte.</p><p>Auch für alle Medienanstalten der Welt wäre dies sicherlich Gossip für eine gesamte Saison, dass das aber wirklich so stattfindet, scheint derzeit so wahrscheinlich wie ein Wechsel Lionel Messis zum FC Schalke 04.</p><p>Insbesondere bei Cristiano Ronaldo kann man sich aktuell kaum vorstellen, dass dieser noch einmal gewinnbringend mit der Mannschaft zusammen arbeiten wird, die seine Schwester erst kürzlich öffentlich als „Ratten“ bezeichnet hatte. Hier wurde leider die selbe fehlende Teamfähigkeit Cristiano Ronaldos deutlich, wie auch zuletzt bei Manchester United. </p><p>Wahrscheinlicher scheint mir da schon, dass Cristiano Ronaldo, nachdem er jetzt noch einmal ein paar Jahre in Saudi Arabien kickt, vielleicht in einer anderen Funktion in den portugiesischen Verband zurückkehrt, vielleicht sogar als Jugendtrainer (u.a. sollte ja sein eigener Sohn dort bereits in naher Zukunft in der U17 kicken).</p><p>Das käme dann zumindest ein bisschen jenem "redemption arc" gleich, den sich so viele Ronaldo-Fans nach dem letzten für seinen Ruf so verheerendem halben Jahr so wünschen würden.</p><p>Denn dass dieser mit herausragendste Fußballspieler des neuen Jahrtausends, der (das muss man trotzalledem sagen) mit seiner Professionalität eine komplette Generation geprägt hat, sich vielleicht nicht immer in eine Gruppe einfügen, ist Fakt. Dass er aber umsomehr eine Gruppe anführen kann, und wenn es von der Seitenlinie ist, bewies er nicht zuletzt nach seiner Auswechslung beim EM-Finale 2016. Das Ergebnis? Neben 5 Champions-League-Titeln sein einziger Titel und damit größter Erfolg mit der portugiesischen Nationalmannschaft.</p><p>Was hingegen hat die französische Nationalmannschaft mit der englischen Nationalmannschaft gemeinsam? Neben der in beiden Fällen herausragenden Nachwuchsarbeit vor allem, dass in beiden Kadern ein Spieler besonders aus dem Rahmen fällt, in diesem Fall allerdings nicht nur sportlich. Beide Startelf-Teams, sowohl Frankreich als auch <b>England</b> haben nämlich derzeit einen herausragenden jungen Spieler, der auch noch auf andere Weise auffällt.</p><p>Denn so wie Kylian Mbappé sowohl bei der Weltmeister-WM 2018 als auch bei der WM 2022 der einzige gesetzte französische Startelf-Nationalspieler war, der zu dem Zeitpunkt in Frankreich sein Geld verdiente, war England-Youngstar Jude Bellingham umgekehrt 2022 der einzige Spieler im gesamten englischen Kader, der nicht in England spielte.</p><p>Dies spricht zum einen für die hohe Qualität des aktuellen englischen Kaders, bei denen bei der WM in Katar alleine 5 Spieler aufliefen, die auch bei Manchester City mehr oder weniger Stammspieler sind. Zum anderen sprechen diese Zahlen auch dafür, dass die Premier-League-Clubs, anders als noch vor zehn Jahren, sich derzeit mehr und mehr ihrer Vormachtstellung im europäischen Vereinsfußball bewusst sind. In keiner Liga der Welt sind die Fernsehgelder so hoch, nirgendwo die Investoren, die zum Teil ganze Staaten sind, so finanzstark, warum also aus englischer Sicht nicht zur Abwechslung auch mal wieder ein bisschen Patriotismus?</p><p>Desweiteren haben auch Vereine wie insbesondere Arsenal aber auch Manchester City im Verlaufe der Zeit lernen müssen, dass nur Geld noch keine sportliche Vormachtstellung in Europa ausmacht. Viele Stars achten (neben dem Gehalt) eben auch auf die Nachhaltigkeit eines Vereins. Kann dieser Verein mich in fünf Jahren noch genauso bezahlen? Habe ich dort die Chance auch auf Dauer Titel zu gewinnen und in der Champions League um den größtmöglichen Erfolg mitzuspielen? Und wie sind die Trainingsbedingungen? Inwiefern kann ich mich dort auch über das finanzielle hinaus sportlich weiterentwickeln? Und wie gut arbeitet der Verein überhaupt insgesamt?