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Ich bin Anabel und hier möchte ich über meine Erlebnisse und Erfahrungen berichten während meiner Zeit an der Makomu Secondary School in Marangu, Tansania. Meine Reise startet am 09.07.2018. Ich besuche die Schule dann zum zweiten mal, da eine kleine Reisegruppe und ich aufgrund einer Schulpartnerschaft schon einmal vor Ort waren, was mich so begeistert hat, wodurch ich nach dem Abitur für eine etwas längere Zeit mal in Tansania bleiben wollte.

Malaria oder jetzt doch nicht?

Wirklich viel zu erzählen gibt es seit dem letzten Beitrag nicht, weil ich eine ganze Woche lang krank im Bett lag, abgesehen vom Krankenhausbesuch. Ich fang aber mal von vorne an und muss nun erstmal was über die tansanische medizinische Versorgung erklären. Etwas ähnliches wie Hausärzte oder, soweit ich das mitbekommen habe, auch spezialisierte Ärzte, gibt es nicht. Somit geht man ins Krankenhaus, wenn man etwas hat, egal ob es sich um eine Erkältung oder ein Beinbruch handelt. Dementsprechend gibt es auch mehrere Krankenhäuser als in Deutschland, soweit ich das einschätzen kann. Von meinem Zuhause zum dichtesten Krankenhaus, dem Kilema hospital sind es nur etwa 10min mit dem Auto. Das zweit dichteste ist das Marangu hospital, welches etwa 15-20min entfernt ist mit dem Auto, also beides gut erreichbar. Recht zum Beginn meines Aufenthaltes war ich auch ein paar Tage krank, habe mich aber gegen ein Krankenhausbesuch entschieden, weil ich mir ziemlich sicher war, dass es nichts schlimmes ist, sondern nur die Umstellung, sowohl vom Essen als auch dem Klima. Mir wurde aber sowohl von der Familie als auch von Thomas mehrfach gesagt, dass ich, wenn ich möchte, jederzeit ins Krankenhaus könnte und dies wurde auch mehrfach angeboten. Ich wusste mich also in besorgten und sehr hilfsbereiten Händen. 

Als ich nun wieder einen Tag hatte, an dem es mir nicht gut ging, das Ganze fing mit tierischen Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen an, bot man mir an, nächsten Tag ins Krankenhaus zu fahren, wenn es nicht besser werden würde. In der Nacht wurden die Gelenkschmerzen schlimmen, ich bekam noch Fieber, Bauch- und Rückenschmerzen und noch ein paar weitere kleinere Symptome. Am Morgen stand ich nach einem wirklich schlechtem Schlaf auf, da ich aufgrund der starken Bauchkrämpfe immer mal wieder aufgewacht war und wach lag. Ich fühlte mich absolut nicht gut und bat somit sofort ins Krankenhaus zu fahren, da mir selbst bei dem Gedanken an Essen noch schlechter wurde als ohnehin schon. Mr. Mosha fuhr mit mir also los und telefonierte auf dem Weg dort hin noch mit einem ihm bekannten Arzt, der die Vermutung, so wie Mr. Mosha, seine Frau und Thomas hatten, dass ich wohl Malaria habe. Malaria mag im ersten Moment zwar schlimm klingen, ist ja nunmal unbehandelt für uns Europäer auch meistens tödlich, aber ich machte mir keine Sorgen. Mit entsprechender Behandlung ist die Wahrscheinlichkeit, dass was passiert, sehr gering, dementsprechend gab es theoretisch auch keinen Grund zum Sorgen. 

Im Krankenhaus angekommen, es war mittlerweile etwa 9.30 Uhr, mussten wir zuerst eine Art Giro Karte kaufen, die 10.000tsh kostet und mit der man, denke ich, Medikamente kaufen kann. Aber so recht verstanden habe ich das Prinzip mit der Karte auch nicht. Auf jeden Fall ging es nach dem Kauf der Karte zur Registrierung. Da ich noch nie in dem Krankenhaus war, wurde für mich eine neue Akte angelegt und ich bekam einen braunen Pappzettel um den beim nächsten Besuch einfach vorzeigen zu können. Auf der Akte haben sie meinen Namen geschrieben, der so wie beim Kartenkauf, falsch geschrieben wurden ist, obwohl sie meinen Reisepass vorliegen hatten. So ging es im ganzen Krankenhaus weiter, ich bin nun also entweder Annabel, Anna Bell oder Ana Bel. Im Endeffekt zählt zum Glück aber nur die Registrierungsnummer, somit ist es egal, wie ich denn nun heiße. 