</p><p>Zum letzteren zählt dann natürlich auch die Nachwuchsförderung und dass diese für die englischen Clubs in der Regel bei den heimischen Talenten beginnt erscheint logisch. Dies unter anderem hat dafür gesorgt, dass das englische Nationalteam in den letzten Jahren diesen entscheidenden großen Sprung machen konnte.</p><p>Im Gegensatz zur Bundesliga oder Ligue 1 konnte man sich hier als Verband mehr oder weniger ausruhen und die entscheidende Arbeit den finanziell weitaus stärker aufgestellten Jugendakademien der heimischen Top-Vereine überlassen. Bukayo Saka, der in Arsenal ausgebildet wurde und Phil Foden, der nicht nur aus der Manchester-City-Akademie stammt, sondern sogar aus der Region kommt sind hier nur zwei Beispiele aus einer langen Liste. Hinzu kommen auch bei England weiterhin neue ganz junge Talente wie Harvey Elliott (Liverpool), Eddie Nketiah, Reiss Nelson (beide Arsenal), wie auch die wie Phil Foden ebenfalls aus der City-Akademie stammenden Top-Talente Rico Lewis und Cole Palmer, die bereits die potenzielle nächste Generation Englands bilden. Die Tendenz, heimische Talente aus den U-Mannschaften der Vereine in die A-Mannschaft zu bringen, nimmt dabei mehr und mehr zu. Brauch man daher in England überhaupt so etwas wie in Frankreich ein Clairefontaine, eine Nachwuchsakademie, wo von Kindheit auf die besten englischen Spieler auf höchstem Niveau ausgebildet werden? </p><p>Der Erfolg zeigt, dass sowohl das französische wie auch das englische System derzeit perfekt funktionieren, das französische System seine größten Talente ins Ausland zu schicken, als Nationalspieler aber nochmal gesondert zu fördern, wie auch das englische System, seine eigene Liga bestmöglichst zu vermarkten und so eben über die Vereine die größtmögliche Auswahl an herausragenden Nationalspielern zu bekommen. Denn eines steht fest: Sowohl Frankreich als auch England verfügen über einen extrem breiten jungen Kader und das obwohl sie in ihrer Ausbildung Strategien verfolgen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.</p><p>Welche aber dieser Strategien sollte <b>Deutschland </b>verfolgen, wo nicht nur die Nachwuchsförderung in letzter Zeit stark hapert, sondern auch die A-Nationalmannschaft in sämtlichen Wettbewerben, WM, EM und Nations League, so erfolglos ist, wie selten zuvor?</p><p>Könnte es möglicherweise daran liegen, dass in Deutschland im puncto Nachwuchsförderung derzeit einfach gar keine wirkliche Strategie vorliegt? Oder eine Strategie, die so brüchig ist, dass man sich nach dem erneuten Ausscheiden in der Vorrunde nicht nur von Manager Oliver Bierhoff trennte, sondern sogar eine (zumindest von der Sport BILD so betitelten) „SoKo zu Rettung des deutschen Fußballs“ einberief, bei der jahrelange Säulen der Bundesliga wie Matthias Sammer, Karlheinz Rummenigge, Rudi Voeller, Oliver Kahn und Oliver Mintzlaff nun gemeinsam das Ding DFB-Team anpacken sollen: 5, die u.a. auch deswegen ernannt wurden, um jemanden zu ernennen, der dann wiederum eventuell noch weitere ernennt, die dann wieder jemand ernennen sollen, nur um so dann irgendwann mal auf den Masterplan zu kommen.</p><p>Ich möchte diese Taskforce nicht schlecht reden bevor sie überhaupt mit ihrer Arbeit begonnen hat. Nur erinnert dies irgendwie alles dezent an die deutsche Politik in Fragen wie Klimawandel oder Pandemieprävention. Im letzteren Fall gab es z.B. Nähe der Pfälzischen Kleinstadt Idar-Oberstein zeitweise mal ein Fußballfeld, wo auf der einen Seite die 2G-Regel herrschte und auf der anderen Seite nicht - aus dem einfachen Grund, dass der Pfälzische Verband zu der Zeit andere Regeln vorsah als der Hessische.