Nachdem das formelle dann endlich erledigt war, warteten wir, dass ich aufgerufen werde. Als dann endlich mein Name von der Schwester genannt wurden ist, war schon etwa eine Stunde im Ganzen vergangen. Die Schwester hat mich dann gewogen, gemessen, gefragt was mir denn fehlt und den Blutdruck überprüft. Etwa 10min später wurde ich ins Doktorzimmer aufgerufen. Die Ärztin sprach leider ein sehr akzentreiches Englisch, wodurch ich nicht mal die Hälfte ihrer Sätze verstehen konnte. Glücklicherweise war Mr. Mosha dabei und konnte "übersetzen". Auch sie ging von Malaria aus und schickte mich ins Labor. Auch dort hieß es dann wieder lange warten, was mir mit meinen Schmerzen garnicht gefiel. Im Labor arbeitete ein noch etwas jüngerer Mann, der im Gegensatz zu der Schwester und der Ärztin, freundlich und nicht so verbissen wirkte. Mit einem Picks in den Finger, kam genug Blut zum vorscheinen um einen Malaria Schnelltest zu machen und noch zwei weitere Test, wovon der eine aus der Kiste mit der Aufschrift "HIV/AIDS" stammte... nach einer weiteren 3/4 Stunde warten auf einer nicht ansatzweise bequemen Bank, zusammengequetscht zwischen weiteren Wartenden, bekamen wir das Ergebnis. Es war alles gut und kein Malaria. Die Werte standen auf einem Zettel und mit dem gingen wir noch einmal zur Ärztin, wo wir selbstverständlich wieder warten mussten. Als wir dann endlich im Zimmer waren, sagte sie, dass alles okay ist und ich einfach nicht lange in der Sonne sitzen soll. Ich sollte mich ausruhen, damit würde es mir dann besser gehen. 

Nach all dem Warten fühlte ich mich fast so, als wäre ich wieder in Deutschland in einem Krankenhaus. Jedoch war ich das nicht und das war in dem Moment wo es mir absolut nicht gut ging dann doch etwas schwerer. Zuhause habe ich mich dann hingelegt und nochmal fast 3 Stunden geschlafen, während meine Mutter sich sorgen gemacht hat und mich natürlich auch nicht erreicht hat, weil ich grade im Traumland war. Als sie die Sorge dann nicht aushielt, rief sie mich an, wodurch ich wach wurde. Der Schlaf hatte mir etwas gut getan und somit konnte ich meiner Mutter etwas Sorge abnehmen und beruhigen. Auch hier machte man sich weiter Sorgen um mich, besonders weil manche Symptome zwar verschwanden, dafür aber andere Auftauchten. 

Ich lag fast 5 Tage durchgehend im Bett und stand nur auf um auf Toilette zu gehen oder zu duschen. Nachdem ich dann auch 5 Tage lang fast nichts gegessen habe, sehnte ich mich nach der Deutschen-Ultimativ-Waffe: Zwieback mit Tee und zwischendurch nochmal ein paar Salzstangen knabbern. Ich erzählte von Zwieback und Salzstangen und wieder einmal war die Familie mehr als zuvorkommen und Mr. Mosha machte sich auf den Weg nach Moshi, wohin man etwa zwei Stunden fährt, nur um mir diese beiden Dinge zu besorgen. Zwieback bekam Mr. Mosha und etwas was keine Salzstangen waren, aber trotzdem schmeckte und ähnlich war. Abends aß ich dann Zwieback und knabberte an ein paar "Salzstangen", was mich gleich durch die Emotionen damit verbunden etwas besser hat fühlen lassen. Nächsten Morgen war ich etwas fetter und bewegte mich aus meinem Bett auf die Veranda, wo ich mein Buch laß und die frische Luft genossen habe. Ich bekam noch ein tansanisches Wundermittel, was salziges Wasser war, welches angeblich Orangengeschmack hatte... wie gesagt, angeblich. Ich würgte mir davon fast einen Liter runter und es wirkte tatsächlich, somit war das etliche schütteln vor Überwindung das Zeug herunterschlucken zu können, so wie das verzehrte Gesicht, es wert gewesen. Nächsten Tag war ich dann fast wieder ganz gesund und den Tag darauf war ich wieder fit. 

Wieder fit war ich an der Schule und konnte ein paar Sachen klären und  hatte weitere interessante Unterhaltungen. Ebenfalls lernte ich noch mehr neue Dinge über Tansania, die Kultur, unteranderem erfuhr ich das ein oder andere Interessante zu dem Thema Heirat. Ich konnte aber auch eine Guave probieren und habe wieder eine neue Frucht die ich Zuhause vermissen werde, die ich nicht grade selber geerntet essen kann. Ich hab auch ein Chamäleon entdeckt und sie ein kleines Fotoshooting unterzogen, wovon sie am Ende eilig weggerannt ist. Ich habe nämlich auch unterscheiden gelernt zwischen männlichen und weiblichen Chamäleons. 

Auch wenn ich durch das Kranksein und den Skorpionstich und Einblicke in nicht so schöne Dinge der Kultur, die negativen Seiten kennengelernt habe, merke ich wie ich all die neuen Dinge aufsauge wie ein Schwamm. Ich lerne immer fleißig Swahili und bin momentan dabei die Grammatik verstehen zu wollen. Der Aufenthalt ist interessant, lehrreich und ich habe wirklich viele schöne Momente, mit der Familie, im Dorf, auf Reisen und auch an der Schule. Grade die Familie und die beiden Töchter sind mir wirklich ans Herz gewachsen und es wird bestimmt nicht das letzte mal sein, dass ich hier sein werde. Ich wurde schon von G gefragt, wann ich denn das nächste mal komme, ob das nächstes Jahr im Sommer ist (hier ist der Sommer, wenn wir Winter haben, sie hat also gefragt, ob ich in einem halben Jahr wieder hier bin) und auch Getrude hat mich im Dezember zu der Hochzeit von Mr. Moshas Bruder eingeladen, wo sie und die anderen mich wirklich gerne mit dabei hätten. G hat außerdem ein kleines Schild gebastelt und neben die Tür des Gästezimmers geklebt auf dem steht "ANABEL ROOM / Geraldine Mosha 2018". Ich habe hier also ein zweites Zuhause, worüber ich mich sehr freue.

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