</p><p>Diese Einteilung in möglichst viele verschiedene Landesverbände gibt es in Deutschland auch im Fußball und da überrascht es natürlich nicht, dass die deutsche Nachwuchsförderung deutlich anders verläuft als die Französische. Während in Frankreich alles auf Paris und Clairefontaine zentralisiert ist, sind es in Deutschland die Landesverbände, die versuchen auf möglichst vielen Stützpunkten möglichst viele Talente zu entdecken und zu fördern.</p><p>Einmal die Woche kommen hier die Kinder aus den jeweiligen Region zusammen, um bei einem zertifizierten Stützpunkttrainer ein Sondertraining zu erhalten. Ziel der Landesverbände ist es, ähnlich wie beim deutschen Schulsystem, dass die Plätze in den Stützpunkten dabei den Talenten vorbehalten sind, die auch wirklich in der Region leben. Dies soll zum einen den Amateurfußball als Freizeitangebot fördern, gleichzeitig hofft man aber auch mittels Internate die Chance zu erhöhen, dass auch Talente von weiter weg am Training teilnehmen können.</p><p>DFB und DFL haben hier feste Regeln aufgestellt und nur Stützpunkte, die diese Regeln befolgen erhalten eine Lizenz für die erste oder zweite Bundesliga. Der DFB funktioniert hier lediglich als Geldgeber, hat aber (im Gegensatz zum französischen Verband) keinen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Spieler. Hierbei befinden sich die Stützpunkte durch den Wettbewerb Junioren-Bundesliga bereits in einem ständigen Konkurrenzkampf. Sobald ein Verein aus der Liga absteigt, verliert er in der Regel seine besten Talente. Ebenso sehen viele Jugendtrainer diese Position nur noch als Durchgangsstation, was auch daran liegt, dass die Jugendtrainer weitaus schlechter bezahlt werden als Trainer im Erwachsenenbereich. Fälle, wie Norbert Elgert (Schalke 04), die Jugendförderung als ihre Berufung ansehen, finden sich hingegen immer seltener. Zum Vergleich könnte man hier eine Gesamtschule nehmen, bei denen ein Großteil der Lehrer tagtäglich davon träumt, nochmal Professor an einer Universität zu werden. Ob das der Nachwuchsförderung in Deutschland unbedingt gut tut, auch diese Frage muss man sich beim DFB stellen.</p><p>Auch das englische System funktioniert in Deutschland nicht. Denn Bundesligavereinen wie z.B. Mainz 05, die bei einer nicht absolut runden Transfertaktik mal ganz schnell im Abstiegskampf landen können, ist das Risiko, dem DFB unter die Arme zu greifen und deutsche Talente gegen über ausländischen vorzuziehen, schlicht und einfach zu groß. Dies ist etwas, was man aus der Sicht eines jeden Wirtschaftsunternehmens absolut verstehen kann. Ein Präzedenzfall aus der Musik: Selbst staatlich subventionierte deutsche Hochschulen setzen mittlerweile ganz klar auf Qualität und nicht auf vermeintlichen Patriotismus. So hat zum Beispiel die Musikhochschule „Hanns Eisler“ Berlin in den Jahren 2003 bis 2009 gerade einmal zwei deutsche Studenten im Konzertfach Klavier aufgenommen. (einer davon meine Wenigkeit), sämtliche andere aufgenommene Studenten stammten nahezu ausschließlich aus dem osteuropäischen wie auch asiatischen Raum.</p><p>Gewiss kann man hier argumentieren, Deutschland muss ja auch schließlich nicht alle 2 Jahre eine Nationalmannschaft aus kommenden Pianostars mit deutschem Pass für ein Turnier aufstellen, das Prinzip ist jedoch das Gleiche, wie wenn ein Verein wie Mainz 05 mittlerweile einfach lieber bei den weitaus besser ausgebildeten Talenten in Frankreich „fischt“. Jeder schiebt die Verantwortung eben dorthin, wo es dem eigenen Unternehmen nicht schadet. Somit scheitert Deutschland hier schon seit Jahren an seiner eigenen Bürokratie, beziehungsweise seinem Drang, es immer allen Recht machen zu wollen.</p><p>Denn einerseits möchte man es gerade seitens der DFL insbesondere dem Amateurfußball recht machen, andererseits will man dann aber irgendwie auch die neuen Miroslav Kloses und Philipp Lahms haben, wenn es dann doch mal in einem WM-Auftaktspiel gegen Japan geht und auf diesen Positionen aus deutscher Sicht auf einmal nur grüner Rasen zu sehen ist.</p><p>Ähnliches ließ sich auch gesellschaftlich in Katar bei der Bindenthematik sehen. Einerseits wollte man unbedingt die beiden vergangenen verkorksten Turniere 2018 und 2021 wieder gut machen, in dem man sich (auch was die Wahl der Herberge anging) abschottete und versuchte, die Fußballer so fokussiert wie möglich werden zu lassen, andererseits wollte man als DFB - der größte Verband der Welt - dann aber auch wieder politisch voranzugehen. Dies sollte natürlich so öffentlichkeitswirksam wie möglich stattfinden, was heißt über die Spieler. Dass dieser Spagat niemals funktionieren kann, hätte jedem aus dem DFB eigentlich schon vorher klar sein müssen, ganz besonders Oliver Bierhoff. Denn jeder, der einmal auf allerhöchstem Niveau Höchstleistungssport betrieben hat, wozu ich Oliver Bierhoff hinzu zähle, weiß, dass ein gewisser Tunnelblick, der einem generell auf das Leben bezogen vielleicht oftmals Weitsicht und Lebenserfahrung nimmt, während eines Turniers grundentscheidend dafür ist, ob man sein absolutes Maximum geben kann oder nicht. Oder man könnte es auch so formulieren: Wenn Spieler oder Trainer Stunden vor dem Spiel noch Interview-Fragen zu hochkomplexen politischen Themen wie islamische Kultur und Menschenrechte beantworten oder sich über irgendwelche Zeichen gegen das katarische Regime Gedanken machen müssen, kann das ebensowenig funktionieren, wie wenn Angela Merkel nur wenige Stunden vor ihrer alles entscheidenden im Idealfall Millionen von Deutschen bewegenden Rede zur Corona-Pandemie noch einen auf sie zurasenden Kylian Mbappé irgendwie am Torschuss hindern muss.</p><p>Die einzige Ausnahme ist, wenn die politische Haltung zu hundert Prozent von innen kommt, wie es zum Beispiel bei der iranischen Nationalmannschaft war, als sie im ersten Spiel mit dem Nichtmitsingen der iranischen Nationalhymne gegen ein Regime protestierten, dem sie selbst und ihre Familien genau zu diesem Zeitpunkt ausgeliefert waren. Hier können politische Zeichen sogar Energie geben, die im Idealfall sogar ins Sportliche fließt. Aber dies zu vergleichen mit einem 19jährigen Jamal Musiala, der auf Youtube vielleicht mal ein, zwei Dokumentationen über die Arbeitsbedingungen der Migranten in Katar gesehen hat (wenn überhaupt) und bei der WM-Vergabe ein 7jähriges Kind war, funktioniert nicht.</p><p>Denn natürlich ist es wichtig, dass auch Sportler Zeichen setzen und umso großartiger ist es, wenn sich auch Profifußballer wie Josua Kimmich und Leon Goretzka, wie ich finde, hervorragend zum Thema Menschenrechte in Katar äußern, aber auch für einen Profifußballer hat das Jahr am Ende nun mal 365 Tage.</p><p>Ein Turnier wie eine WM - ein Ereignis, welches viele Spieler vielleicht nur einmal, maximal zweimal erleben - hat hingegen schnell mal auch nur 180 Minuten, beziehungsweise im Fall Deutschland 10 Minuten.</p><p>Denn, um wieder aufs Sportliche zurückzukommen: Wenn man es genau nimmt hat die deutsche Mannschaft ab dem zweiten Gruppenspiel eigentlich (fast) alles richtig gemacht. Gegen Spanien lieferte man eins der grade defensivtaktisch beidseitig besten Spiele der gesamten WM ab und dass man den dreimaligen Europameister und Weltmeister 2010, dem man wenige Monate zuvor noch 0 zu 6 unterlag, auf einmal Brasilien-2014-like nach Hause schickt, hat niemand erwartet. </p><p>Auch beim dritten Spiel gegen Costa Rica zeigte man sich trotz Problemen in der Abwehr kämpferisch und lieferte mit einem 4 : 2 Sieg alles, was in der eigenen Macht lag, um souverän das Achtelfinale zu erreichen. Aber am Ende waren es eben genau diese 10 Minuten gegen Japan in eben jenem (von Magenta-Sport so schön betitelten) Bindenspiel, die Deutschland am Ende den WM-Erfolg gekostet haben und um so unverständlicherweise war im Nachgang betrachtet die fehlende Fokussierung der Mannschaft auf eben genau dieses Spiel.</p><p>Denn ich wage mal die ketzerische Aussage, dass auch vor der WM die wenigsten Costa Rica im Achtelfinale vermutet hätten und dass Spanien und nicht Deutschland den Gruppensieg macht, davon gingen ebenfalls die meisten aus. Das erste Spiel war also bereits das  vorgezogene Endspiel um eben jenen fürs Weiterkommen notwendigen Platz 2, was jeder, inklusive Hansi Flick, aber auch klar hätte wissen müssen.<br /></p><p>Dennoch wirkte insbesondere Hansi Flick in diesem Spiel merkwürdig unsicher, fast so als würde er noch experimentieren. Weder die Tatsache, dass mit Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung und Niklas Süle als rechter Verteidiger beide Dortmund-Verteidiger in der Startelf standen (ungeachtet der Tatsache, dass sie genau in der Formation im Verein zuletzt nicht performt hatten) konnte man verstehen, noch die Herausnahme von Ilkay Gündogan und Jamal Musiala in der zweiten Halbzeit.</p><p>Grundsätzlich brauch die DFB-11 bis 2024 nämlich vor allem eins, und zwar eine eingespielte Top 11 mit vielleicht 2-3 Alternativen. Flexibilität sollte nicht über ständige Wechsel in der Startelf (insgesamt drei verschiedene Rechtsverteidiger in drei WM-Spielen) erfolgen, sondern über taktische Flexibilität, zum Beispiel die, nach einer 1 zu 0 Führung und noch 20 Minuten Spielzeit auch als DFB-Elf mal das Marokko raushängen zu lassen und einfach auch mal eiskalt gegen den Ball zu arbeiten, bzw. sich notfalls auch mal zu elft hinten reinzustellen.</p><p>Hier finde ich zumindest den Gedanken interessant, dass Hansi Flick bis zur WM in Katar, zumindest als Bayern-Trainer, eigentlich noch nie einem wirklich großen sportlichen Misserfolg erlebt hatte. Seine extrem hoch stehende und dadurch risikobehaftete Viererkette, die Hansi Flick schon als Bayerntrainer gerne spielen ließ, wurde zwar auch zu seiner Zeit beim Rekordmeister oft kritisiert, der Erfolg gab ihm aber letztendlich (fast) immer Recht. Möglicherweise könnte daher auch die WM in Katar ein Ereignis sein, was zumindest in Bezug auf Hansi Flicks Arbeit, Hoffnung auf die EM 2024 gibt bei der dann höchstwahrscheinlich auch Florian Wirtz als neues Toptalent und Bindeglied zwischen Defensive und Offensive auflaufen wird. Desweiteren hoffe ich, dass es gelingt, für die DFB-Elf 2024 wieder eine ähnliche Begeisterung zu entfachen, wie sie z.B. Eintracht Frankfurt bei ihrem Europa-Run 2022 erlebt hat.</p><p>Denn in einem teile ich die Meinung vieler Journalisten nicht, nämlich dass die aktuellen deutschen Nationalspieler nicht genug für die Nationalmannschaft brennen würden, so wie es z.B. 2018 noch der Fall war. Hier hat Hansi Flick meiner Meinung nach ganze Arbeit geleistet, wenn man bedenkt, wie geknickt und am Boden zerstört ein Champions-League-Sieger wie Josua Kimmich nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft war. Die Mentalität der Mannschaft stimmt meines Erachtens zu hundert Prozent und die Diskussion um Führungsspieler halte ich für ebensowenig zielführend, wie die Mentalitätsdiskussion um Borussia Dortmund was Aussagen wie „man müsse doch auch verbal die Bayern mal wieder herausfordern“ angeht. </p><p>„Die besten Dinge, die du tust, sind die, die du leise tust“ heißt schon ein berühmtes altdeutsches Sprichwort, daher ist es Quatsch davon zu reden, die Spieler müssen wieder mehr Bier trinken und Zigaretten rauchen anstatt ihre Siebenachtelhosen oder was auch immer auf Instagram zu posten, die Grüße an Mario Basler gehen raus. Die Zeiten haben sich eben geändert und für die meisten jungen Leute ist Social Media mittlerweile eben das, was früher das "mit Freunden (oder Teamkollegen) um die Häuser ziehen" war. Das gilt für Nationen wie Frankreich oder England genauso, wie auch für sämtliche anderen Berufe und der deutschen Mannschaft jetzt deswegen Mentalität abzusprechen ist einfach nur oldschool.</p><p>Social Media ist anno 2022 nun mal Teil einer Generationskultur, ausgelebt von einer Generation, die ihre Emotionen eben anders auslebt als noch 1990, was nicht heißt, dass sie nicht dieselbe Begeisterung, wie auch die selbe Identifikation mit der Mannschaft, ihren Fans und ihrem Land fühlen. Hier sind wir meiner Meinung nach definitiv seit Hansi Flicks Amtsübernahme wieder auf einem sehr guten Weg.</p><p>Nur - und das zu begreifen, wäre nun vielleicht noch der letzte Schritt - man muss bei den kommenden Turnieren dann auch mal mit dem arbeiten, was man hat anstatt ständig über fehlende Stürmer oder Rechtsverteidiger zu meckern. Daraus das Beste zu machen und meinetwegen noch den ein oder anderen "Kultkicker" mit in den Kader holen (hier denke ich an Spieler wie Robert Andrich, Robin Gosens, wie auch den ein oder anderen Union- oder Freiburg-Spieler), der auch abseits des Platzes ein bisschen Stimmung macht, das muss der Weg des DFB-Teams sein.</p><p>Doch vor allem geht es um eines: Einfach mal wieder alle gemeinsam - Journalisten, Spieler, Funktionäre, Trainer und Fans - mit Vorfreude in das neue Turnier gehen und sich darüber freuen, als Deutschland endlich mal wieder Gastgeber eines so großartigen weltweit menschenverbindenden Ereignisses wie einer EM zu sein.</p><p><br /></p><p>Bis dahin - für alle Wettfreunde, hier wie angekündigt noch meine Prognose für die EM 2024:<br /></p><p><br /></p><p>1) Katar-Teilnehmer, die auch 2024 die Erwartungen erfüllen werden:</p><p>- Spanien<br /></p><p>- Schweiz</p><p>- Niederlande</p><p>- Frankreich</p><p>2) Katar-Teilnehmer, die die Erwartungen nicht erfüllen werden:<br /></p><p>- Kroatien</p><p>- Serbien</p><p>- Belgien</p><p>- Polen<br /></p><p>- Wales</p><p>3) Katar-Teilnehmer, die bei der EM 2024 überraschen werden:<br /></p><p>- Deutschland</p><p>- Dänemark</p><p>- Portugal</p><p>- England</p><p>4) Nicht-Katar-Teilnehmer, die sich qualifizieren und (zum Teil) schon deswegen überraschen werden:</p><p>- Italien</p><p>- Norwegen</p><p>- Georgien</p><p>- Slowenien</p><p>- Schweden</p><p>- Österreich</p><p>- Ungarn</p><p>- Tschechien<br /></p><p>- Ukraine</p><p><br /></p><p>Mein EM 2024 Tipp (Die 24 qualifizierten Teams):</p><p>- Spanien</p><p>- Norwegen</p><p>- Georgien</p><p>- Niederlande</p><p>- Frankreich</p><p>- Italien</p><p>- England</p><p>- Ukraine</p><p>- Kroatien</p><p>- Türkei</p><p>- Polen</p><p>- Tschechien</p><p>- Belgien</p><p>- Österreich</p><p>- Schweden</p><p>- Ungarn</p><p>- Serbien</p><p>- Slowenien</p><p>- Dänemark</p><p>- Schweiz</p><p>- Portugal</p><p>- Bosnien</p><p>- Israel</p><p>- Deutschland</p><p><br /></p><p>(written by Leon Buche)</p><p><br /></p>]]></description><link>https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-em-2024</link><guid isPermaLink="true">https://vakantio.de/footballutopia/vorschau-em-2024</guid><dc:creator><![CDATA[footballutopia]]></dc:creator><pubDate>Fri, 30 Dec 2022 17:51:00 GMT</pubDate></item></channel></rss>